Donnerstag, 8. März 2012

Freimaurerei ...»Hear, see and silence«

Dr. Martin Hohl - Wirz
Die Freimaurerei  und der Absolutheitsanspruch des Herrn Jesus Christus
(Biographische Angaben finden sich am Ende dieses Artikels)


Die Literatur zum Thema Freimaurerei ist außerordentlich umfangreich. Die 1911 vom deutschen Gelehrten August Wolfstieg begründete »Bibliographie der freimaurerischen Literatur« umfasst heute über 50'000 Titel. Nach Zendralli wird die gesamte Literatur zum Thema Freimaurerei von Fachleuten auf rund 100'000 Bücher und Schriften Titel geschätzt. Ein Teil dieser Literatur ist im Verzeichnis der Deutschen Freimaurer Bibliothek, die dem Deutschen Freimaurer Museum in Bayreuth angeschlossen ist, enthalten (Schneider, 1977).


Trotz dieser Literaturflut ignoriert nach Mellor (Alec Mellor, Logen, Rituale, Hochgrade. Handbuch der Freimaurerei, 1985) »die grosse Mehrheit des Publikums die Freimaurerei«, und von den Historikern werde sie kaum und erst spät zur Kenntnis genommen. »Sie ist ein Tabu, über das man gleichsam verabredungsgemäß nicht spricht« (S.33) »Seit etwa 10 Jahren erst ist die Freimaurerei zum Gegenstand intensiverer wissenschaftlicher Forschung geworden.« (Ulrich Im Hof, Zur Geschichte der Freimaurer im 18. Und 19. Jahrhunderts – aus der Sicht eines Historikers, Basel, 1984). Schenkel schreibt: »Die Lehrbücher der Kirchengeschichte enthalten zwar kurze Hinweise auf die Freimaurerei, behandeln sie aber nebensächlicher als irgendwelche belanglosen Erscheinungen auf kirchlichem Gebiet und verraten in nichts ein Bewusstsein um die teilweise geradezu entscheidende Bedeutung der Freimaurerei in der Kulturpolitik einiger europäischer Staaten.« Diese Aussage gilt m.E. auch heute noch.


Warum diese Unwissenheit, Ignoranz, Vorsicht? Der Grund dafür liegt sicher nicht zuletzt in der Freimaurerei selbst, für die Öffentlichkeitsarbeit nicht wesensgemäß ist. Die Freimaurerei versteht sich zwar heute nicht mehr als eine Geheimgesellschaft, immer noch aber als eine geschlossene Gesellschaft: »not secret but privat«.


Bis vor kurzem waren zuverlässige, autorisierte Informationen nur schwer zugänglich. Zudem war die Freimaurerei seit ihrer Gründung im Jahre 1717 heftig umstritten und von den vielfältigsten Gerüchten begleitet. Je nach Standort und Interessenlage waren die Aussagen unterschiedlich und widersprüchlich. Dazu kommt, »dass es nicht einmal im Innersten des Ordens Übereinstimmung über das Wesen und über die wesentlichen Ziele der Freimaurerei gibt.« (Mellor) Die Freimaurerei ist nicht nur umstritten, sondern auch zerstritten. Es gibt verschiedene Spielarten und Abarten, die sich zum Teil die Anerkennung versagen. In dieser Situation ist es schwierig und für Außenstehende fast unmöglich, sich ein objektives Bild zu machen.


Kann es aber ein solch 'objektives' Bild überhaupt geben? Ein Freimaurer wird diese Frage möglicherweise verneinen. Jeder erlebt Freimaurerei anders. Wahrheit ist relativ, subjektiv. Das Wesentliche der Freimaurerei lässt sich zudem nach freimaurerischer Auffassung nicht durch Worte und Bücher mitteilen. »Der Geist des freimaurerischen Rituals... beruht auf dem Glauben, dass es gewisse Wahrheiten gebe, die zu tief sind, als dass Worte oder Begriffe sie ausdrücken könnten. Allein Symbole können eine stumme Andeutung davon geben.« (Alec Mellor, Logen, Rituale, Hochgrade. Handbuch der Freimaurerei, S. 304)


ies ist meines Erachtens der Kern und der gemeinsame Nenner aller Freimaurerei, dass sie dem Wort im weitesten Sinn, d. h. auch der Sprache, als gestaltende, ordnende, verbindende und rettende Kraft misstraut und an seine Stelle das Symbol setzt.


Dieser Sachverhalt war mir mit seinen weitreichenden Konsequenzen nicht bewusst, als ich am 5. Juni 1988 in die »Freimaurerloge Libertas et Fraternitas im Orient von Zürich« aufgenommen wurde. Ich erwartete eine offene, faire und anregende geistige Auseinandersetzung, ohne die ich buchstäblich nicht atmen kann. In der Loge hingegen wird jede politische, theologische oder andere 'hitzige' Diskussion bewusst und konsequent vermieden. Auch mir sind leere Wortgefechte, bloße Wortklaubereien und gewalttätige geistige Auseinandersetzungen zuwider, und ebenso lehne ich jedes Missionieren mit Schwert, Zwang und Aufdringlichkeit ab. Doch sollen und können wir an die Stelle der blutigen Religions- und Konfessionskriege das Schweigen setzen? »Hear, see and silence«, so lautet die Devise der englischen Freimaurer.


In dieser Arbeit gehe ich von einer Auffassung aus, die der freimaurerischen diametral entgegengesetzt ist: Die Sprache ist die wichtigste Kommunikationsform. Sie konstituiert alles Sein, alles Leben. Gerade die wichtigsten Wahrheiten können nur durch die Sprache vermittelt werden, und wirkliche, dauerhafte Gemeinschaft entsteht nur durch das Wort. Es geht mir im folgenden nicht darum, die freimaurerische Auffassung zu widerlegen und zu bekämpfen, vielmehr geht es darum, die beiden Auffassungen einander gegenüber zu stellen und einer möglichst unvoreingenommenen Beurteilung und einer möglichst freien persönlichen Entscheidung zugänglich zu machen.


Welche Sprache sollen wir nun aber sprechen, um nicht in einer dauernden Sprachverwirrung zu leben? Ich gehe im folgenden von der Annahme aus, dass Jesus Christus die höchste, die absolute Autorität in Sachen verbaler Kommunikation ist. Er ist uns bezeugt als das 'fleischgewordene Wort'. Er ist mit seinem Leben dafür eingestanden, dass Gottes Wort gilt; Er hat uns den Zugang zu demjenigen Gott wieder ermöglicht, der kommuniziert, der mit uns spricht und sich uns gegenüber ausdrücklich verpflichtet; Er hat uns das Vertrauen auf das Wort, den Sinn für die Bedeutung der gegenseitigen Verständigung und damit die Sprache wiedergegeben. Mit anderen Worten: Ich nehme im folgenden an, dass der Absolutheitsanspruch des in der Bibel bezeugten Jesus Christus gerechtfertigt ist, und ich werde versuchen, die Freimaurerei im Lichte dieses Jesus Christus zu beleuchten. Er ist derjenige, der auferstanden ist, der also lebt, und dem alle Gewalt im Himmel und auf Erden übertragen ist. Ich nehme diese Herrschaftssituation als durchaus wirklich an, auch wenn ich den obersten Machthaber nicht sehe, nicht immer spüre und von dieser ganzen Wirklichkeit und Wahrheit nur aufgrund des uns überlieferten Evangeliums etwas weiß. Die Annahme dieser Realität bedeutete eine Umkehr, die es mir ermöglichte, wieder aus der Freimaurerloge auszutreten. Das geschah am 28. September 1988.


Die Freimaurer wenden sich - mit Erfolg, wie wir sehen werden - gegen alle Absolutheitsansprüche einzelner Religionen, Konfessionen, Parteien, Rassen, Klassen, Institutionen, Nationen usw. und wollen alle Gegensätze miteinander versöhnen. Ist der Absolutheitsanspruch Christi gerechtfertigt, so hat dieser Kampf der Freimaurer auch aus unserer Sicht eine gewisse Berechtigung: Wir finden ja unser Heil nicht in einer bestimmten Institution, Partei, Klasse, Nation usw., sondern wirklich nur und ausschließlich in der Person Christi. Darum soll mit dieser Arbeit keinesfalls irgend eine absolutistische, totalitäre, rassistische, religiöse, konfessionelle oder andere Partei unterstützt werden, welche die Freimaurerei bekämpft. Mit diesen Auseinandersetzungen zwischen 'Anti Absolutisten' einerseits und den Verfechtern unserer Sicht andererseits, die zum Teil 'falschen' Absolutheitsansprüchen mit äußerster Verbitterung und Gehässigkeit geführt werden, wollen wir nichts zu tun haben. Die entsprechende Literatur bleibt in dieser Arbeit unberücksichtigt. Ebenso wenig will ich mich auf die unzähligen Gerüchte um die Freimaurerei und auf die ganze Gerüchteliteratur einlassen. Es kommt auf möglichst zuverlässige Informationen an. Es sollen bei der Darstellung der Freimaurerei möglichst Freimaurer selbst sowie Wissenschaftler zu Wort kommen, denen ein Einblick gewährt wurde. Bei der Beurteilung sollen sich die gemachten Aussagen niemals gegen die Freimaurer als menschliche Personen richten, sondern allenfalls gegen den Geist, der hinter der Freimaurerei steckt.


In den letzten Jahren sind einige größere Werke von Freimaurern und von Wissenschaftlern erschienen, die einen vertieften Einblick in die Freimaurerei und ihre 'Geheimnisse' ermöglichen. (Binder, 1988, Mellor,1985, Oslo, 1988, Valmy, 1988). Zudem wurden im Fernsehen Dokumentarfilme gezeigt (z.B. ORF 1990), und die Zeitschrift GEO veröffentlichte eine Bildreportage (Nr. 2/1988) mit Aufnahmen von wichtigen 'Tempelarbeiten'. Diese letztgenannten Resultate freimaurerischer Öffentlichkeitsarbeit stießen allerdings bei Freimaurern auf äußerst harte Kritik (Alpina Nr. 8 9 1988, S. 205: 'weitreichendster und unverantwortlichster Verstoß gegen die Arkan Disziplin'). Nicht zuletzt dank dieser Veröffentlichungen können wir die Freimaurerei selbst beim Wort (und Bild) nehmen und müssen nur noch in Ausnahmefällen auf sogenannte 'Verräterliteratur' zurückgreifen.


Es geht mir in dieser Arbeit darum, einen Überblick mit möglichst allen wichtigen Aspekten zu vermitteln, um das Phänomen der Freimaurerei in seiner ganzen Gestalt sichtbar werden zu lassen. Einzelne Aspekte könnten vertieft werden. Am Schluss der Darstellungen sollen, wo sinnvoll und möglich, die einzelnen Aspekte mit der Sicht der Bibel gemäß unserem Verständnis verglichen werden. Eine Beurteilung der Freimaurerei erfolgt in Kapitel 7.


1. Geistige Wurzeln
Die Freimaurerei im heutigen Sinn besteht seit 1717. Über die Entstehungsgeschichte besteht kein sicheres Wissen. Es gibt aber verschiedene Entstehungstheorien. (Dazu Dieter A. Binder, Die diskrete Gesellschaft. Geschichte und Symbolik der Freimaurer, Wien, 1988). Auf die verschiedenen Entstehungstheorien soll im folgenden nicht eingegangen werden. Uns interessieren aber die verschiedenen geistigen Wurzeln, von denen sich die Freimaurerei herleitet. (C. Zendralli, Freimaurerei heute, S.4) nennt die folgenden Ansatzpunkte: die Bauhüttenüberlieferung, die frühchristlichen Gesellschaften, das Rosenkreuzertum, die jüdische Kabbala-Tradition, die Tempelritterlegende und die Mysterienbünde. Unter Berücksichtigung des Werkes von Allan Oslo (Freimaurer. Humanisten? Häretiker? Hochverräter? Umschau-Verlag, Frankfurt/Main ,1988), der die geistigen Wurzeln der Freimaurerei ausführlich untersucht, teile ich diese in die folgenden Hauptstränge ein, die sich allerdings teilweise überlappen und durchdringen:


1. Die Bauhüttentradition
2. Verehrung menschlichen Schaffens aller Zeiten und Völker
3. Mönchtum und Ritterorden
4. Geheimgesellschaften und Mysterienbünde
5. Jüdische und christliche Tradition
6. Humanismus, Aufklärung, Liberalismus
7. Reformation und Protestantismus


1.1. Die Bauhüttentradition


»FREIMAUREREI, MAUREREI, MASONEY, MASONNERIE, KÖNIGLICHE KUNST, weltbürgerliche Bewegung mit dem humanitären Ideal des vollkommenen Menschentums. Der Name rührt her von den freien (im Gegensatz zu den zunftgebundenen) Steinmetzen an den mittelalterlichen Bauhütten.» (Neuer Brockhaus, 5. Aufl. 1974, Bd. 2, S. 259, zit. in Oslo 1988, S.12)


Eine andere Auffassung über die Entstehung des Namens 'Freimaurer', die ebenfalls mit den Bauhütten zu tun hat, vertritt G. A. Schiffmann (Das Verhältnis der FM zum Christentum und zur Kirche, Stettin, 1857-1883, 28f.): »Der Name Freemasons ist eine Abkürzung der Bezeichnung Free-stone-masons. So wurden die Steinmetzen genannt, weil sie die Steine bearbeiteten, welche an der Außenseite der Mauern freistanden, so dass sie von jedermann gesehen werden konnten. Im Gegensatz dazu hießen diejenigen Bauarbeiter, welche die Steine unbehauen vermauerten, so wie sie aus den Steinbrüchen kommen, rough-stone-masons. Nun kürzte man die Namen so ab, dass man das Wort stone ganz wegließ. Auf diese Weise entstand das Wort Free masons, Freimaurer. Es sind mit dieser Bezeichnung deshalb nicht eigentlich die Arbeiter gemeint, die man jetzt Maurer nennt, sondern die Steinmetzen. Daher auch die Bezeichnung Loge oder Bauhütte. Die eigentlichen Maurer bedurften keiner besonderen Hütten. Sie verrichteten ihre Arbeiten unmittelbar am Gebäude selbst. Die Steinmetzen dagegen mussten die aus den Steinbrüchen herbeigeführten rohen Steine erst kunstgemäß bearbeiten, ehe diese dem Bau eingefügt werden konnten. Sie hatten also einen Arbeitsraum in der Nähe des Baues nötig, wo sie die Steine behauen konnten. Dies waren die Bauhütten.«


In diesen Bauhütten, die im Mittelalter zu den Klöstern gehörten und mit der Zeit verweltlicht wurden, pflegten die klerikalen und die weltlichen Steinmetzen ihre eigene, besondere Tradition. Sie »trachteten danach, ihre Konstruktionsgeheimnisse vor den Augen Uneingeweihter zu verbergen, sie waren einem strengen Zunftsystem unterworfen, gegliedert in Lehrling, Geselle und Meister, mit einer Menge innerer und äußerer Regeln. Auch betrachteten sie ihre Arbeit als eine 'göttliche Kunst'.« (Jürg von Ins, Zur Frage nach den Quellen der freimaurerischen Symbolik, 1974)


Die Steinmetzen waren in der Regel nicht lokal, sondern überregional organisiert und entwickelten bald ein internationales, kosmopolitisches Bewusstsein. Steinbauwerke waren selten, und die Auftraggeber waren vielfach die höchsten kirchlichen und weltlichen Autoritäten. War ein Bauwerk beendet, so musste der Steinmetz oft weiterziehen. Er war nicht in einer lokalen Kirche, Gemeinde oder Zunft zuhause. »Seine Heimat war die Bauhütte am Arbeitsort, die darum von den fürstlichen Protektoren ihre überlokale Organisation und ihre Freiheiten empfing.« (Rudolf Spitzbarth, Die Freimaurerei, ihr Herkommen und Wirken. 1968)


Dank dieser Freiheiten wurden die Bauhütten zu Zufluchtsorten für Verfolgte, Verfemte und Freidenker aller Art. (Spitzbarth) Diese zugelassenen Nicht Steinmetzen wurden 'angenommene' Maurer genannt. Mit der Zeit trat die bauhandwerkliche Tradition in den Hintergrund, und es wurden vermehrt esoterische, philosophische, sittliche und gesellschaftliche Traditionen gepflegt.


1717 gründeten vier Bauhütten in London die erste Grossloge. Dieses Jahr gilt als das Gründungsjahr der Freimaurerei im heutigen Sinn. Die 1717 gegründete Freimaurerei hat mit dem ursprünglichen Bauhandwerk, das als 'operative Maurerei' bezeichnet wird, nichts mehr zu tun. Es geht nicht mehr um den Bau von Steinbauwerken, sondern um den Bau am 'Tempel der Humanität'. Die heutige Freimaurerei wird gegenüber der 'operativen Mauerei' als 'spekulative Maurerei' bezeichnet. (A. Oslo, S. 55).


Von der Bauhüttentradition sind aber verschiedene Elemente übernommen: der Name 'Freimaurer', 'Freimaurerei', die Bezeichnung Loge (lodge) für die Arbeitsstätte, die Einteilung der ersten drei Grade in Lehrling, Geselle und Meister sowie »eine an Steinmetzen und Bauhandwerk anknüpfende Deutung der Stellung des arbeitenden Menschen im christlichen Kosmos und ein daraus abgeleiteter Sittenkodex«. (Spitzbarth) Dazu kommen verschiedene Symbole wie: Winkelmass, Wasserwaage, Zirkel, Senkblei, Maßstab, Reißbrett, Schurz, rauher Stein u.a.m. In der Johannismaurerei (Grade 1 3) sowie in der 'jüdisch architektonischen Etappe' der schottischen Hochgradmaurerei (Grade 1 14) lehnen sich zudem die Arbeiten und die symbolischen Handlungen an die Bauhüttentradition an. Nach Lerich (Konrad Lerich, Der Tempel der Freimaurer. Der 1. Bis 33. Grad. Vom Suchenden zum Wissenden, Bern, 1937) «erreichen Bausymbolik und Bausage der Freimaurerei im 13. Grad ihren esoterischen Höhepunkt«. (S. dazu Kapitel 3)


1.2. Verehrung menschlichen Schaffens aller Zeiten und Völker


1.2. 1. Diesseitigkeit


»Die wahren Taten der Freimäurer sind so groß, so weit aussehend, dass ganze Jahrhunderte vergehen können, ehe man sagen kann: das haben sie getan! Gleichwohl haben sie alles Gute getan, was noch in der Welt ist, merke wohl: in der Welt! Und fahren fort, an all dem Guten zu arbeiten, was noch in der Welt werden wird, merke wohl, in der Welt.« (Aus: G. E. Lessing, Ernst und Falk, Gespräche für Freimäurer.)


Dass die Freimaurerei hauptsächlich diesseitig orientiert ist, geht auch aus den Aussagen vieler anderer FM hervor.


So schreibt zum Beispiel Seydel (Rudolf Seydel, Katholicismus und Freimaurerei, Leipzig, 1862), das höchste Ideal sei die 'Darstellung des Reiches Gottes auf Erden', und auch ImHof meint: «Es geht um das 'Reich Gottes auf Erden'.»


Bei Lagutt (Jan K. Lagutt, Der Grundstein der Freimaurerei, Erkenntnis und Verkennung, Zürich, 1958) lesen wir: »Wollen die Religionen den Menschen vor allem auf das Leben nach dem Tod vorbereiten, so die Maurerei in erster Linie für das Erdenleben... Ist das Streben der Religionen himmelwärts gerichtet, so dasjenige der Maurerei erdenwärts ... Das Wahre, Gute und Schöne ist der Erde und des Menschen wegen zu tun.«


Die Freimaurerei ist nach Valmy (Marcel Valmy, Die Freimaurer. Arbeit am Rauhen Stein. Mit Hammer, Zirkel und Winkelmass. München, 1988) durch die Glaubensform des Deismus beeinflusst, «auch Freidenkertum oder Vernunftreligion genannt, die eine Anleitung zum sittlichen Leben im Diesseits, nicht zum Übergang in die Transzendenz, sein will.»






Bei diesem Diesseits handelt es sich um die ganze dem Menschen zugängliche und wahrnehmbare Welt, um das ganze Universum. Es interessieren nicht nur die Vorgänge auf dieser Erde, sondern auch die 'Gesetzmässigkeiten des Universums'. (Oslo). »Der Ort freimaurerischer Arbeit ist die Loge. Sie hat die Form eines 'länglichen Vierecks' und ist als Sinnbild des Weltalls, als Wohnstätte der ganzen Menschheit gedacht.« (Heinz Günter Deiters, Die Freimaurer. Geheimnis und Enthüllung, München, 1963). Im Tempel ist symbolisch dargestellt, woran sich der diesseitige Mensch orientiert: die Himmelsrichtungen Nord, Süd, Ost und West; Sonne, Mond und Sterne; der andere Mensch. Die Zeitrechnung der alten Maurer begann nach Oslo mit Adam, mit dem Beginn der Welt: Der Anfang der Welt war demnach unweigerlich auch der Beginn der Maurerei. Deshalb datierten sie statt 'im Jahre der Welt' (anno mundi) einfach 'im Jahre der Maurerei' (anno maconii), und beide trugen die Abkürzung AM.»




1.2.2. Taten statt Worte
»Geschrieben steht: 'Im Anfang war das Wort!' Hier stock ich schon! Wer hilft mir weiter fort? Ich kann das Wort so hoch unmöglich schätzen, Ich muss es anders übersetzen, Wenn ich vom Geiste recht erleuchtet bin. ... Mir hilft der Geist! auf einmal seh ich Rat, Und schreibe getrost: Im Anfang war die Tat! (Aus: J.W. von Goethe, Faust, 1225 -1238)


Die Freimaurer bedienten sich nach Schiffmann Symbolen aus dem Bereich des Handwerks, um deutlich zu machen, »dass nicht theoretische Untersuchung, sondern praktische Tätigkeit der eigentliche Zweck des neu gestifteten Bundes war.«


Das Reich Gottes soll durch die menschliche Tat auf Erden verwirklicht werden. »Arbeit ist Gottesdienst, weil in ihr und durch sie die höheren Lebenswerte zur Verwirklichung kommen« (Schenkel, 1926). In den Logen der Freimaurer wird 'gearbeitet' . »Alle Feiern werden 'Arbeit' genannt, und zwar je nach den Graden am rauhen Stein, am kubischen Stein, am Reißbrett.» (S. 66)


Die Freimaurer nehmen an einem 'Kultus der Arbeits- und Berufsethik' teil. (S. 67) »Dem Theologisch- Dogmatischen kommt von Anfang an kein Gewicht zu, sondern alles ist ethisch praktisch gemeint. Es ist aber nicht nur die Tätigkeit als solche, welche gefeiert wird, sondern dass sie mit Weisheit, in Schönheit, durch Kraft geschieht. Der Wert der Arbeit ist unabhängig vom Erfolg« (S. 67). »Die ganze Arbeitssymbolik erhält ihre Krönung in dem Gedanken der Pflicht. 'Tue deine Pflicht!' ist der ernste männliche Klang, der durch das Ritual der Johannis-Maurerei hindurchklingt« (S. 69) Der Arbeitsgedanke findet seine Ergänzung in dem Gedanken der Erholung. Auch sie ist geweiht ... Auf jede Arbeit folgt eine Tafelloge mit rituellen Formen oder wenigstens ein geselliges Beisammensein.« (S. 69) In der Freimaurerei geht es also um eine Betonung der Aktivität gegenüber der Passivität. »Die Erlösung wird nicht im Mystischen gesucht, sondern in der tapferen Bejahung des Schicksals und in der Betätigung des freien Willens (S. 85) Oft wird das Reden, das 'bloße' Aussprechen von Worten nicht als Tat betrachtet und dem 'Tun' gegenübergestellt: »Das Tun ist viel mehr wert als das bloße Diskutieren« (Ernst Moser, Die Freimaurerei und die Satzungen der Vereinten Nationen, in: Alpina Nr. 5/1964).






Wir werden sehen, dass zwischen Freimaurerei und liberalem Protestantismus eine enge geistige Verwandtschaft besteht und dass zwischen beiden enge Beziehungen bestanden haben und bestehen. Vielleicht müsste Max Webers berühmtes Werk ’die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus' ergänzt oder vertieft werden durch eine Untersuchung über die Bedeutung der freimaurerischen Arbeits und Berufsethik für die Wirtschaftswelt der neusten Zeit.




1.2.3. Ein Herz für Kain
Aus der Parteinahme für die Tat und die Tatmenschen ergibt sich auch eine Parteinahme für Kain und seine Nachkommenschaft. Die Hiramslegende, die in der Freimaurerei eine außerordentlich grosse Rolle spielt, »schildert die Kains-Kinder als den vorwärtsstürmenden, erfindungsreichen, schöpferischen Menschentypus, während Abel jenen Typus darstellt, der sich mit dem natürlich Gewordenen, dem 'Gott-Gegebenen' zufrieden gibt (Lagutt). Hiram Abif, der legendäre Architekt und Baumeister des Salomonischen Tempels, wird als Nachkomme Kains betrachtet. »Der Tradition nach gilt Hiram als Kainit.« (Ebd. S. 45) »Hiram errichtete den wunderbaren Tempel Salomonis, er schuf den herrlich goldenen Königsthron und führte viele prachtvolle Werke und Bauten auf.» (S. 52) Aus der Sicht dieser Legende erscheint es ungerecht und willkürlich zu sein, dass der Gott der Bibel das Opfer Abels annahm und ausgerechnet dasjenige des Kain ablehnte. »Und Kain erschlug Abel. Doch nun verfolgte Adonai die Söhne Kains und machte sie den Kindern Abels untertan. Das Geschlecht Kains aber war schöpferisch und erfand die Wissenschaften und Künste.» (S. 51 ff.)


«Enoch, ein Sohn Kains, lehrte die Menschen die Kunst, Steine zu behauen, Häuser zu bauen und in Gemeinschaften zu leben. Enochs Sohn Irad und sein Enkel Mehujahel errichteten Dämme und machten Zedernstämme zu Balken, Methusael, ein anderer Sprosse Kains, ersann die heiligen Buchstaben, die Tau Bücher und das sinnbildliche T (Tau), an dem die vom Feuer stammenden Arbeiter sich erkannten. Lamech, dessen Weissagungen den Profanen verschlossen sind, hatte vier Kinder: Jabal, der als erster Felle zu gerben verstand, Jubal, den Erfinder der Harfe, Naamah, die Mutter der Spinnerei und Weberei, und Tubalkain, der den ersten Schmelzofen baute. Tubalkain trieb auch tiefe Schächte in die Berge, um sein Geschlecht vor der kommenden Flut zu schützen. Allein nur er und sein Sohn entgingen den Wassern.« (S. 51f.) Nach der Hiramslegende soll Hiram, nachdem er von drei seiner Gesellen erschlagen worden war, von Tubalkain »in den Mittelpunkt der Erde, in die Seele der Welt, ins Reich des großen Kain« (S. 54) geführt worden sein. Dort »sah Hiram seinen Urvater Kain... Und Kain erzählte seine Leiden, die Jehovas Grausamkeit über ihn verhängte.« S. 55) »Und Tubalkain übergab ihm den Hammer, mit dem er selbst so Großes geschaffen hatte und sprach: 'Diesen Hammer nimm!' Die Feuergeister werden dir helfen, das Werk zu beenden.« (S. 55)


Es ist wohl selbstverständlich, »dass eine Legende nie als Darstellung geschichtlicher Vorgänge betrachtet werden darf» (S. 57), doch sollten diese Ausschnitte, die den meisten Freimaurern möglicherweise unbekannt sind, deutlich machen, für wen hier Partei ergriffen wird: für Kain und seine Nachkommenschaft. »Gewisse Namen aus dem Geschlechte der Kains Söhne sind zu Passworten geworden.« (S. 45) Die einzelnen Passworte sind im Werk von Binder, (164, 167, 203) enthalten. So lautet das Passwort der Lehrlinge und der Meister: 'Tubalkain'. Wiederum ist wohl den meisten Freimaurern nicht bewusst, was das für ein Wort ist, und was es bedeutet Worte sind ja scheinbar nicht so wichtig.




1.2.4. Grosse Leistungen, Werke, Persönlichkeiten


Die Verehrung menschlicher Leistungen, Werke und Persönlichkeiten in der Freimaurerei geht nun über Kain und sein Geschlecht weit hinaus und umfasst die gesamte Menschheit, alle Völker und Zeiten. Dabei «ist das Bauen, der Bau der sichtbare Ausdruck schöpferischen Tuns schlechthin». (Lagutt, S.106) Solch schöpferisches Tun findet natürlich nicht nur im Baugewerbe statt, sondern in allen Lebensbereichen des Menschen: Wirtschaft, Wissenschaft, Technik, Kunst, Literatur. Überall braucht es Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten, die erworben, entwickelt und weitergegeben werden müssen. Die menschliche Geschichte erscheint als eine Geschichte des seine Leistungen und Werke und damit auch sich selbst stets weiter und (evolutiv) höher entwickelnden Menschen. »Es ist nur ein Bau, der fortgeführt werden soll, der simpelste, der größte; er erstreckt sich über alle Jahrhunderte und Nationen. Wie physisch, so ist auch moralisch und politisch die Menschheit in ewigem Fortgang und Streben.« (J.G.v. Herder zitiert in J. N. J. Schmidt, Wurzeln der Freimaurerischen Gemeinschaft, Zürich, 1961) Für Herder ist die Freimaurerei ein 'Areopag des Verdienstes, der Sitten und der Talente'. (Imhof, S. 294)


In der seit 1723 geltenden Konstitution der Freimaurerei, die von James Anderson, einem Prediger der Kirche der schottischen Presbyterianer in London, verfasst wurde, ist eine Weltgeschichte menschlichen Schaffens enthalten. Sie wird zwar oft als 'geschichtlich wertlos' betrachtet (Schenkel, 1926, Lagutt, 1958) und selten abgedruckt. Im Anhang des Buches von Oslo (1988, 366ff.) ist dieser 'geschichtliche Teil' allerdings enthalten. Uns scheint dieser Teil der Anderson'schen Verfassung wichtig zu sein, nicht weil darin eine wirkliche Geschichte, sondern eine 'Möchtegern-Geschichte', eine Geisteshaltung, zum Ausdruck kommt. Immerhin besteht «das Gemeinsame der Freimaurer in aller Welt ... darin, dass sie sich an die sogenannten 'Alten Pflichten' von 1723 (Andersonsche Konstitution) halten.« (Von Ins, S.29)


In Andersons 'Geschichte' der menschlichen Künste von Adam bis zur damaligen Zeit erscheinen die erwähnten 'Grossen' der Vergangenheit als 'Großmeister' und 'Großbeamte'. Neben Kain und seiner Nachkommenschaft - Abel wird hier nicht erwähnt - kommen auch die Erbauer des babylonischen Tempels zu Ehren, denn trotz ihrer 'Eitelkeit' werde 'ihre Fertigkeit in der Maurerei ... gerühmt' (zit. in Oslo, S.366). Bewundert wird in diesem Zusammenhang auch die 'Fertigkeit der Maurer', 'ungeachtet der Verwirrung der Sprachen', 'miteinander ohne Sprechen zu verkehren und einander von weitem zu erkennen'. (S. 367) Nach den 'herrschaftlichen Städten' und den anderen 'großartigen Bauwerken' (Pyramiden etc.) Ägyptens wird auch 'Gross-Meister Moses' erwähnt. (S. 367f.)


Gerühmt wird nach dem 'Tempel des Dagon in Gaza der Philister' natürlich besonders der Tempel Salomos und sein Architekt und 'Meister des Baus' Hiram Abif. Schließlich werden in dieser Geschichte menschlichen Schaffens unter anderem erwähnt: der 'Gross-Meister-Maurer' Nebukadnezar, die 'Künste und Wissenschaften mit den bedeutendsten Gelehrten und Handwerkern' in Griechenland und Rom, die Entwicklung der 'königlichen Kunst' im Abendland, besonders in England und in Schottland. (Der Name Jesus Christus fehlt in dieser 'Geschichte der Grossen'.)


1.2.5. Vergleich
Ein kurzer Vergleich zeigt an dieser Stelle bereits deutlich, dass die Weltanschauung der Freimaurerei sich wesentlich von derjenigen unterscheidet, die uns in der Bibel bezeugt ist: Das Reich Jesu ist nicht von dieser Welt. Die diesseitige Welt ist nicht bedeutungslos, hat aber nur eine begrenzte, relative Bedeutung. Selbst das Tausendjährige Reich ist vergänglich. Wichtig und ursprünglich ist eine unsichtbare, dem Menschen unzugängliche Welt, aus der alles Diesseitige, Irdische entstanden ist, und aus der alles seinen Sinn und Wert erhält. Ebenso ist auch in der Freimaurerei die jenseitige Welt nicht bedeutungslos, sie wird nun aber ihrerseits relativiert: Selbstverständlich darf jeder Freimaurer an ein Jenseits glauben, doch dieser Glaube ist subjektiv dem Belieben des einzelnen unterstellt und darf in der Loge keine absolute Geltung beanspruchen. Der Unterschied liegt also in der Priorität, in der Vorrangigkeit: absolutes Jenseits und relatives Diesseits in der Bibel, relatives Jenseits und absolutes Diesseits in der Freimaurerei.


Das Gleiche gilt für die Gegenüberstellung von Taten und Worten. Das Wort hat in der Bibel eine absolute Bedeutung, und was 'geschrieben steht' dient selbst Jesus als höchste Autorität, der sich sein Widersacher beugen muss. »Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen«, spricht Jesus. (Mt. 24,35) Die menschlichen Taten kommen in der Bibel auch vor, haben aber eine untergeordnete Bedeutung. In der Freimaurerei ist auch dieses 'Herrschaftsverhältnis' umgekehrt: Taten haben absolute Bedeutung, Worte relative Bedeutung. Auch Freimaurer sprechen und verwenden Worte. Die höchsten Einsichten sind für sie aber nicht mit Worten kommunizierbar. Wichtiger ist ihnen, dass »sie einander kennen und lieben, sogar ohne das Hilfsmittel der Sprache oder in unterschiedlichen Sprachen«. (Anderson zitiert in Oslo, 1988, S.378)


Die biblische Heilsgeschichte ist mit dem Namen Abel verbunden, Kain hat eine 'undankbare' Nebenrolle. In den freimaurerischen Legenden wird Kain sozusagen rehabilitiert und Abel in den Hintergrund gedrängt. Die Bibel segnet nicht alle menschlichen Leistungen, Werke und Personen. Wichtig, vorrangig ist das Gottvertrauen, die Gottesbeziehung, aufgrund der der Mensch opfert, arbeitet und aufbaut. Für diese Gottesbeziehung trägt auch der Mensch einen Teil der Verantwortung: Er muss zum biblischen Gott und zu seinem Sohn ja sagen. Wer den biblischen Gott verneint, wer undankbar und selbstgerecht Gottes Gaben zu eigenen, menschlichen Leistungen erklärt, dem wird der Segen entzogen.' Die Freimaurerei hingegen will alle Menschen, unabhängig von ihrer Gottesbeziehung 'gerecht' sein lassen. Der Wert des einzelnen hängt von seinem Beitrag für die Menschheit ab. Statt um Gnadenannahme und Gottvertrauen geht es um »eine Schule des Wettlaufs zur Erreichung des schönsten Kranzes der Humanität und Menschenwürde.« (Böni 1944, 290) Das Wichtigste: Die Subjekte und Objekte der freimaurerischen Verehrung sind vergänglich, tot. Bei Jesus Christus hingegen können wir annehmen, dass er ewig lebt.




1.3. Mönchtum und Ritterorden


Die Beziehungen zwischen Mönchtum und Ritterorden einerseits sowie Freimaurerei andererseits sind ausführlich in Oslo (FM 1988) dargestellt. Die Freimaurerei wird selbst vielfach als Orden bezeichnet sowie als geistige Nachfolgerin und Erbin alten Priester und Mönchtums betrachtet. Dabei scheinen mir die folgenden Parallelen am wichtigsten zu sein: die Bewahrung und Pflege von Wissen und Können, das Streben nach persönlicher Vervollkommnung, das Anliegen, Zufluchtsort für Verfolgte und Verfemte zu sein. Eine besondere Rolle spielt in der Freimaurerei der Templerorden. Die Templer gelten als vorbildliche, erste Verfechter des Toleranzgedankens.


1.3.1. Bewahrung und Pflege von Wissen und Können


»Die ausführliche Darstellung der Entwicklung des Klosterwesens und des Templerordens zeigt eindeutig, wo das Wissen gepflegt und gehütet wurde, wo die Beschäftigung mit den Hermetischen und Freien Künsten und der Königlichen Kunst möglich gewesen war. Die Anziehungskraft der Klöster und Ritterorden auf den Adel und den Klerus lag nicht im Gebet, noch im Handwerk, sondern im Wissen begründet. Und um zu diesem Wissen zu gelangen, musste man sich Probezeit und Prüfungen unterziehen. All dem begegnen wir später in der Freimaurerei wieder.» (Oslo, 1988, 51) »Dieses Wissen teilte sich in drei Hauptgruppen:




1. die Hermetischen Künste: die okkulten Weisheiten Gottes aus Religion, Astrologie, Magie, Zaubertrank bzw. Heilkunde, Mystik, Esoterik, Alchimie das Wesen aller Mysterien;


2. die Freien Künste: Schreibkunst, Grammatik, Rhetorik, Dialektik, Verskunst, Geometrie, Arithmetik, Astronomie, Harmonie;


3. die Königliche Kunst: nicht das Handwerk des Bauwesens, vielmehr Planentwurf, Architektur, Statik, Materiallehre, Harmoniegesetze und Bauleitung - kurz: die Baukunst.« (Ebd. S. 99)


Nach Oslo wurde dieses Wissen in der Menschheitsgeschichte früher hauptsächlich von den Priestern bewahrt und gepflegt: «Priester schrieben die Chronik ihrer Zeit, trieben Studien in der Philosophie und Theologie, machten Experimente in der Alchimie und Naturwissenschaft, ergänzten die Kenntnis der Heilkunde und der heilenden Kraft der Kräuter, operierten Kranke und balsamierten Mumien ein, entwickelten das Handwerk, brauten Bier, kelterten Wein und pflegten die Freien Künste einschließlich der Baukunst.« (S. 14)




1.3.2. Streben nach persönlicher Vervollkommnung


In den Klöstern ging es nach Oslo immer auch um die 'innere Vervollkommnung des Mönches'. »Die Meditation in der Einsamkeit der Zelle förderte das Entstehen eines esoterischen Christentums, das sich im Laufe der Jahrhunderte in eigenartigen Aufnahmeritualen manifestierte, die an die Denkformen frühchristlicher Gnostiker erinnern. Eine Symbolik besonderer Art beeinflusste die Gedankenwelt des Ordens. Ziel aller Bestrebungen des Mönches sollte die Erlangung der persönlichen Vervollkommnung sein.« (S. 24) Die Freimaurerei will diese Tradition fortsetzen. Sie bietet sich als ein «Mittel zur 'inneren Ganzwerdung'» an. (Von Ins, S. 29).




1.3.3. Zufluchtorte für Verfolgte und Verfemte


Wie die Bauhütten so waren nach Oslo auch die Klöster früher vielfach Zufluchtsorte für Verfolgte und Verfemte. Also ergibt sich auch aus diesem Gesichtspunkt eine gewisse Verwandtschaft und eine Tradition, die die Freimaurerei weiterzupflegen bemüht ist. (Oslo,1988, 16ff.)


1.3.4. Die Templer als Verfechter des Toleranzgedankens
Die Templer werden von Oslo als Verfechter, wenn nicht gar als Begründer des für die Freimaurerei zentralen Toleranzgedankens angesehen: «Das wirklich neue an diesem Ritterorden war jedoch die Toleranz. Die Ritter waren verschiedener Nationalität und mussten im Heiligen Land zusammenstehen und zusammen kämpfen, was zur Verwischung der nationalen Eigenarten führen musste. Die Kleriker des Ordens studierten den Feind und dessen Kultur und Sprache, fungierten als Dolmetscher bei den zahlreichen Verhandlungen... Von daher rührt der Respekt der Templer gegenüber den Errungenschaften ihrer Feinde.« (Oslo, 1988, S.45)


Oslo sieht eine weitere Gemeinsamkeit zwischen Templern und Freimaurern in der besonderen Initiation sowie in der Verwendung von Symbolen: «Der höchste Rang, der innere Kreis der Templer, war der geistliche Ritter.


