Montag, 7. April 2014

SPD Mitglied Edathy und die Kinderpornografie. Es ist noch nicht vorbei.



Die Staatsmedien sorgen dafür, dass die Aufmerksamkeit der Leser auf staatsdienliche Informationen gelenkt werden. Und derer gab es in den vergangenen Wochen einige.
Erinnern wir uns, die Edathy-Affaire wurde marktschreierisch abgelöst von der Steuerhinterziehung der sogenannten elitären Alice Schwartzer, die wiederum in den Hintergrund getreten wurde durch die schnellstens durchgewinkte Verurteilung des Wurstfabrikanten und Bayernmanagers, Uli Hoeness. Beides war nicht mehr systemrelevant, nachdem der amerikanische Geheimdienst mit tatkräftiger Unterstützung der Konrad-Adenauer-Stiftung die Ukraine beputscht hatte. Staatsdienlich ist nunmehr der Shitstorm gegen Putin und die Staatsmedien sind angespannt beschäftigt, ihre Leser dahingehend zu informieren, dass Frau Merkel bzw. Ihre Einheitspartei die Europawahl im Mai 2014 gewinnen muss, weil eben der böse Herr Putin einen Krieg will, wenn er sich für die vielen Russen in der Ostukraine einsetzt.

Soweit, so gut.

Aber sollte es uns nicht viel mehr interessieren, welcher Schmutz in unserem Land so überaus verbreitet ist?

Da lesen wir z.B. Im Focus: 
Brisante ZeugenaussageIT-Experte fand schon 2004 Nacktbilder auf Edathys PC
Sonntag, 06.04.2014, 17:55
In der Affäre um Sebastian Edathy ist ein neuer Zeuge aufgetaucht. Seine Aussage ist brisant: Der IT-Experte sagte nach FOCUS-Informationen aus, er habe schon 2004 Nacktbilder von Jungen auf dem PC des Abgeordneten gefunden und dies auch gemeldet.
In der Nacktbilder-Affäre um den ehemaligen Bundestagsabgeordneten Sebastian Edathy (SPD) hat sich nach FOCUS-Informationen ein neuer Zeuge gemeldet. Wenige Tage nach Bekanntwerden der Vorwürfe im Februar wandte sich der IT-Experte Axel W.* an die Staatsanwaltschaft Hannover. Er behauptete, er habe bereits im ersten Quartal 2004 Nacktbilder von Knaben auf dem Bundestagsrechner von Edathy gefunden. W. gab die Aussage in seinem Wohnort Berlin den Ermittlern zu Protokoll. Das wurde FOCUS aus Sicherheitskreisen in der Hauptstadt bestätigt.

Nun, der ehrenwerte Edathy ist ein wohl noch immer ehrenwertes Mitglied dieser Sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Es dürfte der Partei und deren Führung nur sehr recht sein, den Kinderpornografie-Liebhaber, Edathy, aus dem Blickfeld zu nehmen.

Und was bedeuten den sogenannten Saubermännern-Frauen in den deutschen Einheitsparteien schon geschändete Kinder? Da beschäftigt man sich doch lieber mit schlecht untergebrachten Migranten in Griechenland.

Lesen Sie bitte, welcher unglaubliche Filz sich hinter der Edathy-Affaire verbirgt und warum es in dieser „Buntenrepublik“ notwendig ist, einen Vorzeige-Migranten-hintergründigen aus der Optik zu nehmen.

IM TIEFEN STAAT: Verschwiegene Fakten und Details der B.K.A.-Edathy-Affäre

Von Daniel Neun | Veröffentlicht: 6. April 2014

Betreff: Staatsaffäre um das Bundeskriminalamt und seinen Präsidenten Jörg Ziercke, den ehemaligen Vorsitzenden vom Innenausschuss des Deutschen Bundestages, Sebastian Edathy, sowie den heutigen Kanzleramtsminister Klaus-Dieter Fritsche.
Mit der Demokratie ist es wie Kaffee: Manchmal muss man sie einfach stärker machen – auch und gerade gegen einen Tiefen Staat im Staate. Dieser Artikel soll dazu einen Beitrag leisten. Unsere Vorleistung für gerade Sie, die Sie da am Bildschirm sitzen, sowie den Beweis dass wir hier seit Jahren richtig liegen, mögen sie u.a. diesen Artikeln aus 2008 entnehmen, zu der Zeit, als Ihnen und 82 Millionen Menschen durch Internetsperren zwei Grundrechte eingeschränkt werden sollten: “Von der Leyen und BKA: Die Kontroll-Heuchler mit der Kinderpornografie” und “Ziercke und das BKA haben ein Problem: uns.”.

