Sehr geehrte Privatanleger,
im Januar 2013 verkündete die Bundesbank, dass sie 674 Tonnen Gold von
der amerikanischen Fed zurückholen werde. Ein Jahr später musste man in
einer Pressenotiz kleinlaut beigeben: von den 84 Tonnen die man bereits
zurückgeholt haben wollte, hatte man bislang nur 37 bekommen. Und nur
fünf Tonnen stammten aus Beständen des Federal Reserve.
Tyler Durden arbeitet den Fall auf der unkonventionellen, aber
angesehenen Website zerohedge.com heraus. Zunächst gab es ziemlich
fadenscheinige Gründe, warum die Goldtransporte so langsam erfolgen.
Einmal war es laut Bundesbank einfacher, die Goldbestände aus Paris zu
transportieren. Zum anderen hätten diese Goldbestände schon die
erforderliche Standardform, während die U.S.-Barren noch hätten
umgeschmolzen werden müssen.
Dann gab die Bundesbank auf. Nun kamen
die wahren Gründe ans Tageslicht. Norbert Barthle, der
haushaltspolitische Sprecher der Union im Bundestag sagte, dass man das
Gold in Amerika lasse. Es gebe absolut keinen Grund, Amerika zu
misstrauen.
Keinen Grund, Amerika zu misstrauen? Irak? Lybien? Ukraine? NSA?
Amerika ist eine Großmacht und handelt wie eine, ganz im Sinne des
ersten modernen Geschichtsschreibers Thukydides, der den
Peloponnesischen Krieg und das Verhalten der Athener mit einfachen
klaren Worten beschrieb: „Die Starken machen, was sie wollen und die
Schwachen erleiden, was sie müssen.“
Es geht hier doch gar nicht um Vertrauen, sondern um nationale
Handlungsspielräume im Sinne Deutschlands und Europas! Das Gold ist nur
eine von vielen Maßnahmen, mit denen Deutschland und Europa abhängig und
gefügig gemacht werden.
Und Deutschland ist ja nicht das einzige Land. Auch die Schweiz war
eine Gefahr für die amerikanische Weltherrschaft. Die Schweizer Banken
wurden in den letzten Jahren faktisch „angeschlossen“ und zu
Erfüllungsgehilfen des amerikanischen Fed degradiert. Das ging sehr
schnell: es wurden einfach einige schweizerische Bankenvorstände in den
USA verhaftet, mit der Begründung, dass sie amerikanisches Recht
gebrochen hätten.
Danach kapitulierte die Schweiz und das
Bankgeheimnis – eines der wichtigsten bürgerlichen Freiheiten –
existiert auch dort nicht mehr.
Die Schweiz hält demnächst ein Goldreferendum. Die Notenbank soll in
Zukunft 20 Prozent ihrer Bilanz in Gold halten und kein Gold mehr
verkaufen dürfen. Ich halte die Forderungen für überzogen und falsch.
Aber es wäre sicherlich sehr schwierig für das amerikanische
Herrschaftssystem. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das Referendum
Erfolg hat. Aber wenn es Erfolg hätte, bin ich mir ziemlich sicher, dass
auch die Schweiz ihr Gold nicht zurückbekommt.
Europa wird in die absolute politische Abhängigkeit getrieben. Man kann
auch sagen, dass es unterworfen wird. Die neuen
Informationstechnologien machen Kontrolle und Herrschaft in einem Ausmaß
denkbar, das vor 20 Jahren noch keiner zu erträumen wagte.
Und da soll Gold eine schlechte Kapitalanlage sein? Ich bleibe dabei:
wenn Sie Ihre Versicherung in Form von Gold erhöhen wollen, ist dies
kein schlechter Zeitpunkt.
Auf gute Investments,
Ihr
Prof. Dr. Max Otte
Mittlerweile haben die Schweizer unter anderem über die Frage abgestimmt, alle
Goldreserven des Landes in die Schweiz zurück zu holen. Zwar konnte für
die Goldinitiative der Schweizerischen Volkspartei keine Mehrheit
gewonnen werden. Doch insbesondere die Frage, sämtliche Goldbestände
künftig in der Schweiz zu lagern, sorgte für Aufsehen.
Weiterführende Informationen:
Bundesbank-Gold bleibt in den USA
"Politischer Druck und völlige Unterwürfigkeit der Bundesregierung sind das Problem"
01.12.2014, 11:42 http://www.wallstreet-online.de/nachricht/7211963-bundesbank-gold-bleibt-usa-politischer-druck-voellige-unterwuerfigkeit-bundesregierung-problem
Ergänzung 10.02.2017
Die Bundesbank hat am 9. Februar
mit großer Fanfare verkündet,
dass sie ihre geplanten Goldverlagerungen von 300 Tonnen aus New York
nach Frankfurt 2016 bereits abgeschlossen hat. Die Erfolgsmeldung lenkt
davon ab, dass nun entgegen deutschem Interesse dauerhaft ein sehr
großer Teil des deutschen Goldes in New York bleiben wird, verwahrt von
einer Organisation, die den Wall-Street-Banken gehört, in einem Land,
dessen Präsident rechtsstaatliche Grundsätze für eine Zumutung hält.