Dieser wurde durch besondere Initiation (Einweihung) in den Kreis berufen. Jetzt war er würdig, sich in den Geheimzeichen der Kabbala auszukennen... Die Mitglieder dieses Kreises verständigten sich untereinander in bildhaften Symbolen, durch phonetische Wortspielereien und musikalische Harmonien.« (Ebd. 100)




1.3.5. Die Templer und der 'Rachegrad'


»Die Geschichte der Tempelherren, des Tempelordens (1118 bis 1314) hatte im 18. Jahrhundert auf eine Reihe freimaurerischer Lehrarten starken Einfluss, obwohl auch zwischen Freimaurerei und Templertum kein direkter historischer Zusammenhang nachweisbar ist.» (Lerich, 1937, 41) Gross ist dieser Einfluss hauptsächlich in dem heute am weitesten verbreiteten schottischen Hochgradsystem.« An die Stelle Hiram Abifs, des Erbauers des salomonischen Tempels, dessen Ermordung in der Johannisfreimaurerei als rituelle Legende eine grosse Rolle spielt, tritt in den Areopagen, in den Werkstätten vom 19. bis zum 30. Grad, der letzte Templergroßmeister Jakob de Molay, der auf Befehl König Philipps des Schönen von Frankreich und Papst Clemens' V. am 3. März 1314 am Scheiterhaufen den Tod fand... Die Hinrichtung des Molays findet in der Kulthandlung des 30. Grades, im Initiationsritus, eine realistische Darstellung. Der Lehrgehalt des Ritter Kadosch Grades symbolisiert den Untergang des Templertums durch die geistliche und weltliche Gewalt, an deren Stelle der Sieg der Gewissensfreiheit gesetzt wird.» (Ebd. S. 41) Im 30. Grad, der auch 'Rachegrad' genannt wird (siehe Kapitel 3), rächt sich also die Gewissensfreiheit, der Gedanke der Toleranz gewissermassen symbolisch an den dogmatischen kirchlichen und intoleranten weltlichen Autoritäten. (S. a. Kapitel 3)


Die freimaurerische Jugendorganisation trägt den Namen des letzten Großmeisters der Templer, den wir auch als 'freimaurerischen Märtyrer' bezeichnen können. Der 'De Molay Orden' ist »den Vierzehn bis Einundzwanzigjährigen vorbehalten«. »Die Aufgabe des Ordens ist die Heranbildung einer zukünftigen Elite der Freimaurerei.» (Mellor,1985, 91)


1.3.6. Vergleich


Ein kurzer Vergleich zeigt wiederum wesentliche Unterschiede zur Lehre Christi. Während die Freimaurer jede Art von Wissen bewahren und pflegen wollen, unterscheidet die Bibel zwischen Wissen, das von oben und Wissen, das von unten inspiriert ist. Gerade die Öffnung des Menschen für das 'Wissen von unten' hat zur Trennung von Gott geführt. Die 'hermetischen' Künste sind höchst gefährlich und dem biblischen Gott ein Greuel. In der Heiligung soll ein Christ lernen, sich davon zu distanzieren, bewusst und entschieden 'nein danke' zu diesem Erkenntnisangebot zu sagen. Aus bib¬lischer Sicht kann zudem der Mensch niemals aus eigener Anstrengung Vollkommenheit erreichen. Er ist stets auf die Gnade Gottes angewiesen und erreicht Vollkommenheit niemals allein, sondern erst in der Gemeinschaft Christi und seiner Gemeinde. Christus gleicht unsere Schwächen aus, und unsere relativen Stärken werden erst durch die Kommunikation und Kooperation fruchtbringend. Das Heilswissen Christi wird nicht gehütet und selektiv weitergegeben, sondern soll möglichst in aller Öffentlichkeit aller Welt verkündigt, vervielfältigt werden. Christen sollten sich zudem natürlich der Rache enthalten. Sie steht allein Gott zu.




1.4. Geheimgesellschaften und Mysterienbünde


»Die Freimaurerei versteht sich als geistiges Erbe der antiken Mysterientdünde.» (Valmy, S. 19) «Aus Brauchtum und Werklehren der Freimaurerei geht ... mit sehr grosser Wahrscheinlichkeit hervor, dass diese ihre Hauptimpulse aus den Mysterienschulen vor allem ägyptischer und griechischer Prägung bezog.« (Von Ins, S. 29) »Der Freimaurerbund ist der einzige echte Mysterienbund, der in der Gegenwart noch lebendig ist.« (Schenkel, S. 65) Ebenso äussert sich Spitzbarth und er meint, dass es gerade diese Komponente der Freimaurerei sei, «der wir ihre Anziehungskraft zuschreiben dürfen». Nach Schenkel versucht die Freimaurerei, einen humanistischen Inhalt mit Formen der alten Mysterien zu vermitteln: «Das Eigentümlichste an diesem Bund ist, dass er in seinen Formen ein Mysterienbund ist, seinem Inhalt nach aber ein reiner Humanitätsbund.« (Ebd. S. 63) Welches sind die wesentlichen Merkmale der von den antiken Mysterien übernommenen Formen? »Die Bestandteile dieser Mysterienform sind neben dem Geheimnis des Bundes der Initiationsritus, die Wanderungen, die mit den vier alten Elementen der Erde, des Wassers, des Feuers und der Luft in Berührung bringen und durch Furcht und Hoffnung zum Licht führen, die stufenweise Erleuchtung, die teilweise Entkleidung und kultische Bekleidung, die Reinheit, der Spiegel. die Bruderschaft, das kultische Mahl, Tod und Auferstehung. Ich führe ,iier nur diejenigen Punkte an, die so gut wie in allen Logen der Welt vorhanden sind. Sie könnten ergänzt werden durch weitere zahlreiche Einzelheiten aus verschiedenen Systemen der Vergangenheit und der Gegenwart.« (Ebd. S.71f.) Im folgenden sollen die wichtigsten Bestandteile kurz beleuchtet werden.




1.4.1. Geheimhaltung und Abgeschlossenheit


Wir haben gesehen, dass die Freimaurerei sich heute nicht mehr als eine ,geheime' sondern nur noch als eine 'geschlossene' Gesellschaft versteht. (Valmy) Dennoch spielt die Geheimhaltung eine wichtige Rolle, und Geheimgesellschaften verschiedenster Art haben die Freimaurerei be¬einflusst, am meisten wohl die Rosenkreuzer. Zudem mag der Erfolg der Freimaurerei dazu beigetragen haben, dass gegen Ende des 18. und zu Beginn des 19. Jahrhunderts Geheimgesellschaften in Europa Mode wurden. Im folgenden soll auf den Aspekt der Geheimgesellschaften nicht näher eingegangen werden, denn in ihnen verschwimmen die Grenzen zwischen Ernst und Spiel, zwischen Wirklichkeit und Täuschung, Verkleidung, Schwindel. Im Werk von Kaltenbrunner sind verschiedene Beiträge zur Geschichte der (wirklichen und erdichteten) Geheimgesellschaften enthalten. Es enthält zudem eine »Zusammenstellung einer Bibliographie über Geheimbünde».
»Das charakteristische Kennzeichen des Mysterienkultes ist das Geheimnis, in das derselbe gehüllt ist... Es ist gerade das kultische Element, dem der Charakter des Geheimen eignet.» (Schenkel) «Nicht der Inhalt, sondern die Symbole und rituellen Formen seiner Darstellung sind geheim. Gerade das ist typisch für die Mysterienform.« (Ebd. 74) »Der Verschwiegenheit unterliegen die Erkennungszeichen, das Ritual der einzelnen Grade und bis zu einem gewissen Grad die Namen der Mitglieder.» (Ebd. 73) Die Geheimhaltung gilt nicht nur gegen aussen, sondern auch gegen innen: Die unteren Grade sollen (noch) nicht wissen, was die oberen tun: »Diese Verschwiegenheit wird auch innerhalb des Bundes selbst geübt, insofern es verboten ist, Erkennungszeichen und Ritual höherer Grade den Brüdern niederer Grade mitzuteilen.» (Ebd. 76) »Die Geheimhaltung gibt dem Bunde auch das Gefühl einer viel stärkeren Gemeinschaft und brüderlichen Verbundenheit.« (Ebd. 74) Wir haben gesehen, dass heute viele Informationen über Symbole, Rituale, Erkennungszeichen usw. der Freimaurerei in Wort und Bild öffentlich zugänglich sind. Damit ist aber das 'Geheimnis' nach freimaurerischer Auffassung noch gar nicht gelüftet. Denn es sei gar nicht in Worten mitteilbar, sondern müsse von jedem persönlich erlebt werden. Der Zugang zu diesen freimaurerischen Erlebnissen untersteht nun allerdings strenger menschlicher Kontrolle. Schenkel spricht von einer 'strengen Auswahl der Mitglieder'. «Die Freimaurerei wollte nie Massenbewegung sein.« (Ebd.75) Zudem finden die Veranstaltungen hinter verschlossenen Türen statt, und die Zutrittsberechtigung wird für jeden Grad überwacht. Das wird unter anderem damit begründet, «dass der Kultus, soll er wirklich ein höchstes Mass von Wirkung erzielen, der Abgeschlossenheit bedarf.« (Ebd. 75)




1.4.2. Kultische Handlungen, Riten und Symbole


Die Freimaurerei will die scheinbar allgemein menschliche'Sehnsucht nach einem echten Kult' befriedigen. (Lagutt FM 1958, 132) «Es liegt im Wesen des Kultischen begründet, dass es den Menschen tiefer und stärker erfasst als beispielsweise das belehrende Wort... Der Kultus wendet sich in erster Linie nicht an das intellektuelle Verständnis, sondern an die Gemütskräfte... Es liegt im Wesen des Kultischen, dass es bindet.» (Ebd. 131) »Man darf nicht vergessen, dass in längst abgeklungenen Zeiten Riten und Kulte das Mittel bildeten, die Menschen zu führen.» (Ebd. 132)


Der Zweck von Kulten liegt nach Schenkel in der 'Menschwerdung' und in der 'Gemeinschaft'. Auch er betont besonders das Gemeinschaftsfördernde: «Der Kultus ist von ganz ungeheurer Bedeutung für den Bestand menschlicher Kultur. Er ist das stärkste Gemeinschaftsband, fesselnder und umfassender als das Band gemeinsamen Blutes, gleicher Sprache, gleicher Wirtschaftsinteressen. Kultverbände überdauern nicht nur Jahrhunderte, sondern Jahrtausende.» Schenkel meint, dass es ohne Kult nicht gehe: »Auch der Mensch der Gegenwart braucht einen Kultus.» 'Alles kultische Handeln' ist nach Schenkel 'Erleben und Handeln in Symbolen'. (S. 59) Das Wort wird also durch die Tat einerseits und durch das Erlebnis andererseits relativiert; Erlebnisse, Gefühle sind vorrangig, Worte sind zweitrangig.


Der freimaurerische Kult unterscheidet sich nicht nach der Form, wohl aber nach seinem Inhalt wesentlich von den antiken Mysterienkulten. »Die Mitglieder der antiken Mysterienbünde denken sich die Wirkung ihres Ritus mystisch vermittelt und magisch.« (Ebd. 81) »Die antiken Mysterien wollten Offenbarung, Erlösung und Unsterblichkeit vermitteln. Sie versprachen die Erkenntnis höherer Weiten, wie heute die Theosophie. Dem gegenüber will die Loge bei ihren Mitgliedern ethische Erkenntnis fördern.«, (Ebd. 80) Wir werden sehen, dass sich aber auch manche Freimaurer von ihren Kulten 'höhere Erkenntnis' erhoffen. Der Inhalt des kultischen Handelns sowie des ethischen Strebens der Freimaurer ist wesentlich durch den Humanismus, aber auch durch jüdisch christliche Tradition und Aufklärung geprägt.


Symbolische Handlungen (Riten) und Zeichen (Symbole im engeren Sinn) dienen im freimaurerischen Kultus, wie auch in den Mysterienkulten dazu, die gewünschte Erkenntnis zu vermitteln. »Seit altersher haben sich die Völker... der Rituale und Symbole bedient, um geistige Erkenntnisse erfahrbar zu machen, die durch das blosse Wort nicht vermittelt werden können« (Valmy). Die Quellen der freimaurerischen Symbolik liegen nun nicht nur in der Bauhüttentradition, sondern sie verwenden auch andere, uralte Symbole. Sie beschäftigen sich mit Studien zum Thema Symbolik und betreiben 'vergleichenden Symbolismus' (Mellor Wiss. 1985, 307, siehe auch von Ins, FM 1984, 78ff. 'zur Frage nach den Quellen der freimaurerischen Symbolik'; Endres FM 1977) Kurz zusammengefasst schätzen die Freimaurer die Symbole aus den folgenden Gründen: Symbole dienen der Vermittlung von Erkenntnissen, von 'Realitäten' (Valmy FM 1988, 12, Lagutt FM 1958, 139).


- Symbole sind undogmatisch, antidogmatisch und lassen eine 'freie', individuelle Interpretation zu. (Valmy, S. 15, Schenkel, S.78)


- Symbole sind vielfältig, vielseitig verwendbar und anschaulich. (Zendralli, S.13)


- Symbole sind dauerhaft, unveränderlich, wiederholbar und reproduzierbar. (Imhof)


- Symbole ermöglichen es, die Wirklichkeit so 'ambivalent' darzustellen, wie sie nach freimaurerischer Auffassung ist (Deiters, 140).


- Symbole erlauben es, die gegenseitige Durchdringung und die Ver¬einigung von Gegensätzen aufzuzeigen. (Von Ins FM 1984, 78ff.) Kultus, Riten und Symbole ersetzen also die Sprache, sie schaffen und sind eingefügt in eine 'aussersprachliche Ordnung'. (Ebd. 82) »Schau alle Wirkenskraft und Samen und tu nicht mehr in Worten kramen.» (Goethes Faust, 534)


1.4.3. Stufenweise Einweihung und 'höhere' Erkenntnis


Wie in den alten Mysterienbünden gibt es in der Freimaurerei Initiationsriten. Vor allem die Aufnahme in den Freimaurerbund sowie die 'Erhebung' zum Meister sind nicht nur in ihrer Form, sondern auch im Inhalt mit den alten Mysterien verwandt.


Die entsprechenden Rituale, die in Kapitel 3 kurz beschrieben sind, zeigen »Analogien bis in die Einzelheiten dessen, was uns von den Mysterien bekannt ist.« (Schenkel,1926, 84, s.a. Deiters,1963, 123ff.) In der 'Tempelarbeit' geht es vielen Freimaurern nicht nur um ethische, sondern auch um esotorische Belehrung und Erkenntnis. Esoterik gilt als 'Kunst, die Dinge von innen zu sehen' (Mellor,1985, S.308), und die Erkenntnisse werden nicht einfach von aussen herangetragen, sondern müssen auch selbst 'erarbeitet' werden: »Allo esoterischen Schulen sprechen davon, dass es höhere Bewusstseinsebenen gibt als jene zwei, die wir im gewöhnlichen Sprachgebrauch Schlaf und Wachsein nennen. Die mögliche Bekanntschaft mit höheren Stufen des Bewusstseins ist es, was wir Freimaurer Streben nach Vervollkommnung und Lichtsuche nennen. Licht, Tag, Sonne, Gold usw. sind in der Esoterik Symbole für ein mögliches neues Bewusstsein. Der Dämmerzustand des natürlichen Menschen, das sogenannte Wachsein, wird in der Regel durch den Mond dargestellt. So auch im Freimaurertempel. Was da im Osten über dem Meister vom Stuhl aufleuchtet, das Nachtgestirn des Mondes und die golden strahlende Sonne, sind in Wahrheit eine Offenbarung von erschütternder Grösse. Der Mensch, dargestellt durch den Meister vom Stuhl, kann aus dem Schlaf (Mond) erwachen und sich hinwenden zu neuen Bewußtseinsebenen, die in der Sonne gipfeln. Doch dies muss gehört und wohlverstanden werden: Bewusstsein entsteht nicht automatisch wie eine Pflanze, wenn sie nur genug Licht, Luft, Wasser und Erde hat. Zunehmendes Bewusstsein ist von organisierter, zielgerichteter Arbeit an sich selbst abhängig.« (Hochreutener, 1981, S. 12) Freimaurer übernehmen also von den alten Mysterien auch den Glauben an 'höhere' Erkenntnis, die stufenweise Einweihung sowie einzelne Initiationsriten, fügen dem aber noch den Aspekt der 'Arbeit an sich selbst' hinzu.


1.4.4. Vergleich


Wiederum ergeben sich im Vergleich zur Lehre des biblischen Jesus Christus wesentliche Unterschiede: Seine Wahrheit soll nicht geheim gehalten, sondern aller Welt verkündet werden; seine Apostel und Jünger arbeiten und wirken nicht anonym, sondern treten trotz grösster Verfolgung offen und mit vollem Namen auf. Nicht ein Kult ist es, der die Christen verbindet, sondern Jesus Christus selbst. Selbst Schenkel schreibt, »dass Jesus dem Kultus nicht die geringste Rolle beilegt». (Ebd. 58) Er ersetzt jede Art von Kultus, denn er führt seine Gemeinde persönlich. Alle menschengemachte religiöse Anstrengung und kultische Handlung wird überflüssig. Sein Kommunikationsmittel ist in erster Linie das Wort, nicht das Symbol. Sein Wort versöhnt nicht die Gegensätze, sondern trennt Spreu und Weizen, Mark und Bein. Es ist nicht vieldeutig, sondern eindeutig. Es ist nicht beliebig reproduzierbar, sondern an die Person Jesu gebunden und ohne ihn und seinen Geist nicht verständlich. Nicht menschliche Anstrengung, sondern der Heilige Geist weiht uns schrittweise in die biblischen Wahrheiten ein. Die Bibel warnt uns ausdrücklich vor'höherer' Erkenntnis und vor Leuten, die vorgeben, solche zu besitzen. Er ist das Licht, andere Leuchtkörper leuchten nur in seinem Schein, sind Irrlichter. Er lehrt uns, uns ausschliesslich auf unsere natürlichen Sinne zu verlassen. Was an 'Übernatürlichem' mit der Person, dem Leben und den Taten Jesu in Zusammenhang steht, ist einmalig, einzigartig und durch keine menschlichen Praktiken reproduzierbar.


1.5. Jüdische und christliche Tradition


Im letzten Abschnitt ging es um die geistigen Wurzeln der Form, in diesem und im nächsten Abschnitt geht es um die geistigen Wurzeln des Inhaltes der freimaurerischen 'Tempelarbeit'.


»Was das Verhältnis zur Bibel, die auf dem Altar jedes Logentempels liegt, betrifft, so ist es ein Leichtes, nachzuweisen, dass fast alle Symbole, deren die Freimaurerei sich zur geistigen Förderung ihrer Mitglieder bedient, ihre Parallelen in der biblischen, zumal auch in der neutestamentlichen Überlieferung haben.« (Schenkel,150) »Bei Betrachtung der englischen Hochgrade fällt auf, dass sie sich immer wieder an die Bibel klammern, um die Freimaurerei zu rechtfertigen ... Die Zeremonien der Hochgrade sind durch lange Gebete und Bibelzitate gekennzeichnet, deren Ausführlichkeit manchmal ermüdend ist. Die Freimaurerei wurde schon in den blauen Graden mit der Geschichte des jüdischen Volkes als Hintergrunddekoration geschmückt. In den Ergänzungsgraden wird daraus eine Symbiose.« (Mellor, 387) Im folgenden soll wiederum derschottische Ritus etwas näher betrachtet werden, in dem die 'blaue' Johannismaurerei enthalten ist. (S. a. Kapitel 3)


Der Schottische Ritus will mit seinen verschiedenen Erkenntnisstufen symbolisch die geistige und kulturelle Entwicklung der Menschheit durchwandern. Seine 33 Grade, in welchen die drei Stufen der Johannis Freimaurerei, die des Lehrlings, Gesellen und Meisters mitgezählt sind, teilt er in drei Perioden, denen die grossen Kulturabschnitte der Menschheitsgeschichte, die jüdisch architektonische, die religiös christliche und die freiheitlich aufgeklärte Zeit entsprechen sollen.» (Lerich,1937, S.27)




1.5.1. Jüdische Tradition


«Die Werkstätten vom 4. bis zum 14. Grad, die sogenannten Perfektions- oder Vervollkommnungslogen, kennzeichnen zusammen mit den drei Graden der blauen Loge die jüdisch architektonische Periode, denn ihre Rituale wurzeln ausschliesslich in biblischen Überlieferungen, spielen im jüdischen Milieu des Alten Testamentes, und in ihrem Mittelpunkte stehen das Bausymbol des salomonischen Tempels und dessen Erbauer Hiram Abif.« Lerich, 1937, S. 7) Dabei ist der in der Bibel erwähnte Hiram von Tyrus (l. Kön. 7,13) nicht mit dem freimaurerischen Hiram Abif identisch. Die Herkunft der freimaurerischen Hiram Legende ist unbekannt. Nach Lagutt, S 46ff.) kennt die Sagenwelt der Juden die Tempellegende nicht, doch steht sie in einem engen inneren Zusammenhang zum jüdischen Mythos, der sich um Kain rankt. Hiram Abif soll ein Nachfahre Kains gewesen sein, und in der Legende wird, in Abweichung von der biblischen Darstellung, Kain und seine Nachkommenschaft sozusagen rehabilitiert.


Der Legende nach soll Hiram Abif von seinen Gesellen erschlagen worden und nach einer Reise ins Innere der Erde wieder auferweckt worden sein. Es geht hier also um eine symbolische Darstellung von Leben, Tod und Auferstehung unabhängig von Jesus Christus. Lagutt zitiert den deutschen Philosophen und Freimaurer Friedrich Schlegel (1772-1829): »Der erschlagene Meister Hiram (hic Jesus est resurgens a mortuis = Hier ersteht Jesus von den Toten auf) ist aller Wahrscheinlichkeit nach der in den alten Mysterien bekannte und verehrte Todesgott des neuen Lebens Dionysos oder Osiris. Es ist Christus als Idee vor und außer dem Christentum.« Die jüdische Tradition dient also nur als Hintergrunddekoration zur Darstellung eines anderen Inhalts. Jüdisch kabbalistische Quellen haben aber nach von Ins die freimaurerische Symbolik beeinflusst.


1.5.2. Christliche Tradition


Wir fahren fort mit den weiteren Stufen des schottischen Ritus: »Die Werkstätten des 15. bis 18. Grades sind die Kapitel Logen, deren Rituale die christlich religiöse Periode der Menschheitsgeschichte, die Zeit der Kreuzzüge versinnbildlichen.» (Lerich, S.32) In den 'Kapiteln' tritt die Innenarbeit in den Hintergrund, und die Hauptaktivitäten verlagern sich auf konkrete, hauptsächlich kulturpolitische Aktionen. (Ebd. 32f.) Der wichtigste, rituell bearbeitete Grad ist der 18., der 'Ritter vom Rosenkreuz', wobei historische Einflüsse der Rosenkreuzer nicht nachweisbar sind. (Ebd. S. 34). In der Initiation zu diesem Grad spielen viele christliche Motive eine Rolle, die aber umgedeutet werden. Die Buchstaben INRI erhalten «eine zweite Bedeutung, nämlich 'Igne natura renovatur integra' (Durch das Feuer erneuert sich die Natur zur Gänze).« (Mellor, 1985 400, s.a. Lerich obd. 35). Das 'Symbol der Aufopferung bis zum Letzten' ist ein goldener Pelikan, «der sich mit seinem Schnabel die Brust aufreißt, um mit seinem Herzblut die hungernden Jungen zu nähren«. (Lerich, ebd. 35) Ein Bruder legt einem anderen symbolisch ein Kreuz auf, und schließlich wird mit einem Kelch Wein, einer Schüssel mit Brot und einer 'schwelenden Räucherpfanne' eine Art Abendmahl gefeiert. (Ebd. S. 35f.) »Das Zeichen des Grades ist dasjenige des 'Guten Hirten' und das Kennwort ’Emmanuel'« (Mellor). »Die Ritter vom Rosenkreuz erhalten lange, übermannshohe Stöcke, die Stäbe des 'guten Hirten'«, und am Schluss des Rituals wird ihnen erklärt, »dass die Rosenkreuzer die guten Hirten des Volkes sein wollen, die Kämpfer für die Freiheit der Völker und deren Versöhnung untereinander. Die Johannisfreimaurerei schlage Brücken von Mensch zu Mensch, die Hochgradfreimaurer des 18. Grades Brücken Volk zu Volk« (Lerich ). »Dieser Kult ist das Agape, das Liebesmahl der Kapitelbrüder, die freimaurerische Wiedergabe des christlichen Abendmahles. In seiner Zeremonie haben die christlich religiösen Kapitelrituale ihren Höhepunkt erreicht.« (Ebd. 36)


In Schweden besteht eine besondere, 'christlich' genannte Lehrart der Freimaurerei, in der Christus als 'oberster Meister' verehrt wird. Sie ist innerhalb der Freimaurerei umstritten (z.B. Schiffmann, 1883) und kann im Rahmen dieser Arbeit nicht behandelt werden. Eingehend hat sich der dänische Kirchengeschichtsprofessor Nielsen (1882 und 1883) damit auseinander gesetzt. Vom biblischen Christentum unterscheidet sie sich nach seiner Auffassung grundlegend.


1.5.3. Vergleich


Die Legenden und Handlungen der Johannismaurerei wie auch der schottischen Hochgradfreimaurerei erwecken den Eindruck, als beruhten sie auf jüdisch christlichen Traditionen, als habe ihr Inhalt etwas mit dem Geist der Bibel zu tun. Dieser Eindruck ist meines Erachtens falsch, wenn sich auch die meisten Freimaurer selbst als 'gute Christen' bezeichnen mögen. Mellor schreibt dazu: «Bei der Lektüre der alten Schottischen Rituale kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass eben dieser Grad voll christlicher Emotionen ist. Ohne Zweifel haben die Ritter vom Rosenkreuz in ihrer Mehrheit ihn immer so aufgefasst, jedoch ist dieses Christentum nicht mehr das der Kirche... Im 18. Jahrhundert wurde eine Schicht Christlichkeit darüber gestrichen, ähnlich wie ein Bild übermalt wird« (S.399). Die echte Heilige Schrift wird hier unentwirrbar mit einem von Menschen erfundenen Ritual verflochten und das Wort Gottes ... an Legenden geknüpft. Es hat allerdings nicht den Anschein, dass dieser Cocktail den anglikanischen Episkopat oder die zahllosen Geistlichen, welche das Kaplanamt der Logen innehaben, abgeschreckt oder gar am Beitritt gehindert hat. Diese predigen sonntags das Wort der Heiligen Schrift von der Kanzel und zelebrieren wochentags das Ritual in der Loge, indem sie die Heilige Schrift zu Erzählungen verwandeln« (S. 388).


Gehen wir wiederum davon aus, dass der Absolutheitsanspruch von Jesus Christus, wie er in der Bibel bezeugt wird, gerechtfertigt ist, so lässt sich folgendes sagen: In den Tempeln der Freimaurer dienen biblische Erzählungen und christliche Geschichte als Kulisse für einen Inhalt, in dem nicht der biblische Jesus Christus die Hauptrolle spielt. Christus wird vielmehr die Einzigartigkeit, die Einmaligkeit, die Absolutheit genommen. Er wird sozusagen entmachtet und mit seinem ganzen Leben relativiert, vermenschlicht. Die wichtigen Ereignisse seines Lebens werden zu allgemeinmenschlichen Erlebnissen gemacht, die durch Menschen wiederholt und reproduziert werden können. Die freimaurerischen Motive haben zwar vielfach ihre biblischen Parallelen, sie sind der Bibel entnommen, doch Christus ist nicht mehr das Zentrum allen Geschehens. In den Gebeten der Freimaurer wird niemals Christus angesprochen (s.z.B. die in Schenkel veröffentlichten freimaurerischen Gebete, S.151). Die Auferstehung erscheint als eine urmenschliche, vorchristliche Idee; Golgatha wird zu einem Mythos. Auch gewöhnliche Menschen können ihr Leben für andere hingeben, jeder 'Ritter vom Rosenkreuz' darf sich als 'guter Hirte' fühlen. Während in der Bibel die Führer, Erlöser und Herrscherrolle allein Christus zukommt, versucht in der Freimaurerei der Mensch, alle diese Rollen selbst zu übernehmen. Menschen und Völker regieren, versöhnen und verbinden sich selbst; das Abendmahl findet ohne Christus statt. Die Freimaurerei relativiert die jüdische und die christliche Tradition selbst, indem sie diesen 'Etappen der Menschheitsentwicklung' eine 'höhere' Stufe folgen lässt: In der 'freiheitlich aufgeklärten' Zeit sind diese Traditionen offenbar überwunden. Der Inhalt, der Gehalt des freimaurerischen Lehrgebäudes ist weder jüdisch noch christlich. In der Freimaurerei finden wir also nur eine Schein Christlichkeit. Das Christliche dient als Lieferant von Motiven sowie als Kulisse.


1.6. Humanismus und Aufklärung


»Im Mittelpunkt unseres Denkens steht der Mensch.« (Zendralli, S. 10) Die Freimaurerei versteht sich als 'Weltbruderschaft der wahrhaft Aufgeklärten'. (Im Hof, S. 167)


1. 6. 1. Humanismus


Die Ideale der Freimaurerei entstammen dem Humanismus und der Aufklärung. Die Lehrinhalte sind auch bei jüdischer und christlicher Kulisse humanistisch aufklärerisch. »Es ist die Meinung der Maurerei der ganzen Welt, ein Kultus der Humanität zu sein.« (Schenkel, S.93) Über die humanistischen Wurzeln und das 'Humanitätsideal der Freimaurerei' finden sich interessante Ausführungen bei Schenkel und Oslo). In dieser Arbeit sollen die Anliegen und die Ideale der Freimaurer in Kapitel 2 dargestellt werden.


Im Hof zeigt Verbindungen der Freimaurerei zur humanistischen 'Sozietäts oder Gesellschaftsbewegung' auf, besonders auch zur 'Akademiebewegung' mit ihrem Doppelaspekt humanistischer Gelehrsamkeit und humanistischer Geselligkeit. »Die Freimaurer sind ... Meister eines neuen festlichen Stils geworden« S. 11). (Die französischsprechenden Brüder nennen die Loge augenzwinkernd 'une église avec un restaurant' = Eine Kirche mit einem Restaurant (Hochreutener).


1.6.2. Aufklärung


«Die Freimaurerei entsteht in einer besonderen Krisensituation Europas. Sie ist Ausdruck der frühaufklärerischen Reaktion auf Orthodoxie und Absolutismus.« (Im Hof 1984, S. 10) »Im 18. Jahrhundert versammelten sich in den Logen die fortschrittlichsten Geister ihrer Zeit: Lessing, Goethe. Herder, Fichte fast die ganze Prominenz der Aufklärung findet man in den alten Mitgliederverzeichnissen aufgelistet. Offenbar waren die Logenhäuser der einzige Ort, wo Oppositionelle sicher sein konnten vor dem Zugriff absolutistischer Staats und Kirchenmacht. Bei solchen Zusammenkünften genossen Andersdenkende gleichsam diplomatische Immunität.


Draußen geltende Standesprivilegien waren in den Logen eingeebnet, Meinungs und Gedankenfreiheit Teil des Vereinsstatuts. Nur unter diesen Voraussetzungen konnten die Gedanken der Aufklärung formuliert werden.« (Rohländer GEO 1988) Zum Thema 'Freimaurerei und Aufklärung' äußert sich auch Binder. In der Freimaurerei ist das Rationale und das untergründig Mystische der Aufklärung vereinigt. Die 'wirklich' Aufgeklärten sind nicht nur Rationalisten. Sie wissen. »Vertreibt das Mystische, es kommt im Galopp zurück«. (Im Hof, S. 168)


Die Ideen der Aufklärung werden in den obersten Graden des schottischen Ritus gelehrt. »Mit der Aufnahme in das Atelier des 19. Grades beginnt für den Hochgradfreimaurer der Weg zur 'vollen Einweihung', die sich im 30. Grad vollzieht. Die maurerischen Werkstätten vom 19. bis zum 30. Grad heißen Areopage, benannt nach dem altgriechischen Gerichtshof zu Athen. Sie bilden zusammen die dritte Periode der Erkenntnisstufen des Schottischen Ritus, der in der Menschheitsgeschichte das Zeitalter der Aufklärung und Gewissensfreiheit und die Zukunft der Menschheit, die durch den Sieg der Freimaurerei beherrscht werden soll, entsprechen.» (Lerich, 1937, S. 36) Der 19. Grad «lehrt den Kampf gegen 'Unwissenheit', 'Aberglaube', 'Dogmatik' und 'Fanatismus' in jeder Form« (Ebd. S. 37). In den nächsten Graden geht es darum, für eine 'gelenkte Volksherrschaft' einzustehen. Die 'Despotie der Massen', die auf eine völlige Anarchie hinausläuft, wird verworfen. Dabei gilt es, 'die Volksrechte zu erkennen und nach aussen hin zu vertreten'. Die einzelnen Religionen sind zu überwinden, die in allen Religionen enthaltenen Wahrheiten sollen in einer 'Überreligion' zusammengefasst werden. Die obersten Grade schließlich wollen alle Stadien der religiösen Zweifel hinter sich gelassen haben und auf der Stufe einer über alle Dogmatik und 'Vorurteile' erhabenen Ethik und Weltanschauung stehen. (Ebd. 37) Im Aufnahmeritual in den 30. Grad ('Rachegrad') muss der Aufnahmebewerber drei »symbolische Degenstiche führen: Gegen die Tiara (Dreifache Papstkrone) als Sinnbild des Papsttums und überhaupt der geistlichen Gewalt, gegen die Königskrone als Sinnbild jeder weltlichen Macht und gegen eine dritte Krone, die Bürgerkrone, als Sinnbild der Despotie der Massen und Willkür überhaupt!» (S. 42) Zudem muss er die drei Säulen der Maurerei (Weisheit, Stärke, Schönheit) »mit eigener Hand umstürzen! Die Worte des Rituals deuten diesen Akt dahin, dass der nunmehr in die letzten Geheimnisse der Loge eingeweihte Ritter Kadosch die völlige Vorurteilslosigkeit erlangt habe, die unbedingte geistige Freiheit.» (S. 42)


1.6.3. Vergleich


Auf die freimaurerischen Ideale wird im nächsten Kapitel näher eingegangen. Ihre Beurteilung aus der Sicht Christi erfolgt in Kapitel 7. Die humanistische, völlig menschenzentrierte Sicht ist diejenige des 'alten Menschen' der Bibel, desjenigen, der (noch) nicht erkannt und angenommen hat, dass Christus der oberste Machthaber aller Himmel und aller Welten ist.


Die Freimaurer lehnen jeden Absolutheitsanspruch von Kirche, Staat, Massen oder einzelnen Personen ab, denn es gibt aus ihrer rein menschlichen Sicht keine absolute Wahrheit. Die obigen Ausführungen zeigen, dass diese Auffassung nun (nicht nur gegen innen, sondern auch gegen aussen) mit einer Energie und einer Verbissenheit vertreten wird, die darauf schliessen lassen, dass sich dahinter ihrerseits ein Absolutheitsanspruch verbirgt: die Auffassung nämlich, dass es keine absolute Gewissheit gibt. Demgegenüber gibt es nach unserer Auffassung nur einen einzigen Menschen, der von sich zu Recht sagen konnte: »Ich bin die Wahrheit!«, Jesus Christus, der Sohn Gottes.


1.7. Reformation und Protestantismus


Nach Schenkel besteht eine enge wesenhafte und schicksalhafte Verbundenheit von Freimaurerei und Protestantismus. Während in der Öffentlichkeit und in den protestantischen Kirchen dies kaum empfunden werde, sei das Bewusstsein um diese Zusammenhänge stark lebendig in der deutschen Freimaurerei selbst, aber auch, was besonders bezeichnend ist, bei dem grossen gemeinsamen Gegner beider, bei der römisch katholischen Kirche. Konservative Katholiken sehen in der Freimaurerei eine Waffe des Protestantismus, um ihre Kirche zu zerstören. Für sie ist klar: Ohne 1517 kein 1717! »In einem protestantischen Lande wurde sie geboren, und die meisten Logen finden sich in protestantischen Ländern. Protestantischer Geist zeigt sich in der Freimaurerei nicht nur bei protestantischen, sondern auch bei anderen Völkern. Er durchdringt das Kulturleben aller Staaten.« (Schenkel, S. 4) Welches ist nun die schicksalhafte, welches die wesenhafte Verbundenheit zwischen Freimaurerei und Protestantismus?


1.7.1. Reformation


Auf die konkreten historischen Zusammenhänge zwischen Reformation und Freimaurerei geht Oslo ausführlich ein. Dabei behandelt er auch die Vorläufer der Reformatoren: die Katharer, die Waldenser, John Wycliffe, Jan Hus u.a.m. An dieser Stelle können nur einige Aspekte herausgegriffen werden. Der schottische Reformator John Knox habe, im Gegensatz zu anderen Reformatoren, das Recht auf 'bewaffneten Widerstand' einem Herrscher gegenüber gefordert, 'der die Sicherheit der wahren Religion bedrohte'. (Ebd. S. 95) Zudem: »Der Protestantismus bot dem Adel und den Gutsbesitzern von Schottland nicht nur eine geistlich lebendige Kirche mit Laienbeteiligung, sondern auch die Möglichkeit, das belohnte Kirchengut nicht mehr zurückgeben zu müssen. So wurden in kürzester Zeit Hunderte von Klöstern überfallen, geplündert und aufgelöst. Die Folge war, dass Tausende von Mönchen zu Flüchtlingen und Vertriebenen wurden, ohne Obidienz im Lande, womit wir bei der Geburt der Freimaurerei angelangt sind.« (Ebd. S. 99) Die Mönche waren im Besitz des nötigen Wissens und Könnens. Dazu kommt nach Oslo eine 'dynastiepolitische Komponente': »Die Geschichte der Freimaurerei ist mit den Stuarts in England eng verknüpft.« (Ebd. S. 104)


Zusammengefasst: »Die Entstehung bzw. Entwicklung der Freimaurerei beruht auf drei wesentlichen Komponenten: die geheimwissenschaftliche, die religiös-politische und die dynastiepolitische. Wir haben gesehen, dass die Auflösung der Klöster in Schottland ab August 1560 die Hermetischen Künste und die Königliche Kunst mit dem Kreis der Auserwählten, die sie pflegten, in die Korporationen und Logen des Bauhandwerks trieb. Der religiöspolitische Aspekt hing zwar mit dem Kampf der Reformation gegen die etablierte Lehre der christlichen Kirche zusammen, doch erst im Laufe des 17. Jahrhunderts spielte er für die Freimaurerei eine entscheidende Rolle. Hingegen sind die Verhältnisse um das Haus Stuart bis 1813 aus dem Orden nicht wegzudenken. Seit 1688 wurde die Loge zum geheimen Treffpunkt der Anhänger des abgesetzten Stuart Königs« (Ebd. S. 121). Man kann also nicht sagen, dass die Freimaurerei eine notwendige oder gar beabsichtigte Folge der Reformation war. Durch die Reformation wurden aber Kräfte frei, die zusammen mit geeigneten religiöspolitischen und dynastiepolitischen Voraussetzungen schließlich zur Begründung der Freimaurerei führten. Dazu kommt, dass die Glaubenskriege im Zuge der Reformation ein tiefes Bedürfnis nach wirklich gelebter Liebe, nach Friede und Toleranz weckten. Zusammen mit der Aufhebung des Ediktes von Nantes (1685) erschütterten diese Kriege das Vertrauen weiter Kreise der Bevölkerung in die Integrität und Zuverlässigkeit der weltlichen und kirchlichen Instanzen. Nicht das Christentum, sondern eine gewisse Verzweiflung am damals gelebten Christentum hat die Gründung der Freimaurerei begünstigt.


1.7.2. Protestantismus
Bei den in dieser Arbeit berücksichtigten Autoren herrscht weitgehend Übereinstimmung in der Auffassung, dass die in der Freimaurerei zentralen Ideen der Glaubens und Gewissensfreiheit sowie der Toleranz ihren Ursprung im Protestantismus haben. (Boller, S. 42, Oslo, S. 65, Schenkel, S.6) Das Anliegen, die menschliche Subjektivität und Individualität zu befreien, zu würdigen und zu fördern, ist Protestantismus und Freimaurerei gemeinsam und nach Schenkel (Ebd. 6f.) der katholischen Kirche suspekt: «In Rom weiss man, dass Protestantismus und Freimaurerei im letzten Grund der gleichen geistigen Quelle entspringen, nämlich dem freien Gewissen und der frommen Innerlichkeit der selbständigen Persönlichkeit. Beiden gemeinsam ist die Tendenz der Ethisierung in der Säkularisation weiter Lebensgebiete, und beide sind in jenem höchsten Sinne liberal, dass sie der Gewissensentscheidung, welcher sich der Gehorsam gegen die unmittelbar erlebte höchste Wirklichkeit kundgibt, Lebensrecht einräumen.«


Eine weitgehende geistige Einheit und auch praktische gegenseitige Durchdringung, auf die wir noch zu sprechen kommen, besteht nun aber nur zwischen liberalem Protestantismus und Freimaurerei. »Dagegen wird die Freimaurerei in den pietistischen und orthodoxen Kreisen bekämpft.« (Ebd. 34) Besonders die anglikanische Kirche wurde zum Nährboden für die Freimaurerei: «Die anglikanische Kirche hatte eine Theologie der Toleranz mit Akzentverlegung auf die christliche Tat der Nächstenliebe entwickelt. In dieser Atmosphäre bot die Freimaurerei eine neue Art von Gemeinschaft an.» (Im Hof, 1984, S. 10) Der liberale Protestantismus birgt nach Schenkel in sich die Gefahr der Vereinzelung, der Vereinsamung. Gegen diese 'innere Not' des liberalen Protestanten bietet sich nun die Freimaurerei als feste Gemeinschaft an. (Ebd. S. 11) «In dieser Verknüpfung von Liberalismus mit einem Geistesleben und Zusammengehörigkeitsbewusstsein, wie es der heutige protestantische Mensch sonst nirgends kennt, liegt die soziologische Bedeutung der Freimaurerei aber auch ihre religionsgeschichtliche Vorbildlichkeit.» (Ebd.)10


2. Anliegen und Ideale


Der folgende Überblick über die Anliegen und Ideale der Freimaurer soll kurz gehalten werden, denn sie sind wohl allgemein bekannt. Zudem werden sie in der Literatur ausführlich behandelt. Die Anliegen und Ideale sind das Vordergründige, das auf den Fahnen geschrieben steht; mit ihnen wird um Vertrauen und Sympathie geworben. Darum soll in diesem Kapitel auch kurz auf die Beitrittsmotive eingegangen werden. Die Beurteilung der Ideale und ihrer Verwirklichung erfolgt in Kapitel 7.