 Hier bitte den ganzen Artikel lesen:

Währenddessen ist Edathy zunächst einmal in aller Ruhe abgetaucht, bis, wie man meint, genügend Gras über die Affaire gewachsen ist. Finanzielle Probleme wird er aufgrund des bisherigen Politikerdaseins nicht haben. Also heißt es für Edathy abwarten, Netzwerk warmhalten, bis sich wieder ein lukrativer Job für ihn findet.


Freitag, 4. April 2014

Das Imperium -Herren und Knechte-

Hören Sie sehr gut zu und denken Sie nach:




Frau Merkel 's Name ist Hase und sie weiß von nichts. Jedenfalls nichts darüber, was die US Besatzer 70 Jahre nach WK 2 so treiben in der BRD.


Ramstein wichtiger als gedacht
"Ohne Deutschland wäre der Drohnenkrieg des US-Militärs nicht möglich" 

Die US-Luftwaffenbasis im rheinland-pfälzischen Ramstein spielt Medienberichten zufolge eine weit wichtigere Rolle bei den umstrittenen Drohnen-Angriffen als bisher angenommen. "Ohne Deutschland wäre der gesamte Drohnenkrieg des US-Militärs nicht möglich", wird der ehemalige Drohnen-Pilot Brandon Bryant zitiert.

Bundesregierung weiß von nichts
Die Bundesregierung habe nach eigenen Angaben keinerlei Kenntnis von der Bedeutung der Stützpunkte für den Drohnenkrieg, heißt es in dem Bericht weiter. Die Regierung in Washington habe versichert, dass von Deutschland aus "ferngesteuerte Luftfahrzeuge weder geflogen noch befehligt" werden, zitiert die Zeitung einen Sprecher.
http://www.t-online.de/nachrichten/ausland/id_68827420/ramstein-spielt-zentrale-rolle-im-us-drohnenkrieg.html

Wikipedia schreibt über Ramstein: (Ja, Ramstein liegt in Deutschland.)
"Auf dem Fliegerhorst Ramstein befindet sich eines der beiden in Deutschland verbliebenen US-Atomwaffendepots (Lagerkapazität: 216 Nuklearsprengköpfe), das allerdings seit 2005 geräumt ist.
Es kann aber davon ausgegangen werden, dass es sich bei Ramstein bis zur Räumung im Jahr 2005 um das größte mit Atomwaffen belegte Sonderwaffenlager in Europa handelte."

.......sagten das die Amerikaner? Oder wurde das von seiten der nichtswissenden Bundesregierung überprüft?

Und weiter:
"Ramstein spielt nach einem Artikel bei ORF.at, der sich auf die Süddeutsche beruft, eine essentielle Rolle bei der Steuerung von Drohnen in Afrika (etwa Somalia), Pakistan und Jemen. Satellitendaten der Drohnen werden hier empfangen und an die steuernden Piloten in den USA übertragen, etwa auf der Holloman Air Force Base in New Mexico. Die USA werden kritisiert, Terrorverdächtige per Drohnenangriff zu töten.[5] Nach Bericht der deutschen Politsendung Panorama vom 3. April 2014 befindet sich in Ramstein ein Auswertungszentrum (DGS IV) der Drohneneinsätze."