Weshalb das so ist, ist nicht allzu schwer zu erraten.
Ich will die Bundesbank nicht kritisieren. Sie hat so viel Gold aus
New York geholt, wie man dort bereit war, ihr zu geben. Sie dürfte hart
verhandelt und dafür sogar tief in die Trickkiste gegriffen haben.
Jedenfalls hat der 2012 an die Öffentlichkeit gelangte kritischen
Rechnungshofbericht, der sie unter Zugzwang setzte, ihrer
Verhandlungsposition gegenüber New York alles andere als geschadet. Denn
die Federal Reserve of New York wurde auch im eigenen Land bereits
verdächtigt, dass mit dem Gold etwas nicht stimmen könnte, das sie nicht
nur gegen Kriminelle, sondern auch gegenüber den Besitzern hermetisch
abschirmt. Der Verdacht schwirrte durch die notorisch viel gelesenen
Medien der Gold-Bugs, dass sie deshalb nicht bereit sei, den Eigentümern
etwas davon herauszugeben. In dieser Situation konnte sie ohne massiven
Reputationsverlust der unter Druck der Öffentlichkeit stehenden
Bundesbank unmöglich eine Teilherausgabe des deutschen Goldes
verweigern.
Die Informationen darüber, wann die Bundesbank und andere Notenbanken
wie viel Gold aus New York ausgehändigt bekamen, und die diversen
Widersprüche, in die sich die Bundesbank verstrickte, sind alle kaum mit
der offiziellen Lesart in Einklang zu bringen, dass die Bundesbank
einfach sagen durfte, wie viel Gold sie haben wollte, und die New York
Fed dieses bereitwillig aushändigte. Sie passen dagegen sehr gut zu
folgender Lesart.
Die Niederländer funken dazwischen
Im Sommer 2013 fing die Bundesbank mit einem ersten Transport von 5
Tonnen an. Dann kamen die Niederländer und mindestens ein anderer und
erklärten, wenn die Deutschen Gold abziehen dürfen, wollen wir unseres
auch ausgehändigt bekommen. Daraufhin stoppten die Amerikaner die
Aktion, bis eine Formel gefunden war, die es erlaubte, die Abzüge eng zu
begrenzen, ohne jemanden etwas verwehren zu müssen, was man anderen
gestattete. Diese Formel scheint etwas nach der Art gewesen zu sein wie:
Jeder der will, darf die Hälfte seines Goldes im Heimatland verwahren
und wir geben so viel raus wie dafür unbedingt nötig ist.
Als das geklärt war, waren zuerst die Niederländer dran, und erst als
diese im Sommer 2014 die 90 Tonnen abgezogen hatten, die sie abziehen
durften, konnte die Bundesbank wieder loslegen und kam im Rest des
Jahres 2014 immerhin auf 85 Tonnen. Im Jahr 2015 gab es neben der
Bundesbank noch einen unbekannten Eigentümer, der knapp 30 Tonnen abzog.
Die Bundesbank bekam 99 Tonnen.
2016 schließlich gab es außer der Bundesbank niemand mehr, der Gold
abzog, was wohl erklärt, warum die Amerikaner in diesem Jahr
freigiebiger waren als die Bundesbank eigentlich erwartet hatte. Sie
händigten ihr die ganzen noch zugeteilten 111 Tonnen aus. Während sich
die Bundesbank nach ihrem revidierten zweiten Lagerstellenkonzept bis
2020 Zeit lassen wollte, bis die Hälfte des Goldes in Frankfurt ist,
wird sie nun den aktuellen Verlautbarungen zufolge schon 2017 so weit
sein.
Man kann nicht genug betonen: Die Zusage der
Bundesbank an die Deutschen, 300 Tonnen Gold aus New York zu holen, ist
vor allem als Zusage an die Amerikaner zu lesen, nicht mehr als 300
Tonnen aus New York zu holen.
Denn dafür, 1236 Tonnen Gold in New York zu lagern, verwahrt von
einer Organisation, die den Wall-Street-Banken gehört, in einem Land,
dessen Präsident rechtsstaatliche Grundsätze für eine Zumutung hält,
gibt es aus deutscher Sicht keinen vernünftigen Grund.
Bedenken des Rechnungshofs weitgehend ignoriert
Den massiven Bedenken des Rechnungshofs an der Goldlagerung in New
York wird durch die bescheidenen Goldverlagerungen nach Frankfurt nicht
ernsthaft Rechnung getragen. Nach wie vor gilt, obwohl die Bundesank
zwischenzeitlich anderes behauptete, dass sie keinen Zugang zu dem
eigenen Gold in New York hat, und nicht prüfen kann, ob dort alles mit
rechten Dingen zugeht.