2.1. Friede auf Erden


Die Freimaurerei entstand nach den Konfessionskriegen des 16. und 17. Jahrhunderts in Europa. Jedermann sehnte sich nach Frieden. Viele trauten es den Christen nicht mehr zu, den versprochenen 'Frieden auf Erden' herzustellen, und auch das Vertrauen in den 'Friedefürst' Jesus Christus war offenbar in weiten Kreisen der Bevölkerung geschwunden. In dieser Situation lag es nahe, dass sich vernünftige Männer zusammenschlossen und die Herrschenden der Welt dafür zu gewinnen suchten, den Frieden auf Erden herzustellen. Der Friede ist die Voraussetzung für die Verwirklichung des Hauptanliegens der Freimaurerei: das 'Reich Gottes auf Erden' (Seydel, 1862, S. 24). Friede ist auch notwendig dafür, dass die Wirtschaft gedeihen kann, dass durch internationale Arbeitsteilung der Wohlstand aller wachsen kann und auch, dass ein 'Aufbau' in den gesellschaftlichen Bereichen erfolgen kann. Unter den Konfessionskriegen hatte nicht zuletzt auch das Baugewerbe, der Stein und Sakralbau, gelitten.
2.2. Humanität, Toleranz, Brüderlichkeit


Der Friede auf Erden soll erreicht werden durch die Relativierung der Absolutheitsansprüche der Religionen und Konfessionen. In der 'Ringparabel' von Lessings 'Nathan der Weise' wird das auf eindrückliche aber auch aufschlussreiche Art und Weise dargestellt. Anstelle Menschen trennender Religionen, Konfessionen, Stände, Nationen, Rassen, Klassen usw. tritt die 'Menschheit' als Objekt der Verehrung und Grundlage der Orientierung. »Das Wesen der Freimaurerei ist nichts anderes als das Wesen der Menschheit selbst.« (Böni, 1954) Herder bezeichnet die Freimaurerei als 'Auge und Herz der Menschheit'. (zit. in Imhof, 1944, S.,294)


»Die weltweite Devise 'Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit', die zuerst in französischen Freimaurerlogen geprägt wurde, ist das unmittelbare politische Destillat aus der ethischen Grundsatzformel 'Humanität, Toleranz, Brüderlichkeit'.» (Valmy, 1988, S, 10) Zur Humanität: «Für den Freimaurer bedeutet Humanität schlicht die Lehre und das Streben nach menschlicher Würde. Der nach den freimaurerischen Ritualen stattfindende symbolische Bau des Tempels der Humanität soll in jedem Beteiligten dessen beste Anlagen und Kräfte erwecken, veredeln und vervollkommnen, um diese in der Bewährung des Alltags bei der Begegnung mit seinen Mitmenschen anzuwenden. Dies bedeutet Achtung von allen Menschen, unabhängig von Geburt, Stand, Konfession, Nationalität und Hautfarbe; bedingungslose Anerkennung der Menschenrechte, als da sind: das Recht auf persönliche Freiheit und auf Eigentum, Gedankenfreiheit, Gewissensfreiheit, Glaubensfreiheit und auch das Recht, sich notfalls persönlich für die Durchsetzung dieser Forderungen engagieren zu können.« (Valmy,1988, S. 10). Zur Toleranz. »Die zweite Maxime 'Toleranz' stellt sich gleichfalls gegen ein mittelalterliches Schattenbild, als der Mensch, dogmen und religionsmüde, gegen Fanatismus und Absolutismus weltlicher und geistlicher Herrschaft aufzubegehren begann... Das Geltenlassen fremder Anschauungen und Überzeugungen, Sitten und Gewohnheiten sollte längst zur Grundhaltung eines kultivierten Menschen gehören als Zeichen für Selbstvertrauen und Weltoffenheit eines gefestigten Charakters, der auch für den Verfechter gegensätzlicher Meinungen ein offenes Ohr behält... Das unermüdliche Bemühen, Intoleranz abzubauen, bleibt eines der vornehmsten Ziele der Maurerei.» (S.10) Zur Brüderlichkeit: »Wenigstens im Logenleben versucht man dem Ruf nach Brüderlichkeit gerecht zu werden; der schwerste Vorwurf, den Freimaurer gegeneinander erheben können, ist unbrüderliches Verhalten und Handeln. Brüderlichkeit vermittelt ihnen dieses stärkende Bewusstsein, in eine internationale Kette Gleichgesinnter integriert zu sein, in allen Ländern der freien Welt, wo sie eine Loge besuchen, wozu jeder von ihnen ein Recht hat, als willkommener Gast aufgenommen zu werden und in eventuellen Notlagen Hilfe zu erfahren. Dieses Bestreben brüderlicher Gesinnung ist universell und nicht nur auf den internen Kreis der Logenmitglieder beschränkt, es bezieht sich auch auf die profane Öffentlichkeit, ohne sich aufdrängen zu wollen. Bewusst unauffällig praktiziert, lebt es in der Spendenfreudigkeit für karitative Zwecke.« (Ebd. S. 11)


2.3. Erziehung des Menschengeschlechts


Weil der Mensch offenbar nicht immer von Natur aus den Idealen gemäß handelt, wird die 'Erziehung des Menschengeschlechts' (Lessing) zu einem vordringlichen Anliegen. »Die Freimaurerei will einen neuen, einen besseren Menschen schaffen, doch das wollen die Religionen auch. Das Ergebnis ist am Verlauf der Weltgeschichte abzulesen.» (Valmy FM 1988 7) Die Freimaurer wollen es besser machen als die Religionen, und zwar hauptsächlich durch a) 'Selbsterziehung', 'Selbstvervollkommnung', 'Selbstver¬wirklichung' und b) durch die 'Übung und Förderung des sittlichen Lebens'. (Schiffmann, 1883)
2.3.1. Selbsterkenntnis und Selbsterziehung


»Zutiefst ist die Freimaurerei eine Kunst. Ihr Ziel ist die Ausreifung des einzelnen Bundesgliedes zur harmonischen, sittlichen Persönlichkeit«. (Böni, 1954, S. 9) Und nun die Freimaurerei, was will sie? Uns zum wahren Menschen, wie er sein soll, erziehen. Unabhängig von jedem Religionsbekenntnis, wobei sie jedoch jedes achtet. Der flammende Stern im Osten, als Symbol des allmächtigen Baumeisters aller Welten, gibt die Blickrichtung; die drei grossen Lichter zeigen den Weg: Notwendigkeit der göttlichen Führung, Rechtschaffenheit, Aufrichtigkeit und Pflichterfüllung. Maßhalten und weit gespannte, alles umfassende Liebe. Unermüdliches Arbeiten am rohen Stein, unermüdliches Emporschreiten, trotz aller Rückschritte, Freisein von jeder Leidenschaft und Sucht, offenes Herz und offene Hand für jede Not, Selbsterkenntnis und Selbsterziehung und Verlässlichkeit bis in den Tod. Das sind kurz gefasst die Lehren und Bestrebungen der Freimaurerei.» (Bender, 1942, S. 217)


2.3.2. 'Übung und Förderung des sittlichen Lebens':


Nach englischer Definition ist die Freimaurerei ein besonderes, in Allegorien gekleidetes und durch Symbole dargestelltes Moralsystem.« (v. Merhart zit. in von Ins, 1874, S. 29). Schiffmann, S. 47) bezeichnet die 'Übung und Förderung des sittlichen Lebens' als die 'einzige Aufgabe' des Ordens. Dies soll nun nicht durch die Freimaurerei als Organisation oder Institution geschehen, sondern durch das Wirken jedes einzelnen Freimaurers in seinem persönlichen Alltag. Wir werden sehen, dass auch durch diese Methode durchaus wesentlicher Einfluss ausgeübt werden konnte und werden kann.


2.4. Weitere Ideale und Anliegen


Es könnten an dieser Stelle viele weitere freimaurerische Ideale genannt werden, die mit obigen in Zusammenhang stehen. Die Orientierung und Ausrichtung nach Idealen birgt meines Erachtens die Gefahr einer besonderen Art von Vielgötterei. In den Tempeln symbolisieren drei Säulen die Ideale Weisheit, Schönheit und Kraft oder Stärke. Das Bild einer Leiter mit drei Sprossen soll an Glaube, Liebe, Hoffnung erinnern. (Lurker, 1984, S. 200) Die zwei Säulen 'Jachin' und' Boas' werden auch als Sinnbild für die Beständigkeit der freimaurerischen Lehre oder auch als Grundpfeiler der Humanität (Gerechtigkeit und Wohlwollen) ausgelegt. (Ebd. S. 201) Der Schlüssel gilt als Symbol der Verschwiegenheit, der Schurz ist ein Zeichen der Unschuld. Das Senkblei soll auf Geradheit und Wahrhaftigkeit hinweisen. Das Winkelmass ist Symbol der Gewissenhaftigkeit, der Zirkel soll allumfassende Menschenliebe versinnbildlichen. (Ebd. S. 200) Nach Schenkel befriedigt die Freimaurerei neben dem Bedürfnis nach Gemeinschaft vor allem auch das 'Bedürfnis nach kultischem Erleben und Handeln'. Sie vermittle religiöse Erlebnisse ohne Priester und Dogma.


2.5. Beitrittsmotive


Freimaurer selbst kennen von der Freimaurerei oft nicht viel mehr als die erwähnten Anliegen und Ideale. Sie sind denn auch nach Schenkel das Hauptmotiv zum Beitritt. »Diese ethische Grundeinstellung humaner Art war der geheimnisvolle Magnet, der die Menschen anzog. Selbstverständlich ging nebenher auch mancherlei Unterethisches, das bloße Geselligkeitsbedürfnis, der Wunsch vertrauten Verkehrs mit hochgestellten Persönlichkeiten, Neugierde, persönliche Eitelkeit und anderes mehr.» (Schenkel, 1926, S. 24) »Dadurch, dass in diesem Sammelpunkt politische und religiöse Diskussion ausgeschlossen wurde, trat in den Mittelpunkt... die Bewertung des Menschen nach seinen rein menschlichen Eigenschaften.« (Ebd. 24) Mellor nennt als die wichtigsten Beitrittsgründe heute das Gemeinschaftsbedürfnis, die 'Vervollständigung einer politischen Färbung' , womit auch die Hoffnung auf wirtschaftliche, politische und Karriere Vorteile gemeint sein kann. Zudem: »Bei vielen ist es Familientradition, und schon die Väter waren Freimaurer.« (Mellor, S. 327) Früher war auch die Suche nach sozialer Sicherheit durch die Solidarität der Brüder ein wichtiger Beitrittsgrund.


2.6. Vergleich


In Kapitel 7 soll versucht werden, die freimaurerischen Ideale aufgrund der Annahme zu beurteilen, dass in Wirklichkeit Jesus Christus alle Macht im Himmel und auf Erden übertragen ist. Die Ideale der Freimaurer sind wohl keineswegs unchristlich, und für die Anliegen dürften auch Christen grosses Verständnis haben. Man kann vielleicht sogar sagen, dass die Freimaurer eigentlich genau das wollen, was Christus auch wollte. Sie haben seine Anliegen übernommen, und wollen sie nun endlich verwirklichen. Nur: Sie wollen sie ohne ihn verwirklichen. Die Freimaurer wollen christliche Anliegen ohne Christus verwirklichen. Nicht Christus und sein Reich, sondern der Mensch und die Welt stehen im Mittelpunkt allen Strebens. Sie 'arbeiten' nicht mit Christus und nicht für Christus, sondern mit Menschen und für Menschen.


Freimaurer verehren Ideale, Christen in unserem Sinn verehren eine lebende Person. Zwischen einer Verehrung von Idealen und der Verehrung einer Person bestehen natürlich wesentliche Unterschiede. Ideale sind abstrakt, eine Person auch wenn sie unsichtbar ist ist konkret. Ideale sind stumm, mit einer Person können wir sprechen. So ist den Freimaurern auch die 'Verschwiegenheit' eine Tugend, nicht das Gespräch. Ideale sind unfassbar, offen für unendliche Auslegungen und Definitionen, eine Person kann sich verbindlich äussern, festlegen und verpflichten. Ideale sind anonym, Personen haben einen Namen. Ideale werfen uns immer wieder auf unsere Subjektivität zurück, eine Person kann Anlass sein, uns selbst zu 'entäussern' und eine Beziehung einzugehen. Mit Idealen können wir wohl keine sinnvolle Beziehung haben, durch die Beziehung mit Christus nehmen wir an seiner ganzen Fülle teil. Ideale sind und bleiben menschlich. Christus verbindet uns mit dem biblischen Gott und seiner Herrlichkeit. Die Verheissungen des biblischen Gottes und seines Sohnes übertreffen diejenigen der Freimaurerei um Dimensionen.


3. Veranstaltungen und 'Tempelarbeit'


In diesem Kapitel wollen wir einen Blick in die Logen werfen, um zu sehen, was dort geschieht. Dabei stützen wir uns wiederum hauptsächlich auf freimaurerische Publikationen ab sowie auf Veröffentlichungen, die von Freimaurern autorisiert oder zugelassen wurden. Einzige Ausnahme ist die 'Verräterschrift' von Lerich, der zehn Jahre lang Hochgradfreimaurer des 33. Grades war, und in der Zeit des Nationalsozialismus aus der Loge austrat. Seine Ausführungen stimmen bis in die Einzelheiten mit dem überein, was später von Freimaurern selbst publiziert wurde. Darum nehmen wir an, dass auch diejenigen Aussagen zutreffen, über die wir bis heute keine Bestätigung von Seiten der Freimaurer haben. Die Darstellung soll kurz gehalten werden, manches ist schon im Kapitel über die 'geistigen Wurzeln' beschrieben worden. Es geht hier um einen zusammenhängenden Überblick.
3.1. Die Aufnahme


1723 verfasste der Presbyterianer J. Anderson das freimaurerische 'Konstitutionsbuch' 14 , das auch die 'Alten Pflichten' enthält, an die sich Freimaurer heute noch in aller Welt halten. (Vollständig abgedruckt in Oslo, 364). Dieses Konstitutionsbuch enthält auch Ausführungen über die Aufnahmevoraussetzungen: 311 Aufnahmevoraussetzungen. Es werden nur erwachsene Männer, keine Frauen und Kinder aufgenommen. Der Kandidat soll nicht unter 25 Jahren alt und 'sein eigener Herr' sein. (zit. in Oslo, S. 384) Damit ist gemeint, dass er finanziell unabhängig sein soll. Es soll ein freier Mann von 'gutem Ruf' sein, der umgänglich ist. Keiner Loge soll ein 'störrisches Mitglied' aufgezwungen werden, das die 'Harmonie sprengen' könnte. (Ebd.) »Die in den Alten Pflichten angesprochene körperliche Unversehrtheit erinnert an jene Vorstellungen, wie sie häufig in unserem Kulturkreis als Voraussetzung für Priesterberufe formuliert worden sind.« (Binder, S. 138) Als geistige Voraussetzung für die Aufnahme gilt, dass der Kandidat ein 'Suchender' sein sollte. «Um Freimaurer zu werden, muss man das Licht suchen. (Mellor, S. 327) Neben diesen Bestimmungen gibt es bezüglich der Aufnahmevoraussetzungen verschiedene regionale Eigenheiten. »Das krasseste Beispiel ist in den Vereinigten Staaten die Ausschliessung von Schwarzen, was in Europa an sich unvorstellbar wäre«, (Ebd. 138f.)


3.1.2. Das Prüfungsvefahren


Um diese Aufnahmevoraussetzungen zu überprüfen, ist ein Prüfungsverfahren notwendig. Es braucht 'eine gebührende Untersuchung über den Ruf und die Fähigkeit des Kandidaten'. (Alte Pflichten zit. in Oslo S. 384) Dieses Prüfungsverfahren ist von den Logen bis in die Einzelheiten 'gesetzlich' geregelt. In Binder sind die entsprechenden Paragraphen aus dem 'Hausgesetz einer Wiener Loge' abgedruckt. (Binder Wiss. 1985, S. 139f.) 'Auszüge aus dem Strafregister' genügen dabei oft nicht. So »haben etwa die Logen in Frankreich ihre Vertrauensleute in den Gerichten und Polizeidienststellen, um sich Informationen aus erster Hand beschaffen zu können. Drei Informatoren treten mit dem Suchenden in Verbindung und erstatten ihre Berichte.« (Mellor, 331)


3.1.3. Die Initiation


Das Aufnahmeverfahren, der Initiationsritus, ist bei vielen Autoren genau beschrieben, so zum Beispiel bei Binder, 140), Deiters, 1963, S. 11 8ff.), Mellor, S. 334). In der Zeitschrift GEO (Nr. 2, 1988) ist ein Bildbericht dazu erschienen. Der Ritus ist auch schon in der Literatur beschrieben worden, so in Tolstois 'Krieg und Frieden' (Deiters, S. 118). Vor der eigentlichen Aufnahme erhält der Neophyt' (Neophyt = ein neues Mitglied vor dem Gelöbnis) in einer Dunkelkammer, bei Kerzenlicht mit Bibel und Totenkopf, noch einmal die 'Gelegenheit, seinen Schritt zu überdenken'. Anschliessend wird er mit verbundenen Augen, teilweise entkleidet und ohne jede persönliche Habe ('blind', 'nackt' und 'arm') vor die Tempeltüre geführt. Nachdem der Zeremonienmeister dreimal für ihn angeklopft hat, wird ihm geöffnet. Nun tritt er in diesem Zustand drei symbolische Reisen im Tempel ('auf Erden') an, wobei er mit den Elementen Erde, Luft, Wasser und Feuer in Berührung kommt. Schliesslich legt der Kandidat sein 'Gelöbnis' ab, und die Augenbinde wird ihm abgenommen. So hat der Suchende symbolisch durch das Dunkel zum 'Licht' gefunden. »Der zum Lehrling Aufgenommene wird mit den Symbolen bekannt gemacht, mit Zeichen, Erkennungsworten und besonderen Handgriffen. Er empfängt den weissen Schurz als Symbol sittlicher Reinheit und weisse Handschuhe, die ausdrücken sollen . wie die Hände, so sollen auch die Gesinnung und die Handlungen immer unbefleckt bleiben.« (Deiters, S. 127)
3.2. Die Veranstaltungen


Der neu Aufgenommene kann nun an allen freimaurerischen Veranstaltungen teilnehmen, zu denen Lehrlinge zugelassen sind. Es werden folgende Veranstaltungen unterschieden:


1. Rituelle Arbeiten. »Sie werden im freimaurerischen Tempel abgehalten. Bei diesen Arbeiten muss die maurerische Bekleidung getragen werden.» (Deiters S. 161)


2. Instruktionsabende, bei denen Fragen des Rituals und Symbolwesens besprochen werden.


3. Vorträge, zu denen gelegentlich auch Nichtmitglieder zugelassen werden.


4. Diskussionsabende.


5. Tafellogen. Sie finden nach wichtigen Tempelarbeiten statt. Dabei geht es um ein »Festessen, das nach einem bestimmten Ritual durchgeführt wird.« (Ebd. S. 162)


6. Das Brudermahl findet im Anschluss an einfache Tempelarbeiten statt und dient 'der körperlichen Stärkung' und der 'Vertiefung der brüderlichen Beziehungen'. (Ebd. S. 163)


7. Die Trauerlogen. Sie werden jährlich im November abgehalten. «Daneben gibt es gesellige Veranstaltungen, die sich nicht wesentlich von denen anderer Vereinigungen unterscheiden: das Stiftungsfest, Veranstaltungen mit 'Schwestern' und Gästen... Am 24. Juni wird das Johannisfest zu Ehren des Schutzpatrons der Freimaurer, Johannes des Täufers, gefeiert.» (Deiters, 163) Eine Umfrage unter 1500 amerikanischen Freimaurern ergab, dass 89 % nicht regelmässig an den Veranstaltungen teilnehmen, obwohl die Teilnahme eigentlich 'Pflicht' ist. (Ebd. 161, 164f.)




3.3. Die Johannis Maurerei


Die Johannis Maurerei, auch 'blaue' Maurerei genannt, hat Johannes den Täufer zum 'Schutzpatron'. Sie ist den 'regulären' Logen der ganzen Welt gemeinsam und enthält die drei 'Johannisgrade' Lehrling, Geselle und Meister, die nach Valmy (S. 245) den 'Inhalt der maurerischen Lehre voll ausschöpfen'. Wohl die meisten Freimaurer lernen nur diese Art der Freimaurerei kennen. Im Werk von Binder sind die Logenarbeiten dieser drei Grade ausführlich dargestellt, und ihre symbolische Bedeutung wird diskutiert. Zudem sind die Katechismen, die Lehrgespräche, die Zeichen und Worte enthalten, sowie die Griffe beschrieben.




3.3.1. Der Lehrling: vom Dunkel zum Licht
Der Lehrling wird unter anderem in die freimaurerische Symbolik eingeführt. Er lernt sich als 'rauhen Stein' kennen, den er zu behauen lernen muss, damit er als kubischer Stein in den 'Tempel der Humanität' eingefügt werden kann. Die Bibel lernt er als Symbol für die allgemein verpflichtende Sittenlehre betrachten. Das für den Lehrlingsgrad kennzeichnende Symbol ist dasjenige des Lichtes. Es hat schon bei der Aufnahme eine wichtige Rolle gespielt. »Der Kultus des Lichtes bzw. das Symbol des Lichtes und der Erleuchtung spielt eine grosse Rolle. Das Licht ist wohl das grösste, umfassendste, allgemeinste und verbreitetste Symbol der Menschheit überhaupt. Seine Beziehungen sind unerschöpflich. Seine Wirkungen auf das menschliche Gemüt sind machtvoll, erhebend und läuternd« (Schenkel, S.77).


3.3.2. Der Geselle: reifender Geist


Anlässlich der Beförderung des Lehrlings zum Gesellen sagt der freimaurerische Redner: »Der Lehrlingsgrad hebt an mit unserer Geburt zum sittlichen Leben, das uns Maurern heilige Pflicht ist. Der Gesellengrad verkörpert den Fortschritt in unserer maurerischen Bildung... Sie wurden heute mit offenen Augen in die Loge eingeführt und haben Ihre neue Wanderung unverhüllten Blickes vollzogen.» (zit. in Deiters, 1963, S. 130) Bei den Reisen begegnete der Geselle den drei 'Versuchungen' Geld, Ruhm und Macht, die durch Gold, Lorbeer und Schwert symbolisiert sind. Die von der Maurerei angebotene Weisheitslehre soll es den Gesellen ermöglichen, die Versuchungen des Lebens souverän vorübergehen zu las¬sen (Binder, 182). Im Osten der Gesellenloge hängt »der Flammende Stern, in dessen Zentrum der Buchstabe G steht, als umfassendes Symbol des Gesellengrades und des Maurertums schlechthin« (Ebd. 180). Der 'Flammende Stern' ist ein Fünfeck (Pentagramm, Drudenfuss) von dem Strahlen ausgehen, Die symbolische Bedeutung wird sehr vielfältig interpretiert. Einigen gilt der 'Flammende Stern' als 'Symbol des erwachenden und reifenden Geistes', für andere versinnbildlicht er Gott. (Binder, S.188) Gott erscheint als das «ewige Licht, das in den Herzen der Menschen widerstrahlt». (Schenkel, S.78)


3.3.3. Der Meister: Leben, Tod und Auferstehung


Bei der Erhebung des Gesellen zum Meister wird die Legende um Hiram Abif, den sagenhaften Baumeister des salomonischen Tempels, sinnbildlich dargestellt. Nachdem der Geselle das Vorbereitungsverfahren, die Reisen mit einem Totenschädel um und über einen Sarg sowie das Gelöbnis hinter sich gebracht hat, wird er symbolisch mit drei Hammerschlägen 'getötet', zu Boden geworfen und mit einem Tuch bedeckt. »Der Geselle erlebt die Identifikation mit dem 'Meister Hiram', dem vorbildlichen Menschen. Im Grabe erfolgt die Läuterung; er wird vorbereitet auf die grosse Wandlung. Abstreifen des alten Adam und Geburt des neuen Menschen« (Binder, S. 204). Nachdem das neue Meisterwort gesucht, gefunden und dem Liegenden ins Ohr geflüstert wurde, wird der Geselle 'erhoben', d.h. von einem Bruder 'Fuss gegen Fuss', 'Knie gegen Knie', 'Brust gegen Brust' aufgezogen und auf die Beine gestellt. Für Schenkel ist »die Darstellung der Hiram Legende wohl das Wirkungsvollste und Ergreifendste... im gesamten Umfang des maurerischen Kultus«. Diese ganze 'Meister Erhebung' ist voll von symbolischen Zeichen und Handlungen, auf die hier nicht näher eingegangen werden kann. Unter anderem wird in der Meisterloge der fünfzackige Stern durch einen sechseckigen ersetzt. In diesem dritten und letzten Grad der Johannis Maurerei werden Themen wie 'Angst vor dem Tod', 'Überwindung des Todes', 'Wiedergeburt' und 'Auferstehung' auf die freimaurerische Art und Weise behandelt.






3. 4. Die Hochgradmaurerei


Die Hochgradmaurerei baut auf den drei Graden der Johannis Maurerei auf. Sie ist ein 'Geheimnis' innerhalb des Ordens und darum entsprechend umstritten. (Dazu Mellor, 392, Valmy, S. 35). Im folgenden sollen die Grade des 'Schottischen Ritus' (mit vollem Namen: 'Alter und Angenommener Schottischer Ritus') kurz vorgestellt werden. Dieser Ritus ist weltweit am weitesten verbreitet und gilt als 'Aristokratie der Freimaurerei' (Mellor, S. 256).


«Den Hochgraden des Schottischen Ritus ist traditionell der Apostel Andreas heilig, sie sind die Andreasmaurerei. Hier herrscht die rote Farbe. Die Logen der Hochgradfreimaurerei werden Ateliers genannt und bearbeiten die Grade vom 4. bis zum 33. Sie unterstehen nicht der Verwaltung und Leitung, der 'Jurisdiktion' der Grossloge, sondern haben in jedem Staate ihre eigene, selbständige 'souveräne' Oberbehörde... Die Mitglieder des Schottischen Ritus... dürfen keinem Bruder, Lehrling, Gesellen oder Meister davon Mitteilung machen, dass sie den Hochgraden angehören. Nicht nur die Lehren und Riten der Schottischen Maurerei, sondern sogar die Namen der Hochgradbrüder bleiben demnach dem Durchschnittsfreimaurer unbekannt.


»Die Hochgrade sind ein Geheimnis innerhalb des Geheimbundes, ein dop¬peltes für die 'profane' Aussenwelt« (Lerich, S. 24).


Wie bereits erwähnt will der Schottische Ritus mit seinen 33 Graden (die drei Grade der Johannis Maurerei mitgezählt) symbolisch die Entwicklung der Menschheit durchwandern, wobei diese ganze Entwicklung in drei Perioden eingeteilt wird: die 'jüdisch architektonische', die 'religiös christliche' und die 'freiheitlich aufgeklärte' Periode. Dabei werden nicht alle diese Grade 'rituell bearbeitet', sondern der Lehrgehalt wird oft auch nur mündlich mitgeteilt. Nach Mellor (S. 393) werden heute in Deutschland nur die Grade 4, 18, 30, 32 und 33 wirklich praktiziert. Es ist möglich, dass eine wichtige Persönlichkeit bereits in einen hohen Grad aufgenommen wird. In diesem Fall werden die unteren Grade durch Mitteilung verliehen. In anderen Ländern sind die tatsächlich praktizierten Grade zahlreicher. Die bei Lerich und Mellor angegebenen Namen der Grade sind weitgehend identisch.




3.4.1. Die jüdisch architektonischen Grade


Die jüdisch architektonischen Grade werden auch 'Perfektionsgrade', 'Vervollkommnungsgrade' genannt. (Mellor, S. 292, 296, Lerich, S. 27) Diese Erkenntnisperiode umfasst die Grade 4 bis 14. Ausser in den USA werden nach Lerich in den meisten Ländern nur die Grade 4 und 13 'rituell bearbeitet'. Die Gradfolge lautet:


4. °: Geheimer Meister. Nach Schenkel geht es hier wiederum um das The¬ma Tod als 'Übergang von Traum zu Erwachen'.


5. °: Vollkommener Meister. Hier soll das Thema 'Sünde und Gnade' zur Darstellung kommen. (Schenkel S. 91)
6. °: Geheimer Sekretär. In diesem Grad geht es nach Schenkel um das Thema der 'Hoffnung auf Unsterblichkeit'. (Ebd. 92)


7. °: Vorsteher und Richter.


8. °: Intendant der Gebäude.


9. °: Auserwählter Meister der Neun.


10.°: Erlauchter Auserwählter der Fünfzehn.


11.°: Erhabener Auserwählter Ritter.


12.°: Gross Architekt.


13.°: Meister des königlichen Gewölbes (Royal Arch).


14.°: Grosser Auserwählter Vollkommener und Erhabener Maurer.




«Der wichtigste Grad der Vervollkommnungslogen ist die Erkenntnisstufe des Königlichen Gewölbes, jenes Ateliers des 13. Grades, das dem Bau eines Idealtempels dient, des zweiten Tempelbaues, der an Stelle des salomonischen den der freimaurerischen Humanität setzt. Über allen Wassern der Sintflut soll er stehen, welche die Erde vernichten können: deshalb ruht sein Gewölbe auf neun hohen Strebepfeilern. Bausymbolik und Bausage der Freimaurerei erreichen im 13. Grad ihren esoterischen Höhepunkt... Es gibt keinen zeitlichen Anspruch auf die Einweihung in die verschiedenen Erkenntnisstufen der Vervollkommnung, die in ihren Lehren und Zeremonien, in ihrer Symbolik und Ritualistik in verschiedenfältigster Weise, farbenprächtig in der Ausschmückung der Logenräumlichkeiten, phantastisch in den Legenden, prunkvoll in den Schürzen und Bändern, immer wieder das Thema vom symbolischen Bau der Freimaurerei abwickeln« (Lerich S. 31 f.).


3.4.2. Die religiös christlichen Grade


Die religiös christlichen Grade umfassen die Grade 15 bis 18 und werden auch 'Kapitelgrade' genannt. (Mellor, S. 393, Lerich, S. 32). Die Rituale sollen die christliche Periode der Menschheitsgeschichte versinnbildlichen, wobei die Kreuzzüge als Kulisse dienen. Nach Lerich tritt hier nun die Aussenarbeit an die Stelle der Innenarbeit. Rituelle, kultische Handlungen finden in der Regel nur noch einmal jährlich statt. Der Inhalt der Arbeiten sind Debatten und Beschlussfassungen über ganz reale Aktionen, Zielsetzungen und Pläne. Vorzüglich in der romanischen Freimaurerei sind bereits die Kapitel politische Klubs. (Lerich S. 32) In den übrigen Ländern geht es hauptsächlich um Kulturpolitik.
Die Gradfolge lautet:


15.°: Ritter des Ostens oder des Schwertes.


16.°: Meister (oder Prinz) von Jerusalem.


17.° Ritter vom Osten und Westen.


18.° Ritter vom Rosenkreuz.


Wir haben bereits darauf hingewiesen, dass hauptsächlich die Themen, Motive und Symbole der Kapitellogen auf biblische, christliche Tradition zurückgehen. Statt Christus steht nun aber der Mensch im Mittelpunkt. In den meisten Ländern wird nur der 18. Grad 'rituell bearbeitet'. Für Lerich ist der »Initiationsritus des Kapitels der Rosenkreuzer... einer der schönsten der Freimaurerei« und eine der 'stärksten Kulthandlungen'. (S. 34) Erinnert sei an Motive wie: 'vollkommene Hingabe', 'INRI' (was statt 'Jesus Nazarenus Rex Judaeorum' 'Igne Natura Renovatur Integra', 'durch das Feuer erneuert sich die Natur zur Gänze' bedeutet), das 'Kreuz', das 'Abendmahl', der 'gute Hirte' . (Dazu Lerich 34ff., Mellor 398ff.) Der 'christlichen' folgt im Entwicklungsschema der Schottischen Hochgrade eine weitere und offenbar 'höchste' Periode der Menschheitsgeschichte: die freiheitlich aufgeklärte Periode.


3.4.3. Die freiheitlich aufgeklärten Grade


Mit den freiheitlich aufgeklärten Graden, die auch 'philosophische Grade' genannt werden und die Grade 19 bis 30 umfassen, finden die kultisch rituellen 'Arbeiten' der Freimaurerei ihren Abschluss. (Lerich 36, Mellor 393, 401) Die höheren Grade 31 bis 33 sind reine 'Verwaltungsgrade'.


Die Gradfolge lautet:


19.°: Hoher Priester oder Erhabener Schotte (auch: Gross Pontifex).
20.°: Obermeister aller regulären (auch: symbolischen) Logen.
21.°: Noachit oder Preussischer Ritter.
22.°: Ritter der Königlichen Axt oder Prinz von Libanon.
23.°: Meister des Tabernakels oder des Allerheiligsten.
24.°: Obermeister oder Prinz des Tabernakels bzw. des Allerheiligsten.
25.°: Ritter der Ehernen Schlange.
26.°: Schottischer Trinitarier oder Prinz der Gnade.
27.°: Ritterkommandant oder Obermeister des Tempels.
28.°: Ritter der Sonne.
29.°: Grossschotte des heiligen Andreas.
30.°: Ritter Kadosch. (qadosch = hebr.: 'heilig')


Die meisten dieser Grade (vom 28. und vor allem vom 30. abgesehen) weden nur 'historisch', durch mündliche Mitteilung und Ausdeutung verliehen. Den Inhalt stellt Lerich wie folgt dar: »Schon der 19. Grad, der des 'Gross Pontifex', der erste Areopag, lehrt... den Kampf gegen alle völkischen und religiösen Werte, Gesetze, Ordnungen und Autoritäten. Er lehrt den Kampf gegen 'Unwissenheit', 'Aberglaube', 'Dogmatik' und 'Fanatismus' in jeder Form. Der 'Grossmeister aller symbolischen Logen', der 20. Grad, bedeutet esoterisch das Streben des Hochgradfreimaurers zur höchsten 'Meisterschaft'. Exoterisch bedeutet er, dass bereits diese Erkenntnisstufe über die ganze Johannisfreimaurerei souverän ist. Der 21. Grad gibt die Würde des 'Noachiten oder preussischen Ritters'. Seine Lehre preist die von den Ideen der Freimaurer gelenkte Volksherrschaft, verwirft die Despotie der Massen, die auf völlige Anarchie ausgeht. Der 'Ritter der königlichen Axt'... verpflichtet sich, für das Los der arbeitenden Klassen zu kämpfen... Der 23. und 24. Grad, der 'Chef des Tabernakels' und der 'Prinz des Tabernakels' müssen die Volksrechte zu erkennen und nach aussen hin zu vertreten trachten. Der 'Ritter der ehernen Schlange'... übernimmt die Verpflichtung zur Heilung der sozialen Schäden in der menschlichen Gemeinschaft. Ihm folgt der 'Prinz der Gnade', der jede einzelne Religion zu überwinden hat, indem er die in allen Religionen enthaltenen Wahrheiten zu einer Überreligion zusammenfasst. Der 'Ritterkommandeur des Tempels' und der 'Ritter der Sonne'... haben bereits alle Stadien religiöser Zweifel hinter sich und stehen auf der Stufe einer über alle 'Dogmatik', alle 'Vorurteile' erhabenen Ethik und Weltanschauung. Der Würdenträger des 29. Grades, des letzten Areopages vor der völligen Einweihung, der 'Großschotte des heiligen Andreas', gelobt, alle freimaurerischen Grundsätze und Pflichten zum Wohl der Menschheit im kulturellen und sozialen Sinne zu verwirklichen.«


Auf den 30. Grad, den 'Vergeltungsgrad', in dessen Initiationsritus unter anderem die drei Degenstiche gegen Papstkrone, Königkrone und Bürgerkrone zu führen sowie die drei Säulen des Tempels (Weisheit, Schönheit, Stärke) umzuwerfen sind, sind wir bereits zu sprechen gekommen. (Pkt. 1.3.5 und 1.6.2) Diese Ausführungen seien durch ein Zitat aus Mellor (S. 404) ergänzt: «Der Kadosch Ritter ist der 30. Grad innerhalb der Schottischen Reihe und praktisch der höchsterreichbare, denn die Folgegrade sind 'administrativer' Art. Sein Studium ist daher von besonderer Bedeutung. Der philosophische Symbolismus des Grades besteht wesentlich im Ritual des Ersteigens einer geheimnisvollen Leiter, deren sieben Stufen die sieben freien Künste bezeichnen. Nec plus ultra (Und nichts darüber hinaus). Die oberste Stufe zeigt an, dass der Kandidat die Höhe der freimaurerischen Einweihung erreicht hat. Dieser Ritus und einige andere Teile des Rituals... beinhalten jedoch nicht das Wesen des Grades. Dieses besteht vielmehr in seinem Charakter als Vergeltungsgrad. Die Ehrsucht, die Unwissenheit und der Fanatismus, das sind die drei infamen Feinde des Ordens, die es ohne Unterlass zu bekämpfen gilt so wird der Kandidat unterrichtet. Das Zeichen des Grades ist ein Dolch, und das Heilige Wort lautet 'Nekam' (hebr.: Vergeltung). Die Vergeltung, um die es sich hier handelt, ist symbolisch die des Templerordens auf Grund der Ermordung seines Grossmeisters Jacques de Molay durch 'zwei Verächtliche'. Damit sind Papst Clemens V. und König Philipp der Schöne gemeint«.


Der Wortlaut des Gelöbnisses macht deutlich, dass es um den bedingungslosen Kampf um individuelle Glaubens und Gewissensfreiheit geht.


»(Man zeigt auf den Totenschädel mit der Königskrone): 'Unter keinem wie immer gearteten Vorwand werde ich jemals einen Kompromiss irgendwelcher Art mit einer Regierung eingehen, welche der Despotismus die Rechte des Individuums missachten lässt.'
(Man zeigt auf den Totenkopf, welcher die Tiara trägt): 'Unter keinem wie auch immer gearteten Vorwand werde ich jemals einen Kompromiss irgendwelcher Art mit einer geistlichen Gewalt eingehen, welche das Gewissen und die Freiheit des Denkens in Fesseln legt und welche den aufrichtigen Zweifel und den ehrlichen Glauben als Verbrechen brandmarkt .. .... Ich gelobe, niemals einer zivilen oder religiösen Gesellschaft anzugehören, welche die Freimaurerei bekämpft'« (zit. in Mellor, S. 411).


3.4.4. Die administrativen Grade


Die Gradfolge der Verwaltunsgrade lautet:


31.°: Grossrichter oder Grossinspektor Inquisitor Kommandeur.


32.°: Meister des königlichen Geheimnisses.


33.°: Souveräner General Grossinspekteur.


«In den obersten Räten hat die Aktivistik der Freimaurerei ihre reinste und restlose Verkörperung gefunden, ist Exoterik vollständig an die Stelle der Esoterik, die Außenarbeit vollständig an die Stelle der Innenarbeit getreten. Sie sind die eigentlichen und innersten Aktionszentren des Weltlogentums. (Lerich, 1937, S. 50)


3.5. Vergleich


Im Gegensatz zur Freimaurerei gibt es zur Aufnahme in die Gemeinde Christi, so wie wir sie verstehen, keine besonderen Aufnahmevoraussetzungen und kein menschliches Prüfungsverfahren. Jeder ist willkommen wirklich unabhängig von allen menschlichen Kriterien. Die Aufnahme ist Sache einer persönlichen Beziehung zwischen der Person und Christus, der Umkehr und der Annahme des Absolutheitsanspruches Christi. Die Freimaurerei hingegen lehnt den Absolutheitsanspruch Christi ab und setzt an seine Stelle die kompromisslose Glaubens und Gewissensfreiheit des Menschen. Ich bin davon überzeugt, dass auch Christus jedem diese Glaubens und Gewissensfreiheit lässt. Nur hat sie ihrerseits eine höchst relative Bedeutung. Durch sie finden wir nicht zum 'Licht', zum 'Heil' etc. Die Freimaurerei hingegen erweckt den Eindruck, als könne der Mensch allein zum Licht finden, als könne der Mensch den Menschen 'auferwecken' und 'erheben', als könne der Mensch selbst der 'gute Hirte' des Menschen und der ganzen Menschheit sein.


  1. Auseinandersetzungen, Kämpfe
Die Freimaurerei war seit ihrer Gründung von einer Vielfalt von Auseinandersetzungen begleitet, von denen nur die externen allgemein bekannt sind. Mit grosser Wahrscheinlichkeit hatten aber auch die internen Auseinandersetzungen zumindest zeitweise einen grossen Einfluss auf den Gang der Weltgeschichte. Ich denke zum Beispiel an die Napoleonischen Kriege, in denen die Heere aller Beteiligten fast ausschliesslich von Freimaurern geführt wurden. (Die Generale Napoleons sowie Wellington, Blücher und Gneisenau waren Freimaurer.) Es ist meines Wissens kaum erforscht, inwieweit unterschiedliche Auffassungen über die 'richtige' Art von Maurerei 'profane' Auseinandersetzungen beeinflussten. Im folgenden sollen die Ergebnisse der internen Auseinandersetzungen kurz dargestellt werden , auf die externen Auseinandersetzungen wollen wir etwas genauer eingehen.


4.1. Interne Auseinandersetzungen


Im Werk von Mellor (Wiss. 1985) sind die wichtigsten internen Auseinandersetzungen ausführlich und exakt dargestellt. Sie sind ausserordentlich verwirrend und für Aussenstehende kaum verständlich. Jedenfalls haben sich die heute weltweit am weitesten verbreiteten und einflussreichsten Formen (Johannismaurerei und Schottische Hochgradmaurerei, die kurz vorgestellt wurden) nur nach zum Teil harten Kämpfen intern durchsetzen können. Demokraten standen gegen Royalisten, Rationalisten gegen Esoteriker und Mystiker, Rosenkreuzer gegen 'Anti Rosenkreuzer', Christliche gegen Humanitäre, Theisten gegen Atheisten, Kirchentreue gegen Antiklerikale


Am grössten ist heute noch der Gegensatz zwischen angelsächsischer und romanischer Freimaurerei. Während in England Kirche und Krone für die Freimaurerei gewonnen werden konnten, hat sich in Frankreich die Freimaurerei antiklerikal und republikanisch entwickelt. Im Jahre 1877 strichen die französischen Freimaurer unter Leitung des ehemaligen Pastors F. Desmons den Artikel 1 der Konstitution, der den Glauben an die Existenz Gottes und die Unsterblichkeit der Seele fordert. So wurde der 'Grand Orient de France' zur 'irregulären' Freimaurerei.