Das gerade in den letzten Wochen wegen des illegalen Putsches in der Ukraine, so häufig von USA  und der BRD bemühte Völkerrecht bedarf wohl dringend der Diskussion hinsichtlich der Beteiligung  Deutschlands an  „der Tötung von Terrorverdächtigen mit Hilfe einer bewaffneten Drohne außerhalb eines bewaffneten Konflikts.  Wenn die deutsche Bundesregierung davon weiß und nichts dagegen unternimmt, kann diese Beteiligung Deutschlands von deutschem Boden durchaus ein völkerrechtliches Delikt sein,  wie der  deutsche Völkerrechtler Thilo Marauhn sagte. Brauchen wir das, wo von "deutschem Boden" nie wieder Krieg ausgehen sollte??
Die deutsche Bundesregierung habe betont, sie habe keinerlei Anhaltspunkte, dass Drohnenangriffe über Deutschland geplant oder durchgeführt würden.
Weiss diese sehr eigenartige Regierung der Deutschen eigentlich noch, was in Deutschland abläuft oder sitzen die sogenannten Eliten startbereit auf gepackten Koffern, für den Fall, dass es zu einem Konflikt kommen sollte?
Wenn dieser Herr Kerry aus Amerika  meint:
 "Grundsätzlich seien Drohneneinsätze aber „manchmal notwendig, um Leben zu retten“. Oder "Unser Handeln ist legal. Wir wurden am 11. September angegriffen. Als letztes Mittel ist das Selbstverteidigung.“
dann sollte diese "Lebensrettung" von amerikanischem Terrain aus erfolgen und nicht von dem "befreundeter" Staaten, die von niemanden angegriffen worden sind.
Wobei man allerdings den letzten Satz zu relativieren gezwungen ist, denn Amerika ist noch immer Besatzerstaat in Deutschland.
Unter Berücksichtigung dieser Tatsache betrachten die Amerikaner Ramstein als amerikanisches Territorium, auf dem sie tun und lassen, was ihnen beliebt.
Die deutsche Bundesregierung sollte sich ihres Eides "zum Wohle des deutschen Volkes" erinnern und sich mehr um die Belange dieses Landes kümmern, als andere Völker zu massregeln.

 

Weitere Informationen:

Drohnenangriffe der US-Luftwaffe wohl aus Ramstein gesteuert 

NATO siedelt Raketenabwehrschild in Ramstein an

US-Drohnenangriffe in Somalia wohl von Deutschland aus gesteuert

 

 


Sonntag, 30. März 2014

ZDF-Propaganda Macher: Claus-Detlev-Walter Kleber (60), ja so heißt der wirklich.




Die immer weniger werdenden Zuschauer sollen nicht erfahren, warum Joe Kaeser, Siemens, nach Moskau  reiste,  Kleber meint, es wäre ausreichend, wenn die Zuschauer ausschliesslich hören, was er, Claus-Detlev-Walter Kleber über diesen Besuch denkt.

Kein Nachrichtensprecher hört sich so gerne selbst zu. Er deklamiert wie ein drittklassiger Schauspieler,
reißt die Augen auf, intoniert Nebensächlichkeiten zu Stilblüten und ist im anmaßenden Duktus deckungsgleich zu Mariette Slomka, (45) die ständig beleidigt wirkt, als hätte ihr jemand einen Euro aus der Geldbörse genommen hat.

Slomka und Kleber werden wahrscheinlich von dem gleichen persönlichen Berater für ihre Auftritte geschult.  Das Resultat stellt die Fernsehanstalt zu häufig vor. Es langweilt nur noch, diese selbstverliebten Propagandisten zu hören bzw. agitieren zu sehen.
.

Der Bluthund winselt: ZDF-Kleber wirft sich vor CSU-Seehofer in den Staub
http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2013/05/14/der-bluthund-winselt-zdf-kleber-wirft-sich-vor-csu-seehofer-in-den-staub/

 Frank Schirrmacher watscht Claus Kleber ab
 https://www.freitag.de/autoren/propagandaschau/frank-schirrmacher-watscht-claus-kleber-ab

Dienstag, 25. März 2014

Ist die Wende der Krim die erste einer langen Reihe? von Thierry Meyssan

 
„Vor unseren Augen“
Jenseits des emphatischen Aufschreis des Westens wegen dem Anschluss der Krim an die Föderation Russland, ist die eigentliche Frage, ob es sich um ein einmaliges Ereignis handelt oder ob es den Übergang von Osteuropa in Richtung Moskau andeutet. Da Brüssel nicht mehr als die Versklavung durch seine Bürokratie anzubieten hat, fürchtet es, dass seine derzeitigen Kunden ihr die Freiheit und das Geld von Moskau vorziehen könnten.

Der Westen donnert, um die "militärische Annexion" der Krim durch Russland zu verurteilen. Seiner Meinung nach kehre Moskau zur "Breschnew-Doktrin" zurück, bedrohe die Souveränität aller Staaten, die nicht nur der ehemaligen UdSSR, sondern auch dem Warschauer Pakt angehörten und sei bereit sie zu erobern, wie Moskau es in Ungarn 1956 und in der Tschechoslowakei im Jahr 1968 gemacht hatte.
Ist das tatsächlich wahr? Derselbe Westen ist natürlich von der bevorstehenden Gefahr nicht überzeugt. Wenn er auch in Worten die "Annexion" der Krim durch Wladimir Putin, jener des Sudetenlandes durch Adolf Hitler gleichstellt, glaubt er nicht, dass es einen Dritten Weltkrieg geben werde.
Bestenfalls wurden Sanktionen gegen einige russische Führer - einschließlich Leuten aus der Krim - durch die Blockierung ihrer Konten erteilt, falls sie in westlichen Banken Konten öffnen oder reisen wollten. Das Pentagon hat wohl 22 Kampfflugzeuge nach Polen und in die baltischen Staaten geschickt, aber es will im Moment nicht mehr tun, als diese Geste.