Grund zum Zweifeln hat die Bundesbank durchaus geliefert. So schmolz
sie 2013 und 2014 insgesamt 55 Tonnen des Goldes ein, und vernichtete
damit alle Beweise, falls etwas damit nicht gestimmt haben sollte. Sie
sagte, es gebe externe Zeugen, aber sie benennt diese nicht. Wir sollen
ihr einfach glauben, dass alles in Ordnung war. Dabei könnte die
Bundesbank, wenn das nicht stimmen würde, dies unmöglich zugeben. Das
würde das Vertrauen in die New York Fed und letztlich in das
dollarbasierte Weltfinanzsystem zerstören. Bevor die Bundesbank diese
atomare Option zündet, wird sie zehnmal lügen, wenn es sein muss.
Umgekehrt wäre es ihr ein leichtes gewesen, zu beweisen, dass alles in
Ordnung war.
Die großen New Yorker Bestände rechtfertigt die Bundesbank
(notgedrungen) damit, dass bei der dortigen Federal Reserve, viele
Länder und Institutionen Goldlagerräume hätten. Man kann dort also Gold
an offizielle Adressen übertragen, ohne dass es die Tresorräume
verlassen muss. Aber, bei der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich
in Bern, wo die Österreicher einen Teil ihres Goldes lagern, kann man
ähnlich wie bei der Fed in New York Gold zwischen offiziellen Adressen
verschieben, ohne es aus dem Tresor holen zu müssen. Die Schweiz ist ein
Nachbar und ein kleines, neutrales Land. Anders als die USA hat es
nicht die Macht, die Herausgabe des Goldes zu verweigern. Dennoch
verzichtet die Bundesbank darauf, bei der BIZ Gold zu lagern.
Wichtiger aber: Gold ist Geld, dessen hervorstechende Eigenschaft
darin besteht, dass es auf (physischen) Besitz basiert, nicht auf dem
Vertrauen in die Bereitschaft und Fähigkeit eines anderen, seine
Verpflichtungen zu erfüllen. Andersfalls hat man nur einen Zettel, auf
dem steht, dass man das Gold haben kann, wenn man will. Die USA sind
viel zu mächtig, als dass man sich auf so ein Versprechen verlassen
sollte. Sie haben die übrige westliche Welt schon einmal 1971 enteignet,
indem sie ihr Versprechen brachen, die bunten Dollarscheine, die sie
uns für unsere Waren gegeben hatten, jederzeit auf Verlangen in Gold
einzutauschen. Sie haben uns also schon einmal in großem Umfang das uns
versprochene Gold verweigert. Wir sind trotzdem Freunde geblieben, weil
wir nicht anders konnten.
Der Rechnungshof hatte es als rechtswidrig bezeichnet, dass die
Bundesbank noch nie eine Inventur ihres Goldes in New York vorgenommen
hat, und zwar, weil sie die Lagerräume nicht betreten darf, wie der
Rechnungshof feststellte. Der Bundesbank-Vorstand hat bei der
Vorstellung seiner Verlagerungspläne der Öffentlichkeit und dem
Parlament in Aussicht gestellt, von den Amerikaner schon bald Prüfrechte
eingeräumt zu bekommen. Davon hat sich aber nichts bewahrheitet. Der
Rechnungshof hatte auch moniert, dass die New York Fed keinerlei Haftung
für das Gold in ihrer Obhut übernimmt. Sollte sich irgendwann
herausstellen, dass es ganz oder teilweise fehlt, haben wir Pech gehabt.
Auch daran hat sich ziemlich sicher nichts geändert. Trotzdem schweigt
der Rechnungshof; ein Indiz dafür, das der Bericht von 2012 nur der
Unterstützung der Verhandlungen mit New York diente.
Vitales Interesse der USA an unserem Gold
Für die USA ist durchaus wichtig, die Kontrolle über möglichst viel
des weltweit vorhandenen Notenbankgoldes zu behalten. Denn eine
goldgedeckte Währung wäre eine große Bedrohung für die Führungsrolle des
Dollar im Weltfinanzsystems. Deshalb hat der Internationale
Währungsfonds seinen Mitgliedern 1978 auf Betreiben der USA ausdrücklich
verboten, ihre Währungen mit Gold zu decken. So eine Verpflichtung
lässt sich allerdings relativ leicht abschütteln, weil der IWF keine
Armee hat. Tut man es allerdings, bricht man internationale Abkommen und
hat damit den USA den perfekten Vorwand gegeben, die Herausgabe des
Goldes zu verweigern, das für die Golddeckung nötig wäre. Darum geht es,
nicht um den Marktwert des Goldes in New York, der im Verlustfall
durchaus verschmerzbar wäre. [9.2.17]
Dossier zum Gold
http://norberthaering.de/de/27-german/news/781-bundesbankgold-2017