4.1.1. Reguläre und irreguläre Freimaurereien


Mellor schreibt zum Thema der 'Regularität': »Der Begriff der Regularität kann zweierlei bedeuten: Regularität des Ursprungs und Regularität der Prinzipien. Regulären Ursprungs ist eine Obödienz, oder innerhalb einer Obödienz eine Loge, die legal konstituiert worden ist. Nach dem englischen Grundsatz ist eine neu konstituierte Grossloge dann regulären Ursprungs, wenn sie entweder durch eine andere reguläre Grossloge oder aber durch drei reguläre Logen gegründet worden ist. Dennoch kann eine Obödienz irregulär werden. Wenn sie eine oder mehrere der wesentlichen freimaurerischen Voraussetzungen nicht erfüllt, verfällt sie der Profanation. Sie verliert ihre freimaurerische Qualität. Als Beispiel wird hier häufig auf den Grand Orient de France hingewiesen, der 1877 den Begriff des 'Allmächtigen Baumeisters aller Welten' aus seinen Konstitutionen gestrichen hat und damit durch Preisgabe der wichtigsten Landmarke in der Perspektive der gesamten regulären Freimaurerei zu einer Pseudo Maurerei geworden ist, die mit der regulären Kunst nur den Namen gemein hat. Die Regularität im Grundsätzlichen ist also der juristische Status, der durch die Anerkennung eben dieser Grundsätze erworben und bewahrt wird» (Mellor, S. 67).


Mellor unterscheidet sieben reguläre Freimaurereien: die englische, die amerikanische, die französische Freimaurerei (Grande Loge Nationale Francaise), die deutsche, österreichische, skandinavische und die holländische Freimaurerei. Dabei bestehen zwischen diesen Freimaurereien zum Teil grosse Unterschiede in der Lehrart, und es ist keineswegs so, dass sich alle wechselseitig anerkennen und 'brüderliche Beziehungen' aufrechterhalten. So gibt es zum Beispiel 'Obödienzien', die von der Vereinigten Grossloge Englands (UGL) nicht anerkannt, von der Grossloge des Staates New York anerkannt sind. Andere werden von der Grossloge des Staates New York nicht anerkannt, von der UGL Englands aber anerkannt. (Mellor S.68ff.) Als reguläre Maurereien gelten in der Regel auch die in verschiedenen Ländern und zu verschiedenen Zeiten besonders blühenden 'Sonderlogen': Akademikerlogen, Feld , Forschungs , Kaufmanns , Kriegsgefangenen , Militär , Regiments , Residenz , Seelsorger , Universitätslogen u.a.m. (S. dazu Binder, S. 220)


4.1.2. Lehrarten und Hochgradsysteme


Im Verlauf der Geschichte der Freimaurerei kam es oft zu schwärmeri¬schen Gründungen und phantastischen Lehren (Valmy, 35ff.).


Das Werk von Brodbeck gibt einen Überblick über die heute noch bestehenden freimaurerischen Systeme und ähnlichen Organisationen. In den USA von nicht unerheblicher Bedeutung und jüngst auch im deutschsprechenden Raum Europas ist der »Alte Arabische Orden der Edlen vom Mystischen Schrein» (= »Shriners«). Sämtliche Zugehörige verstehen sich als Hochgradmaurer (Prantner Kath. 1989 16).


4.1.3. Freimaurerähnliche Organisationen und 'Sekten'


Von Brodbeck sind die folgenden 'freimaurerähnlichen Organisationen' dargestellt: Die Ritterorden (die Johanniter, die Tempelritter, der deutsche Ritterorden), die heilige Feme, das Haberfeldtreiben, der Odd Fellow Orden. der Rosenkreuzorden, der Illuminatenorden, der Martinsorden, der orientalische Templerorden, der Gralsorden, der Druidenorden, der Guttemplerorden, der Rechabiterorden, die asiatischen Brüder, der Alchemistenorden, Les Compagnons. Daneben gibt es nach Mellor freimaurerische 'Sekten', die sich zum Teil bewusst dem Okkulten zuwenden, und vor denen die Freimaurerei selbst warnt: »Jede Hinwendung zum Okkulten führt tiefer hinein in den Okkultismus. Dies ist ein Lebensgesetz aller geheimen Gesellschaften, ebenso wie auch der initiatorischen Vereinigungen, die sich nicht als geheim bezeichnen. Es ist durch nur zu gut bekannte Gründe zu erklären: enttäuschte Neugier, Eitelkeit, Verlangen nach dem Mysterium, Stolz darauf, den Eingeweihten spielen zu können. Diejenigen, die heute diese menschlichen Schwächen missbrauchen, erfinden zwar keine neuen Hochgrade mehr, fahren aber fort, Vereinigungen freimaurerischer Art ausserhalb der Freimaurerei ins Leben zu rufen, indem sie sich dieser als eines Auswahlzentrums bedienen und häufig von den Adepten (Adept = in eine geheime Lehre Eingeweihter) verlangen, dass sie Eingeweihte in freimaurerischen Hochgraden sein müssen« (Mellor, 451).


4.2. Externe Auseinandersetzungen


«Die Freimaurerei vertrug sich nie und nirgendwo mit Absolutismen und Totalitarismen. Überall dort, wo jemand die letzte Wahrheit zu besitzen wähnte und beanspruchte, kam es zu Konfliktsituationen, weil diesem jemand der maurerische Toleranzgedanke grundsätzlich unerträglich scheinen musste.» (Zendralli, S. 8) In der Geschichte dieser externen Auseinandersetzungen stellen sich die Freimaurer gern als die Märtyrer für Freiheit und Fortschritt hin, den Gegnern erscheinen sie als Verschwörer und Zerstörer jeder Ordnung. Über diese 'Verschwörungstheorien' siehe Rogalla von Bieberstein.


4.2. 1. Der Absolutismus


Die Ereignisse der Französischen Revolution können wohl kaum als das bewusste oder gar geplante Werk der Freimaurer bezeichnet werden. Die Revolution hat vielmehr eine völlig unkontrollierte Eigendynamik entfaltet, die zeitweise für alle Beteiligten gefährlich wurde. Dennoch haben Freimaurer bei der Bekämpfung des (französischen) Absolutismus eine bedeutende, wenn nicht massgebende Rolle gespielt. Das sollen einige Auszüge aus einem Artikel von Hess in der Zeitschrift 'Alpina' (1989 Nr. 6/7 S. 162ff.) verdeutlichen. »Frankreich besass am Vorabend der Revolution 70'000 Freimaurer, fast doppelt so viele wie heute bei halb so grosser Bevölkerung (26 Millionen). Die über 600 Logen hatten einen bedeutenden Einfluss. Von den drei grossen Aufklärern war zwar nur einer, Montesquieu, der Vordenker der Gewaltentrennung, früh Freimaurer geworden. Rousseau, der Prophet der Gleichheit, hat nie dem Bund angehört, und Voltaire, der Kämpfer gegen Unrecht und Willkür, wurde erst im Jahre seines Todes in die Loge 'Les neuf Soeurs' aufgenommen. Auch die Enzyklopädisten Diderot und Dalembert waren keine Maurer, wohl aber zahlreiche Aufklärer der zweiten Garnitur: Helvetius, Marmontel, Chamfort, Condorcet, Beaumarchais, der Baron Holbach.« (Hess,1989, S. 162). Im Frühjahr 1789 versammelten sich die drei Generalstände Adel, Klerus und dritter Stand. »Von den 578 Abgeordneten des dritten Standes sind 477 Freimaurer. Die grosse Mehrheit von ihnen will Reformen, will eine konstitutionelle Monarchie.» (S.163) Nach dem Sturm auf die Bastille legen Adel und Klerus auf Antrag der Freimaurer Duc d'Aiguillon und Vicomte de Noailles 'freiwillig' sämtliche Privilegien nieder. (164) Am 26. August verabschiedet die Versammlung auf Antrag der Freimaurer Lafayette, Mirabeau und Sieyès die berühmte 'Erklärung der Rechte eines Menschen und Bürgers'. «Sie setzt die uns heute selbstverständlichen Menschenrechte fest: 'Jeder Mensch ist frei geboren und bleibt frei. Keine Autorität kann ausgeübt werden, die nicht vom Volk ausgeht.' 26 kurze Artikel verkünden die Sicherheit der Person, Glaubens- und Gewissensfreiheit, Pressefreiheit, Schutz vor behördlicher Willkür und vor Festnahme.« (164) «Erstmals spielt eine neue Macht in der Politik mit, die öffentliche Meinung.» (165) Die weitere Entwicklung spaltet die Freimaurer: ~»Einige Freimaurer wie Desmoulins, Danton, Marat trieben die Radikalisierung immer weiter; anderen wie Lafayette, Bailly, Mirabeau ging die Revolution bald zu weit.« (165) Robespierre war nie Freimaurer, wohl aber noch verschiedene andere Persönlichkeiten der Revolution, wie zum Beispiel Rouget de Lisle, der Komponist der Marseillaise und der Arzt Guillotin, der »eine humanere Exekutionsmethode und die 'Gleichheit vor dem Schafott'» forderte. (168) Nach ihm wurde die Guillotine benannt. »Nur noch wenige Freimaurer sind unter den 'Königsmördern': Fouchä, Cauthon, Danton, Marat und der Vetter des Königs, Philippe d'Orléans, Grossmeister des Grand Orient, der sich jetzt Citoyen Philippe Egalité nennt.« (167) Unter den Anführern royalistischer Aufstände finden sich Freimaurer: Stofflet, Savare, Charette, Scepetaux. Von den drei Führern des 'Wohlfahrtsausschusses' des Revolutionstribunals (Robespierre, St. Just und Couthon) ist nur Couthon Freimaurer. (168) »Eine zunehmende Dechristianisation (Entchristlichung) findet statt, bei welcher sich Bruder Chaumette auszeichnet; der christliche Kalender wird abgeschafft, der 'Kult des höchsten Wesens' inauguriert (eingeführt) , der Altar der Vernunft errichtet.« (168)


Zusammenfassend kann gesagt werden: Freimaurer haben die Revolution inszeniert und angeführt. Aber die Revolution hat 'die Brüder getrennt' und schliesslich fast alle Freimaurer vernichtet. Die Freimaurer sind nicht die Sieger, sondern die Opfer der Revolution. Dennoch ist wohl eindeutig, dass der Geist der Freimaurerei den Absolutismus besiegt hat.
4.2.2. Die Katholische Kirche


Die Auseinandersetzung zwischen Freimaurerei und Katholizismus hat das kulturelle und politische Leben Europas vor allem im letzten Jahrhundert ('Kulturkampf') wesentlich geprägt. Sie ist schon mehrfach ausführlich dargestellt worden. (Siehe zum Beispiel Binder (Wissenschaftler,1988 56ff.), Conzemius (Kath. 1984 30ff.), Seydel (FM 1862), Valmy (FM 1988 64ff.) und die bei diesen Autoren angegebene Literatur.)


«Was die Freimaurerei ablehnt, ist die politische Herrschaft des Klerikalismus und den Anspruch der Päpste auf beherrschenden Einfluss auch in allen kulturellen Fragen, weil sich daraus schwere Hemmungen für den menschlichen Fortschritt und die freie Geistesentwicklung ergeben haben.» (Schenkel, 1926, S.171) Die Freimaurer bekämpfen nicht die Katholiken, sondern den Absolutheitsanspruch der römisch katholischen Kirche , »weil Rom behauptet, die alleinseligmachende Kirche zu sein, die über Wahrheit und Vergebung autonom verfügt und sich als sichtbare Stellvertretung Gottes betrachtet.« (Böni, S. 68)


Die Antwort der katholischen Kirche auf die Herausforderung durch die Freimaurerei liess nicht lange auf sich warten. »Die erste Verurteilung wurde 1738 von Papst Clemens XII. ausgesprochen in der Bulle 'In eminenti'. Benedikt X. bestätigte dieses Verdikt in der Bulle 'Providas' (1751). Zwischen 1738 und 1918 wurden über 12 Verbote in päpstlichen Bullen gegen die Freimaurerei gefällt.« (Conzemius, Kath., 1984, 30) Schenkel kommentiert die Bestimmungen gegen die Freimaurer im kirchlichen Gesetzbuch von 1917 (Codex juris canonici) wie folgt: »Nicht nur ist den Maurern der Eintritt in kirchliche Orden und religiöse Vereinigungen verschlossen.... sondern die Freimaurer werden als solche exkommuniziert, Geistliche und Ordensleute, die Freimaurer wären, verlieren ihre Stellung und werden in besondere Strafe genommen. Dem Freimaurer ist die kirchliche Trauung versagt. Selbst der Tod löscht die Feindschaft nicht aus. Noch der Leichnam des Freimaurers ist ein Gegenstand des Hasses und Abscheus. Er darf nicht kirchlich beerdigt werden, und wenn dies versehentlich doch geschehen ist, so soll sein Leichnam... wieder ausgegraben und an ungeweihter Stätte vergraben werden. Der treue Sohn der Kirche aber darf sich nicht einmal sachlich über Ziel und Zweck der Freimaurerei... unterrichten; auch das ist ihm ausdrücklich untersagt« (Schenkel, S. 171).


Die katholischen Gegenmaßnahmen hatten nur eine beschränkte Wirkung: «Päpstliche Bullen kamen in jener Zeit nur dann zur rechtlichen Geltung, wenn sie von staatlicher Seite registriert wurden. Das war in den protestantischen Ländern von vornherein ausgeschlossen; außer in Spanien, Portugal und Polen wurde die staatliche Genehmigung der päpstlichen Bulle in manchen katholischen Ländern (z. B. Frankreich) verweigert. So kam es, dass hier Katholiken. Laien und Kleriker, ungeachtet päpstlicher Bestimmungen, der Freimaurerei beitraten. Unter den prominentesten Laien seien Mozart und Haydn erwähnt, die Liste geistlicher Würdenträger ist lang.« (Conzemius Kath. 1984 32) Im Werk von Taute (FM 1909) über ’die katholische Geistlichkeit und die Freimaurerei' ist eine Liste mit den Namen von über 500 katholischen Geistlichen und Würdenträgern enthalten, die nachgewiesenermaßen Freimaurer waren. »1772 wird mit Lord Robert Edward Petre ein Katholik Großmeister der englischen Grossloge... Gerade katholische Länder sind zu starken Freimaurerzentren geworden.» (Im Hof, Wiss. 1982, S. 1 66f.) In Italien rührten im letzten Jahrhundert die revolutionären Umtriebe von geheimen Gesellschaften, die zum Teil von Freimaurern gegründet wurden (z.B. die 'Carbonari'), an die politische Existenz des Kirchenstaates. «Auf katholischer Seite brach nach der Jahrhundertmitte eine antifreimaurerische Hysterie aus. Es entstanden Zeitschriften und Verbände, um die Freimaurer zu entlarven... Ihren Höhepunkt erreichte diese Hysterie im berüchtigten Leo Taxil Schwindel (Deckname für Gabriel Jogand Pagès). Angeregt durch die Antifreimaurerenzyklika Leos XIII. 'Humanum genus' von 1884, hielt Taxil die katholische Öffentlichkeit als angeblich bekehrter Freimaurer durch seine Enthüllungen in Aufregung... 1887 empfing Leo XIII. Taxil... Kurze Zeit darauf hat Taxil in Paris den Schwindel öffentlich gestanden.» (Conzemius Kath. 1984, S. 33)


«Erst das 2. Vatikanische Konzil brachte Bewegung in die erstarrten Fronten. Die Erklärung des Konzils zur Religionsfreiheit und die sachliche Auseinandersetzung des französischen Juristen Alec Mellor mit der Geschichte der Freimaurerei schufen die Voraussetzungen für ein neues Verhältnis... Im neuen kirchlichen Strafrecht wird der Kirchenstrafen androhende Kanon 2335 nicht mehr erwähnt» (Conzemius Kath. 1984, S. 34). Die Streichung dieses Strafen Kanons hat aber keine Klärung gebracht, sondern eine Situation der Unsicherheit geschaffen: Die Position der katholischen Kirche dem Geist des Relativismus und der Oekumene gegenüber wurde unklar und widersprüchlich. So erklärte einerseits Josef Kardinal Ratzinger in einer 'Erklärung der Glaubenskongregation zur Freimaurerei' vom 26.11.1983: «Das negative Urteil der Kirche über die freimaurerischen Vereinigungen bleibt also unverändert.» Andererseits wird dieses Urteil von wichtigen katholischen Persönlichkeiten in Frage gestellt. So erklärte zum Beispiel Herbert Vorgrimler, Dekan der katholischen theologischen Fakultät der Universität Münster, in einem Interview mit dem Österreichischen Fernsehen (ORF 1990), Ratzinger äussere in seinem Urteil über die Freimaurerei bloss seine persönlichen Vorbehalte und Ängste in einer Materie, in der er offenkundig nicht genug Bescheid wisse.


Wie dem auch sei: Die Streichung des Strafartikels hat die Situation für die katholische Kirche nicht erleichtert, sondern erschwert. Die Auseinandersetzung zwischen 'katholischem Absolutismus' und 'freimaurerischem Relativismus' findet nun nicht mehr zwischen Katholizismus und Freimaurerei, sondern in der katholischen Kirche selbst statt! Dieser Kampf, der in der Schweiz heute bei der umstrittenen Bischofswahl in Chur zum Ausdruck kommt, ist wohl für alle katholischen Beteiligten ausserordentlich schmerzhaft. Bei konservativen katholischen Autoren wie Adler (Kath. 1975, 1982, 1983), Baum (1975, 1976, 1977), Feuling (1975), Rothkranz (1990) herrscht Panikstimmung. Für sie steht 'die Kirche im Endkampf' (Baum). Dabei brauchen sie nicht nach 'Verschwörern' im Vatikan selbst zu suchen, »weil die Neu 'Theologie' das Gedankengut der Freimaurerei freiwillig übernommen hat und es nun aus dem Innersten der Kirche heraus zur Geltung bringt.« (Feuling, Kath. 1975, S. 72)


4.2.3. Andere Kirchen Ablehnung


Die Freimaurerei wird nicht nur von der katholischen, sondern auch von den orthodoxen Kirchen abgelehnt. »Die Bischöfe der griechisch orthodoxen Kirche untersuchten am 12. Oktober 1933 das Verhältnis der Freimaurerei zum Christentum und kamen zum vernichtenden Urteil: "Die Freimaurerei ist eine Mysterienreligion, sie ist vom christlichen Glauben völlig verschieden, ihm entgegengesetzt und fremd." Sie kann mit dem Christentum nicht in Übereinstimmung gebracht werden. Den Geistlichen und Laien ist die Mitgliedschaft in Logen verboten. Tritt ein Geistlicher einer Loge bei, wird er aus dem Klerus entlassen.» (Bauhofer FM 1975, S. 22f.)


»Ferner haben sich gegen die Freimaurerei formell ausgesprochen: die kalvinistische Kirche in den USA, die reformierte niederländische Kirche in Südafrika (1940 und 1967), die Adventisten und die Zeugen Jehovas.» (Bauhofer FM 1975 23) In protestantischen Ländern wurde die Freimaurerei anfänglich zum Teil verboten, die meisten protestantischen Kirchen kamen aber mit der Zeit zu einer neutralen oder positiven Haltung. So verboten die Regierung von Holland 1735, die Regierung von Schweden 1736, diejenige von Hamburg und Genf ebenfalls 1736 die Freimaurerei. (Hammer Prot. 1984, S. 26) »Drei Jahre später erreichten die zwinglianischen Pfarrer Zürichs dasselbe Verbot.« (Bauhofer FM 1975, S. 22) »König Friedrich von Schweden aus dem Hause Hessen Kassel verbot die Freimaurerei zunächst sogar bei Todesstrafe, stellte sich freilich später, dem preussischen Beispiel des grossen Friedrich II. folgend, an deren Spitze.» (Hammer Prot. 1984, S. 26) Nach Binder gibt es auch heute noch vor allem in den Vereinigten Staaten Gemeinden calvinistischen und lutheranischen Ursprungs, die sich gegen Mitgliedschaften aussprechen und ihren Mitgliedern mit Sanktionen im Falle einer Logenzugehörigkeit drohen. Ähnliche Beschlüsse weisen auch presbyterianische Gemeinden in Schottland und Irland auf«. Zudem wird die Freimaurerei nach Schenkel «in den pietistischen und orthodoxen Kreisen bekämpft«. Gesamthaft lässt sich sagen, «dass die Beziehungen der evangelischen Kirchen zur Freimaurerei ebenso vielfältig wechselnd wie gespalten waren und noch sind.» (Hammer, 1984, S.26)


Übrigens: Auch im Einzugsbereich anderer Religionen, besonders im Islam, wurde die Freimaurerei verboten. »Im ausserchristlichen Raum wurde der Sultan durch eifrige Muselmanen zu einem Verbot der 'neuen Sekte' überredet.« (Bauhofer, 1975, S. 22). Zu einem Erfolg der Freimaurerei gegenüber dem islamischen Fundamentalismus kam es 1923 in der Türkei. Kemal Atatürk, der 'Vater der modernen Türkei', war Freimaurer. (Oslo,1988, S.404)


Neutralität


»Die Methodisten, Baptisten, Presbyterianer und Episkopale haben nie Einwände gegen die Freimaurerei erhoben... Die altkatholischen Nationalkir¬chen haben weder in der Konvention von Utrecht 1889, noch anlässlich der Interkommunion mit der anglikanischen Kirche 1932, noch in ihrer Literatur sich mit der Freimaurerei auseinandergesetzt.» (Bauhofer, 1975, S. 23) In letzter Zeit ist auch die Haltung der Anglikanischen Kirche wieder etwas zurückhaltender. Denn: »1984 häuften sich im Zuge einer breit angelegten Freimaurerdebatte in Grossbritannien negative Stimmen, wobei auch seitens der Church of England und der Unitarischen Kirche gewisse Bedenken gegenüber der Bruderschaft erhoben wurden.« (Binder, 1988, S. 103).


Zustimmung


»In England, Schweden, Preussen und den meisten überwiegend protestantischen deutschen Bundesstaaten hat schon die Teilnahme der Fürsten am Logenleben ein friedliches Verhältnis nahegelegt. Von seiten der Freimaurerei ist dieses friedliche Verhältnis nie und nirgends gestört worden... Immer haben in Deutschland zahlreiche evangelische Geistliche der Loge angehört. Viele Freimaurer waren und sind Mitglieder kirchlicher Kollegien. Evangelische Geistliche nehmen als Redner, Meister vom Stuhl, ja auch als Grossbeamte und selbst als Grossmeister wichtige Stellen im deutschen Logenleben ein. Auf der Jahresversammlung des Vereins deutscher Freimaurer 1925 wurden einige der wichtigsten Beratungsgegenstände von Pfarrern vorgetragen. Die Gedankenwelt der meisten deutschen Logen ist weithin dadurch bestimmt, dass die meisten Mitglieder gebildete Protestanten sind.« (Schenkel, 1926, S. 33f.) Ähnliches kann von der evangelischen Kirche in Schweden sowie von der Anglikanischen Kirche gesagt werden. Rund 100'000 Anglikaner sind Mitglieder der Logen. Es gehören den Logen auch mehr als 17 Bischöfe und über 500 Geistliche an. Selbst das ehemalige Kirchenoberhaupt, Erzbischof Fisher von Canterbury, war Logenmitglied. (Bauhofer, 1975, S. 23) In Deutschland und England war es unter Umständen sogar möglich, dass Logen praktisch identisch waren mit einem Bund der Theologen! In der Schweiz war meines Wissens die Freimaurerei nie einem solchen Ausmass geistiger Beeinflussung ausgesetzt, wenngleich es nie an Pfarrern als Mitglieder von Bauhütten fehlte. So war zum Beispiel der langjährige Grossmeister der 'Alpina', J. Böni, Pfarrer. Zudem waren beispielsweise Liederdichter wie Matthias Claudius, Friedrich Gottlob Klopstock und Friedrich Rückert, deren Lieder heute noch in der Landeskirche gesungen werden, Freimaurer. (Schenkel, S. 33)


Trotz der grundsätzlichen Zustimmung kam es auch in den erwähnten Landeskirchen zu Auseinandersetzungen über die Freimaurerei und ihre enge Verflechtung mit der Kirche. Die schwerste dieser Auseinandersetzungen wurde vom Berliner Theologieprofessor und Begründer der 'Evangelischen Kirchenzeitung' Ernst Wilhelm Hengstenberg initiiert. In seinem dreiteiligen Werk 'Die Freimaurerei und das evangelische Pfarramt' (Berlin 1854 und 1855) forderte er, evangelischen Geistlichen sei die Mitgliedschaft in den Logen zu verunmöglichen. (S. dazu Schenkel S. 34f.) Den freimaurerischen Standpunkt vertrat in dieser Auseinandersetzung hauptsächlich der evangelische Geistliche G.A. Schiffmann, 'Archidiaconus' an St. Jacobi in Stettin sowie freimaurerischer 'Provinzial Grossmeister' für Posen und 'Unterarchitekt' des Ordens. (Stettin 1857) Der Streit wurde schliesslich weniger durch Argumente entschieden, als durch den Umstand, dass der damalige Prinz Wilhelm, der spätere deutsche Kaiser Wilhelm I., Freimaurer war. (Schenkel, S. 35)


Schenkel (Ebd. 170) fasst die kirchengeschichtliche Bedeutung der Freimaurerei aus seiner Sicht wie folgt zusammen: »Die kirchengeschichtliche Bedeutung der Freimaurerei liegt in ihrem Gegensatz gegen den römischen Klerikalismus, in der Ablehnung des materialistischen Atheismus und dem Festhalten an dem theistischen Idealismus, endlich aber darin, dass sie die einzige grosse und festgefügte Organisation ist, deren Geist im allgemeinen der liberal protestantischen Lebensauffassung entspricht.«


4.2.4. Totalitarismus


Zum Thema 'Freimaurerei im Zeitalter des Totalitarismus' siehe besonders den Aufsatz von Kreis (1984, S. 19ff.) und die darin angegebene Literatur. Die Freimaurerei wurde verboten: 1917 in Russland, 1919 in Ungarn, 1925 in Italien, 1934/35 in Deutschland, 1938 in Österreich und 1940 im besiegten Frankreich, zudem in Portugal unter Salazar und in Spanien unter Franco. In der Schweiz lancierten 1934 Frontisten eine Volksinitiative zum Verbot der Freimaurerei. Diese Volksinitiative wurde vom Nationalrat mit 107:2, vom Ständerat mit 22:0 und vom Volk am 28.11.1937 mit 68,7% der Stimmen abgelehnt. (S. dazu Kreis, 1984,20ff. sowie Herren,1981, S. 215ff.)


Kommunismus


»1922 wurde auf dem vierten Kongress der Kommunistischen Internationale die Freimaurerei als politische Organisation der Bourgeoisie gebrandmarkt und gleichzeitig eine Mitgliedschaft für Kommunisten als unvereinbar deklariert, während die Freimaurerei Fidel Castros Revolution auf Cuba überlebte.» (Binder) Das Urteil der orthodoxen Kommunisten und Marxisten Leninisten über die Freimaurerei kommt im folgenden Zitat Leo Trotzkis (1923 im Moskauer Regierungsorgan 'Iswestija' wohl treffend zum Ausdruck: »Sie ist die kapitalistische Feindin des Kommunismus; sie ist rückständig wie die Kirche, der Katholizismus. Sie stumpft die Schärfe des Klassenkampfes durch Mystizismus, Sentimentalität und moralischen Formenkram ab... Mit glühenden Eisen müsste sie mit ihrer Gefolgschaft ausgerottet werden, denn sie schwächt die Lehren des Kommunismus durch ihre bürgerlichen Journalisten ab.» (Trotzki zit. in Oslo, S. 349)


Mit den Umwälzungen im Ostblock erleben auch die Logen eine 'stille Renaissance' Ende Januar 1990 wurde zum Beispiel in Ungarn, nach vierzigjährigem Verbot, eine Loge wiederbelebt. (Ulmer Journ. 1990) Der Absolutheitsanspruch einer einzigen Partei ist natürlich mit dem freimaurerischen Credo ebensowenig vereinbar wie der Absolutheitsanspruch einer einzelnen Rasse oder gar eines einzelnen Volkes.


Nationalsozialismus


Das folgende Urteil Hitlers über die Freimaurerei scheint mir sehr aufschlussreich zu sein: «Ich glaube natürlich nicht im Ernst an die abgrundtiefe Bosheit und Schädlichkeit dieser in Deutschland immer harmlos gewesenen Vereinigung. Ich habe mir sehr genau Bericht erstatten lassen. Nun, was da von angeblichen Greueln zutage kam, von Skeletten, Totenköpfen, Särgen und geheimnisvollen Zeremonien, das ist alles Kinderschreck. Aber eins ist das Gefährliche, und ist auch dasjenige, was ich von den Freimaurern übernommen habe. Sie haben eine Lehre gebildet, die in Symbolen und Riten stufenweise höhere Einsicht gewährt. Die Erziehung durch Symbole und Riten ist das Gefährliche und Grosse und von mir Übernommene. Sehen Sie nicht, dass unsere Partei etwas ganz ähnliches sein muss? Aber das bedeutet natürlich, dass es nicht etwas Ähnliches von anderer Seite geben darf. Entweder wir oder die Freimaurer oder die Kirche. Aber niemals zwei nebeneinander. (Hitler zit. in Itor,1987, S. 64f.)


In der Auseinandersetzung der Alliierten mit dem Nationalsozialismus spielten nicht nur Worte und Panzer, sondern auch Symbole eine Rolle. Der Handmagie Hitlers zum Beispiel ('deutscher Gruss') setzte der Freimaurer Winston Churchill die brennende Zigarre und das V Zeichen entgegen. Das V Zeichen (Victory) soll Churchill von seinem Mentor in Sachen Magie, dem Satanisten Aleister Crowley, übernommen haben. (Dazu Memopress Nr. 2, S. 1982) Neben Winston Churchill waren noch andere prominente Führer der Alliierten Freimaurer, so die amerikanischen Präsidenten Franklin D. Roosevelt und Harry S. Truman. (Itor FM 1987 69) Von den deutschen Freimaurern nahmen viele am aktiven und passiven Widerstand teil; viele wurden ermordet. (Binder Wiss. 1988 79f.)


4.2.5. Zusammenfassung


Zusammenfassend kann zum Thema 'externe Auseinandersetzungen' gesagt werden: Der Geist der Freimaurerei hat nicht nur den Absolutismus besiegt, sondern auch den Nationalsozialismus und den Kommunismus. Die evangelischen Kirchen hat er gespalten und zum Teil ganz beschlagnahmt, wobei der Hauptangriff gegen die Waffe gerichtet ist, die die Reformatoren dem Katholizismus entgegenhielten: das Wort. Seit dem zweiten vatikanischen Konzil wirkt er innerhalb der katholischen Kirche.


5. Einfluss auf Staat, Wirtschaft und Gesellschaft


Die Freimaurerei tritt gegen aussen nicht durch ihre Institutionen, Logen, Grosslogen oder internationalen Vereinigungen in Erscheinung, sondern will hauptsächlich über die einzelnen Mitglieder als individuelle Persönlichkeiten Einfluss auf Staat, Wirtschaft und Gesellschaft nehmen. Darum geht es in diesem Kapitel in erster Linie um eine Zusammenstellung der Namen von Personen, die nachgewiesenermassen Freimaurer waren. Dabei werden wohl einige Lücken offen bleiben, vor allem was die Mitgliedschaft der heute noch lebenden Freimaurer angeht. Jeder Freimaurer kann sich über seine eigene Mitgliedschaft offen äussern, gleichzeitig hat er sich aber verpflichtet, nichts über die Mitgliedschaft anderer auszusagen. So mag aber dennoch ein Mosaik entstehen, das ein mehr oder weniger deutliches Bild über das Wirken der Freimaurer und die Wirkung der Freimaurerei sichtbar macht.


Natürlich sind auch die internationalen freimaurerischen Vereinigungen nicht ohne Einfluss, von denen die drei wichtigsten ihren Sitz in der Schweiz haben: Die Internationale Maurerische Vereinigung (AMI) mit Sitz in Genf hat die Grosslogen der Johannismaurerei als Mitglied. In der Allgemeinen Freimaurer Liga mit Sitz in Basel können alle Freimaurer als Einzelpersonen Mitglied werden. Die Lausanner Konföderation der Hochgradfreimaurer gilt als das Aktionszentrum der sogenannten 'Weltfreimaurerei'. (S. dazu auch: Blaubuch FM 1934, Lerich FM 1937 28f.) Auf die Aktionen dieser Vereinigungen kann in dieser Arbeit nicht eingegangen werden, da wir über zuwenig zuverlässige Informationen verfügen.


5. 1. Einfluss auf den Staat


Der Einfluss der Freimaurerei auf den Staat hat sich vorerst in den einzelnen Ländern sehr unterschiedlich gestaltet, bedingt durch «den verschiedenen Volkscharakter, die Verschiedenheit der politischen Zustände und vor allem durch die Verschiedenheit der kirchlichen und kulturellen Verhältnisse.» (Schenkel, S. 30) Auf die einzelnen Länder soll im folgenden kurz eingegangen werden. Im allgemeinen können wir sagen, dass die Freimaurerei in den angelsächsischen sowie in anderen protestantischen Ländern sehr bald zu einer staatsfreundlichen, staatsbildenden und staatstragenden Macht wurde, während in den romanischen und anderen katholischen Ländern bis zum Zeitpunkt der allfälligen Machtübernahme ein antiklerikaler, kritisch bis revolutionärer Einfluss ausgeübt wurde.


Seit ihrer Gründung hat die Freimaurerei versucht, in den einzelnen Staaten 'von oben' Einfluss auszuüben und die obersten Machthaber für sich zu gewinnen. Das ist ihr in manchen Ländern sehr bald gelungen.


5.1.1. Die konstitutionelle Monarchie


Zur Zeit der Gründung waren die obersten Machthaber Monarchen. Im umfassenden und aufschlussreichen Werk von Riegelmann (1943, Neudruck 1985) über 'die europäischen Dynastien in ihrem Verhältnis zur Freimaurerei' sind unter anderem übersichtliche 'genealogische Tafeln' enthalten, wobei von jeder Person angegeben ist, in welchem Verhältnis sie zur Freimaurerei stand (Mitglied, Freund, Gegner) und wie sich das Verhältnis entwickelte. In England kam es schon früh zu einer 'Identität zwischen Dynastie und Freimaurerei'. Riegelmann findet »in 225 Jahren zwanzig Angehörige des englischen Königshauses als Mitglieder der Freimaurerei vor und z.T. sogar mit höchsten maurerischen Würden ausgestattet, darunter fünf britische Könige... Zugleich finden wir keinen einzigen Gegner der Freimaurerei im englischen Königshause.» (Ebd. 402f.) Hauptsächlich in England und durch England, später auch durch die USA, machte die Freimaurerei Politik. Zeitweise war der Einfluss über die Monarchen auch in Deutschland stark, und besonders auch »die nordischen Dynastien sind mit sehr zahlreichen Angehörigen aktiv der Freimaurerei verbunden.» (Ebd. 408)


Die Monarchen versuchten in der Regel, sich der Freimaurerei als machtpolitisches Instrument zu bedienen: Die Dynastie schafft sich in der Freimaurerei ein politisches Instrument. Riegelmann zeigt, dass diese Rechnung im Rückblick nicht aufgegangen ist. Umgekehrt: Die Freimaurerei hat sich der Dynastien bedient. Manchen Monarchen war 'die grundsätzlich antimonarchische Einstellung der Freimaurerei' von Anfang an bewusst. Daher »die so zahlreichen Verbote der Freimaurerei in den verschiedensten monarchischen Staaten Europas im Wandel der Zeiten.« (Ebd. 41.) In Deutschland und Dänemark entstanden 'Antimassonianische Sozietäten'. «Hier bildet sich sozusagen erstmalig eine antifreimaurerische Organisation rein aristokratischen Charakters bzw. eine regelrechte Dynasten Bewegung gegen die als staatsfeindlich erkannte Freimaurerei.« (Ebd. 411) Manche Freimaurer Monarchen haben sich mit der Zeit selbst wieder von der Freimaurerei distanziert, so auch Friedrich der Grosse, dessen Vater, Friedrich Wilhelm I., ein ausgesprochener Feind der Freimaurerei war.


Der Rückblick zeigt also, dass sich die Freimaurerei der monarchischen Dynastien nur bedient hat, um ihr eigenes Programm durchzusetzen, das nicht monarchistisch ist. Auf monarchistischem Boden ist die konstitutionelle Monarchie das Ziel der Freimaurerei. Das war auch, wie wir gesehen haben, am Anfang der Französischen Revolution so. (Hess FM 1989 163) Diejenigen Monarchien und Dynastien aber, die sich nicht mit einer weitgehenden und grundsätzlichen Relativierung ihres Herrschaftsbereiches haben abfinden können, sind von der politischen Landkarte verschwunden. «Im Grunde widerspricht die Existenz jeder Monarchie jeglicher freimaurerischen Lehre, Haltung, Zielsetzung: der universal überstaatlich, inter und antinational gemeinte, empfundene und angewandte Satz von 'Freiheit Gleichheit Brüderlichkeit' bestreitet von vornherein jeder Dynastie, jeder nationalen Monarchie wie überhaupt jedem eigenständigen und 'autoritären' Führertum das Daseinsrecht.« (Riegelmann, S.412).


5.1.2. Gewaltentrennung, demokratischer Rechtsstaat


Den freimaurerischen Idealen entspricht auf politischer Ebene die Idee der Gewaltentrennung und der Versuch, national und international einen demokratischen Rechtsstaat zu bilden. Wenn es keine absolute Wahrheit gibt, dann kann es auch niemanden geben, der 'rechtmässig' uneingeschränkt Macht ausüben kann. Jeder menschlichen Machtausübung ist zu misstrauen, und jede Gewalt muss durch eine andere Gewalt kontrolliert werden und notfalls in die Schranken gewiesen werden können. Charles Louis de Secondant, Baron de la Brède et de Montesquieu (1689 1755) war Freimaurer und «Mitbegründer einer der ersten französischen Logen». (Oslo, S.406) Montesquieu gilt bekanntlich als Vordenker der Gewaltentrennung und als einer der Begründer des demokratischen Rechtsstaates. Nach seiner Vorstellung der Gewaltentrennung in Legislative, Exekutive und Judikative sind die USA, die Schweiz und andere Länder politisch organisiert. Heute spielen die Medien als sog. 4. politische Kraft eine immer wichtigere Rolle.


Das Wesen des demokratischen Rechtsstaates besteht darin, dass alles staatliche Handeln nur innerhalb und aufgrund von Gesetzen erfolgen soll, die in einem demokratischen Verfahren zustande gekommen sind. Nicht Gott stiftet jetzt mehr die Gesetze, und es geht nun auch nicht mehr nur um ein Volk. Der Mensch gibt sich die eigenen Gesetze selbst. Jedes Volk soll sich seine eigenen Gesetze selbst geben. Es kommt nun zu einer neuen Art von Gesetzlichkeit': der Mensch erwartet Ruhe, Ordnung, Sicherheit etc. aufgrund der selbst gegebenen Gesetze, und er verzichtet auf Selbstjustiz zugunsten der gemeinsamen Justiz. Die Einübung in diese rechtsstaatliche Art sittlichen Verhaltens wird heute noch oft in den 'Western' dargestellt: Der 'Wilde Westen' wird zivilisiert, indem der wirklich 'Gute' den Bösewicht nicht umbringt, sondern einem ordentlichen Gericht übergibt.


5.1.3. Einzelne Länder


Im folgenden sollen die wichtigsten Staatsmänner der einzelnen Länder, die Freimaurer waren, genannt werden. Die Persönlichkeiten aus Wirtschaft und Gesellschaft werden in den nächsten Abschnitten aufgeführt.


Grossbritannien:


«Der Einfluss der Freimaurerei in England ist kaum abzuschätzen. Wenn man alle berühmten Freimaurer Englands, Schottlands und Irlands aufzählen wollte, hiesse das, eine Geschichte dieser Länder seit bald dreihundert Jahren in ihrem Verlauf auf allen Gebieten darzulegen. Darunter sind fünf Könige und viele ihrer Brüder und nächsten Verwandten, die Politiker von Lord Chesterfield bis Winston Churchill; das Heer und die Flotte sind durch Männer wie Wellington, Kitchener, Haig und viele andere vertreten.» (Naudon,1982, S. 58) Zu nennen wäre noch der Seeheld Admiral Nelson sowie der einflussreiche Staatsmann und Schriftsteller Benjamin Disraeli (1804 1881). Die folgenden Könige von England waren Freimaurer: Georg IV., Wilhelm IV., Eduard VII., Eduard VIII., und Georg Vl. Die Zahl der Freimaurer in Grossbritannien wird heute auf 600'000 geschätzt.