Was passiert wirklich? Seit dem Fall der Berliner Mauer am 9. November 1989 und dem Malta-Gipfel vom 2. und 3. Dezember haben die Vereinigten Staaten nicht aufgehört, stetig im Vormarsch zu sein und gegen ihre Versprechungen einen nach dem anderen der europäischen Staaten - außer Russland – in die NATO einzugliedern.
Der Prozess begann wenige Tage später, Weihnachten 1989, mit dem Sturz der Ceausescus in Rumänien und ihrer Ersetzung durch einen anderen kommunistischen Würdenträger, Ion Iliescu, der plötzlich zum Liberalismus übergelaufen war. Zum ersten Mal organisierte die CIA einen Staatsstreich vor aller Augen, indem sie ihn durch einen neuen Fernsehsender CNN International als eine "Revolution" in Szene setzte. Es war der Anfang einer langen Reihe.
Zwanzig andere Ziele sollten folgen, oft auch auf einer ähnlichen betrügerischen Weise: Albanien, Ost-Deutschland, Aserbaidschan, Bosnien und Herzegowina, Bulgarien, Kroatien, Estland, Georgien, Ungarn, Kosovo, Lettland, Litauen, Mazedonien, Moldawien, Montenegro, Polen, Serbien, die Slowakei, Slowenien, Tschechien und die Ukraine.

Kein Dokument wurde auf dem Gipfel von Malta unterzeichnet, aber Präsident Bush Sr., beraten von Condoleezza Rice, gab die mündlichen Zusage, dass kein Mitglied des Warschauer Paktes in der NATO aufgenommen würde. In Wirklichkeit trat die DDR de facto durch das einfache Spiel ihres Beitritts zur Bundesrepublik Deutschland der Nato bei. Die Tür war somit offen, das heißt 12 ehemalige Mitglieder der Sowjetunion oder des Warschauer Paktes waren ihr beigetreten, und die anderen sind zum Bündnisbeitritt bereit.

Jedoch „haben auch die besten Dinge ein Ende“. Die Macht der NATO und ihr ziviler Zweig, die Europäische Union, geraten ins Wanken. Sicher war das Bündnis noch nie so groß wie jetzt, aber seine Armeen sind wenig wirksam. Sie glänzen auf kleinen Operations-Theatern, wie in Afghanistan, aber können jetzt nicht mehr Krieg gegen China oder Russland machen, mit der Gewissheit, ihn zu verlieren, wie es in Syrien in diesem Sommer geschah.

Letztlich ist der Westen über die russische Geschwindigkeit und Effizienz fassungslos. Während der Olympischen Spiele in Sotschi hat Wladimir Putin stoisch keinen Kommentar über die Ereignisse auf dem Maidan Platz abgegeben. Aber sobald er die Hände frei hatte, hat er reagiert. Jeder konnte dann sehen, wie er Karten ausspielte, die er während seinem langen Schweigen vorbereitet hatte. In wenigen Stunden haben prorussische Kräfte die pro-Kiew Kräfte der Krim neutralisiert, während eine Revolution in Simferopol organisiert wurde, um ein pro-russisches-Team an die Macht zu bringen. Die neue Regierung forderte ein Referendum für Selbstbestimmung, das eine riesige prorussische Welle, inklusive bei der Tatar Bevölkerung auslöste. Dann machten russische offizielle Truppen aus Soldaten, die sich noch auf Kiew beriefen, Gefangene mit ihrer Ausrüstung. All das, ohne einen einzigen Schuss abzufeuern, mit Ausnahme eines ukrainischen pro-NATO Scharfschützen, der in Simferopol verhaftet wurde, nachdem er von beiden Seiten eine Person getötet hatte.