Deutschland und Österreich:


Auf englisches Betreiben konnte Friedrich der Grosse während seiner Kronprinzenzeit zum Eintritt in eine Loge gewonnen werden. (Riegelmann, 406) »Freimaurer waren im übrigen König Friedrich Wilhelm II., der aber zunehmend immer mehr der Rosenkreuzerei in die Hände geriet, Wilhelm I., der spätere Kaiser, der auch Protektor der Altpreussischen Grosslogen war, wie sein Sohn, der spätere Kaiser Friedrich III. ... Der letzte deutsche Kaiser, Wilhelm II., war nicht Freimaurer, ebensowenig sein Bruder... und die sechs Söhne des Kaisers. Es ist durchaus wahrscheinlich, dass es Bismarck gewesen ist, der einen etwaigen Eintritt Wilhelms II. noch als Prinz von Preussen zu verhindern gewusst hat.» (Riegelmann S. 406) Berühmte Freimaurer Militärs waren die Generäle Gebhard von Blücher, Neidhardt von Gneisenau und G.J.D von Scharnhorst. (Oslo, S. 401) Nur wenige wichtige Angehörige des Hauses Habsburg Lothringen waren Freimaurer. «Der erste von ihnen war der spätere Kaiser Franz I. und Gemahl der Kaiserin Maria Theresia... Als letzter Angehöriger dieser Dynastie galt Kronprinz Rudolf von Österreich in Hofkreisen als Freimaurer... Demgegenüber hat die Freimaurerei in Österreich seit der Zeit Maria Theresias über Joseph II., Leopold II., Franz II. (Metternich) bis zum Zusammenbruch des Habsburgerreiches beständig unter schärfsten Verboten der kaiserlichen Regierung gestanden.» (Ebd. 405) Heute gilt die FDP in Deutschland als die Partei der Freimaurer. Im übrigen beschäftigen sich laut Valmy die deutschen Freimaurer hauptsächlich mit der Interpretation von Symbol und Ritual sowie mit Forschung und Philosophie. Ihre Zahl wird auf 20'000 geschätzt. Von den Nachkriegspolitikern in Österreich ist Fred Sinowatz sicher Freimaurer (Binder,107). Bruno Kreisky soll angefragt worden sein, aber den Beitritt abgelehnt haben. (Memopress, Nr.2, 1982, S.4 »Ich wollte keinem geheimen Verein angehören.»)


Schweiz:


«Der seit 1830/48 politisch herrschende Freisinn war teils von Freimaurern durchsetzt. Zumindest sprach man davon, dass, wenn man Helveter, Freisinniger und Freimaurer sei, man den Aufstieg zum Regimentskommandanten und Nationalrat nicht verhindern könne. Nachweislich waren die Freimaurer zwischen 1881 und 1919 mit gut zehn Prozent in beiden Kammern vertreten... Es gehörten allerdings nur fünf Bundesräte darunter hervorragende wie Furrer und Ruchonnet der Freimaurerei an. Der Einfluss war in den Kantonen Waadt, Genf und Neuenburg, wo die Logen seit jeher zahlreich waren, besonders stark, später auch in anderen Kantonen.» (Im Hof, 1984, 14) Jonas Furrer war der erste Schweizer Bundespräsident, die Namen der anderen Bundesräte, die mit Sicherheit Freimaurer waren, sind: Borel, Lachenal, Ruchet, Ruchonnet. (Itor S. 68) Während des zweiten Weltkrieges betrieb der Freimaurer Hans Hausamann (1897 1974) mit seinem 'Büro Ha' einen erfolgreichen 'privaten' Geheimdienst. (Alpina Nr. 10/1984 235) Heute gibt es in der Schweiz rund 4'000 Freimaurer in 59 Logen.


Frankreich:


Der Einfluss der Freimaurer zur Zeit der Französischen Revolution wurde bereits kurz dargestellt. Die Mitgliedschaft Napoleons I. in einer Loge ist nicht nachgewiesen. Hingegen behandelte er die Freimaurerei als eine offiziöse Einrichtung und unter seiner Protektion stehend. Die Mehrheit der Offiziere in Napoleons Heeren waren Maurer, die überall, wo sie hinkamen, Logen gründeten, und es gab kaum einen Marschall von Frankreich, der nicht dem Bunde angehörte. (Naudon,1982, 91) «Der 'Bürgerkönig' Louis Philippe von Orléans, der Sohn des Renegaten und einstigen Grossmeisters des 'Grand Orient de France', Philippe Egalité , war der einzige französische König, der selber Freimaurer war... Napoleon III. war mit Hilfe der schärfsten Gegnerin aller Freimaurerei, der klerikal jesuitischen Partei, ’Präsident der Republik' und schliesslich 'Kaiser der Franzosen' geworden... Zuletzt aber triumphierte in der 'dritten Republik' jenes radikal demokratische System, das seine freimaurerische Herkunft und Beschaffenheit nie verleugnet hat.» (Riegelmann, S.404) Die Trennung von Kirche und Staat, die ausschliesslich von Laien geleitete Volksschule, die Aufhebung der religiösen Orden all dies war kurz nach der Jahrhundertwende im wesentlichen das Werk freimaurerischer Politiker, wobei freimaurerische Gesichtspunkte die entscheidende Rolle gespielt haben. (Valmy, S. 27) Valmy bezeichnet die französische Freimaurerei als ein 'schillerndes Gebilde', aufgespalten in 'sieben Obedienzen mit teilweisen Kontakthürden' und insgesamt rund 35'000 Mitgliedern. Sie stehen heute meist der sozialistischen Partei nahe. Der heutige Staatspräsident Francois Mitterrand soll einer Loge angehören.




Italien:


Die italienische Freimaurerei des 19. Jahrhunderts hat stets «in heftigster Weise gegen das Papsttum frondiert«. (Frondieren = Widerstand zeigen) (Mellor Wiss. 1985, 177) Wichtigste Mitglieder waren der Freiheitskämpfer und Staatsmann Giuseppe Garibaldi (1807 1882), der geistige Führer der radikalen Richtung des italienischen Risorgimento (Risorgimento = ital. Einigungsbestrebungen im 19. Jh.), Giuseppe Mazzini (1805-1872) sowie der liberale Staatsmann Camilio Benso Graf v. Cavour (1810-1861). Der Offizier und Dichter Gabriele D'Annunzio (1863-1938) war ebenfalls Freimaurer. (Naudon, S. 162) Im 20. Jahrhundert hat die italienische Freimaurerei unter anderem durch die unrühmliche 'Geheimloge P2' von sich reden gemacht.




Skandinavien:




Der schwedische Mystiker Emanuel Swedenborg (1688-1772) war nie Freimaurer, hat jedoch die Schwedische Lehrart beeinflusst. (Naudon, S. 157) Diese entwickelte sich «um 1760 aufgrund französischer und anderer Hochgradmaterialien zu einem hierarchisch eingerichteten, gnostisch kabbalistischen System mit neun Graden, das im alleinigen Bewahrer des Geheimnisses, dem Ordensmeister gipfelt, der auch Vicarius Salomonis oder 'Stellvertreter Christi' heissen konnte» (Hammer Prot. 1984 26, s.a. Nielsen Prot, FMG 1882, 1883). Mitglied waren die meisten schwedischen Könige, nämlich: Oskar I., Oskar II., Gustav III., Gustav IV., Karl XIII., Karl XIV., Karl XV., Gustav V., Gustav VI. (Itor S. 68). Auch viele dänische Könige waren Freimaurer: Friedrich V., Friedrich VI., Friedrich VIII., Christian VIII., Christian X. (Itor S. 69) Christian VIII. führte die Schwedische Lehrart in Dänemark ein. (Nielsen 1882 S.2) Bekannte norwegische Freimaurer waren König Haakon VII. (1872 1957) und der als Kollaborant mit Hitler hingerichtete Vidkun Quisling (1887 1945). (Itor S.59, Naudon S. 157) Freimaurer war auch der erste isländische Staatspräsident Sveinn Björnsson (18811952). (Itor S.68)


Niederlande und Belgien:


«Die Königshäuser der Niederlande und Belgiens haben zwar der Freimaurerei einige Angehörige gestellt, ohne jedoch politisch hiermit irgendwie hervorzutreten. Selbst Leopold I. von Belgien z.B. hielt sich im Gegenteil aus politischer Klugheit... von der Freimaurerei, der er selber angehörte, sehr distanziert.« (Riegelmann S. 409) Itor nennt die holländischen Könige Louis Bonaparte und Wilhelm II. als Logenmitglieder.


Andere westeuropäische Länder.


Die Dynastien in Spanien und Portugal sind »fast gar nicht mit Mitgliedern in der Freimaurerei vertreten.» (Riegelmann S. 409) Einzig die spanischen Könige Karl III. und Amadeus Ferdinand von Savoyen sollen einer Loge angehört haben. (Itor S. 69) Die Monarchien und Herrscher dieser Länder werden oft von der Freimaurerei bekämpft. «Nirgends hat sich der Kampf zwischen der revolutionären Freimaurerei und der streng katholischen Monarchie in so radikalen Formen abgespielt wie hier.» (Riegelmann S. 409) Freimaurer waren die griechischen Könige Konstantin I. (1868-1923) und Georg II. (1890 1947). (Oslo S. 401, 404) Der irische Katholikenführer Daniel O'Connell (1775-1847) gehörte ebenfalls einer Loge an. (Oslo S. 407)


Osteuropa:


Die folgenden russischen Zaren sollen Freimaurer gewesen sein: Alexander I., Peter III., Paul I., Alexander II. (Itor S. 68) Zwischen Zarentum und Freimaurerei kam es auch zu schweren Auseinandersetzungen. »Die Führer des Dekabristen Aufstandes vom 14.12.1825 waren fast ausnahmslos Freimaurer: an ihrer Spitze P.I. Pestel (1792-1825), der geistige Urheber der ersten organisierten Erhebung gegen das Zarenreich.« (Itor S. 49) Später waren die Freimaurer in der liberalrevolutionären 'Kadettenpartei' vertreten und versuchten, die Aufklärung in Russland voranzutreiben. Freimaurer war auch der russische Politiker A.F. Kerenskij (1881-1970). (Lerich S.43) «Die Fürsten Lwow und Nolde waren eifrige Freimaurer, und bis zur Revolution wahren die russischen Logen ihren Mystizismus, der sich vor allem in der Wertschätzung des Grades vom Rosenkreuz kundtut. Das politische Leitbild der Logen war eine parlamentarische Demokratie des westlichen Typs.» (Mellor S. 471) Die bekannten tschechischen Politiker Eduard Benesch (1884-1948) und Jan G. Masaryk (1886-1948) waren Freimaurer. (Oslo S. 395, Itor S. 59f.) Die polnischen Könige Stanislaus I. und Stanislaus II. waren Logenmitglieder. (Itor S. 69) Wie erwähnt erfahren die Logen jetzt im Osten eine Renaissance.


Vereinigte Staaten von Amerika:


In den USA hat die Freimaurerei eine staatsbegründende und staatstragende Bedeutung. »50 von den 55 Mitgliedern der konstituierenden Nationalversammlung, sämtliche Gouverneure der 13 Gründerstaaten, 20 von 29 Generälen George Washingtons und 104 seiner 106 Offiziere waren aktive Freimaurer. Der Verfasser der Unabhängigkeitserklärung, Thomas Jefferson, gehörte ebenso einer Loge an... Die Grundsteinlegung zum Kapitol in Washington, die nach freimaurerischem Ritus vor sich ging, vollzog George Washington bekleidet mit einem von der Marquise Lafayette für ihn angefertigten Freimaurerschurz» (Itor,1987, S.11). Auch der Diplomat, Erfinder und Schriftsteller Benjamin Franklin (1706-1790) war Freimaurer; 1734 wurde er Provinzialgrossmeister für Pennsylvania. Ein grosser Teil der amerikanischen Präsidenten gehörte einer Freimaurerloge an, so unter anderen nach George Washington: James Monroe, Andrew Jackson, James K. Polk, James Buchanan, Abraham Lincoln, Andrew Jackson, James A. Garfield, William McKinley, Theodore Roosevelt, William Howard Taft, Warren G. Harding, Franklin D. Roosevelt, Harry S. Truman, Lyndon B. Johnson, Gerald Ford. (Itor S.69, Naudon S. 194, Oslo S. 400ff.) Auch viele Generäle machten in der Freimaurerei mit, so zum Beispiel: John J. Pershing, Charles P. Summerall, Douglas Mac Arthur, Malin Craig, Henry H. Arnold. (Itor S. 69, Naudon S. 194) Auch John Edgar Hoover, langjähriger Direktor des FBI, war Freimaurer. (Oslo S. 403) Neben England sind die USA wohl das 'freimaurerischste' Land der Welt. Von den weltweit 6 Millionen Freimaurern leben 4 Millionen in den USA. Es bestehen in den USA rund 15'700 Logen, weltweit gibt es etwa 33'600 Logen. (Von Ins,1974 S. 29) Wie wir sehen werden, haben Freimaurer auch das amerikanische Kulturleben entscheidend mitgeprägt.




Südamerika:


Bekannte Freimaurer waren:




- Simon Bolivar (1783 1830), Führer der lateinamerikanischen Unabhängigkeitsbewegung und Freiheitsheld des ganzen Kontinents. (Oslo S.397)


- Miguel Hidalgo y Costilla (1753 1811), katholischer Priester und 'Vater der mexikanischen Unabhängigkeit'. (Oslo S. 403)


- José Maria Marti (1853 1895), 'Apostel und Märtyrer der kubanischen Unabhängigkeit'. (Itor S. 60)


- Tomas Cipriano de Mosquera (1798 1878), kolumbianischer Patriot und General. (Naudon S. 204)


- Anastasio Somoza Gareia (1896 1956), von 1937 bis 1947 Präsident von Nicaragua. (Oslo S. 409)


- Salvadore Gossens Allende (1908 1973), Arzt, Marxist, 1970 1973 chilenischer Staatspräsident. (Oslo S. 409)




Andere Länder.


Ausserhalb der westlichen Welt gelang der Freimaurerei der bisher wohl grösste politische Erfolg in der Türkei. 1923 setzte der Freimaurer Kemal Atatürk (1881-1938), der 'Vater der Türken', den Sultan ab und rief die Republik aus. Die Auseinandersetzung zwischen westlicher Orientierung und islamischem Fundamentalismus prägt noch heute die politische Landschaft dieses Landes. In China war der grosse Politiker Sun Yat sen (1866-1925), der Begründer und Führer der 'Kou min tang' (KMT), Freimaurer. Logenmitglied war auch der chinesische General und Politiker Tschiang Kai-schek (1887-1975), der Begründer des heutigen Staates Taiwan. (Itor S. 68, Lerich S. 48) Freimaurer waren zudem der philippinische Nationalheld José Rizal sowie der Präsident der kurzlebigen philippinischen Republik nach dem spanisch amerikanischen Krieg, Aninaldo. (Lerich S. 48) Der indische Jurist und Politiker Pandit Motilal Nehru (1861-1931), der Vater von Jawaharlal Nehru, war Mitglied einer Loge. (Oslo S. 407) Schliesslich war der südafrikanische Verwaltungsexperte und Finanzier John Cecil Rhodes (1853-1902) Freimaurer. Nach ihm war der Staat 'Rhodesien' benannt.


Zusammenfassend kann gesagt werden, dass die westlich demokratische Staatsauffassung wesentliche Impulse durch freimaurerischen Geist empfangen hat. Manche Staaten bauen buchstäblich auf dem Fundament der Freimaurerei auf. Freimaurerischer Geist wird vor allem in den angelsächsischen Ländern und durch die angelsächsischen Länder in der ganzen Welt wirksam. Der ideale freimaurerische Staat ist derjenige, in dem die Gewalten getrennt sind, sich wechselseitig begrenzen und kontrollieren, so dass niemand absolute Macht ausüben kann. Jede Machtausübung soll innerhalb und aufgrund von Gesetzen erfolgen, die in einem demokratischen Verfahren zustande gekommen sind.


Wenn wir uns auch heute auf staatspolitischem Gebiet nichts besseres vorstellen können als einen demokratischen Rechtsstaat, so wissen wir aus unserer christlichen Sicht eines gewiss: auch er hat nur eine relative, beschränkte Bedeutung. Ob und wie diese - wie auch jede andere - Staatsform funktioniert, hängt vom Geist ab, der durch sie zur Geltung gebracht wird oder gebracht werden kann. Ohne den Geist Christi ist meines Erachtens gerade diese Staatsform nicht dauerhaft lebbar, sie wird zur Farce und oft bald wieder abgeschafft. Die Beter erhalten den Staat, nicht die Gesetze. Rein menschliche Gesetze, Gesetze, die nicht aus dem Geist des Lebens geboren sind, blockieren das Leben, wirken ungerecht, werden umgangen und übertreten, untergraben letztlich das Vertrauen in den Staat. Aufgrund von Gesetzen allein kann niemand leben. Gesetze sind notwendig zur Disziplinierung von Menschen.


5.1.4. Überstaatliche Vereinigungen, Weltpolitik


Freimaurer haben sich nicht nur für nationalstaatliche Unabhängigkeit und Rechtsstaatlichkeit, sondern schon bald auch für überstaatliche Vereinigungen eingesetzt. Der deutsche Philosoph und Freimaurer Karl C. F. Krause (1781 1832) zum Beispiel konzipierte die «frühzeitige Form eines Völkerbundes in föderativer Form». (Valmy, S. 55) Auch der französische Publizist Maurice Monier (1877-1931) gilt als ein 'Vorkämpfer für Völkerversöhnung'. (Oslo, 406) »Der Völkerbund ist keine direkte freimaurerische Gründung, er ist aber eine Institution, die naturnotwendig aus dem Geiste der Loge heraus geboren wurde« (Lerich, S. 39). Der deutsche Staatsmann und Freimaurer Gustav Stresemann (1878-1929) »erregte weltweites grosses Aufsehen mit der unverkennbar freimaurerisch geprägten Antrittsrede vor dem Völkerbund.» (Oslo S. 409) Der erste Vorsitzende des Völkerbundrates war der damalige französische Ministerpräsident und Freimaurer Léon Victor Auguste Bourgeois (1851-1925). (Oslo, S. 397)


Der Völkerverständigung unabhängig und trotz jeder Sprachverwirrung sollte auch die Schaffung einer neuen, künstlichen Weltsprache dienen.


Der Erfinder des Esperanto, der Deutsche Ludwig Lazarus Zamenhof (1859 1917) war Freimaurer. Der im Jahre 1913 unter anderen vom Schweizer Theologieprofessor Quartier la Tente mitgegründete freimaurerische 'Weltbund' erklärte das Esperanto zur 'Weltsprache'. (Wichtl, 1919, S.6)


Von freimaurerischem Ursprung und Geist ist auch die Paneuropa Bewegung. Der Begründer der Paneuropa Bewegung, der Freimaurer Richard Niklaus Graf v. Coudenhove Kalerghi (1894 1972), vertrat das Ziel eines europäischen Staatenbundes. Er war auch Generalsekretär der von ihm begründeten 'Europäischen Parlamentarier Union'. Zur Zeit des Nationalsozialismus trat er aus der Loge aus, «um den deutschnationalen Angriffen gegen die Paneuropa Bewegung nicht noch zusätzliches Material zu liefern.« (Binder, S. 90)


Moser schreibt unter anderem in seinem Aufsatz über 'die Freimaurerei und die Satzungen der Vereinten Nationen': Der Gedanke der Vereinten Nationen (UNO) ist eine freimaurerische Schöpfung und stammt in erster Linie aus den USA. (S. 148) Freimaurer sind vor allem der 'Charta der Vereinten Nationen' und der 'Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte' zu Gevatter gestanden. Sie atmen 'freimaurerischen Geist'. «Darüber, dass viele Freimaurer an diesem Werk gearbeitet und sich eingesetzt haben, sind die meisten Freimaurer gar nicht aufgeklärt.« (S.144)


Weltpolitik:


Verschiedene Gruppen und Gesellschaften einflussreicher Persönlichkeiten, die auf höchster Ebene Einfluss auf die Weltpolitik nehmen, sollen mit der Freimaurerei in Verbindung stehen. So unter anderen der Club of Rome, die Trilaterale Kommission, der Council on Foreign Relations (CFR), die 'Bilderberger', die Round table Gruppen, die B'nai B'rith sowie engere Kreise um die Familien Rothschild und Rockefeller. Diese informellen Gruppen sollen hierarchisch, wie eine Pyramide, geordnet sein. Eine solche Pyramide ist, zusammen mit dem 'allsehenden Auge Gottes' und anderen FM Symbolen, auf der US 1 $ Note abgebildet. Zur Weltfreimaurerei sollen rund 100 Organisationen gehören. Im Zusammenhang mit dem Bestreben nach Völkerverständigung steht auch der Einsatz für den Frieden. Die Zeitschrift 'Alpina' (Nr. 12 1986 S. 298) nennt die folgenden Freimaurer, die mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurden: 1902 Elie Ducommun (1833-1906), 1906 Theodore Roosevelt (1858-1919), 1911 Alfred Hermann Fried (1864-1921), 1913 Henri de la Fontaine (1854-1943), 1920 Léon Victor Auguste Bourgeois (1851-1925), 1926 Gustav Stresemann (1878-1929), 1929 Frank B. Kellogg (1856-1937), 1935 Carl von Ossietzky (1889-1938), 1953 George C. Marshall (1880 1959). Der 'Marshall Plan' hat nach dem zweiten Weltkrieg bekanntlich wesentlich zur wirtschaftlichen Erholung Deutschlands und damit Europas beigetragen. In der FM Literatur nicht genannt ist, möglicherweise weil er der Schwedischen Lehrart angehörte: 1930 Nathan Söderblom (1866-1931), Mitbegründer der ökumenischen Bewegung.






5.2. Einfluss in Wirtschaft, Wissenschaft, Technik


Der Einfluss der Freimaurerei auf die Arbeitsethik in den westlichen, protestantischen Ländern scheint mir ausserordentlich gross aber unabschätzbar zu sein. Die Konzentration auf das Diesseits, auf 'Taten statt Worte', und die Pflege eines 'Kultes der Arbeit' haben sicher den 'Geist des Kapitalismus' stark geprägt. Wirtschaft, Wissenschaft und Technik werden dem Herrschaftsbereich der Kirchen entzogen, verselbständigt und von jeglicher religiösen Auseinandersetzung 'befreit', 'neutralisiert'. Sie sollten ihrerseits Massstab für Sinn, Wahrheit und Erfolg werden. Das Kirchliche, Religiöse wird stark relativiert, aus der Alltagswirklichkeit verbannt, und bekommt seine Geltung höchstens noch am Sonntag Vormittag. Wirtschaft, Wissenschaft und Technik sind scheinbar 'wertfrei', über jede geistige Auseinandersetzung erhaben. Die Hauptaufmerksamkeit gilt nicht nur dem diesseitigen Tun, sondern auch dem Erleben aller Art, dem Beschaffen und Konsumieren von Erlebnissen. Diese heutige Realität atmet wohl eindeutig und deutlich auch den Geist der Freimaurerei.


Die Freimaurerei erhebt denn auch den Anspruch, in dieser Welt der Wirtschaft, Wissenschaft und Technik Orientierung zu ermöglichen. «Die Freimaurerei entwickelt die ethischen Normen, die Wissenschaft und Technik erst zu Werkzeugen des Menschen statt zur Gefahr der Menschlichkeit machen.« (Dazu Ulmer Journ. 1990)




5.2.1. Die Eroberung der Welt


Wir haben gesehen, dass der freimaurerische Arbeitsraum eine diesseitige, dem Menschen zugängliche Welt (bzw. Welten) symbolisiert, in der sich der Mensch nach seinen Massstäben orientiert: Nach Osten und Westen, Norden und Süden, nach Sonne, Mond und Sternen sowie nach anderen Menschen (Meister vom Stuhl) richtet sich der Blick, die Aufmerksamkeit, die Orientierung.


Die folgenden Namen zeigen, dass erstaunlich viele derjenigen, die das Diesseits erobern wollten, Freimaurer waren. Dazu sollen auch die Abenteurer aller Art gezählt werden. Freimaurer waren die Arktisforscher Ronald Amundsen und Robert F. Scott. Der Antarktisforscher Admiral Richard E. Byrd gründete zusammen mit 60 von 85 Teilnehmern einer Expedition 1935 die 'Antarctic Loge No. 777' (Itor S. 51). Der Erfinder des Heissluftballons, Jacques Etienne Mongolfier, sowie der Flugpionier Charles August Lindbergh besuchten eine Loge. Von den amerikanischen Astronauten waren die folgenden sicher Freimaurer: L.G. Cooper jun., John H. Glenn, Grissom, Eisele, Aldrin, Stafford, Schirra. (Oslo, S. 401, 405f., Zendralli, S. 22) Eroberer von altertümlichen Schätzen war der bekannte deutsche Altertumsforscher und Kaufmann Heinrich Schliemann (1822-1890), der u.a. Troja entdeckte.


Wesentlich wichtiger und einflussreicher als die realen Abenteurer sind die phantastischen Abenteuer der Helden freimaurerischer Schriftsteller und Filmemacher, auf die wir noch zu sprechen kommen werden (von Goethes Faust und Peter Schlemihl bis z.B. zu Gullivers Reisen, Tom Sawyer und Huckleberry Finn, Sherlock Holmes, Ben Hur, Kipling's Dschungelkind Mowgly, Micky Maus & Co., die Filmhelden von Charlie Chaplin und viele andere mehr).


5.2.2. Wer steuert die Wirtschaft?


In Verschwörungstheorien erscheinen die Freimaurer oft als die geheimen Drahtzieher des wirtschaftlichen Geschehens. Hitler pflegte in diesem Zusammenhang die Freimaurer in einem Atemzug mit den Juden zu nennen. Aus unserer Sicht sind es natürlich sicher nicht die Freimaurer, die die Welt regieren. Hinter allem Geschehen stehen geistige Mächte, und der Mensch meint höchstens, die wirtschaftlichen Verhältnisse selbst gestalten und kontrollieren zu können.
Ein solcher Versuch, die wirtschaftlichen Beziehungen selbst zu gestalten, sind die sogenannten 'Service Clubs' (Rotary, Lions, Kiwanis u.a.m.), von denen die meisten erwiesenermassen mit der Freimaurerei in einem direkten Zusammenhang stehen. Sie gelten auch als ein Missionsfeld der Freimaurerei, indem bei Leuten, die in diesen Klubs noch nicht die wichtigen und richtigen Kontakte haben anknüpfen können, inoffiziell die Erwartung geweckt wird, bei den Freimaurern seien die wirklich einflussreichen 'Freunde' zu finden. (S.a. Rothkranz Kath. 1990 49ff.) »1905 rief der Hochgradfreimaurer Paul Harris in Chicago 'Rotary International' ins Leben, 1917 folgte in derselben Stadt Melvin Jones mit den 'Lions International'.« (Ebd. 49).


Böni verteidigt in seinem Artikel 'Rom und die Rotarier' die Rotarier vehement gegen einen 'Erlass der katholischen Kirche gegen die Rotarier'. Er schreibt: «Freimaurer standen an der Wiege des Rotary-Klubs.» (S. 66) Und es gibt «eine grosse Zahl von Rotariern, die zugleich Freimaurer sind.» (S. 67) Die Rotarier haben ähnliche Ideale wie die Freimaurer. Im Gegensatz zu den Freimaurern ist aber die 'Erweiterung des Bekanntenkreises' ausdrückliches Ziel. Beiden gemeinsam ist das Bekenntnis zu einem allgemeinen Menschentum unabhängig von Konfession, Religion und Parteizugehörigkeit sowie das Bestreben 'hitzige' geistige Auseinandersetzungen zu vermeiden. »Politische und religiöse Gespräche von Partei gegen Partei oder Religion gegen Religion werden bei ihnen ebensowenig wie in unseren Logen gehalten.« (S. 66) Ähnliches kann von den Mitgliedern des Lions Club (Liberty Intelligence Our Nations Safety) gesagt werden: Viele Lions sind zugleich Freimaurer (Rothkrantz S. 51). Melvin Jones (1880 1961), der Gründer des Lions Club, »war Mitglied der 'Garden City Lodge No. 141' in Chicago« (Oslo, 404). Älter und heute wohl weniger einflussreich ist der 1803 in London gegründete Odd Fellow Orden, der noch direkter und offizieller mit der Freimaurerei verbunden ist. Dieser wollte (und will) eine 'Pflanzstätte der Menschlichkeit und der Wohltätigkeit' sein (Brodbeck, 79).


Von den in der Wirtschaft wirklich massgebenden Personen und Firmengründern scheinen mir relativ wenige Freimaurer gewesen zu sein, bzw. zu sein. In der freimaurerischen Literatur werden die folgenden Firmengründer und Unternehmer genannt (S. Oslo, S. 393ff., Zendralli S. 22, Itor S. 67ff.): Henry Ford (Autos), Charles C. Hilton (Hotels), John Jacob Astor (Hotels), Frank G. Hoover (Staubsauger), George Mortimer Pullman (Eisenbahn-Schlafwagen), Samuel Colt (Feuerwaffen), Pierre Samuel du Pont de Nemours (Chemie u.a.m.), Eberhard Faber (Schreibmaterial), King Camp Gillette (Rasierapparate), Anton Philipp Reclam (Verleger). Die Rothschilds sollen seit 1809 den deutschen, französischen und englischen Logen angehören. (Wichtl,1909, 61) In der Schweiz sind Jakob Rieter (Spinnereimaschinen) und Philippe Suchard (Schokolade) zu nennen.


Auch unter den wissenschaftlichen Ökonomen scheint es relativ wenige Freimaurer zu geben. Bekannt ist, dass der deutsche Volkswirt Friedrich List (1789-1846) Freimaurer war. (Deiters S. 202)


5.2.3. 'Humane' Wissenschaft und Technik


In der freimaurerischen Literatur werden auch sehr wenige Wissenschaftler und Techniker genannt, die Freimaurer waren oder sind. Erwähnenswert sind: Alexander Fleming, der Entdecker des Penicillins, der Zoologe Alfred Edmund Brehm ('Brehms Tierleben'), der Physiker Albert Abraham Michelson sowie verschiedene Ärzte. Der grösste Teil der von Itor in dieser Rubrik genannten Personen sind Ärzte. (Itor S. 68) Von den Ärzten seien erwähnt: Christoph Wilhelm von Hufeland (1762-1836), Charles Richet (1850-1935), der 1913 den Nobelpreis für Medizin erhielt. Auffallend ist der relativ grosse Anteil der 'Alternativ Mediziner': Freimaurer war der Arzt und Magnetiseur Anton Mesmer (1734-1815), «der Begründer des Mesmerismus, des animalischen Magnetismus und anderer Heilmethoden jenseits der Schulmedizin.« (Itor S. 41) Der Begründer der Homöopathie, Christian Friedrich Samuel Hahnemann (1755-1843) war ebenfalls Freimaurer. (Oslo S. 402) Zu den Freimaurern gehörte auch der englische Arzt Bach, der die heute in esoterischen Kreisen berühmte und beliebte 'Bach Blüten-Therapie' entwickelte. Der Psychoanalytiker Carl Gustav Jung war Sohn und Enkel führender schweizerischer Freimaurer». (Spitzbarth FM 1968 11)


5.3. Einfluss auf die Gesellschaft


Seit der Aufklärung entwickelt sich ein gesellschaftlicher Bereich als eine von Kirche und Staat unabhängige Lebenssphäre. Der Mensch 'emanzipiert' sich von kirchlicher und staatlicher Bevormundung und organisiert sich sein Gesellschafts und Privatleben selbst. Er schafft sich seine eigenen Beziehungen und Vereine, wählt sich seine eigene Kirche und Religion aus, er erzieht und bildet sich selbst, er erdenkt und erdichtet sich seine eigenen Welten, und er sorgt für die eigene Unterhaltung. Nicht zuletzt versichert er sich selbst und hilft er sich selbst bei allen Wechselfällen des Lebens. Freimaurer haben bei der Verselbständigung und Ausgestaltung dieses gesellschaftlichen Lebensbereiches wesentlich mitgewirkt. Der Mensch schafft sich die Regeln des Zusammenlebens selbst: Der Verfasser des Werkes 'Über den Umgang mit Menschen', Adolph Freiherr von Knigge (1752-1796) war Freimaurer. (Itor FM 1987 20, Oslo FM 1988 404)


5.3.1. Sozietäten und Vereine


Nach Im Hof ist die Freimaurerei ein Teil der 'umfassenden Sozietäts oder Gesellschaftsbewegung', die im 18. Jahrhundert entstand und bis heute nachwirkt. Die wissenschaftlichen Akademien und gelehrten Gesellschaften, die literarischen Gesellschaften und Lesegesellschaften, die gemeinnützigen Gesellschaften, die ökonomisch landwirtschaftlichen Gesellschaften sowie die patriotisch politischen Gesellschaften wirkten als 'Beförderer von Reform und Aufklärung'. In ihnen wirkte ein humanitär liberal aufgeklärter Geist, der mit dem freimaurerischen Geist eng verwandt war. (Im Hof 1982 168f.) »Ähnlich wie in vielen Sozietäten wurde der internationale Zusammenhang gepflegt. Schliesslich war die Freimaurerei den Sozietäten gleich in der Betonung der Gleichheit innerhalb der Gesellschaft. Adelige und Bürgerschaft fanden sich hier auf gleichem Fuss als 'Brüder' einem höheren Ideal, dem Tempelbau, unterstellt.« (Ebd. 169) Sozietäten wie Freimaurer pflegten zudem die Geselligkeit und die Gemeinschaft, was auch für die heute blühenden Vereine gilt, die ebenfalls eine gemeinsame menschliche Aktivität (Turnen, Schiessen, Wandern, Kegeln, Singen etc.) verbindet. (S.11) Die Gesellschaften standen miteinander in Beziehung, und es gab stets viele Doppel- ¬und Mehrfachmitglieder. »Darum finden wir Freimaurer stets und oft führend in verschiedenen Sozietäten. Man war oft nicht nur Mitglied einer Loge, sondern auch der lokalen gemeinnützigen, literarischen oder wissenschaftlichen Gesellschaft.» (S. 13) »Zum Beispiel sind in der Helvetischen Gesellschaft mindestens 22 Freimaurer nachweisbar, darunter drei Präsidenten der Gesellschaft.« (S. 168)


5.3.2. Schule, Erziehung, Pfadfinderbewegung


Wir haben bereits gesehen, dass die 'Selbsterziehung' und die 'Beförderung des sittlichen Lebens' zu den Hauptanliegen der Freimaurer gehören. Die 'Erziehung des Menschengeschlechtes' (Lessing) soll vor keiner Kategorie von Menschen Halt machen. Stets waren wohl viele Erzieher und Lehrer Freimaurer. Der Schweizer Pädagoge Heinrich Pestalozzi war nicht Freimaurer, aber Illuminat. Der Orden der Illuminaten war mit der Freimaurerei geistig und personell eng verbunden (Im Hof, 1982 169). Sie wollten politisch aktiver ... und «klarer als die Freimaurerei, für Aufklärung und Moral wirksam sein ... Pestalozzi eines der wenigen Schweizer Mitglieder hatte den Namen 'Alfred'.« (Ebd. 170)


Die internationale Pfadfinderbewegung ist eindeutig auf freimaurerischem Boden entstanden und gewachsen. «Das Pfadfindertum ist freimaurerischen Ursprungs. Sein Gründer, Sir Baden Powell, war ein bedeutender Freimaurer.» (Mellor,1985, 513) Für Rothkrantz ist die «internationale Pfadfinderkonföderation nachweislich ein Logeninstrument.« (S.a. Zendralli, S. 22)


5.3.3. Wohltätigkeit und Religion


Wir haben gesehen, dass die Freimaurerei eine sittliche Bewegung sein will, die Nächstenliebe nicht nur predigt, sondern auch praktiziert. Ihre 'Religion' ist die sittliche Tat nicht nur den Brüdern, sondern auch den 'Profanen' gegenüber. «Da alle Freimaurer Brüder sind, müssen sie einander helfen und sich gegenseitig Beistand leisten, wenn dies notwendig ist. Das ist ein Grundsatz, den fast sämtliche Obödienzien mit fast den gleichen Worten in ihren Statuten und Gelöbnissen formulieren. Die elementarste Form der Anwendung diese Prinzips ist die freimaurerische Wohltätigkeit. Jede Loge der französischen Obödienzien besitzt ihren Bruder Almosenier, dessen Kasse getrennt von jener des Bruders Kassiers geführt wird, und jede Obödienz hat ihren Gross Almosenier... Es gibt darüberhinaus Waisenhäuser und Spitäler, die von Freimaurern unterhalten werden, und das Wohltätigkeitsbudget vor allem der angelsächsischen Freimaurerei ist gewaltig.» (Mellor, Wiss., 1985, 442) Die Freimaurerei bot eine Form von Sozialversicherung an, was besonders zu Zeiten, als es noch keine staatliche Sozialversicherung gab, ein wichtiger Grund für ihre Attraktivität gewesen sein mochte. Der Freimaurer fühlte sich durch die Solidarität der Brüder gegen die Wechselfälle des Lebens wie Krankheit, Unfall etc. versichert. (S.a. Im Hof, 165, 168) In der Schweiz «ist z.B. der 'Verein zur Verbreitung guter Schriften' eine Freimaurer Gründung. Ebenso sind es verschiedene Brockenhäuser, Wohltätigkeitsvereinigungen, Altersheime, Armen und Krankenkassen usw.« (Von Ins FM 1974, S. 29)


Freimaurerischer Geist weht wohl durch weitere, auch internationale, Wohltätigkeits und Hilforganisationen der verschiedensten Art. So zum Beispiel entstand das 'erste Pestalozzi Kinderdorf Europas' in Trogen zur Zeit, als der Trogener Pfarrer J. Böni Grossmeister der Schweizer Grossloge 'Alpina' war (1942 1947). (S. dazu einen Bericht in: Alpina Nr. 5, 1946, S. 137ff.) Nach Deiters (Wiss. 1963 202) und Naudon (Wiss. 1982 146, 234) war der Gründer des Roten Kreuzes Henri Dunant (1828 1910) ein Freimaurer. In der freimaurerischen Literatur selbst wird er jedoch nicht aufgeführt. (Nach Dr. Gabriel Mützenberg hat man bis heute kein Dokument gefunden, das die Zugehörigkeit Dunants zu einer Freimaurerloge beweisen würde).




Böni empfiehlt in seinem Aufsatz 'Moralische Aufrüstung und Freimaurerei' seinen Brüdern, bei der Moralischen Aufrüstung mitzumachen. Es bestünde eine 'Geistesverwandtschaft', und es gebe viele Berührungspunkte. »Beide verfolgen das Ziel einer besseren Menschheit, und beide stehen ausserhalb des konfessionellen Streites. Wir können viele weitere Berührungspunkte finden, wenn wir auf die Grundsätze schauen.» (S. 9)


Oekumene: Der Geist der Oekumene steht dem der Freimaurerei sehr nahe. Der Mitbegründer der ökumenischen Bewegung Nathan Söderblom (1866-1931) soll Hochgradfreimaurer gewesen sein. ebenso Willem Adolph Visser't Hooft, der 1948-1966 Generalsekretär des Ökumenischen Rates der Kirchen war. Carl Friedrich von Weizsäcker soll Hochgradfreimaurer des 33. Grades sein. (Fundamentum 3/88 S. 99.)


Noch eine Bemerkung zum Thema Religion: Eine Zeitschrift der amerikanischen Freimaurer trägt den Titel 'The New Age'. (Mellor, 1985, 93) Die zum 'Lucis Trust' in Genf gehörende 'Arkanschule' soll von Freimaurern geleitet sein und sich als 'magnetisches Zentrum' der Freimaurerei betrachten. (Rothkrantz, Kath. 1990, 55)




5.3.4. Philosophen, Dichter, Schriftsteller


Auffallend viele bekannte Philosophen, Schriftsteller und Dichter waren Freimaurer. Bekannt ist die Mitgliedschaft bei den deutschen Idealisten und Klassikern wie J.W. Goethe, G.E. Lessing, J.G. Herder, J.G. Fichte, C.M. Wieland, E.v. Kleist, F.G. Klopstock, Matthias Claudius. Dazu kommen Autoren wie Adalbert von Chamisso, Heinrich Heine, Georg Büchner, G.A. Bürger, Friedrich Rückert, Johann Heinrich Voss, Ferdinand Freiligrath, Felix Salten, Kurt Tucholsky. (Deiters S. 201f., Naudon 124ff., Oslo S. 393ff., Valmy S. 58, 183, Zendralli S. 22) Im französischen Sprachbereich sind neben den genannten Montesquieu und Voltaire zu erwähnen: Alexandre Dumas, Stendhal (Henry Beyle), Victor Hugo. (Oslo S. 399, Deiters S. 202) Freimaurer war auch der russische Dichter A.S. Puschkin. (Oslo S. 407) Aus dem angelsächsischen Kulturbereich sind zu nennen: Sir Arthur Conan Doyle, Robert Burns, Walter L. Scott, Jonathan Swift, Oscar Wilde, Laurence Sterne, Rudyard Kipling, Mark Twain, Lewis Wallace. (Oslo S. 399ff., Zendralli S. 22)


5.3.5. Unterhalter; Musiker und andere Künstler


Sehr viele bekannte Musiker, nicht nur Klassiker, sondern zum Beispiel auch Jazz Musiker, waren Freimaurer. Folgende Namen sind bekannt: Johann Nepomuk Hummel, Leopold Mozart, Wolfgang Amadeus Mozart (Die 'Zauberflöte' gilt als das klassische Werk der Freimaurerei.), Franz Joseph Haydn, Jean Sibelius, Giacomo Puccini, Jean Philippe Rameau, Johann Christian Bach, Gustav Albert Lorzing. Louis Spohr, Giacomo Meyerbeer, Franz Liszt, George Gershwin, Duke Ellington. (Oslo S. 399ff., Naudon S. 136, Zendralli S. 22)


In der amerikanischen Film und Unterhaltungsbranche sind die Freimaurer auffallend stark vertreten. So gehörten zu den ersten und bedeutendsten amerikanischen Filmproduzenten die Freimaurer Cecil B. de Mille und Jack M. Warner. Logenmitglieder waren auch die folgenden US Filmschauspieler und Komiker: Oliver Hardy, Harold Lloyd, Red Skelton, Clark Gable. Einen unschätzbar grossen, weltweiten Einfluss übten die Filmproduzenten und Künstler Walt Disney (1901 1966) und Charles S. Chaplin (1889-1977) aus. (Itor S. 68, Oslo 401 ff.)
Die amerikanischen Zirkuskönige 'The Ringling Brothers' waren Freimaurer, ebenso der zu seiner Zeit bekannte Schweizer Clown Adrian Wettach ('Grock').


5.3.6. Zusammenfassung


Zusammenfassend ist zu sagen, dass die Wirkung der Freimaurerei im gesellschaftlichen und durch den gesellschaftlichen Bereich aussergewöhnlich gross war und ist. Dabei geht es nicht nur um die vielen berühmten Namen, sondern auch um die unzählbaren 'Maurer ohne Schurz', die in Kunst, Literatur, Film und Medien für das Wohl der Menschheit zu wirken suchen. Die Helden dieser Werke sind oftmals Suchende, Heimatlose, Abenteurer, Einzelgänger, Kinder oder auch Tiere, denen die wirkliche Welt der 'Etablierten', scheinbar 'Wissenden', der 'Erwachsenen' bzw. der 'Menschen' 'unmenschlich', 'borniert' und 'einfältig' vorkommt. Die tatsächliche Welt entspricht nie den humanistischen Idealen, darum gibt es scheinbar noch viel an sich zu arbeiten und noch vieles in der Welt zu verbessern. Demgegenüber können wir in der Annahme der Absolutheit Jesu Christi die Relativität von allem Menschlichen erkennen und akzeptieren. Wir brauchen uns damit nicht mehr an Menschen zu orientieren und Hilfe primär von Menschen zu erwarten, deren sämtliche Vermögen in jeder Beziehung beschränkt sind. Durch die Annahme unserer Grenzen erfahren wir seine Kraft und Führung und müssen das Gute nicht mehr aus eigener Kraft vollbringen.




6. Christus aus freimaurerischer Sicht


In diesem Kapitel soll kurz dargestellt werden, wie aus freimaurerischer Sicht das Christentum, Gott und Jesus Christus betrachtet und behandelt werden. Anschliessend folgen Bemerkungen über Zusammenhänge zwischen Freimaurerei und liberaler protestantischer Theologie.


6.1. Das Christentum aus FM Sicht


Wir haben gesehen, dass eine wesentliche geistige Wurzel der Freimaurerei die Enttäuschung über das Christentum ist. Wegen der »schweren Glaubenskämpfe, welche ganz Europa erschütterten, ... war innerhalb der Logenmauern jedes Gespräch über religiöse Themen nicht nur verpönt, sondern verboten.« (Lagutt. S. 120) Für manchen Freimaurer ist die Freimaurerei ein «Ersatz für seinen verlorengegangenen christlichen Glauben und Kult« (Keller FM 1941 262) Die Freimaurerei versucht also, die geistigen Auseinandersetzungen, die im Verlauf der abendländischen Geschichte zweifellos nicht immer im Sinne Christi ausgetragen wurden, zu vermeiden und an deren Stelle das Schweigen zu setzen. Die Diskussionen vor allem über den Absolutheitsanspruch Christi werden abgestellt; dem Wort wird die Spitze, dem Schwert die Schärfe, dem Salz die Würze genommen. Somit erhebt sich die Freimaurerei über das Christentum, erklärt das Christentum zu einer ~Religion~, zu einer Religion unter anderen, die ebenfalls ihre Existenzberechtigung haben. Die Freimaurerei erhebt sich über alle Religionen, erklärt sich zum Richter über die Religionen und erklärt alle als gleichwertig. Keiner kommt absolute Wahrheit zu, ihr relativer Wert soll anhand der praktischen Früchte für die Welt und den Menschen gemessen werden. (vgl. Lessings Ringparabel) Aus der Sicht der Freimaurerei hat das Christentum nur eine bedingte, relative Bedeutung. Die Freimaurerei stellt sich darüber. Sie hat das Christentum vermeintlicherweise überwunden. Im Schottischen Ritus, in dem symbolisch die Menschheitsgeschichte durchwandert wird, erscheint das Christentum als eine vorübergehende Entwicklungsperiode, die durch die aufgeklärt freiheitliche Zeit abgelöst und überholt wird.


Gleichzeitig wollen die Freimaurer das Beste des Christentums erhalten, schützen und der Nachwelt weitergeben. (Keller FM 1941 262f) Dabei geht es nicht nur um die religiösen Schriften, Liturgien und Gesänge, sondern auch um die «wundervollen Kirchenbauten», den «unermesslichen Reichtum des künstlerischen Schmuckes«. Das christliche Erbe wird also gewissermassen unter menschlichen Denkmalschutz gestellt. Die Freimaurerei sieht sich als Verwalterin des Erbes.


Im übrigen wird meines Erachtens der Eindruck erweckt, als stehe dieses Erbe jedem Menschen frei zur Verfügung, wie wenn der Mensch das Verfügungsrecht über dieses Erbe hätte. Die Schrift und alles andere, was früher Christen heilig war, wird zum »Selbstbedienungsladen», zum «Ausbeutungsobjekt». Jedes Individuum kann sich scheinbar »frei« bedienen und das Gefundene für seine persönlichen Interessen gebrauchen. Das Christentum wird also von der Freimaurerei beschlagnahmt, integriert und von »oben herab« behandelt. Sie spielt sich zum Hüter aller Religionen auf und legt es ihren Mitgliedern nahe, ihren «religiösen Pflichten» nachzukommen.




6.2. Gott aus FM Sicht


6.2. 1. Individuell verschiedene Gottesvorstellungen:


Die Freimaurerei will sich nicht auf ein eindeutig fixiertes Gottesbild festlegen lassen und wehrt sich gegen jede Art von Dogmatik. »Bekenner jeder Religion ohne Unterschie« werden aufgenommen. (Seydel FM 1862 11) Nicht das Finden und Kennen, sondern das Suchen Gottes ist wichtig. »Wer immer strebend sich bemüht ... » «Dem Freimaurerbunde gehört eine grosse Zahl von Menschen an, die dem Heere der Zweifler und der Sucher zuzuzählen sind.« (Lagutt FM 1958 115)


Die Freimaurerei verlangt einen Gottesglauben (mit Ausnahme des »Grand Orient de France«), aber kein Glaubensbekenntnis. «Einer der fundamentalen Grundsätze der Maurerei sagt eindeutig, dass ein Mann ohne Gottesglauben nie ein echter Maurer werden könne ... Irgend ein Credo, ein Glaubensbekenntnis im Sinne der Kirchen wird nicht verlangt ... Wie der Einzelne sein Verhältnis zur Gottheit gestaltet, ist und bleibt ureigenste, persönliche Angelegenheit. Ob er als frommer Christ dem Weltganzen eine dreifaltige Gottheit zugrunde legt, ob einer im Sinne des Judentums in der Gottheit den alttestamentlichen 'Herrn der Welt' erkennt, ob er als Moslim Allah seine Verehrung zollt, als Hindu seinen Gottheiten, bleibt jedem unbenommen.» (Lagutt S. 105)


Also kann gesagt werden, dass die Freimaurerei Gott relativiert, individuellem Belieben unterstellt. Nicht Gott erschafft und erwählt sich die Menschen, sondern der Mensch wählt sich seine Götter aus. Jeder kann seinen persönlichen Gott haben. Es ist nicht ein gemeinsames Gottesbild, das die Freimaurer vereinigt, sondern das Fehlen eines gemeinsamen Gottesbildes. »Damit jeder genügend 'Raum' hat, musste das Bild der Gottheit ... eine solche Ausweitung erfahren.« (Lagutt S. 108)


6.2.2. Gott als Geheimnis und individuelles Erlebnis:


Das inhaltliche Offenlassen des Gottesbildes entspreche dem biblischen Bilderverbot, meint Lagutt (S. 108), und schaffe die Basis, »die es erlaubt, sich rein menschlich gegenüberzustehen,« (S. 109) Wer und was Gott ist, das kann der Mensch niemals ergründen. Gott ist und bleibt ein Geheimnis, das nicht intellektuell erfasst, wohl aber individuell erfahren werden kann. «Der Gott der Theologen ist ein ersonnener und erklügelter, eine gedankliche Abstraktion, ohne die lebendige Kraft des Erlebnisses. Mit dem Intellekt, mit einer Wissenschaft ist Gott jedoch nicht zu fassen. Er wird auf diese Weise verkleinert und in ein Schema, eben in ein Dogma gepresst ... Gott als das grosse Geheimnis kann mit der unzureichenden und unvollkommenen menschlichen Sprache nicht beschrieben, er kann nur in Bildern und Symbolen dargestellt werden. Da Gott der grossen Menge nicht fassbar ist, sind die meisten Mystiker Einsame und Schweiger. Sie schweigen über ihr Gotteserleben und teilen sich esoterisch nur einigen wenigen auserwählten Schülern mit.» (Zuber FM 1975 181) (Also: Worte scheinen gegen das Bilderverbot zu verstossen, eigentliche Bilder und Symbole aber nicht. Mehr zum Thema «Gotteserfahrung und Innerlichkeit« in Pt.6.2.4.) Es ist hier also wiederum deutlich, dass das Erleben über das Wort gestellt wird, entsprechend auch der Tradition der Mysterienkulte (Pt.1.4.2.). Die Priorität, die Vorrangigkeit macht den Unterschied aus: Christen, die dem Wort vertrauen, haben auch Erlebnisse. Aber sie orientieren sich nicht anhand von Erlebnissen. Demgegenüber sind Gespräche für denjenigen, der Erlebnisse sucht, zweitrangig, ja oft störend.


6.2.3. Gott als Person:


Obwohl Gott in der Freimaurerei »das grosse Geheimnis« ist, und sich jeder sein eigenes Gottesbild machen und seine individuellen Gotteserfahrungen haben kann, besteht meines Erachtens in der freimaurerischen Literatur weitgehend immerhin über eines Einigkeit: Gott ist eine Person. Und es gibt diese Person. «In der freimaurerischen Formel: 'Im Namen des allmächtigen Baumeisters der Welten, der unendlichen Schöpfer und Erhalterkraft des Alls ...' kommt die Auffassung eines persönlichen Gottes zum Ausdruck ... Die Meinung, die Freimaurerei vertrete Pantheismus, Deismus, Agnostizismus, Atheismus, Materialismus usw., ist falsch.« (Lagutt FM 1958 109) Der einzelne Freimaurer mag zwar für sich eine solche Auffassung vertreten (Ebd. 109), doch der allen gemeinsame Nenner kann als theistisch bezeichnet werden. «Der Theismus ist die religiöse oder philosophische Lehre von der Existenz eines überweltlichen, allmächtigen und persönlichen Gottwesens, welches die Welt erschaffen hat, regiert und erhält. Er tritt als Monotheismus und als Polytheismus auf.« (Ebd. 109) Schenkel, 1926, 170) bezeichnet die Freimaurerei als »theistischen Idealismus». In den Gebeten der Zürcher Loge »Modestia cum Libertate« kommt »die theistische Gottesidee« zum Ausdruck. (Zuber FM 1975 184)


6.2.4. Gotteserfahrung durch Innerlichkeit:


Gott kann nach freimaurerischer Auffassung prinzipiell immer und durch jedermann »erfahren« werden. «Es hat aber zu jeder Zeit Menschen gegeben, die in diesem innigen Kontakt mit Gott gestanden haben. Sie haben Gott gesehen; sie werden deshalb 'Seher' genannt ... Wie diese Propheten in Visionen und Auditionen erfahren die Mystiker Gott als lebendige Realität in geistiger Schau und letztlich das Erlebnis der Einheit des eigenen Seelengrundes mit dem unendlichen Gott, die 'unio mystica'. Dieses Gotteserlebnis ist bei allen Völkern und zu allen Zeiten gleich.« (Zuber, FM 1975 181) Auch durch das Gewissen können wir nach freimaurerischer Auffassung Gott erfahren: »Das Gewissen ist unser einziges Wissen. Es weiss und ist die Wahrheit. Eine andere Wahrheit ist nirgends zu finden ... Das Gewissen ist nie ein fertiger Besitz, sondern eine Aufgabe, an der wir zu arbeiten haben ... Das Gewissen, gleichsam eingebaut in die menschliche Seele, ermöglicht uns, Gott im eigenen Innern zu erleben.« (Ebd. 182)


»Wir sind nicht bereit, an einen Gott zu glauben, der irgendwo in einem fernen Himmel weilt, von wo aus er die Menschen leitet, prüft, belohnt oder bestraft, ihre Bitten erhört oder auch nicht. Wir sind auch nicht gern bereit, uns als Sünder vorzukommen, die durch eine vor zweitausend Jahren geschehene, uns schwer verständliche Erlösertat errettel worden sind. Wir wären aber bereit, uns einen Weg zeigen zu lassen, der ohne die Zuhilfenahme künstlicher Mittel zum Erfahren Gottes im eigenen Inneren führt. Dieser Weg ist das Gebet, oder eher das, was man Meditation nennt. Es ist nicht ein Bitten um Dinge, sondern vielmehr ein Lauschen, ein Erfühlen der Gegenwart Gottes im Inneren.« (Ebd. 183)


Noch ein letztes Zitat zur Verdeutlichung: »Es wäre gut, wenn die Vorstellung von 'Gott im Himmel' einer neuen Platz machen würde. Gott würde nicht ferner gerückt, sondern näher, wenn der Mensch ihn als das Leben oder den Geist begreift, der das ganze Universum durchströmt und erhält und der auch im eigenen Inneren erlebt werden kann als Liebe und Kraft. So erlebt der Mensch nicht nur Gott in seiner Fülle und Unendlichkeit, sondern er fühlt sich auch durchdrungen von der Ewigkeit des Kosmischen. Er empfindet sich als Teil des Ganzen, in welchem er aufgeht.« (Ebd. 183)


6.2.5. Wer ist der «Allmächtige Baumeister aller Welten» ?


Die obigen kurzen Ausführungen zum freimaurerischen Gottesverständnis zeigen, dass es wesentliche Unterschiede zu demjenigen Gott gibt, der uns in der Bibel als »Vater« bezeugt ist:


Der biblische Vater Gott will uns auf Schritt und Tritt klar machen, dass es nicht völlig egal ist, an welchen Gott wir glauben. Aus biblischer Sicht gibt es «richtige» und »falsche« Gottesvorstellungen. Es gibt unendlich viele falsche «Götter« und einen wahren Gott. Die falschen Götter bzw. Gottesbilder führen uns ins Verderben, in die Dunkelheit, in den Tod. Der biblische Gott verspricht uns das Leben, wenn wir die anderen Götter aufgeben und zu ihm zurückkehren. Und er warnt uns davor, ihn nicht ernst zu nehmen. Natürlich sind diese Warnungen nicht bequem, sie klingen nicht immer »human«, und sie kränken unsere Eitelkeit. Aber wenn sie dennoch ernst zu nehmen sind, wenn sie letztlich dennoch gut gemeint sind? Aus biblischer Sicht ist auch das Böse eine personale geistige Macht, und das irdische Geschehen ist Ausdruck von Auseinandersetzungen in der geistigen Welt. Als »Aufgeklärte» haben wir gelernt, dass nur Vorgestrige an die Existenz eines Satans glauben. Wenn es nun aber trotz aller Aufklärung doch einen gibt, wenn gut und böse nicht bloss zwei ewig «widerstreitende Naturen innerhalb des Menschen« (Schenkel S. 163) sind? In der Freimaurerei ist dies ausgeschlossen. Alle Gottesvorstellungen sind gleich, jeder kann sich seinen Gott frei wählen, es kommt nicht so darauf an, woran wir glauben. Aus biblischer Sicht kommt es darauf an. Es sind nicht alle Götter und Gottesvorstellungen gleich, wir sollen lernen, gute und schlechte nicht miteinander zu vermengen, sondern voneinander zu unterscheiden. Zur Entwicklung des geistigen Beurteilungsvermögens nicht zuletzt bezüglich der Götter und Gottesvorstellungen braucht es eine geistige Auseinandersetzung. Diese ist in den Logen verboten. Sie findet nicht statt.


Aus biblischer Sicht ist Gott auch kein «Geheimnis», sondern er gibt sich uns zu erkennen. Der biblische Gott ergreift seinerseits die Initiative und offenbart sich uns in seinem Wort. Der biblische Gott ist wie der freimaurerische eine Person, aber keine beliebige Person, sondern eine identifizierbare Person, eine Person mit Namen. Der freimaurerische Allmächtige Baumeister aller Welten (,»ABaW») ist nicht identifizierbar. Er hat keinen konkreten Namen.


Der biblische Gott kann nicht in erster Linie durch Innerlichkeit und Gewissensbildung wahrgenommen und kennengelernt werden, sondern hauptsächlich durch sein Wort. Die verbale Kommunikation ist zentral. Den biblischen Gott erreicht, wer ihn und sein Wort ernst nimmt, ihm vertraut. Sein Wort gilt ewig. Wort gläubige Christen sind nicht untätig, haben auch Erlebnisse und Gefühle, doch sie orientieren sich nicht daran. Taten, Erlebnisse und Gefühle sind zweitrangig. Zwischen dem ABAW und den Freimaurern besteht ein Arbeitsverhältnis, zwischen dem biblischen Gott und denen, die ihm vertrauen, ein Familienverhältnis. Der Freimaurer »geht in den ewigen Osten ein, wofern der dreifach grosse Weltbaumeister, Gott der Allgütige, mit seiner Arbeit zufrieden gewesen ist.« (Bloch Suhr FM zit. in Nielsen Prot.bibl. 1882 64) Demgegenüber ist nicht unsere Leistung, sondern Jesus Christus der Weg zum biblischen Gott, nicht Werke, sondern Glaube und Gnade.


Aufgrund solcher und anderer Unterschiede kommen hauptsächlich konservativ katholische Autoren zum Schluss: Der ABAW ist in Wirklichkeit der Teufel. Die Freimaurerei ist nichts anderes als die »Synagoge Satans«. (Baum Kath. 1975 2) Das Werk von Baum (1975) trägt den Titel: »Freimaurerischer Satanismus heute«. Adler betitelt die Freimaurer als «die Söhne der Finsternis« (1975, 1982, 1983). Aber auch nach van Dam (Prot.bibl.) entpuppt sich die Freimaurerei letztlich als Satanismus. Die zwei Säulen »J« und »B« (Jachin und Boas) würden auch als Jahwe und Baal gedeutet; die »Weisheit« des (späten) Salomo hätte darin bestanden, dass er beide vereinen wollte. In den obersten Hochgraden werde der ABAW »Jabulon« genannt, was eine Art Antitrinität bedeute, die aus den Namen Jahwe, Baal und Osiris gebildet worden sei.


Wie dem auch sei: Ich wäre vorsichtig mit der Aussage, dass der ABAW der Teufel ist, denn tatsächlich wissen wir es ja nicht. Der Geist der Freimaurerei hat sich der Menschheit (noch) nicht persönlich und mit Namen vorgestellt. Somit wissen wir nicht, ob es ihn gibt und ob er mehr ist, als bloss ein synkretistisches Hirngespinst. Sicher gehört er nicht zum Reich des biblischen Gottes. Aber es könnte statt des Teufels auch einer seiner »Fürsten« sein, der die Freimaurerei inszeniert hat. Zudem sind meines Erachtens sicher die allerwenigsten Freimaurer wirkliche Satanisten im eigentlichen Sinn. Sie sind nicht die (bewussten) Täter, sondern die Opfer. So schreibt auch Baum (Kath. 1975, 27): «Die Freimaurer sind ... keine Satanisten, sie sind lediglich die zuerst Hereingefallenen des raffiniert getarnten Satanismus.« Sie sind die Opfer des sie am Narrenseil führenden Riesenbetrugs.


Ganz sicher ist eines: Der «Allnlächtige Baumeister aller Welten» ist nicht der gleiche Gott Vater, der sich uns in der Bibel offenbart. Darüber sind sich alle einig: Freimaurer (z. B. Lagutt FM 1958 60) und Christen: »Wer die Schriften der Freimaurer durchliest, dem wird es klar, dass dieser 'dreifach grosse Baumeister' wesentlich von dem dreieinigen Gott verschieden ist, an welchen wir Christen glauben.« (Nielsen Prot.bibl. 1882 60)




6.3. Christus aus FM Sicht


Wie das Gottesbild, so wird auch das Jesus Bild in der Freimaurerei auf verschiedene Art relativiert, hauptsächlich subjektiv und historisch: Es gibt über ihn scheinbar kein absolut sicheres Wissen. Jede Person und jede Geschichtsperiode sieht ihn wieder anders.


6.3. 1. Individuelle Christus Vorstellungen:


»Nun ist freilich gerade das sehr umstritten, was Jesus eigentlich war und was er eigentlich wollte. Bücher ... zeigen selbst den Uneingeweihten die ungeheure Schwierigkeit eines objektiven Jesusbildes. Innerhalb der evangelischen Theologie ist die Auffassung der wesentlichen Bedeutung Jesu kaum weniger mannigfaltig, als in den anderen grossen Lebenskreisen. Jeder sieht seine Ideale oder seine Sehnsucht in ihn hinein. Den Liberalen erscheint er liberal, den Orthodoxen erscheint er orthodox, den Kommunisten ist er ein Kommunist und den Anthroposophen erscheint er in anthroposophischem Licht. Aber auch innerhalb des liberal protestantischen Kreises wird sein Bild verschieden gesehen.« (Schenkel Prot.Iib. 1926 154)


Was aus unserer Sicht dieses Zitat kennzeichnet, das ist, dass von Jesus in der Vergangenheitsform gesprochen wird. Die «Freiheit« der Interpretationen basiert auf der stillschweigenden Annahme, dass er tot ist, dass er bloss eine geschichtliche Erscheinung war.




6.3.2. Christus als geschichtlicher Mensch:


Für Lessing (FM 1793, 1976 634) ist es «unstreitig», dass die frühen Christen «keinen solchen Sohn Gottes meinten, welcher mit Gott von gleichem Wesen sei.»


Auch für Bender (FM 1942 214ff) ist Jesus kein Sohn Gottes im biblischen Sinn. Dazu wurde er erst später gemacht. Er schreibt: «Er beanspruchte nicht etwa die Gottessohnschaft allein für sich, wie es später ausgelegt wurde, sondern nannte Söhne Gottes, Kinder Gottes alle, die Gottes Willen aufrichtig zu erfüllen sich bemühen ... Vielmehr nannte er sich viel öfter ausdrücklich des Menschen Sohn , wohl eben, weil das Volk ihn immer wieder als Gott verehren wollte, wobei er dann aber immer in die Einöde entwich.» (S. 214f) «Bald wurde die einfache Lehre der Liebe mit einem Glaubensbekenntnis vertauscht, das Christus zu einem Gott statt Menschensohn machte.«


Der Inhalt der Auffassung über Christus und Gott ist nach Schenkel abhängig »von der Stufe der erreichten Menschlichkeit». (S. 159)


6.3.3. Christus als Humanist und Vorbild:


Die meisten Freimaurer sind wohl der Überzeugung, «keinen anderen Geist zu pflegen, als den des grossen Meisters Jesus von Nazareth«. (Schenkel, Bauhofer FM 1975 22)




Christus wird nicht als Gott gesehen, sondern als Humanist und als entsprechendes Vorbild: »Für Jesus handelte es sich ganz wesentlich um den Menschen und die Menschlichkeit. Er hat den Menschen rein als solchen in seinem Verhältnis zu Gott genommen. Er suchte den Menschen hinzuführen auf das Problem seiner Seele, oder, für unser Bewusstsein ausgedrückt, auf das Problem seiner sittlichen Eigenpersönlichkeit. Er hat die Menschen beurteilt nur nach ihrem persönlichen Wert oder Unwert, aber nicht nach Kategorien der Rasse und des Volkstums, der Zugehörigkeit zu einer bestimmten Religionsgemeinschaft oder nach ihrer dogmatischen Einstellung ... Wer also im Sinne Jesu leben will, muss vorurteilslos jedem Menschen als solchem gegenübertreten und muss bei aller Verankerung im Nationalen und Kirchlichen doch auch über diese Schranken hinwegzusehen vermögen.« (Schenkel S. 157f)


«Dass es Jesus um die Menschlichkeit geht, zeigt das unerreichte Gleichnis vom barmherzigen Samariter ... Bei der Frömmigkeit Jesu ist das Charakteristische das unbedingte Vorwiegen der ethischen Gesichtspunkte und damit des humanen Sinnes.« (Ebd. 158) Schenkel will «die innere Verwandtschaft des humanitären Geistes der Freimaurerei mit Jesus auch noch in vielfacher anderer Weise aufzeigen.« (S. 160) Jesus habe in erster Linie Liebe, Nächstenliebe, Menschenliebe gepredigt und vorgelebt, er habe sein »Leben restlos in den Dienst der Menschen» gestellt. Das sei auch das Anliegen der Freimaurerei. «Treue bis in den Tod, wie sie das Lebensende Jesu krönt, ist der Inhalt des Meistergrades.» (S. 1 60f)


Aus dieser Sicht erscheint der Gott des Alten Testamentes als »inhuman», und Jesus habe ihn sozusagen humanisiert, «indem er dem inhumanen Gottesbegriff der pharisäischen Tradition Beispiele aus der Welt edlen Menschentums als Beweis für seine humanere Gottesauffassung entgegenstellte.« (S. 158)


Anstössig ist für Schenkel hauptsächlich die Auffassung, dass der Mensch ein Sünder sein soll, dass die Menschen in Sünder und Gerechte eingeteilt werden, angesichts »der Tatsache, dass Gott Sonne und Regen allen gleichermassen zuteil werden lässt.» (S. 158) Die »pietistische Sündenangst«, die «jede edlere Regung« verspotte, sei »Jesus gänzlich fremd«. (S. 158) Menschenunwürdig ist für Schenkel auch die Vorstellung, dass die ja so »edlen« Menschen eines Tages gerichtet werden sollen. Die »eschatologische Auffassung« sei «praktisch wertlos und inhaltlich anstössig«, meint er. (Ebd. 162) Wer die biblische Sicht Jesu und nicht die humanistische Sicht vertritt, der wird nun seinerseits abgewertet, auf eine niedrigere «Stufe der erreichten Menschlichkeit« versetzt: »Der kirchliche Volksglaube enthält in seiner Gottesvorstellung inhumane Züge als Erbe jüdischen und vorreformatorischen Denkens.» (S. 159)


Schenkels Jesus steht im Gegensatz zur angeblichen »Phantastik der eschatologischen Erlösungsreligion ... Er ist die Verkörperung der sittlichen Erlösungsreligion ... Da es ihm ganz auf die Echtheit und Lebenswirklichkeit ankam, formulierte er keine abstrakten Begriffe, sondern versuchte, seine geistige Welt in Bildern zu übermitteln ... Die Freimaurerei geht den gleichen Weg bewusst, indem sie grundsätzlich auf jede begriffliche Formulierung der eigentlichen Lebensgeheimnisse verzichtet und die Bildersprache für genügend, ja für geeigneter hält.« (S. 155)


Der Abgrund, der zwischen dieser humanistischen und der biblischen Jesus Auffassung besteht, scheint Schenkel nicht bewusst zu sein. Jesus als das »Wort», das «fleischgewordene Wort«, hat zur Verkündigung und eben auch zur Darstellung seiner »Bilder« das Wort gebraucht. Niemals hat er das Schweigen propagiert und das stumme »Erleben» gefördert, sondern stets ein ausgesprochenes Bekenntnis erwartet nicht für die »Menschlichkeit«, das ist ein abstrakter Begriff, sondern für sich.


6.3.4. Jesus als «Eingeweihter», «Priester», «Meister»:


Hauptsächlich in der Schwedischen Lehrart der Freimaurerei, aber auch bei anderen freimaurerischen Autoren, erscheint Jesus auch in einem gnostischen Licht. Jesus ist »ganz Mensch» und als solcher »Christusträger«. Dank des «Christusgeistes« wird er »göttlicher Eingeweihter und Priester». (Lagutt FM 1958 44) Bei der Auferweckung des Lazarus werde dies aller Welt deutlich. Jesus vollziehe «öffentlich an Lazarus, was sonst verborgenstes Tempelgeheimnis war.« (Ebd. 44) «Im Johannes Evangelium tritt Jesus in Deutlichkeit als der grosse Initiator, als Eingeweihter im höchsten Sinne auf ... In aller Offenheit tritt Jesus als der grosse Eingeweihte, als Hierophant im Sinne der alten Mysterien auf, als er die Auferweckung des Lazarus vollzieht ... In Lazarus bricht das Ewige durch ... Wo immer im Men¬schen der Geist, das Ewige, das höhere Selbst durchbricht, oder anders ausgedrückt, der Mensch in seinem strebenden Bemühen sich dem Quell seines wahren Wesens nähert, erlebt er die grosse Auferweckung. Ist es nun verwunderlich, dass das Johannes Evangelium in der esoterischchristlichen Strömung eine solch zentrale Stellung einnimmt?« (S. 143)


In der schwedischen Lehrart erscheint Jesus als »erster Grossmeister« der Loge. »Der erste Grossmeister der Loge war Jesus; nach Jesus kam Jakobus, und nach dessen Tod traten die Jünger und Verwandten Jesu zusammen und wählten Simeon ... Christus trat als Philosoph und Lehrer einer reinen Naturreligion auf.« (Nielsen Prot.bibl. 1882 88 über die Schwedische Lehrart) Nielsen zitiert einen schwedischen Freimaurer Text über das «exoterische» und das »esoterische« Auftreten Christi: «Bei dem exoterischen Vortrage liess er daher manche Vorurteile stehen ... Aber bei dem esoterischen Vortrage im Innern seiner Meisterlogen um jedoch bloss einen Wink zu geben trat Jesus z.B. niemals als wahrer und eigentlicher Gott auf, sondern allein als der Grossmeister im Osten, welcher die Menschheit erleuchten, wahre moralische Begriffe verbreiten und uns dereinst die Unsterblichkeit zusichern wollte.« (Ebd. 89) Im schwedischen Lehrsystem wird auch die Ansicht verbreitet, Johannes der Täufer und Jesus seien »Vorsteher des Essäerbundes« gewesen. (Nielsen 1883 22ff) Dieses kurze Stimmungsbild soll hier genügen. Die schwedische Lehrart ist auch unter Freimaurern umstritten (z.B. Schiffmann, 1883 23). Nielsen (1882, 1883) hat die »Pseudo Christlichkeit des schwedischen Systems» (1883 27) ausführlich dargestellt.


6.3.5. Zusammenfassung und Vergleich


Zusammenfassend kann eindeutig gesagt werden: Das Jesus Bild, das die Freimaurerei vermittelt, entspricht nicht dem Jesus Bild der Bibel.


In der Freimaurerei wird Jesus als geschichtlicher Mensch betrachtet, über den sich jeder beliebige Vorstellungen machen kann. Aus biblischer Sicht steht Jesus nicht nur in der Geschichte, sondern auch über der Geschichte. Und die biblischen Aussagen über ihn sind nicht mehrdeutig, sondern eindeutig. Das geht auch aus den Ergebnissen der Bibeiforschung hervor. Sie <~zeigen, dass alle Schichten der Evangelienschriften durchdrungen sind von dem einen, übereinstimmenden Bild Jesu: Er ist der Messias und der Sohn Gottes.» (Bruce Prot.bibl. 1976 38)
Nicht erfüllt haben sich die humanistischen Erwartungen, »dass man durch immer weiteres Zurückgehen auf die ursprünglichsten Schichten der Evangeliumsüberlieferung auf einen rein menschlichen Jesus stossen würde, der nichts weiter lehrte als die Vaterschaft Gottes und die Bruderschaft aller Menschen. Aber das findet sich gerade nicht.« (Ebd. 39)


Freimaurer haben das Gefühl, der Mensch sei von sich aus gerecht und bedürfe der Erlösertat Christi nicht (Zuber FM 1975 183). Aus biblischer Sicht ist wirkliche »Selbsterkenntnis» Einsicht in die eigene Sündhaftigkeit und Verlorenheit. Der Glaube an »das Gute im Menschen« beruht meines Erachtens auf einem Mangel an Lebenserfahrung und Menschenkenntnis.


Freimaurer lehnen die Vorstellung von einem Gott ab, der über Menschen zu Gericht sitzt. Aus biblischer Sicht ist es gerade Jesus Christus, dem die Rolle des Richters über alle vom Vater übertragen wurde. Er ist der Herr aller Welten und Zeiten. Erlösung und Befreiung erfolgt durch die Annahme dieser (biblischen) Tatsache.


Aus freimaurerischer Sicht hingegen ist Jesus Christus tot und lebt nur durch seine Lehre, den symbolischen Gehalt seiner Taten und als ethisches Vorbild weiter. Der biblische Jesus hat keine Lehre angeboten, sondern sich selbst hingegeben; Er hat keine religiösen Erlebnisse vermittelt, sondern «Worte des Lebens« gesprochen; Er hat die Menschen nicht mit ethischen Geboten und Richtlinien belastet, sondern Frieden mit dem lebendigen Gott gestiftet, die Beziehungen zwischen den Lebenden befreit und damit alle Gesetzlichkeit »aufgehoben«.


Der gnostische Jesus Christus ist gespalten in Jesus und Christus, in Mensch und Gott, in Körper, Seele und Geist. Der biblische Jesus Christus ist eine lebendige Einheit von dem allem, die jede bloss menschliche Vorstellungskraft übersteigt.


6.4. Freimaurerei und liberale Theologie


Nach Schenkel besteht zwar kein »bewusstes Bündnis zwischen Freimaurerei und liberaler protestantischer Theologie». Aber es gibt eine »wesenhafte und schicksalhafte Verbundenheit« (S. 3), eine «innere Verwandtschaft« (S. 163) sowie dichte personelle Verflechtungen. (S. 40f.)


6.4. 1. Enge Geistesverwandtschaft zwischen Freimaurerei und liberalem Protestantismus


Schenkel stellt eine weitgehende geistige Übereinstimmung zwischen Freimaurerei und liberalem Protestantismus fest:


»Man wird sagen können, dass im ganzen genommen in der Freimaurerei die Auffassung Jesu, wie sie sich aus der liberalen protestantischen Forschung von den Anfängen der Aufklärung an ergeben hat, schon immer praktisch verwertet ist, allerdings unter selbstverständlicher Ausschaltung der zeitweise hervorgehobenen eschatologischen Auffassung, die praktisch wertlos und inhaltlich anstössig ist. Diese inhaltliche Übereinstimmung hätte die Möglichkeit einer viel stärkeren Verankerung des protestantischen Liberalismus geboten, wenn nicht die meisten führenden Persönlichkeiten des liberalen Protestantismus des Sinnes für Kultus wie des Sinnes für die Bedeutung festgefügter Organisationen ermangelt hätten. Der liberale Protestantismus hat aus sich selbst heraus feste kirchliche Gemeinschaften kaum zu schaffen vermocht. Besonders stark empfindet man die innere Verwandtschaft, wenn man die freimaurerische Gedankenwelt in Beziehung setzt nicht zum christlichen Dogma, sondern zur protestantischen Ethik. Hier treten die verwandten Züge am deutlichsten hervor. Ich wüsste nicht, welche Unterschiede zwischen dem Pflichtgedanken, dem Berufsgedanken, dem Arbeitsgedanken in der Auffassung der Freimaurerei und diesen Gedanken in einer modernen protestantischen Ethik nachzuweisen wären. Vor allem aber ist es die gleiche Grundeinstellung, nämlich die Ablehnung aller Heteronomie und aller Kasuistik und die zentrale Bedeutung des freien, vor dem ewigen Gott verantwortlichen Gewissens ...« (Schenkel S. 162ff)


Hammer (Prot. 1984) meint, die heutige protestantische Theologie sei über die Freimaurerei hinausgewachsen: »Das Gedankengut der Freimaurerei, das im Kontext des 18. Jahrhunderts eindeutig »Fortschritt« bedeutete, aber beim damals behaupteten und erreichten Deismus im wesentlichen stehenblieb, darf für die heutige protestantische Theologie, ganz gleich, wo sie angesiedelt ist, als überwunden gelten.« (S. 27) Eine humanistische, allgemein menschliche Religion »kann ebensowenig befriedigen wie ein von der Botschaft von Sünde und Gnade absehendes freies, edles Menschentum, das sich gnostisch mystisch aus eigener Kraft von Stufe zu Stufe selbst vervollkommnet und dabei doch nur den im engen, für die Aussenstehenden verborgenen Bruderbund vereinigten Brüdern zugute kommt. Die Einwände der evangelischen Theologie gegen das Gedankengut der Freimaurerei sind im wesentlichen dieselben wie gegen die Aufklärung eines Voltaire und seines Schülers auf dem Preußenthron und gegen den Idealismus der Freimaurer Lessing, Herder, Fichte, Goethe, von Humboldt und von Knigge. Bedeutendere Geister als die genannte Prominenz sind aus dem protestantischen Bereich seither in der Freimaurerei nicht mehr wahrzunehmen. Ihre geheimnisvolle Arbeit im geschlosssenen Tempel wirkt sowohl in der modernen Demokratie wie in einem modernen freien Protestantismus, in denen alle ethischen Postulate und Probleme diskutiert und alle liturgischen Anlässe öffentlich sind, anachronistisch.« (Hammer Prot. 1984 27)


6.4.2. Freimaurerei und Bibelkritik:


Möglicherweise prägt der Geist der Freimaurerei auch die moderne protestantische Theologie doch noch tiefer als Hammer annimmt.


Wir haben gesehen, dass das Wesen der Freimaurerei darin liegt, dass sie dem Wort im weitesten Sinne misstraut und an seine Stelle das Symbol setzt, dass sie alles Jenseitige relativiert und das Diesseitige, dem Menschen durch eigene Anstrengungen Zugängliche, verabsolutiert. Wir haben zudem gesehen, dass Weltbild, Menschenbild, Gottesbild und Jesusbild der Freimaurerei radikal den entsprechenden Aussagen der Bibel entgegenstehen. Die beiden »Realitäten« widersprechen sich, sie schliessen sich aus, sie können nicht beide gleichzeitig wahr sein. Aus freimaurerischer Sicht liegt natürlich der Grund für diese Widersprüche nicht in der Freimaurerei, sondern in der Bibel. Freimaurerei ist darum ihrem Wesen gemäss Bibelkritik. Es kommt mir hier nicht in erster Linie darauf an, festzustellen, wie viele und welche bibelkritischen Theologen Freimaurer waren, Eine solche Untersuchung würde den Rahmen dieser Arbeit sprengen und hätte, nicht zuletzt wegen dem geheimen bzw. »diskreten» Charakter der Freimaurerei, eine äusserst relative Bedeutung. Neben den unbekannten Maurern gibt es zudem auch die ungezählten »Maurer ohne Schurz». Darum kommt es in erster Linie auf den Geist an. Und bezüglich des Geistes kann eindeutig gesagt werden: Der Geist der Freimaurerei ist bibelkritisch. Er akzeptiert keine über ihm stehende, absolute Geltung beanspruchende Wahrheit, Person oder Aussage, selbst wenn sie in der Bibel steht. Die Freimaurerei stellt sich über die Bibel, beschlagnahmt die Bibel und unterwirft sie. Die Bibel wird nicht abgelehnt, sondern relativiert, konserviert, in »Schutz« genommen und menschlicher, »wissenschaftlicher» Untersuchung zugänglich gemacht. Plumpe Ablehnung wäre primitiv: In Andersons Konstitution wird der Atheist als »einfältig« bezeichnet. (Zit. in Oslo, S. 379) Die Relativierung ist Ausdruck einer viel raffinierteren, tieferen, dafür äusserst abgründigen Feindschaft.«


Die Reformatoren konnten das in der Bibel bezeugte Wort Gottes als wichtigste, »heiligste» Waffe der geballten Macht des etablierten Katholizismus entgegensetzen. Ab 1717 beginnen protestantische Theologen, diese «heilige Kuh« der eigenen Herkunft zu zerlegen, in einen rein menschlichen Zusammenhang zu stellen und allenfalls auch auf ein menschliches Podest zu heben. Im folgenden sei kurz auf die Freimaurer und protestantischen Theologen Gotthold Ephraim Lessing (1729 1781) und Johann Gottfried von Herder(1744 1803) eingegangen, die einen wesentlichen Einfluss auf die protestantische Theologie ausübten. Dabei geht es vor allem um ihre Stellung zur Bibel.


Aus Lessings »Theologiekritischen Schriften» 1778 geht eindeutig hervor, dass er die Bibel nicht als von Gott inspiriertes Wort, sondern als rein menschliches Machwerk ansah. Die Ausführungen über die Entstehung der Evangelien tragen den Titel: »Neue Hypothese über die Evangelisten als bloss menschliche Geschichtsschreiber betrachtet«. Auch bei der Zusammenstellung des Kanons hat nach Lessing keine höhere Macht mitgewirkt. Die »Offenbarung Johannis« ist ihm »ein Beweis, wie planlos sich der Kanon des neuen Testaments gebildet« hat. Nach seiner Meinung waren Redaktoren am Werk, die »mit aller Freiheit abgeschrieben« haben. Inspiration ist höchstens Einbildung der scheinbar Inspirierten. Vermutlich zuckte man auch damals schon die Achseln über Leute, die etwas Historisches aus Inspiration zu wissen vorgaben. Ein Evangelium braucht es nach Lessing nicht für alle Leute, sondern es wird nur so lange eines geben, »als es Menschen gibt, die eines Mittlers zwischen ihnen und der Gottheit zu bedürfen glauben.« (1976 635) Lessing hat mit dem gläubigen Hauptpastor Johann Melchior Goeze eine harte theologische Auseinandersetzung geführt, die einen grossen Teil seiner »Theologiekritischen Schriften» ausmacht (»Anti-Goeze«, I XII.)