Vor zwanzig Jahren hätten die gleichen Krimbewohner sicherlich gegen Russland gestimmt. Aber heute ist ihre Freiheit viel besser von Moskau abgesichert, als von Kiew, wo ein Drittel der Regierung an die Nazis ging und die anderen zwei Drittel an Vertreter der Oligarchen. Darüber hinaus wurde ihre Bankrott-Wirtschaft sofort von der Bank von Russland erkannt, während Kiew, trotz des IWF und der Kredite aus den USA und der EU, für lange Zeit zur Armut verurteilt ist. Es war nicht notwendig, Russisch zu sprechen, um diese Wahl zu machen und trotz der westlichen Propaganda haben die muslimischen Tataren es auch so wie die russisch-sprechenden getan. Es ist auch die Wahl von 88 % des auf der Krim stationierten ukrainischen Militärs, das sich Moskau mit der festen Absicht angeschlossen hat, ihre Familien dorthin zu bringen und ihnen die russische Staatsbürgerschaft zu verschaffen.

Es ist auch die Wahl von 82 % der ukrainischen Matrosen auf See, allzu glücklich Russen geworden zu sein, und sie haben sich mit ihren Schiffen Moskau angeschlossen, ohne dazu in irgendeiner Weise gezwungen worden zu sein. Freiheit und Wohlstand, die die Verkaufsargumente seit fast 70 Jahren des Westens gewesen sind, haben die Seite gewechselt.

Das soll hier nicht heißen, dass Russland perfekt ist, sondern nur zeigen, dass für die Tataren und in der Realität auch für die meisten Europäer es attraktiver ist als das westliche Lager.

Deshalb markieren die Unabhängigkeit der Krim und ihre Mitgliedschaft an der Russischen Föderation die Rückkehr des Pendels. Zum ersten Mal beschließt ein ex-sowjetisches Volk, freien Willens, die Autorität von Moskau anzuerkennen. Was der Westen befürchtet, ist, dass dieses Ereignis mit dem Fall der Berliner Mauer einen vergleichbaren Effekt habe, aber anders rum.

Warum würden wir nicht Mitgliedstaaten der NATO – wie Griechenland- oder der Europäischen Union - wie Zypern - einfach den gleichen Weg nehmen sehen. Das westliche Lager würde sich dann zerstückeln und in eine sehr schwere Rezession fallen - wie einst das Russland von Jelzin -.
Darüber hinaus würde sich die Frage des Überlebens der Vereinigten Staaten unweigerlich stellen. Die Auflösung der UdSSR hätte die ihres Feindes, aber zugleich Partners, mit sich bringen sollen, da diese beiden Supermächte nur einander gegenüber stehend existierten. Dem war jedoch nicht so.

Als Washington von seinem Konkurrenten befreit war, widmete es sich der Eroberung der ganzen Welt, globalisierte die Wirtschaft und installierte die Neue Weltordnung. Es dauerte zwei Jahre und einen Monat bis die Sowjetunion nach dem Fall der Berliner Mauer sich auflöste. Werden wir bald die Auflösung der Vereinigten Staaten und der Europäischen Union in mehrere Entitäten sehen, sowie es Igor Panarin von der diplomatischen Akademie in Moskau lehrt? Der Zusammenbruch wird umso schneller vorangehen, als Washington die Subventionen für seine Verbündete und Brüssel die Strukturfonds reduzieren werden.

Niemand sollte die Attraktivität von Russland fürchten, weil es eine imperiale Macht ist, aber keine imperialistische. Wenn Moskau auch dazu neigt, kleine Länder abzukanzeln, die es aber schützt, hat es nicht die Absicht, seine Hegemonie gewaltsam zu erweitern. Seine militärische Strategie ist die "Verweigerung des Zugangs" auf sein Gebiet. Seine Armeen sind die ersten der Welt in Sachen Anti-Luft- und Anti-Flotten-Verteidigung. Sie können Flotten von Bombern und Flugzeugträgern zerstören. Aber sie sind nicht ausgestattet, um die Welt zu erobern, noch sind sie in ausländischen Militärstützpunkten bereitgestellt.

Es ist besonders merkwürdig, den Westen zu hören, wenn er den Beitritt der Krim zur Russland-Föderation als völkerrechtswidrig und gegen die Verfassung der Ukraine verstoßend denunziert. War es nicht er, der die Sowjetunion und den Warschauer Pakt zerstückelte? War es nicht er, der die verfassungsmäßige Ordnung in Kiew brach?

Der deutsche Bundesminister für auswärtige Angelegenheiten, Frank-Walter Steinmeier, bedauert einen vermeintlichen russischen Willen „Europa in zwei zu schneiden“. Aber Russland hat die sowjetische bürokratische Diktatur entsorgt und beabsichtigt nicht, den Eisernen Vorhang wieder zu errichten. Es sind die USA, die Europa in zwei teilen wollen, um die Hämorrhagie zum Osten zu unterbinden.  
Die neue bürokratische Diktatur ist nicht mehr in Moskau, sondern in Brüssel, und sie heißt Europäische Union.