Die folgenden Herder Zitate sind dem Artikel von J. Böni, Pfarrer und Grossmeister der »Alpina», über den »Theologen Johann Gottfried Herder« (1944) entnommen. Herder hat nach Böni die Denkart des »christlichen Humanismus« geprägt und auch als «erster Geistlicher der protestantischen Landeskirche« in Deutschland einen nachhaltigen Einfluss ausgeübt. Er lehnte es ab, die Bibel als «sakrosankte Schriften» zu betrachten und wandte sich gegen »theologische Engherzigkeit». Die Bibel ist nicht übermenschlicher und allgemeinmenschlicher Maßstab, sondern in die Menschheitsgeschichte eingebettet. »Die Bibel ist aus der Vorstellungswelt der Antike zu verstehen.» (Böni, S. 288) Das Christentum ist eine Religion unter vielen, die ebenfalls ihre Bedeutung und ihre Wahrheiten haben. «Ebenso unbefangen wie das Christentum würdigt der protestantische Geistliche die nichtchristlichen Religionen, von denen insbesondere auf die Religion der Griechen ein verklärendes Licht fällt.» (S. 286). Herder relativiert das Wort auch insofern, als er ihm gegenüber das Gefühl, das Erlebnis, die «Leidenschaft» aufwerten möchte. (S. 291) Bei Herder hören wir »nichts von Erlösung, Sündenvergebung, Rechtfertigung» (S. 290).


Diesem liberal kritischen, freimaurerischen Einfluss haben sich nach Schenkel auch die scheinbar etwas unterbelichteten bibeltreuen Protestan¬ten nicht entziehen können. »Selbst die positiven und orthodoxen Kreise, soweit sie sich einer gewissen Allgemeinbildung erfreuen, sind von liberalen Gedanken, wenn auch langsam und vielfach unbewußt, durchsetzt worden.« (Schenkel). Nach W. Neuer waren unter anderen folgende Begründer der modernen Bibelkritik Freimaurer: Hermann Samuel Reimarus (1694-1768), Ernst Renan (1823- 1892), Christian Wolff (1679- 1754), David Friedrich Strauss (1808- 1874).






6.4.3. Personelle Verflechtungen zwischen Freimaurerei und liberalem Protestantismus


Zu diesem Thema müssen wir uns hier mit einigen Zitaten aus Schenkel begnügen.


»Wohl aber sind durch einzelne Persönlichkeiten starke Verbindungsfäden zwischen Loge und freien protestantischen Organisationen vorhanden. Es sei nur erinnert an den bekannten Heidelberger Juristen Bluntschli, den ersten Vorsitzenden des Protestantenvereins, der zugleich ein sehr eifriger Freimaurer war und die Würde eines Grossmeisters in der Grossloge 'Zur Sonne' (Bayreuther System) bekleidete. Über die gegenwärtigen Beziehungen ist es aus begreiflichen Gründen nicht ratsam, Einzelheiten anzuführen. Es genügt, auf die Tatsache zu verweisen, dass sowohl Geistliche hervorragende Stellen in den Logen und Grosslogen einnehmen, wie umgekehrt Freimaurer in beachtenswertem Umfang in kirchlichen Vertretungen vorhanden sind. Jedenfalls betrachten gerade in Deutschland die meisten Freimaurer die Freimaurerei als in der Geistesrichtung des freien Protestantismus liegend.« (S. 41) Der aus der Schweiz stammende Johann Kaspar Bluntschli (1808 1881) war liberaler Staatsrechtler und Politiker. Er gilt »als Stifter des deutschen Protestantenvereins, der im Gegensatz zu der damals vorherrschenden protestantischen Orthodoxie für grössere Freiheit in den theologischen Wissenschaften eintrat.« (Valmy, 62)


»In der Schweiz zeigt sich die Verbindung von Freimaurerei und Protestantismus in Männern wie Quartier la Tente, der im Januar 1925 als ein in der ganzen Welt bekannter Freimaurer gestorben ist. In Neuenburg geboren, wurde er später Pfarrer, bekleidete eine theologische Professur, und war ein halbes Jahrzehnt Grossmeister der Schweizer Grossloge Alpina. Bekannt wurde er vor allem durch sein eifriges Streben nach Ausbau der übernationalen Fühlungnahme der Freimaurerei.« (Schenkel S. 40) Zu erwähnen ist an dieser Stelle nochmals der liberale protestantische Theologe und Pfarrer J. Böni. 1942 1947 war er Grossmeister der «Alpina« und Pfarrer in Trogen. In dieser Zeit entstand in Trogen das Pestalozzi Kinderdorf.


7. Die Freimaurerei aus der Sicht Christi


Im letzten Kapitel haben wir versucht, das Christentum, Gott, Christus und die protestantische Theologie aus dem Blickwinkel der Freimaurerei zu betrachten. In diesem Kapitel soll die Blickrichtung umgedreht werden. Es soll der Versuch gewagt werden, die Freimaurerei aus der Sicht Christi zu beurteilen, wobei wir annehmen, dass er wirklich »leibhaftig auferstanden» ist, und dass ihm alle Macht im Himmel und auf Erden übertragen wurde. Bei den Aussagen Christi verlassen wir uns hauptsächlich auf die in der Bibel von ihm und über ihn bezeugten Worte. Also: Gott hat Jesus Christus «eingesetzt zu seiner Rechten im Himmel über alle Reiche, Gewalt, Macht, Herrschaft und alles, was sonst einen Namen hat, nicht allein in dieser Welt, sondern auch in der zukünftigen.« (Eph. 1, 20f)






7.1. Die Freimaurerei als Gegner Christi


Wir haben gesehen, dass die Freimaurerei jeden Absolutheitsanspruch (ausser dem eigenen natürlich) ablehnt. Der Geist der Freimaurerei bekämpft jeden Anspruch auf absolute Wahrheit und hat bisher bereits den Absolutismus, den Faschismus, die kommunistische Einparteienherrschaft besiegt. In der katholischen Kirche und in den protestantischen Kirchen sind die Auseinandersetzungen noch im Gange. Es ist wohl möglich, dass am Schluss nur noch ein Gegner übrig bleibt: Jesus Christus.


7.1.1. Ablehnung des Absolutheitsanspruches Christi


Der Absolutheitsanspruch Christi ist der «Stein des Anstosses» für die Frei¬maurer: »Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich« (Joh. 14, 6). Oder: »Ohne mich könnt ihr nichts tun. Wer nicht in mir bleibt, der wird weggeworfen ...« (Joh. 15, 5f). Für einen Humanisten sind das unglaubliche, ungeheure, unerhörte Worte. Warum soll es nicht auch andere Wege geben? Gibt es nicht auch in anderen Religionen »Erkenntnis« und schöne Erlebnisse? Ist es nicht unfair und ungerecht, die Menschen derart ungleich zu behandeln und zu verurteilen? Die Freimaurerei nimmt diese Worte Jesu nicht ernst, sondern relativiert sie und damit den, mit dem sie zu tun haben. Der Absolutheitsanspruch Christi wird abgelehnt. Damit ist aus freimaurerischer Sicht noch keine Gegnerschaft verbunden, sondern es sieht so aus, als ob erst der «moderne», «aufgeklärte» Mensch die Zusammenhänge richtig erkennen und Jesus Christus ins richtige Licht rücken könne. Aus der Sicht Christi ist nun aber gerade das eine ungeheure Anmassung und totale Verkennung der wirklichen Herrschaftsverhältnisse. Die Relativierung ist in Wahrheit Ablehnung, und hinter den zum Teil schönen »christlichen« Worten verbirgt sich äusserste Feindschaft. Der Geist der Freimaurerei macht dem auferstandenen Jesus Christus die Herrschaft streitig. Er wird auf ein rein menschliches Maß reduziert, abgewertet, verniedlicht und in ein theoretisches Schema der menschlichen Entwicklungsgeschichte integriert. Seine Worte, besonders die, die Anstoss erregen, sind in der Loge Tabu. Wer Christus als den Herrn verkündet, der wird zum Schweigen gebracht und auf den Sonntagvormittag verwiesen.


Ist Christus wirklich auferstanden, so ist eindeutig: Die Freimaurerei ist nicht für, sondern gegen ihn. Auf die Freimaurerei trifft also das folgende Wort Jesu zu: »Wer nicht mit mir ist, der ist gegen mich, und wer nicht mit mir sammelt, der zerstreut« (Lk. 11, 23).


7.1.2. Die Freimaurer als die «Bauleute» der Bibel


In der Bibel kommt das Wort »Freimaurer» natürlich nicht vor. Dagegen gibt es den Ausdruck »Bauleute«, der zur Bezeichnung derjenigen Menschen und Menschengruppen (Pharisäer, Schriftgelehrte vor allem) verwendet wird, die nicht auf Jesus Christus bauen, sondern auf eigene, menschliche Weisheit, Kraft und Schönheit. Wesen und Inhalt, Bauhüttentradition und Tempelbausymbolik der Freimaurerei legen nun nahe, dass dieser Ausdruck auch auf die Freimaurerei zutrifft, so dass gesagt werden kann: Die Freimaurer sind die Bauleute der Bibel.
Diese Bauleute sind in der Bibel dadurch charakterisiert, dass sie den tragenden Stein, den «Eckstein» des Baues Gottes verworfen haben. (Ps. 118, 22f; Mt. 21, 42; Mk. 12, 10; Lk. 20, 17; Apg. 4, 11; 1. Petr. 2, 7) Der Eckstein des Baues Gottes ist Jesus Christus. »Er (Jesus) ist der Stein, der von euch Bauleuten verworfen wurde, der aber zum Eckstein geworden ist. Und in keinem anderen ist das Heil zu finden. Denn es ist uns Menschen kein anderer Name unter dem Himmel gegeben, durch den wir gerettet werden sollen.» (Apg. 4, 11 f).


7.1.3. Der «Tempel der Humanität» ist nicht der «Tempel Gottes»


Der Bau des Gottes der Bibel wird ebenfalls als »Tempel» bezeichnet. Die folgende Aussage gilt für diejenigen, die den Absolutheitsanspruch Christi ernst genommen haben und nun an seinem Bau mitwirken: »Ihr seid also jetzt nicht mehr Fremde ohne Bürgerrecht, sondern Mitbürger der Heiligen und Hausgenossen Gottes. Ihr seid auf das Fundament der Apostel und Propheten gebaut; der Schlussstein ist Jesus Christus selbst. Durch ihn wird der ganze Bau zusammengehalten und wächst zu einem heiligen Tempel im Herrn. Durch ihn werdet auch ihr im Geist zu einer Wohnung Gottes erbaut« (Eph. 2, 19 22).


Dieser Bau Gottes ist nun gewiss nicht mit dem freimaurerischen «Tempel der Humanität» identisch. Es handelt sich um zwei grundsätzlich verschie¬dene Bauwerke: Beim Bau Gottes ist Jesus der Eck oder Schlussstein, der alles zusammenhält. Er wird, um einen anderen Bau Ausdruck zu verwenden, auch als «Grund« oder «Fundament« bezeichnet: «Das Fundament ist gelegt: Jesus Christus. Niemand kann ein anderes legen.« (l. Kor. 3, 11) Beim «Tempel der Humanität» hingegen ist Jesus ein gewöhnlicher Stein, vielleicht ein besonders schöner Stein, aber ganz bestimmt nicht der Eckstein, Schlussstein oder das Fundament. Da der freimaurerische Bau nicht der Bau des in der Bibel bezeugten Gottes und seines Sohnes ist, gilt für ihn aus biblischer Sicht: Er ist nicht stabil, nicht dauerhaft; er hält nicht, was er verspricht. Wer dort arbeitet, der wird nicht belohnt, hat falsch investiert und sollte so rasch wie möglich innerlich »umstrukturieren», die Stelle wechseln. »Wenn der Herr nicht das Haus baut, so arbeiten umsonst, die daran arbeiten.» (Ps. 127, 1)


Alles hängt von der Einstellung zu Jesus Christus ab: »Zu ihm kommt als zu dem lebendigen Stein, der von den Menschen verworfen ist, aber bei Gott auserwählt und kostbar... Für euch nun, die ihr glaubt, ist er kostbar; für die Ungläubigen aber ist 'der Stein, den die Bauleute verworfen haben und der zum Eckstein geworden ist, ein Stein des Anstosses und ein Fels des Ärgernisses' (Ps. 118, 22; Jes. 8, 14); sie stossen sich an ihm, weil sie nicht an das Wort glauben.« (l. Petr. 2, 4.7f) Die Ablehnung bleibt nicht ohne Folgen. Die Bibel droht meines Erachtens nicht, sondern sie warnt und stellt fest: »Jeder, der auf diesen Stein fällt, wird zerschellen; auf wen der Stein aber fällt, den wird er zermalmen.» (Lk. 20, 18) Jesus Christus ist also aus biblischer Sicht derjenige, an dem sich alles entscheidet. «Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, damit er die Welt richtet, sondern damit die Welt durch ihn gerettet wird. Wer an ihn glaubt, wird nicht gerichtet; wer nicht glaubt, ist schon gerichtet, weil er an den Namen des einzigen Sohnes Gottes nicht geglaubt hat.« (Joh. 3, 17f) Aus biblischer Sicht ist alles ganz einfach und eindeutig: »wer den Sohn hat, der hat das Leben; wer den Sohn nicht hat, der hat das Leben nicht.» (l. Joh. 5, 12) »Das ist aber das ewige Leben, dass sie dich, der du allein wahrer Gott bist, und den du gesandt hast, Jesus Christus, erkennen.» (Joh. 17, 3)






7.2. Falscher Absolutheitsanspruch der FM


Die Freimaurerei lehnt den Absolutheitsanspruch Christi ab und stellt sich damit in Opposition zu ihm. Sie stellt sich über ihn. Damit erhebt sie selbst einen Absolutheitsanspruch, was den meisten Freimaurern wohl gar nicht bewusst ist. Die beiden Absolutheitsansprüche schliessen sich gegenseitig aus, sie sind unvereinbar. Nur einer kann richtig, gerechtfertigt, wahr sein. Der andere ist falsch, angemasst, eingebildet, erschwindelt. Aus freimaurerischer Sicht ist der Absolutheitsanspruch Christi falsch. Die entsprechenden Aussagen in der Bibel sind unwahr. Wenn nicht Christus selbst ein Hochstapler, Verrückter oder Lügner war, so haben die ersten Gemeinden und/oder irgendwelche Redaktoren »in aller Freiheit» die Göttlichkeit Christi erdichtet und die Schriften entsprechend »frisiert«. Wenn wir annehmen, dass dies nicht so ist, dann ist aber der Absolutheitsanspruch der Freimaurerei falsch. Aus biblischer Sicht steht der «Tempel der Humanität» auf sumpfigem Boden. Die paradigmatischen, weltanschaulichen Grundüberzeugungen der Freimaurerei sind unrealistisch, verkennen die wirkliche Realität und die wahren Herrschaftsverhältnisse. Nicht die Bibelleser, sondern die Freimaurer wurden getäuscht, in die Irre geführt.


Es ist nicht ein anonymer »Allmächtiger Baumeister aller Welten«, der oberster Herrscher, Ursprung und Maß aller Dinge wäre. Vielmehr ist es Jesus Christus, der sagt: »Mir ist alle Macht gegeben im Himmel und auf der Erde« (Mt. 28, 18).


Es trifft nicht zu, dass es keine dem Menschen zugängliche absolute Wahrheit gibt. Zwar kann niemand diese Wahrheit besitzen, weil sie eine Person ist. Aber diese Person, ganz Gott, ganz Mensch, sagt von sich: «Ich bin die Wahrheit«. (Joh. 14, 6)


Es ist nicht wahr, dass erlöst wird, «wer immer strebend sich bemüht«. Jesus Christus schenkt allen seine Gnade, sein Leben, seine Fülle, die seine Herrschaft akzeptieren. Die Annahme dieser Herrschaft soll nicht erzwungen werden, sondern sie ist ganz freiwillig. Nicht Streberei, Leistungen und Werke, sondern Vertrauen, Glaube und Gnade bringen Sicherheit und Heil. Nicht die Arbeit und die Arbeitsverhältnisse, sondern die Liebe, Liebesbeziehungen sind die Grundlage allen Lebens, sind die Voraussetzung für unseren »Lebensunterhalt» in jeder Beziehung.


Es ist nicht so, dass Christus unterschiedslos allen Menschen das Leben schenkt. Denjenigen, die ihn ablehnen, kann er es nicht schenken, denn nur er ist das Leben, hat den Tod überwunden. «Ich bin die Auferstehung und das Leben ...« (Joh. 11, 25) Gerade die Freiheit der Entscheidung hat zur Folge, dass letztlich nicht alle leben werden. Aus dieser Sicht ist es nutzlos und lächerlich, dass Menschen »symbolisch« Särge überschreiten und sich selbst »erheben».


Es ist nicht so, dass es unser bestes und »edelstes« Los ist, ein Licht-Suchender zu sein, denn Jesus Christus sagt: «Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben« (Joh. 8, 12). So lange wir Christus nicht nachfolgen, tappen wir aus biblischer Sicht im Dunkeln. Wir kommen ganz grundsätzlich nicht draus, auch wenn wir uns noch so klug vorkommen. Zur Erleuchtung dieser Finsternis helfen keine Lichtkulte, keine angezündeten Kerzen, keine asketischen und meditativen Exerzitien. Wer hingegen den Gott der Bibel sucht, der wird ihn finden!


Es ist auch nicht so, dass das Diesseits, die dem Menschen zugängliche Welt, wichtiger ist als das Jenseits. Die Bibel lehrt, dass die sichtbare Welt vergänglich ist, dass sie aus einer unsichtbaren Welt hervorgegangen ist und aus dieser unsichtbaren Welt gesteuert wird. Wer diesen Sachverhalt nicht berücksichtigt, der baut sein Leben auf Vergängliches, setzt auf den Tod. »Der Himmel wird wie ein Rauch vergehen und die Erde wie ein Kleid zerfallen, und die darauf wohnen, werden wie Mücken dahinsterben. Aber mein Heil bleibt ewiglich und meine Gerechtigkeit wird nicht zerbrechen.» (Jes. 51, 6)


Es ist nicht wahr, dass Symbole für die Verständigung und die Erkenntnis wichtiger sind als Worte. Aus biblischer Sicht hat das Wort absoluten Vorrang. »Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen«, spricht der Jesus der Bibel. (Mt. 24, 35) »Wer das Wort verachtet, muss dafür büssen.« (Spr. 13, 13) Der Mensch lebt von einem jeden Wort Gottes (Dtn. 8, 3; Mt. 4, 4; Lk. 4, 4). Hingegen erstickt gerade die «Sorge der Welt« das Wort. (Mt. 13, 22)


Nicht die Tat, sondern das Wort war am Anfang. Und alle Dinge sind durch das Wort gemacht, »und ohne dasselbe ist nichts gemacht, was gemacht ist.» (Joh. 1, 1 3) Jesus Christus ist dieses Wort, das «Fleisch ward«. (Joh. 1, 14) Durch die Beziehung mit ihm erhalten auch unsere Worte Wert, Sinn, Bestand. Ohne ihn ist unsere Sprache wertlos, sinnlos, Geschwätz. «Niemand täusche euch mit leeren Worten.» (Eph. 5, 6) Natürlich soll das nicht Tatenlosigkeit bedeuten: »Seid Täter des Worts und nicht Hörer allein.» (Jak. 1, 22) Es geht hier nicht um Alternativen, sondern um Prioritäten. «Täter des Worts», nicht «Täter des Schweigens», sollen Christen sein. Worte schaffen andere Beziehungen zwischen Menschen als bloße Handgriffe. Es ist darum nicht egal, ob wir sprechen und was wir reden. Dazu noch eine Aussage Jesu: «Ich sage euch: Über jedes unnütze Wort, das die Menschen reden, werden sie am Tag des Gerichts Rechenschaft ablegen müssen; denn aufgrund deiner Worte wirst du freigesprochen, und aufgrund deiner Worte wirst du verurteilt werden.» (Mt. 12, 36f) Und: «Wer mich verachtet und meine Worte nicht annimmt, der hat schon seinen Richter: Das Wort, das ich gesprochen habe, wird ihn richten am Letzten Tag.« (Joh. 12, 48)


Gemäß der Bibel ist es nichtwahr, dass der Mensch durch eine Evolution aus dem Nichts entstanden ist, und es trifft nicht zu, dass er das am höchsten entwickelte Lebewesen ist. Der Mensch ist nicht das Maß aller Dinge. Er ist Geschöpf, Kreatur, nicht Schöpfer, Die Verehrung von Geschöpfen, Geschaffenem anstelle des Schöpfers, wird in der Bibel als »Götzendienst« bezeichnet. Humanisten aller Schattierung können als Götzendiener bezeichnet werden. »Sie vertauschten die Wahrheit Gottes mit der Lüge, sie beteten das Geschöpf an und verehrten es anstelle des Schöpfers.« (Röm. 1, 25) Obwohl die Schöpfung und die Geschöpfe vom Schöpfer zeugen, haben sie ihn nicht geehrt und ihm nicht gedankt. «Sie verfielen in ihrem Denken der Nichtigkeit, und ihr unverständiges Herz wurde verfinstert. Sie behaupteten, weise zu sein, und wurden zu Toren.« (Röm. 1, 21f)
Die maßlose Unterschätzung Gottes und die entsprechend ungeheure Überschätzung des Menschen führt zu wahnhaft übersteigerten Anforderungen und Erwartungen an den Menschen, die letztlich niemand erfüllen kann. Die Enttäuschung, die Gefangenheit in Gedanken der scheinbaren Minderwertigkeit, sind darum die notwendige Konsequenz aller Menschenvergötzung. «Ihr beladet die Menschen mit unerträglichen Lasten.« (Lk. 11, 46)


Die freimaurerische Verehrung menschlicher Leistungen und Werke ist aus biblischer Sicht natürlich ebenfalls maßlos übertrieben und angesichts der Tatsache, dass Gott alles Können und Vollbringen ermöglicht, völlig ungerechtfertigt. Der Tanz um die menschlichen «Künste« und ihre Resultate kann als »doppelter Götzendienst» bezeichnet werden. «Alle Menschen aber sind Toren mit ihrer Kunst, und alle Goldschmiede stehen beschämt da mit ihren Bildern; denn ihre Götzen sind Trug und haben kein Leben, sie sind nichts, ein Spottgebilde; sie müssen zugrunde gehen, wenn sie heimgesucht werden.» (Jer. 10, 14f)


Unseres Erachtens ist es also eindeutig, dass das Welt und Menschenbild der Freimaurerei demjenigen, das uns durch die Bibel vermittelt wird, radikal entgegengesetzt ist. Der Absolutheitsanspruch der Freimaurerei ist aus biblischer Sicht falsch eine ungeheure Anmaßung.


7.3. Dunkle Herkunft


Wir haben gesehen, dass es über Ursprung und Entwicklung der Freimaurerei bis 1717 kein gesichertes Wissen, dafür aber vielfältige Sagen, Mythen und Legenden gibt. Wir kennen keinen Namen des Erfinders, die Legenden wollen aber den Eindruck erwecken, als habe die Freimaurerei eine lange Tradition, als sei sie uralt, als gehe sie auf Adam und Eva zurück (s. Andersons Verfassung in Oslo). »Die Freimaurerei war immer», meint sogar Falk in Lessings »Gesprächen für Freimäurer».


Die Bibel lehrt uns, solchen Aussagen und Behauptungen ebenso wie Mythen, Sagen und Märchen nicht zuviel Bedeutung zuzumessen. Wir sollen uns auf die sinnlich wahrnehmbaren Tatsachen, auf die Aussagen von namentlich bekannten Zeugen verlassen. In der Bibel spielt die Namengebung eine entscheidende Rolle. Es sollte jede Person als Individuum identifiziert werden können. Ebenso wichtig sind Stammbäume. Der Stammbaum Jesu ist zweifach, lückenlos zurück über David bis Abraham aufgeführt. Es ist nicht egal, woher etwas oder jemand kommt.


Die Freimaurerei wird auch hinsichtlich der Herkunft den biblischen Maßstäben nicht gerecht: Sie basiert auf Legenden, nicht Tatsachen; Sagen, nicht Aussagen; Gerüchten, nicht Zeugen; Anonymität, nicht Namengebung; historischen Phantasien, nicht Stammbäumen. Wir können darum nicht anders, als ihre Herkunft als unsicher, ungeklärt, dunkel zu bezeichnen.


Aus biblischer Sicht sind natürlich auch die geistigen Wurzeln der Freimaurerei zum Teil mehr als dubios. Die von Priestern und Mönchen, in Geheimgesellschaften, Mysterienbünden, Klöstern und Bauhütten gepflegten »hermetischen Künste» sind aus biblischer Sicht verabscheuungswürdig, und wir sollten lernen, uns ihrer zu enthalten. »Dass nicht jemand unter dir gefunden werde, der seinen Sohn oder seine Tochter durchs Feuer gehen lässt oder Wahrsagerei, Hellseherei, geheime Künste oder Zauberei treibt oder Bannungen oder Geisterbeschwörungen oder Zeichendeuterei vornimmt oder die Toten befragt. Denn wer das tut, der ist dem Herrn ein Greuel.» (Dtn. 18. 10-12)


Wir haben gesehen, dass auch die Inhalte der Legenden zum Teil einen deutlichen Protest gegen die Darstellungen der Bibel und gegen den Gott der Bibel zum Ausdruck bringen. Erinnert sei an die Parteinahme für Kain in der Hiramslegende, an die Vorstellung, die Maurer hätten im Erdinneren die Sintflut überlebt, an die Phantasie weltweiter außersprachlicher Kommunikation der Menschen trotz aller Sprachverwirrung. Aus biblischer Sicht sind solche «Möchtegern Geschichten» mit Sicherheit nicht vom Heiligen Geist inspiriert.


7.4. Unerreichte Ideale


Die Freimaurer werfen dem Christentum vor, es hätte seine Verheißungen nicht erfüllt, wobei sie sich an den Christen orientieren, nicht an Jesus Christus. In diesem Kapitel wollen wir versuchen, zu beurteilen, ob denn die Freimaurerei in ihrer Geschichte ihre Ideale erreicht hat.


7.4.1. Untaugliche Orientierung anhand von Idealen


Dabei sei nochmals darauf hingewiesen, dass sich unser Glaube nicht an Idealen, sondern an einer Person orientiert. Mit Idealen können wir nicht sprechen. Sie haben keine reale Macht. Sie übernehmen keine Verantwortung und setzen sich nicht für uns ein. Ideale lassen sich trotz endloser Definitionsversuche und Streitereien nicht eindeutig festlegen. Sie sind ambivalent und können in unbestimmbarer Vielzahl auftreten. Die Orientierung anhand von Idealen kann als moderne Form von Vielgötterei bezeichnet werden, was deutlich wird, wenn sie «personifiziert«, in Stein gehauen und auf einen Sockel gestellt sind.


7.4.2. Enttäuschung


Die Freimaurerei weckt äusserst hohe Erwartungen, die wohl enttäuscht werden müssen. Enttäuschung gehört zum Freimaurerdasein und wird in der Literatur auch behandelt. »Dieses Phänomen der Enttäuschung über die Kluft zwischen idealer Vorstellung und Realität wird sowohl in der freimaurerischen Literatur als auch in der antimaurerischen angezogen und interpretiert.« (Binder, Wiss. 1988 130) Aus freimaurerischer Sicht können alle erdenklichen Gründe für diese Enttäuschung in Betracht gezogen werden, nicht aber die Freimaurerei selbst. Vielleicht ist man selbst oder vielleicht ist der »Bruder« noch zu wenig «wirklicher« Freimaurer. Vielleicht erfüllt der nächst höhere Grad die Erwartungen. Dem Enttäuschten wird auch deutlich gemacht, dass die Freimaurerei nicht mehr geben könne als man selbst zu geben bereit ist. Schuld an der Enttäuschung ist letztlich scheinbar jeder einzelne selbst.


7.4.3. Friede auf Erden?


Wir haben gesehen, dass der angehende «Ritter Kadosch» des «Rachegrades» lernt, die Ideale der Freimaurerei mit allen Mitteln durchzusetzen. Niemand kann wohl behaupten, dass die Auseinandersetzungen im Zuge von Humanismus, Aufklärung und Französischer Revolution friedlich, «gewaltfrei« verlaufen sind. Die innerhumanistischen Abgrenzungen, welche Form des Humanismus, welche Rasse, Klasse, Nation, welches Individuum den Weltfrieden wirklich garantieren kann, haben wohl kaum weniger Opfer gefordert und Greuel verursacht als die vorangegangenen Konfessionskriege. Dabei soll natürlich nicht gesagt werden, dass die Freimaurer an all diesen Streiten und Kriegen »schuld« sind, und auch aus unserer Sicht hat ihr Kampf gegen all die falschen humanistischen Absolutismen eine gewisse Berechtigung. Meines Erachtens ist aber der Geist des Humanismus, auf dem auch die Freimaurerei beruht, von Natur aus nicht friedlich. Homo homini lupus, der Mensch ist dem Menschen ein Wolf. Diese Einsicht liegt auch der Forderung nach Gewaltentrennung zugrunde: Dem Menschen ist in Wahrheit ganz grundsätzlich nicht zu trauen, und um Machtmissbrauch zu verhindern, soll jede Gewalt die andere relativieren, kontrollieren. Jeder soll jedem auf die Finger schauen, niemandes Bäume sollen in den Himmel wachsen. Divide et impera, teile und herrsche!


Der Humanismus schafft nicht Friede, sondern Konkurrenz, Kampf um die Güter der Welt, Stress der Selbsterlösung, »Selbstverwirklichung«. Es ist dies nicht nur eine Konkurrenz der Rassen, Klassen und Nationen, sondern auch der Individuen, der Streber, der Schaffer und der Friedensstifter. Ist in dieser Situation wirklicher, dauerhafter Friede überhaupt möglich? Reicht es, wenn wir die gegenseitigen Ansprüche und Differenzen einfach verschweigen und uns «symbolisch« die Hand zum Bund reichen? Glaubt heute noch jemand, dass die Bruderküsse (auch eine symbolische Handlung) der kommunistischen Brüder echt waren? Durch Schweigen und symbolische Friedenshandlungen entsteht meines Erachtens kein echter Friede. Die Feindseligkeiten, die Konkurrenz, die Aggressionen werden bloss verdeckt und können sich schliesslich zu ungeheuren Spannungen aufstauen. Menschen selbst können keinen dauerhaften Frieden, höchstens einen Scheinfrieden schaffen. Sie heilen den Schaden meines Volks nur oberflächlich, indem sie sagen: »Friede! Friede! und ist doch nicht Friede« (Jer. 6, 14).


Auch die Freimaurerei stiftet keinen wirklichen Frieden. Nicht einmal unter den Freimaurern selbst. Das zeigen die Auseinandersetzungen zwischen den verschiedenen Systemen und Logen, die sich zum Teil heute noch gegenseitig die Anerkennung versagen. Ihr »Friede« ist ein Waffenstillstand bei Abbruch der Beziehungen und des Gesprächs.


Gegen solchen falschen Frieden bringt Christus das Schwert (Mt. 10, 34). Dafür garantiert der biblische »Friedefürst», sofern wir ihn annehmen, Friede mit Gott. »Da wir nun gerecht geworden sind durch den Glauben, haben wir Frieden mit Gott durch unseren Herrn Jesus Christus» (Röm. 5, 1). Sein Friede eröffnet uns ganz neue Welten und Dimensionen. Das Gerangel und Gezänk der Welt wird klein, relativiert. Und der innere Friede gibt uns die Kraft, auch in einer humanistischen Welt friedlich zu bleiben. (Joh. 14, 27; Röm. 12, 18)


7.4.4. Menschliche Menschlichkeit?


Wie steht es nun mit dem hohen Ideal der Humanität und der »Menschenwürde»? Die Leistungen des Roten Kreuzes und anderer humanitärer Organisationen sollen hier nicht verachtet werden. Christi Geist kann auch in Lebenden wirken, die ihn noch nicht erkannt haben. Dennoch hat aus biblischer Sicht rein menschliche Hilfe und Wohltätigkeit eine relative, untergeordnete, nebensächliche Bedeutung. Die Bibel sagt es deutlicher: «Menschenhilfe ist nichts nütze.» (Ps. 60, 13) Mehr noch: Es ist schädlich, sich auf Menschen und Menschenhilfe zu verlassen. Das schafft Abhängigkeiten, die die Existenzangst vergrößern, denn Menschen sind unzuverlässig, krankheitsanfällig und sterblich. Es entstehen Beziehungen, die niemals halten, was sie versprechen, und Abhängigkeiten, die sich als Gebundenheiten erweisen. «Verflucht ist der Mann, der sich auf Menschen verlässt und sich auf schwaches Fleisch stützt, und dessen Herz sich abwendet vom Herrn.« (Jer. 17, 5) Wer sich nur auf Menschen verlässt, der nimmt Gott, Jesus Christus, die Chance, einzugreifen. Er verbaut sich durch seine enge, diesseitige Sicht den Weg zum umfassenden Hilfsangebot Gottes. Unzählige Christen haben erfahren, dass durch die Annahme eines wirklich lebendigen Gottes ausserhalb der diesseitigen Welt und unserer eigenen Subjektivität Kräfte sich entfalten konnten und Lösungen möglich wurden, die alle ursprünglichen Vorstellungen weit übertrafen. Natürlich spielen auch bei christlicher Hilfe menschliche Anstrengungen und Spenden eine Rolle. Aber sie stehen nicht am Anfang und nicht im Mittelpunkt. Es ist nicht egal, aus welcher Einstellung heraus die Hilfstätigkeit erfolgt.


Ähnliches ist zum Thema »Menschenwürde« und »Menschenrechte« zu sagen. Kann sich der Mensch selbst Würde geben, sich selbst Recht verschaffen? Wer garantiert die Einhaltung der Menschenrechte? Wieviel wert sind die Orden und Ehrenpreise, die Menschen Menschen verleihen? Natürlich wollen auch die von Menschen verliehenen Würden, Namen und Titel beachtet und ernst genommen werden. Ohne göttliche Perspektive werden meines Erachtens diese Dinge viel zu ernst genommen, und es kann nicht gesehen werden, dass wir letztlich unsere wirkliche Würde niemals uns selbst verdanken. Von Menschen erwartete und angenommene »Menschenwürde» schafft künstliche Barrieren und Hierarchien. Der freimaurerische »Meister« fühlt sich dem «Profanen« voraus. Der «Grosse Auserwählte Vollkommene und Erhabene Maurer» (14. Grad) ist offenbar über den bloß »Erlauchten Auserwählten der Fünfzehn« (10. Grad) erhaben. Die Künstlichkeit und Lächerlichkeit dieser »Würden» ist meines Erachtens für Aussenstehende offensichtlich. Die nach menschlichen Kriterien verteilten Würden schaffen Ungleichheit. Freimaurer sehen das, meinen aber, nur die Hochgrade seien mit dem Ideal der Gleichheit unvereinbar: »Nicht von der Hand zu weisen ist der kritische Vorwurf, dass die Schaffung der Hochgradsysteme die ursprüngliche demokratische Tendenz der Freimaurerei aufgehoben habe, zugunsten einer streng gegliederten Hierarchie, die dem persönlichen Geltungsbedürfnis des einzelnen entgegenkommt und dem maurerischen Gleichheitsprinzip widerspricht« (Valmy FM 1988 36).


Die Beharrung auf falschen Würden ist wohl der Grund aller Menschenver¬achtung. Menschen können sich von sich aus keine echten Würden verleihen, höchstens die Würden streitig machen. Das Streben nach menschlichem Ansehen absorbiert so viel Aufmerksamkeit, Zeit und Energie, dass wir unsere wahre Würde, die nur vom lebendigen Gott kommt, nicht mehr erkennen und das Ziel verfehlen. »Wie könnt ihr zum Glauben kommen, wenn ihr eure Ehre voneinander empfangt, nicht aber die Ehre sucht, die von dem einen Gott kommt?» (Joh. 5, 44)


Menschen können Menschenrechte proklamieren, Transparente durch die Strassen tragen und vielfältige Forderungen aufstellen. Doch können sie diese Rechte auch durchsetzen und die Forderungen erfüllen? Niemand wird heute noch bestreiten, dass auch die kommunistische Internationale das «Menschenrecht» nicht »erkämpft« hat. Der Fluch des Humanismus ist, dass, wenn etwas schief läuft oder etwas als »unmenschlich« empfunden wird, Proklamationen, Resolutionen und Forderungen nur an Menschen gerichtet werden können. Es fehlt ein anderes mögliches Objekt oder Subjekt der Aggressionen als der Mensch. Der »Aufgeklärte« glaubt nicht mehr an böse Geister. So ist, wenn es Unannehmlichkeiten gibt, der Mensch der Unmensch. Der Humanismus löst seine Probleme durch das Rollen der Köpfe: Die »bösen« Menschen (auch Klassen, Völker etc.) müssen weg, die scheinbar »guten« ans Ruder! Es ist sicher kein Zufall, dass kurz nach der erstmaligen Proklamation der Menschenrechte die Guillotine aufgestellt wurde. Die menschliche Menschlichkeit entpuppt sich als humane Hinrichtung, als »Gleichheit vor dem Schafott«. Auch Ereignisse wie Auschwitz und Hiroschima in diesem Jahrhundert sollten wohl mehr als deutlich machen, dass es eine menschliche Evolution, eine »Entwicklung zu höherem Menschentum« nicht gibt.


Im Gegensatz zu den Humanisten kämpfen Christusgläubige nicht gegen Menschen, sondern gegen die unsichtbaren Mächte der Finsternis. (Eph. 6, 12) Gerade die (anfangs sicher ungemütliche) Annahme, dass es solche Mächte gibt, schafft die Voraussetzung dafür, dass wir auch diejenigen Menschen lieben können, die uns als ihre Feinde betrachten. Die Vergötzung des Menschen bringt ständige Unzufriedenheit mit sich. Jeder muss mehr scheinen, als er ist. Auch die Freimaurerei nimmt nicht jeden auf, ihre Mitglieder sind erlesen, »erwählt», möglichst einflussreich. Der »Wettlauf um den Kranz der Humanität« erweist sich als gnadenlos, unbarmherzig, »unmenschlich». Wir wissen, dass im völligen Gegensatz dazu bei Christus alle willkommen sind, auch diejenigen, die nach menschlichen Maßstäben nicht genügen. (Mt. 11, 28)


Gegen den humanistischen Terror hilft meines Erachtens nur die Annahme eines liebenden, wirklich »menschenfreundlichen« Gottes. Bei einem solchen sind Menschlichkeit, Menschenwürde, Menschenrechte und all die andern Ideale viel besser aufgehoben. Die Bibel spricht davon, dass es einen solchen Gott gibt: »Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht zugrunde geht, sondern das ewige Leben hat.« (Joh. 3, 16) Also: »So lasset nun ab von dem Menschen, der nur ein Hauch ist; denn für was ist er zu achten?« (Jes. 2,22)


7.4.5. Freiheit durch»Emanzipation« vom Wort?


Wir haben gesehen, dass sich die Freimaurer für die Emanzipation des Menschen von allen Absolutheit beanspruchenden Autoritäten und Mächten einsetzen. Unter anderem fällt darunter auch das Wort im weitesten Sinn. Aus biblischer Sicht erfahren wir Befreiung gerade durch das Wort, das Blut, die Wahrheit, die Person Christi. (Lk. 4, 18; Joh. 8, 31 f.36; Gal. 5, 1 u.a.m.) Er hat die Glaubenden befreit von dunklen Mächten, von Süchten, Ängsten und Sorgen, von Schuld und Isolation; er befreit die »Produktivkräfte» wirklich, er befreit das Leben. Die Botschaft von dieser Befreiung wird von der Freimaurerei relativiert und damit unwirksam gemacht. Dafür bietet sie die Befreiung von Autoritäten aller Art an.


Aus biblischer Sicht ist eine solche Freiheit nicht möglich. Der Mensch ist immer einer geistigen Macht untertan und wird von ihr geführt. Ist diese Macht nicht Christus, so ist es sein Feind. »Freiheit versprechen sie ihnen und sind doch selbst Sklaven des Verderbens; denn von wem jemand überwältigt worden ist, dessen Sklave ist er.« (2. Petr. 2, 19) Die Freimaurerei ist bestrebt, die Botschaft vom Befreiungswerk Jesu zu zerstören und dafür eine Scheinfreiheit anzubieten. Das ist wohl den meisten Freimaurern nicht bewusst, und von den wenigsten beabsichtigt. Dennoch ist es aus biblischer Sicht eindeutig so.


Wir haben gesehen, dass es nicht ungefährlich ist, die absolut lebenswichtige Bedeutung des Wortes, der sprachlichen Kommunikation, zu verneinen. Indem die Freimaurer dies tun und dafür das Schweigen, das rituelle Erleben fördern und trainieren, befinden sie sich auf dem Weg zur Sprachlosigkeit, zur kommunikativen Isolation. Die Pflege des persönlichen, individuellen Erlebnisses und die Vernachlässigung der sprachlichen Verständigung, besonders auch außerhalb der Loge der Familie darf ja nicht mitgeteilt werden, was dort geschieht muss letztlich zur Vereinsamung führen. Einsamkeit aber ist Gefangenheit.


Aus biblischer Sicht spielen Gedanken für die geistige Gesundheit eine wichtige Rolle. Für die gedankliche «Hygiene» und »Disziplin« sind Aussprachen, letztlich vor Jesus Christus, entscheidend wichtig. Sind solche Aussprachen erschwert oder unmöglich, so können Gedanken, Grübeleien, eine zerstörerische Eigendynamik entfalten. Die Gedanken »klagen einander an» (Röm. 2, 15), werden zu immer unentwirrbareren Gespin¬sten, zu »Festungen« des Gegners (2. Kor. 10, 4f). Die wortlose »Gedankenfreiheit» entpuppt sich als Blockierung, Gefangennahme des wirklichen Lebens.
Auch das sich Verlassen auf menschliche Weisheit, Brüderlichkeit und Hilfe etc. führt zu Bindungen, die aus biblischer Sicht nicht gesund sind.


Während die Hilfe Christi gratis ist, eine Gnade, ein Geschenk, hat Menschenhilfe ihren Preis. Aus menschlicher Sicht sollte Nehmen und Geben zumindest langfristig im Gleichgewicht sein. Einem Gefallen oder einer Leistung sollte mit der Zeit eine Gegenleistung folgen. So entsteht langsam aber sicher ein immer dichter werdendes Netz von gegenseitigen Verpflichtungen und Rücksichtnahmen, das zum Gefängnis werden kann.


Zudem werden wir sehen, dass katholische wie protestantische Autoren der Auffassung sind, dass die Kulte, Riten und Zeremonien der Freimaurer zu okkulter Gebundenheit führen.


Ganz allgemein aber ist die Konzentration auf Erlebnisse, statt auf das Wort, problematisch. Während uns Jesus Christus durch seinen Geist überall und jederzeit zur Verfügung steht, benötigen Erlebnisse stets bestimmte Rahmenbedingungen, die immer wieder reproduziert werden müssen. Der Erlebnishunger kann zur Sucht werden, die uns an konkrete Personen, Räume und Zeiten bindet: «fesselnde» Erlebnisse!


7.4.6. Gleichheit der Menschen?


Bei diesem Ideal kommt die Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit am krassesten zum Ausdruck. Die Freimaurerei selbst erzeugt in ihrem Bereich vielfältige und aus biblischer Sicht völlig unnötige, eingebildete, kontakthemmende und «Würde Neid» fördernde Ungleichheiten und Abstufungen zwischen Menschen. Valmy meint zwar, dass nur die Hochgrade dem «maurerischen Gleichheitsprinzip widersprechen. Doch meines Erachtens liegt die Förderung von Ungleichheit im Wesen der Freimaurerei selbst, in ihren mystischen, bauhandwerklichen, esoterischen Wurzeln begründet. Die Auswahl der Mitglieder schafft Ungleichheit: Warum werden Frauen, Kinder, Behinderte und Farbige (in den USA) nicht aufgenommen? Die Abstufung von Wissens und Erleuchtungsstufen schafft künstliche Ungleichheit, die mit dem hinduistischen Kastensystem letztlich wohl verwandt ist. Die Beurteilung der Menschen nach ihren Werken und Leistungen fördert Ungleichheit. Die Menschen Würden begünstigen Ehrsucht, Neid, Kampf ums Ansehen. Die Relativierung des Wortes und Verabsolutierung des Erlebens schafft Ungleichheit. Niemand hat die gleichen Erlebnisse wie ein anderer, und die Möglichkeit des Erlebnis und Erfahrungsaustausches sind, besonders ohne sprachliche Kommunikation, höchst begrenzt.


Demgegenüber betont die Bibel immer wieder, dass es »kein Ansehen der Person vor Gott« gibt. (Röm. 2, 11) »Nun erfahre ich in Wahrheit, dass Gott nicht auf die Person sieht, sondern dass ihm in jedem Volk willkommen ist, wer ihn fürchtet und tut, was recht ist.« (Apg. 10, 34) Bei Jesus Christus sind wirklich alle willkommen. (Mt. 11, 28) Natürlich gibt es auch in der (unsichtbaren) Gemeinde Christi Ungleichheit. Doch diese Ungleichheit ist gottgewollt und unabänderlich. Da nützt alles menschliche «Streben« nichts. Allen Neidereien und allen Eifersüchteleien ist damit der Boden entzogen, und es wird möglich, sich gerade an der gegenseitigen Ungleichheit zu freuen. Die Ungleichheit im «Leib Christi» ist eine Folge davon, dass bei ihm, im Gegensatz zu den Religionen, der einzelne überhaupt nicht vollkommen sein muss, um gerettet zu werden. Er muss nur seine eigene, begrenzte Bestimmung erfüllen nicht mehr und nicht weniger. Die Gemeinde Christi wird als lebendiger Organismus geschildert, als arbeitsteiliges System (l. Kor. 12, 12ff), in dem die Stärken der einen die Schwächen der anderen ausgleichen. Das Ganze wird durch Christus und seinen Geist zusammengehalten. Dieser Geist also verbindet Ungleichheiten. In der Welt und in den Religionen hingegen wirkt Ungleichheit trennend.


7.4.7. Brüderlichkeit?


Wir haben gesehen, dass den freimaurerischen Legenden, vor allem der Hiramslegende, eine »Parteinahme für Kain» zugrunde liegt. Dieser ist aus unserer Sicht natürlich nicht gerade das größte Vorbild für Brüderlichkeit. Zudem wurde bereits erwähnt, dass das »Elend des Humanismus» unseres Erachtens darin liegt, dass er, sobald etwas schief geht, wiederum nur Menschen beschuldigen kann. Der Vergötzung des Menschen folgt die Anklage, die Bitterkeit gegen Menschen auf dem Fuß. Der »Bruder«, der dem hohen Ideal der Brüderlichkeit nicht entspricht, wird sogar öffentlich und in der Literatur des »unbrüderlichen Verhaltens« bezichtigt. Diese Vorwürfe fördern nun ihrerseits sicher nicht gerade eine brüderliche Atmosphäre. »Dann gibt es leider auch den schlechten Freimaurer, der das Nest beschmutzt, wie in allen Vereinigungen von Menschen. Dieser ist es, der der ganzen Bewegung schadet, dem Idealbild, das strahlend human ist.» (Boitel, 22) In einer freimaurerischen Ritualkunde steht geschrieben, wie sich der «schlechte Bruder« verhalten sollte: »So wie wir häufig im profanen Leben dem 'Freimaurer ohne Schurz' begegnen, so gibt es auch in jeder Loge den Fremden mit Schurz, der innerlich ein Profaner geblieben ist. Wem das widerfährt, der sollte ehrlich genug sein, sich still wieder zu entfernen, statt jahrelang ... die Harmonie der Gemeinschaft zu stören.« (zit. in Binder, S.130) Also: »Bruderkette»? Bruder: nein! Kette: ja! Die eben genannten Faktoren, die Ungleichheit schaffen und fördern, tragen zudem mit Sicherheit auch nicht zu größerer Brüderlichkeit bei. In der Freimaurerei darf sich mit der Zeit jeder «Meister» nennen. Wer ist denn aber wirklich der Meister? Wer zeigt wem den Meister? Die humanistischen Vorstellungen erzeugen Konkurrenz und Rivalität auch unter «Brüdern». Demgegenüber warnt uns die Bibel eindeutig davor, uns »Meister» nennen zu lassen. Wirkliche Brüder werden wir erst, wenn nur einer unser Meister ist. »Ihr aber sollt euch nicht Rabbi nennen lassen; denn nur einer ist euer Meister, ihr aber seid Brüder.« (Mt. 23, 8) Jesus Christus wird in der Bibel auch bezeichnet als der »Erstgeborene von vielen Brüdern«. (Röm. 8, 29) Meines Erachtens kann aufgrund von rein menschlichen Kriterien keine wirkliche Brüderlichkeit entstehen, höchstens eine kurzfristige Gemeinschaftlichkeit, eine eingebildete, geheuchelte Brüderlichkeit. Demgegenüber bezeichnet Christus als seine Brüder diejenigen, die die gleiche Beziehung zum lebendigen, biblischen Gott haben. »Und er streckte die Hand über seine Jünger aus und sagte: Das hier sind meine Mutter und meine Brüder. Denn wer den Willen meines himmlischen Vaters erfüllt, der ist für mich Bruder und Schwester und Mutter.« (Mt. 12, 49f)


Das obige Zitat zeigt auch, dass bei Jesus die Frauen nicht ausgeschlossen sind. Bloße Männerbünde aller Art pflegen eine Art von Gemeinschaft, die in der Bibel nicht vorgesehen ist. Sie ziehen zudem Aufmerksamkeit, Zeit, Energie und Geld von den biblisch erwünschten Formen des Zusammenlebens in Familie und Gesellschaft ab. Es sollte doch wohl darum gehen, dass Männer und Frauen, Erwachsene und Kinder, Gesunde und Kranke usw. lernen, «brüderlich« zusammenzuleben.


7.4.8. Toleranz?


Die Auseinandersetzungen, die im Verlauf der Geschichte seit der Gründung der Freimaurerei innerhalb der Bewegung und gegen außen geführt wurden, zeigen meines Erachtens mehr als deutlich, dass die Freimaurerei nur dort wirklich tolerant ist, wo der eigene Absolutheitsanspruch nicht in Frage gestellt wird. Gegen die aus ihrer Sicht «falschen« Absolutheitsansprüche von Absolutismus, Totalitarismus, Katholischer Kirche usw., die auch aus unserer Sicht »falsch« sind, geht der Geist der Freimaurerei mit allen Waffen vor. Nicht Feindesliebe, sondern Vergeltung mit allen Mitteln, gemäß den rituellen Handlungen des Ritter Kadosch Grades, ist der Weg. Die Freimaurerei ist also tolerant mit den in ihrem Sinn Toleranten, aber selbst intolerant mit ihren Gegnern, die sie als «intolerant» verurteilt. Das soll kurz anhand eines Nebenkriegsschauplatzes illustriert werden.


Die »intoleranten«, bibeltreuen, «orthodoxen», »fundamentalistischen« Protestanten werden keineswegs mit liebendem Verständnis behandelt, was bei wirklicher Überlegenheit angebracht wäre.


Der erwähnte Kirchengeschichtsprofessor Hengstenberg, dessen Argumente gegen die Freimaurerei durch das Eingreifen des späteren Kaisers Wilhelm I. autoritativ «erledigt» wurden, gilt als «intolerant»: «Seine Ablehnung der Freimaurerei wurzelt in seiner Antipathie gegen die Toleranz, de¬ren Wesen ihm fremd war, und gegen die liberal protestantische Auffassung des Christentums, die ihm verhasst war.» (Schenkel, S. 35) Die »positiven« Protestanten werden als unterentwickelt, ungebildet, unfair und abergläubisch hingestellt. (Ebd. S. 34, 40f., 158f., 164f.) Es «wird die Freimaurerei in den pietistischen und orthodoxen Kreisen bekämpft. Doch wird dieser Kampf mehr im stillen geführt mit Verdächtigungen und Verleumdungen, denen ähnliche abergläubische Vorstellungen zugrunde liegen, wie bei der populären katholischen Gegnerschaft.« (Ebd. S. 34) Aus unserer Sicht ist es natürlich die Freimaurerei selbst, die durch ihre fehlende Öffentlichkeitsarbeit den Informationsnotstand produziert. Und das Gebot des Schweigens ist in einer Welt, in der sprachliche Kommunikation lebensnotwendig ist, niemals absolut einzuhalten. Darum kommt es zu all den vielfältigen Gerüchten über die Freimaurerei.


In den humanistischen Universitäten kann scheinbar naiver Christusglaube nicht die Grundlage des Forschens und Lehrens sein, und auch in vielen Landeskirchen wurden die »positiven« Pfarrer systematisch und gründlichlich aus Amt und Würden verdrängt. So gibt es in Europa weite Landstriche, in denen das biblische Evangelium seit Jahrzehnten nicht mehr verkündet wurde und aus unserer Sicht von einem «neuen Heidentum» gesprochen werden muss.


Das Toleranzideal der Freimaurerei beruht auf der Annahme, dass die Götter aller Religionen, besonders der monotheistischen Religionen, letztlich gleich seien. Jesus Christus wird die Göttlichkeit und damit die Einzigartigkeit versagt. Ist der Absolutheitsanspruch Christi aber gerechtfertigt, so beruhen obige freimaurerische Annahme und auch das Toleranzideal auf einem Schwindel. Es ist interessant zu sehen, dass auch die Ringparabel in Lessings »Nathan der Weise«, dem freimaurerischen Lieblingsstück zum Thema «Toleranz», bei genauer Betrachtung nichts anderes darstellt als einen Schwindel: Aus einem einzigen Ring werden drei hervorgezaubert, wobei das Kunststück Lessings darin besteht, zu vertuschen, dass es sich hier eigentlich um einen Taschenspielertrick handelt. Die Freimaurerei lässt also den einen wahren Ring, Jesus Christus, verschwinden und präsentiert der Menschheit stattdessen drei falsche. Die Toleranz ist die gebotene Umgangsform zwischen denen, die die Herrschaft und Gottessohnschaft Christi ablehnen.


Christusgläubigen wird von denen, deren Herz voll von allen Religionen und Nicht Religionen ist, vorgeworfen, sie seien einseitig, «eng», «stur» und liessen andere Glaubensformen nicht leben. Insofern seien sie »intolerant«. Meines Erachtens können und sollen wir es niemandem verbieten, Freimaurer zu sein oder das Glück in anderem humanistischem, religiösem oder sonstigem Erleben zu suchen. Druck, Zwang und Ungeduld sollten un¬bedingt vermieden werden. Sie sind auch nicht nötig, wenn Jesus Christus wirklich auferstanden und der Herr der Welt ist. Der erzieherische Zwang, die »Gesetzlichkeit« mancher Christen mag zur Abwendung vieler Zöglinge beigetragen haben. »Der Zwang des Gewissens ist das Gemeinste und Unwürdigste, was man einem Menschen antun kann.« (Schenkel,164) Dieses Anliegen der Toleranz im Sinne des Vermeidens von Zwang, im Sinn der Glaubens , Gewissens und Entscheidungsfreiheit sollten wir unbedingt ernst nehmen.


Auf der anderen Seite brauchen wir uns aber auch die freimaurerischen und liberalprotestantischen Zwänge, Intoleranzen und Diffamierungen nicht länger gefallen zu lassen. Wir brauchen nicht mehr unbedingt dort mitzubauen, wo nicht Jesus Christus der Eckstein ist. Die Zuwendung zum biblischen Jesus Christus bedeutet die Abwendung von allen anderen Göttern und Gurus. Diese Konzentration bedeutet nicht Armut und Engstirnigkeit, sondern Reichtum und Öffnung von unermesslichen Horizonten. Wirklicher Reichtum ist nicht von der grossen Zahl abhängig. Wenn Jesus Christus wirklich grundsätzlich überlegen ist, wenn er wirklich als einziger lebt, während alle anderen tot sind, dann kann er auch z. B. von, den 350 Millionen Hindugöttern nicht geschlagen werden. Alle andern können nicht gegen den Hauch seines Atems bestehen. Es sind Scheingötter, Götzen, und es wäre dumm, ihnen weiterhin Referenz zu erweisen. Wir lehnen die Vielfalt des Todes ab, und wenden uns der Vielfalt, dem Reichtum des Lebens zu. Eng ist nun allerdings der Weg, die Tür zu diesem Reichtum. «Schmal ist der Weg, der zum Leben führt ...« (Mt. 7, 14) Der biblische Christus sagt bekanntlich: »Ich bin der Weg ... » (Joh. 14, 6) «Ich bin die Tür ... « (Joh. 10, 9) Zum Reichtum des Gottes der Bibel gelangen wir also nur, wenn wir Jesus Christus samt seinem Absolutheitsanspruch ernst nehmen. Der Absolutheitsanspruch ist der Kern, das Wesen, die Spitze, der Sinn seines Lebens. Ohne den Absolutheitsanspruch Christi betreiben wir Totenverehrung, setzen uns bewusst oder unbewusst sogar selbst an seine Stelle. Es ist wohl verständlich und sogar zu begrüssen, wenn ein grosser Teil der Bevölkerung solchen »Gottesdienste« fern bleibt. In Jesus Christus «wohnt die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig, und an dieser Fülle habt ihr teil in ihm, der das Haupt aller Mächte und Gewalten ist.» (Kol. 9, 9f) Es soll jedem frei stehen, sich mit weniger zu begnügen. Doch die Glaubenden werden sich diese Fülle niemals mehr wegzaubern lassen. Der echte Ring ist nicht verloren, wir brauchen keine künstlichen Ringe.


7.4.9. Weisheit?


Es ist bereits zur Sprache gekommen, dass aus biblischer Sicht »die Weisheit der Welt Torheit vor Gott» ist (l. Kor. 3, 19). In Jesus Christus «sind alle Schätze der Weisheit und Erkenntnis verborgen. Das sage ich, damit euch niemand durch Überredungskünstetäuscht.« (Kol. 2, 3f) Wirbrauchen uns also nie mehr vom Gerede von Leuten täuschen zu lassen, die behaupten, »höhere» Erkenntnis zu besitzen, oder sich auf ihre »Gelehrtheit» etwas einbilden. Wir brauchen auch nie mehr solche Erkenntnis zu suchen. Täuschung führt zur Enttäuschung. Als Christusgläubige versuchen wir nicht mehr, unsere Weisheit selbst zu produzieren. Das würde zu lächerlichen Resultaten führen. Der Heilige Geist, der »Geist der Wahrheit», wird uns in alle Wahrheit leiten. (Joh. 16, 13)




An dieser Stelle sei noch eine Bibelstelle angeführt, die mir wichtig und deutlich zu sein scheint (l. Kor. 1, 20 31):


»Wo ist ein Weiser? Wo ein Schriftgelehrter? Wo ein Wortführer in dieser Welt? Hat nicht Gott die Weisheit der Welt als Torheit entlarvt? Denn da die Welt angesichts der Weisheit Gottes auf dem Weg ihrer Weisheit Gott nicht erkannte, beschloss Gott, alle, die glauben, durch die Torheit der Verkündigung zu retten. Die Juden fordern Zeichen, die Griechen suchen Weisheit. Wir dagegen verkündigen Christus den Gekreuzigten: für Juden ein empörendes Ärgernis, für Heiden eine Torheit, für die Berufenen aber, Juden wie Griechen, Christus, Gottes Kraft und Gottes Weisheit. Denn das Törichte an Gott ist weiser als die Menschen, und das Schwache an Gott ist stärker als die Menschen. Seht doch auf eure Berufung, Brüder! Da sind nicht viele Weise im irdischen Sinn, nicht viele Mächtige, nicht viele Vornehme, sondern das Törichte in der Welt hat Gott erwählt, um die Weisen zuschanden zu machen, und das Schwache in der Welt hat Gott erwählt, um das Starke zuschanden zu machen. Und das Niedrige in der Welt und das Verachtete hat Gott erwählt; das, was nichts ist, um das, was etwas ist, zu vernichten, damit kein Mensch sich rühmen kann vor Gott. Von ihm her seid ihr in Christus Jesus, den Gott für uns zur Weisheit gemacht hat, zur Gerechtigkeit, Heiligung und Erlösung. Wer sich also rühmen will, der rühme sich des Herrn.»




Zusammenfassung: Die freimaurerischen Ideale wie Friede, Humanität, Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, Toleranz, Weisheit usw. sind wohl der biblischen Tradition entnommen, doch die Freimaurer versuchen nun, diese ohne den Absolutheit beanspruchenden Jesus Christus zu verwirklichen. Aus biblischer Sicht muss dieses Unterfangen scheitern, weil es von falschen Voraussetzungen und einer völligen Verkennung der wirklichen, «wahren» Herrschaftsverhältnisse ausgeht. So werden denn diese Ideale nicht nur nicht erreicht, sondern es entsteht sogar das pure Gegenteil: statt Friede Auseinandersetzungen bisher ungeahnten Ausmasses und mit völlig neuen Waffen; statt Humanität Rollen der Köpfe; statt Freiheit Einsamkeit, Sprachlosigkeit, Isolation, Gebundenheit; statt Gleichheit künstliche, unnötige, menschengemachte Ungleichheit; statt Brüderlichkeit Enttäuschung gegen und Bitterkeit über Menschen; statt Weisheit Torheit.




7.5. Gefährlicher Kult


Wir haben gesehen, dass die kultischen Handlungen der Freimaurer hinter geschlossenen Türen, in »gedeckter Loge« stattfinden. Zudem meinen sie, die »wirklichen«, «tiefsten» Wahrheiten seien sprachlich nicht kommunizierbar. So setzen sie an die Stelle des Wortes das kultische Erleben. In der Loge werden symbolische Handlungen vollzogen, die insofern ein »Geheimnis« darstellen, als sie nicht intersubjektiv gleich erlebt und darum scheinbar anderen nicht mitgeteilt werden können.


Die biblische Sicht der Dinge ist dem völlig entgegengesetzt. Die biblischen Wahrheiten sollen nicht «privatisiert», wie ein Schatz gehütet und verborgen, sondern aller Welt in aller Öffentlichkeit mitgeteilt werden: »Gehet hin in alle Welt. . .« (Mt. 28, 18ff) Am Anfang war zudem nicht die Tat oder das Erleben, sondern das Wort. Natürlich sind auch für Christen Erlebnisse nicht ohne Bedeutung, doch Erlebnisse sind Folgeerscheinungen, wir orientieren uns nicht in erster Linie am Erleben. Aus biblischer Sicht gibt es zudem keine «Geheimnisse», die nicht ans Licht kommen können und sollen. «Wir meiden schändliche Heimlichkeit und gehen nicht mit List um, fälschen auch nicht Gottes Wort, sondern durch Offenbarung der Wahrheit empfehlen wir uns dem Gewissen aller Menschen vor Gott.» (2. Kor. 4, 2)


Aus biblischer Sicht ist alles verdächtig und für die Menschen gefährlich, was sich verbirgt, was sich mit »Geheimnissen« umgibt und mit »höherer Erkenntnis» brüstet. Das Verborgenene, Heimliche liegt in der »Finsternis«, und es soll ans «Licht» kommen, es soll schliesslich alles «offenbar» werden. «Prüft, was dem Herrn gefällt, und habt nichts gemein mit den Werken der Finsternis, die keine Frucht bringen, sondern deckt sie auf!« (Eph. 5, 1; 1. Tim. 6, 20)
»Es ist aber nichts verborgen, was nicht offenbar wird, und nichts geheim, was man nicht wissen wird. Darum, was ihr in der Finsternis sagt, das wird man im Licht hören; und was ihr flüstert in der Kammer, das wird man auf den Dächern predigen.« (Lk. 12, 2f; 8, 17; Mt. 10, 26f; Mk. 4, 22) Über die heimlichen Taten heisst es: »Was von ihnen heimlich getan wird, davon auch nur zu reden ist schändlich. Das alles aber wird offenbar, wenn's vom Licht aufgedeckt wird.« (Eph. 5, 1 2f) Jesus Christus ist dieses Licht. (Joh. 8, 12; Eph. 5, 14)


Natürlich würden Freimaurer energisch dagegen protestieren, ihre kultischen Handlungen als »Werke der Finsternis» zu bezeichnen. Es werden ja schliesslich keine Verbrechen und keine Vergehen begangen. Die meisten Freimaurer wollen im Gegenteil sicher ehrlich und aufrichtig das Beste für die Menschheit. Sie sind sich keiner »bösen Taten» bewusst. Nach Schenkel sind nur die Formen der freimaurerischen Kulthandlungen den antiken Mysterienkulten entnommen, die Inhalte dagegen seien »aufgeklärt» und rein humanistisch, hätten mit Mystik, Magie und Okkultismus nichts zu tun. Unseres Erachtens lassen sich Formen und Inhalte niemals derart trennen. Alle Formen vermitteln auch Inhalte, und Inhalte können ohne ihnen gemässe Form gar nicht vermittelt werden. Zudem haben wir gesehen, dass im Schottischen Ritus erst die obersten Grade einen aufklärerischen Inhalt haben. Die Tore zum Okkultismus sind sperrangelweit offen. Mehr noch: Wenn Christus das Licht ist und seine Aussagen absolute Geltung haben, dann befindet sich schon (oder noch) jeder im Bereich der Finsternis, der diese geistige Tatsache ablehnt. Zudem ist es unmöglich, mit dem Okkulten nur ein bisschen zu spielen und trotz allem den Kopf oben zu behalten. »Jede Hinwendung zum Okkulten führt tiefer hinein in den Okkultismus. Dies ist ein Lebensgesetz aller geheimen Gesellschaften, ebenso wie auch der initiatorischen Vereinigungen, die sich nicht als geheim bezeichnen. Es ist durch nur zu gut bekannte Gründe zu erklären: enttäuschte Neugier, Eitelkeit, Verlangen nach dem Mysterium, Stolz darauf, die Eingeweihten spielen zu können.« (Mellor, 451). Nach Mellor treiben die Logen mit grosser Selbstverständlichkeit Magie meist ohne es zu wissen. (Ebd. S. 312)


Nach unserer Auffassung kann nur Jesus Christus Licht in diese Zusammenhänge bringen. In der Bibel steht, was das Passwort der Lehrlinge und Meister »Tubalkain« bedeutet. Den meisten Freimaurern ist dies wohl nicht bekannt, und es käme ihnen nie in den Sinn, dass es gefährlich sein könnte, immer wieder ausgerechnet dieses Wort auszusprechen. Worte sind scheinbar nebensächlich. Bewusst oder unbewusst lernen Freimaurer laufend und immer gründlicher, am Wort Gottes und am biblischen Jesus zu zweifeln, seine Worte zu relativieren. Das Wort »Tubalkain» ist nur ein Beispiel. Tatsächlich führt jedes Wort, jedes Symbol und alles Handeln schrittweise weiter weg vom biblischen Gott und seinem Sohn. Baum stellt das besonders fest bei: der »Magie der Bruderkette«, den Hals , Brust- und Bauchzeichen, den «Gebeten», der »Magie des freimaurerischen Symbolismus«, den Ritualen der Hochgradfreimaurerei sowie der Magie des Würfels, der Würfelkreuze, des Merkursiegels, der Amulette, Abzeichen und anderen Kleinodien, die den Freimaurern wichtig sind.


Manche Freimaurer spüren, dass ihnen das kultische Erleben und Handeln nicht gut tut. Die »Ritualfähigkeit« ist ein Problem, das auch in der Freimaurerei selbst wahrgenommen wird. «Ein weiteres Problem im Bereich der Enttäuschung stellt die Gewöhnung an das Ritual dar, da sichtlich die Ritualfähigkeit im Zuge des gruppendynamischen Formungsprozesses und der persönlichen Rezeption des Dargebotenen erst allmählich steigt.« (Binder,132)


In Kurt Koch's «Okkultem ABC« ist die Freimaurerei m. E. zu Recht aufgeführt. Er berichtet von einem Freimaurer in seiner Seelsorge, der »regelrecht unter einer geistlichen Blockade stand. Er war nicht in der Lage, die Heilstatsachen des Neuen Testamentes zu verstehen, geschweige denn, sie anzunehmen.» (Koch, Prot. bibl. 1988, S.144) »Es ist die Erfahrung vieler geistlich lebendiger Pfarrer in Nord Amerika, dass die Gemeinden, deren Pastor Freimaurer ist, geistlich tot sind. Es ist auch schwer, solchen Gemeinden das Evangelium zu verkündigen. Man hat den Eindruck, dass irgendwie ein Bann über der ganzen Kirche liegt.« (Ebd. 144)


7.6. Relativierender Einfluss


Die Freimaurerei hat durch ihre Mitglieder einen relativierenden Einfluss in allen Bereichen des staatlichen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Lebens. Mit den Worten der Bibel ausgedrückt: Sie sammelt nicht, sondern sie zerstreut. (Lk. 11 , 23)


Die Freimaurerei relativiert jeden menschlichen Glauben und jede Lebensäusserung als subjektiv, geschichtlich, kulturell, familiär, ökonomisch oder vielfältig anders bedingt. Sie relativiert jeden Aspekt menschlichen Seins durch sein Gegenteil und vermischt alle lebendigen Gegensätze, so zum Beispiel: Leben und Tod, Licht und Schatten, Wissen und Glauben, die Rationalität der Aufklärung und die mystische Form des Kultus, die Freiheit der Person und die starre, «rechtwinklige» Haltung in und ausserhalb der Loge usw.


Die Freimaurerei hebt alle Herrschaftsformen auf, indem sie sie gegeneinander ausspielt. Die Monarchien sollen durch demokratische Elemente ergänzt, relativiert werden. In den Demokratien soll die Gewaltentrennung Machtmissbrauch verhindern. Gesetze sollen das staatliche Handeln kalkulierbar machen, der Willkür entziehen und die individuelle Freiheit begrenzen. Die Gesetze gelten nicht absolut, sondern müssen in einem bestimmten Verfahren geändert werden können. Heute treten immer mehr auch die Medien als neue politische Macht in Erscheinung.


Gefördert werden überstaatliche Vereinigungen, doch sollen diese nicht zu stark werden. Einem Übermass an staatlicher oder wirtschaftlicher Zentralisierung wird mit Dezentralisierung und Föderalismus begegnet. Das Ideal ist die ideelle aber auch die politische und die religiöse Vereinigung aller Menschen bei gleichzeitiger Wahrung der »Freiheit« der einzelnen Individuen, Staaten und Kirchen.


Die Herrschaftsbereiche von Kirche und Staat sollen begrenzt werden durch die Trennung beider voneinander sowie durch die Schaffung eines neuen, dritten Bereiches der »freien« gesellschaftlichen Betätigung.


Die Freimaurerei fördert die Konzentration auf alles konkrete, diesseitige Schaffen und verrichtet gleichzeitig in den Logen »spekulative« Arbeiten. Dabei relativiert sie auch sich selbst: Dem »Allmächtigen Baumeister aller Welten» wird durch die Existenz atheistischer Logen absolute Anerkennung versagt. Im Gegensatz zu den humanistischen Systemen wird in deer christlichen Lehrart ein gnostischer Christus verehrt, der sich vom biblischen Jesus Christus grundsätzlich unterscheidet.


Alle freimaurerischen Lehrarten relativieren die Bedeutung des Wortes, der sprachlichen Kommunikation im weitesten Sinn. Die Freimaurerei erzieht zum Schweigen und fördert aussersprachliche Kommunikations und Erlebnisformen. Gleichzeitig relativiert sie die Geltung und Bedeutung der eigenen Symbole, Riten und Kulte, indem sie auf allgemein verbindliche Symbolinterpretationen verzichtet.


Man kann den Geist der Freimaurerei als einen Geist des «absoluten Re¬lativismus» bezeichnen. Es liegt ihm sozusagen die absolute Gewissheit zugrunde, dass es keine absolute Gewissheit gibt.


Aus biblischer Sicht ist diese absolute Gewissheit zum grossen Glück für uns alle falsch. Die absolute «Emanzipation» von allen Absolutheit beanspruchenden Autoritäten wird heute noch als «Freiheit« gefeiert und als »Mündigkeit« gepriesen. Doch wenn der Erlebnisrausch ausgeschlafen ist, könnte deutlich werden, wohin dieser Weg führt: in die Irre, in die totale Verwirrung, in den Wahnsinn, in die Trennung aller von allen. Das könnte nichts anderes sein als der Vorhof zur Hölle, an deren Existenz »aufgeklärte» und »gebildete« Geister natürlich nicht glauben.


7.7. Herausforderung


Die Freimaurerei ist erst seit kurzem Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungen. Lange konnte sich dieses bedeutende geistige Gebilde mit Erfolg verbergen. Noch in den heute gebräuchlichen Lehrbüchern der Kirchengeschichte wird sie kaum in Fussnoten erwähnt, dabei ist sie für die Entstehung, die Entwicklung und das Verständnis der heutigen Zeit von ausserordentlicher Bedeutung.


Der hinter der Freimaurerei steckende Geist strebt eindeutig Weltherrschaft an. Aber die tatsächliche Herrschaft übt gemäss biblischer Wirklichkeit nicht er aus. Er scheint zu herrschen, indem er erfolgreich auch aus unserer Sicht »falsche« Herrschaft bekämpft. Er kann aber die von ihm geförderten Staats , Wirtschafts und Gesellschaftsformen nicht mit Leben füllen. Er erlaubt keine allgemeine Orientierung in der Welt der von ihm entthronten Absolutismen. Er sammelt nicht, sondern zerstreut. Seine zersetzende »Arbeit» mag aber zum Bewusstsein der Verlorenheit der Menschheit führen, zur Einsicht, dass wir alle verloren sind, sofern wir nicht annehmen, dass es einen einzigen, einmaligen, göttlichen Menschen gibt, der den Geist des absoluten Relativismus längst besiegt hat und der allen Relativierungsangriffen widersteht. Dank dieser Annahme brauchen wir uns vor der »freimaurerischen Herrschaft« nicht zu fürchten. Wir wissen: Alles was mit diesem freimaurerischen Geist zusammenhängt, ist seinerseits höchst relativ, vergänglich, Schall und Rauch, dem Tod geweiht.


Freimaurern kann aus unserer Sicht nur eines geraten werden: Umkehren, das Leben dem biblischen Jesus Christus anvertrauen, aus der Loge austreten, zur besseren Bewältigung der wahrscheinlich folgenden geistigen Kämpfe einen gläubigen Seelsorger beiziehen. Das alles so rasch wie möglich, besser heute als morgen.


Den Freimaurern sollten wir mit Verständnis, nicht mit Verteufelung begegnen. Sie sind die Getäuschten, nicht die Täuscher, die Opfer, nicht die Täter. Wir kämpfen nicht gegen Menschen. Dem Geist des Humanismus liegt es daran, unter dem Deckmantel der Humanität, der Menschenrechte und der Menschenwürde Menschen gegeneinander aufzuhetzen. Wir werden dann zur lebenden Menschheit, wenn wir diesem Geist widerstehen und nicht mehr auf seine Tricks hereinfallen. Das ist nur mit dem Schutz, der Kraft und der Führung dessen möglich, der vor zweitausend Jahren sein Leben für uns hingegeben hat.
Literaturverzeichnis
Abkürzungen:


FM = Freimaurer; FM? = Freimaurer Freund, möglicherweise Freimaurer; FMG = Freimaurer-Gegner; Wiss. = Wissenschaftler; Kath. = Katholik; Prot. = Protestant (lib. = liberal, bibl. = biblisch positiv»); Journ. = Journalist; SA = Schweizerisches Sozialarchiv, Zürich; ZB = Schweizerische Zentralbibliothek, Zürich.


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Wilhelm Emmanuel, Freiherr von Ketteler, Kann ein gläubiger Christ Freimaurer sein? Antwort an den Herrn Dr. Rudolf Seydel, Privatdocent der Philosophie in Leipzig, Mainz: Verlag von Franz Kirchheim, 1865. [Kath., dam. Bischof von Mainz, FMG] ZB AB 575.4


Kurt E. Koch, Okkultes ABC. Ergänzungsband zum Buch Seelsorge und Okkultismus, Aglasterhausen: Bibel und Schriftenmission, 1988


Georg Kreis, Die Freimaurerei im Zeitalter des Totalitarismus, in: Freimaurer. Ausstellung 1983/84, a. a. O., Basel 1984.


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Konrad Lerich, Der Tempel der Freimaurer. Der 1. bis 33. Grad. Vom Suchenden zum Wissenden, Bern: U. Bodung Verlag, 1937. (Das ist die einzige »Verräter Schrift«, die verwendet wurde. Lerichs Ausführungen sind sehr sachlich und zuverlässig. Sie stimmen bis in die Einzelheiten mit dem überein, was später von Freimaurern selbst veröffentlicht wurde. Er schreibt über sich: »Geboren 1899. Vom Jahre 1922 bis 1932 Mitglied des Freimaurerbundes, in dem er die höchsten Grade und Ämter erwarb: War als Inhaber des 33. und letzten Grades Aktivmitglied des Obersten Rates für Österreich, Grossbeamter der Grossloge von Wien, Vorstandsmitglied der 'Allgemeinen Freimaurer Liga' (Basel), Meister vom Stuhl der Hochgradloge 'Voltaire' u.v.a.»).


Alec Mellor, Logen, Rituale, Hochgrade. Handbuch der Freimaurerei. Frz. Original: La Franc Maconnerie ä l'heure du choix, Maison Mame, Tours 1967. Sonderdruck 1985. [Wiss.]


Gotthold Ephraim Lessing, Ernst und Falk. Gespräche für Freimäurer. Lessings Gesammelte Werke. Dritter Band, S. 389 438. Leipzig: Tempel Klassiker, Tempel Verlag. [FM, Prot.lib.] Ders., Neue Hypothese über die Evangelisten als bloss menschliche Geschichtsschreiber betrachtet, in: Gotthold Ephraim Lessing Werke. Siebenter Band. Theologiekritische Schriften 1. und 11., Darmstadt 1976, S. 614 636. Ders., Anti-Goeze 1 bis XII. Theologiekritische Auseinandersetzung mit Hauptpastor Johann Melchior Goeze, in: Gotthold Ephraim Lessing Werke. Achter Band. Theologiekritische Schriften, Darmstadt 1979, S. 21379.


Manfred Lurker (Hrsg.), Wörterbuch der Symbolik, Stuttgart: Alfred Kröner Verlag, 1983; 2. erw. Aufl., Zürich: Buchklub ExLibris, 1984. [Wiss.]


Albert Lüthi, Atheismus und Freimaurerei, in: Alpina, Nr. 4/1954; Nr. 6/ 1984; Nr. 7 8/1954. [FM]


Moser, Ernst, Die Freimaurerei und die Satzungen der Vereinten Nationen (UNO), in: Alpina. Nr. 5/1964. [FM]


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Hermann Neuer, Die Freimaurer. Religion der Mächtigen. Berneck: Schwengeler Verlag, 1991 (Prot. bibl. FMG)


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ORF 1990: Die diskrete Gesellschaft. Eine Geschichte der Freimaurer. Produktion des österreichischen Fernsehens, ORF 1990 (Video Kassette). Buch: Dieter A. Binder, Redaktion: Brigitte Vacha, Alfred Payrleitner, Regie: Georg Madeja. [Journ.]
Allan Oslo, Freimaurer. Humanisten? Häretiker? Hochverräter?, Frankfurt am Main: Umschau Verlag, 1988. [FMI


Gisep Poltera, Welche Vorurteile wirken gegen die Freimaurerei, und wie können sie abgebaut werden?, in: Alpina, Nr. 6 7/1975. [FMI


Emil Rahm, Die Freimaurer und die Kirche. in: Memopress, Nr. 2/1984, Hallau. [Prot. bibl.,FMG)


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Gotthilf Schenkel, Die Freimaurerei im Lichte der Religions und Kirchengeschichte. Gotha: Leopold Klotz Verlag, 1926. [Prot. lib., FM?] – (G. Schenkel war Dr. theol., lutherischer Stadtpfarrer in Esslingen, später Landtagsabgeordneter des deutschen Bundeslandes Baden Württemberg sowie Kultusminister dieses Bundeslandes).


G. A. Schiffmann, Das Verhältnis der Freimaurerei zum Christentum und zur Kirche. Stettin 1857. [FM, Prot. lib.] ZB BBN 6266. 1; Gal XVI 1061 Ders., Offener Brief an Herrn Dr. Nielsen, Professor der Kirchengeschichte in Copenhagen, als Antwort auf seine Schrift Freimaurerthum und Christenthum, Leipzig: Verlag Bruno Zechel, 1883. (Schiffmann war einer der wichtigsten Wortführer der Freimaurerei in der Auseinandersetzung mit den positiven Theologen Hengstenberg und Nielsen. Er war evangelischer Geistlicher, Archidiaconus an St. Jacobi in Stettin, Mitglied des »Protestantenvereins» sowie als Freimaurer Provinzial Grossmeister für Posen und Unterarchitekt des Ordens).


J. N. J. Schmidt, Wurzeln der Freimaurerischen Gemeinschaft. Rückblick und Ausblick, Zürich: Origo Verlag, Reihe Lehre und Symbol Bd. 14, 1961. [FMI SA 28 120


Herbert Schneider, Deutsche Freimaurer Bibliothek. Verzeichnis der Bi¬bliothek des Deutschen Freimaurer Museums Bayreuth, Hamburg 1977. [FM] ZB Bibliogr. 111 B 206


Hermann und Georg Schreiber, Mysten, Maurer und Mormonen. Geheimbünde in vier Jahrtausenden, Wien/Berlin/Stuttgart: Paul Neff Verlag, 1956. (Wiss.) SA 22 777


Rudolf Spitzbarth, Die Freimaurerei, ihr Herkommen und Wirken. Neue Zürcher Zeitung Nr. 283, 9.5.1968. (FMJ)


Reinhold Taute, Die katholische Geistlichkeit und die Freimaurerei. Ein kulturgeschichtlicher Rückblick, Berlin: Verlag von Franz Wunder, 1909, 3. Aufl. [FM] ZB BBN 6266.4


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C. Zendralli, Freimaurerei heute. Typoskript der Schweizerischen Grossloge Alpina, o. Jg. [FM]


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Der Autor:


Martin Hohl Wirz wurde 1949 in Herisau/AR geboren und studierte in den Jahren 1968 bis 1973 Ökonomie an der Hochschule St. Gallen für Wirtschafts und Sozialwissenschaften. Mit der Dissertation zum Thema «Die wirtschaftstheoretische Bedeutung von Entfremdungstheorien» promovierte er zum Doktor der Ökonomie. 1978 bis 1980 erteilte er Unterricht an der Kantonsschule Hottingen in Zürich. Anschliessend war er während fünf Jahren (1981-1985) für ausserbetriebliche Information bei der BBC AG Brown, Boveri & Cie. in Baden zuständig. 1986 bis 1989 arbeitete er als Sekretär und Redaktor beim Verband schweizerischer Angestelltenvereine der Maschinen- und Elektroindustrie (VSAM). Seit 1989 studiert er Theologie an der Freien Evangelisch Theologischen Akademie Basel (FETA).


Die vorliegende Arbeit entstand im Rahmen der kirchengeschichtlichen Seminare an der FETA unter der Leitung von Prof. Dr. Dr. E. Grossmann.
Weiter Artikel zum Thema Freimaurerei aus biblischer Sicht:


Die Freimaurerei - von Pfr. Dr. Kurt E. Koch
Freimaurerei und Evangelische Allianz – Erich Brüning
Charta Oecumenica – Ulrich Skambraks
Gleichheit - Freiheit - Brüderlichkeit – Dr. Samuel Külling
Die antichristliche Revolution der Freimaurerei – Manfred Adler
Die Verschwörung des Antichristus – Norbert Homuth
Christus und die Welt des Antichristen – Pfr. Wolfgang Borowsky
Weltmacht Zionismus – Manfred Adler
Die geplante Weltregierung – Manfred Adler


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