Von nun an versucht Washington seine Verbündete an sein Lager zu binden, entwickelt seine Raketenausstattung in Polen, Rumänien und Aserbaidschan. Es macht kein Geheimnis mehr daraus, das sein "Schild" nie dazu bestimmt war, iranischen Raketen zu begegnen, sondern um Russland angreifen zu können. Es versucht auch, seine europäischen Verbündeten zu wirtschaftlichen Sanktionen zu drängen, die den Kontinent lähmen würden und die das Kapital zur Flucht in die Vereinigten Staaten anleiten würden.
Das Ausmaß dieser Anpassungen ist derart, dass das Pentagon die Möglichkeit erwägt, seine "Wende zum Fernen Osten" zu unterbrechen, d.h. die Truppen Bewegung von Europa und dem Nahen Osten, für einen Krieg gegen China. Auf jeden Fall wird jegliche langfristige Strategieänderung kurz-und mittelfristig seine Heere noch mehr desorganisieren. Moskau verlangte gar nicht so viel, und beobachtet mit Freude die Reaktionen der Bevölkerung der östlichen Ukraine, und warum nicht auch in Transnistrien.

http://www.voltairenet.org/article182937.html

Thierry Meyssan
Übersetzung
Horst Frohlich
Quelle
Al-Watan (Syrien)



English:
"Before our eyes"
Is Crimea’s Shift the First of a Long Series ?
by Thierry Meyssan

http://www.voltairenet.org/article182922.html


Français:
« Sous nos yeux »
Le basculement de la Crimée est-il le premier d’une longue série ?
par Thierry Meyssan

http://www.voltairenet.org/article182898.html 


Italiano:
Focus
Il cambio di campo della Crimea è il primo di una lunga serie?
di Thierry Meyssan

http://www.voltairenet.org/article182921.html


Espanol:
«Ante nuestra mirada»
¿Será la pérdida de Crimea la primera de una larga serie? 
por Thierry Meyssan 
http://www.voltairenet.org/article182933.html


Timoschenko: Erst Putin erschiessen, dann 8 Millionen Russen in der Ukraine mit Atombomben töten.





Timoschenko über Putin
"Ich bin bereit, dem Bastard in den Kopf zu schießen"


25.03.2014, 12:13 Uhr | T-Online.de

Ein abgefangenes Telefonat bringt die ukrainische Präsidentschaftskandidatin Julia Timoschenko in arge Bedrängnis. Der Sender "Russia Today" hat den Mitschnitt auf Youtube gestellt, in dem sie derb gegen Russland und die in der Ukraine lebenden Russen vom Leder zieht: Wladimir Putin würde sie am liebsten umbringen. Timoschenko bestätigt das Gespräch grundsätzlich - an einer Stelle habe man es aber gefälscht.

"Ich bin bereit, ein Maschinengewehr zu nehmen, und dem Bastard in den Kopf zu schießen", sagt sie demnach dem ukrainischen Parlamentsabgeordneten Nestor Schufritsch. Mit dem Bastard ist offensichtlich der russische Präsident gemeint. Schufritsch hatte sie darauf angesprochen, was man in der Krim-Krise denn jetzt unternehme. Das Gespräch soll am 18. März stattgefunden haben, kurz nach dem Referendum auf der Krim.
"Hätte Weg gefunden, die Arschlöcher zu töten"
http://www.t-online.de/nachrichten/specials/id_68657092/julia-timoschenko-bereit-dem-bastard-putin-in-den-kopf-zu-schiessen-.html




Und hier mit VIDEO-Aufzeichnung des besagten Telefongesprächs:




Timoschenko-Tonband aufgetaucht: Tötet die Russen!
Timoschenko hat in einem abgehörten Telefonat den Einsatz von Gewalt gegen Russland gefordert. Dort dürfe nicht einmal verbrannte Erde übrig bleiben. Die ukrainische Politikerin bestreitet jedoch, den Einsatz von Nuklearwaffen gegen die in der Ukraine lebenden Russen gefordert zu haben.
http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2014/03/25/timoschenko-es-ist-an-der-zeit-die-russen-zu-toeten/comment-page-6/#comment-472667



Was hat diese angebliche Politikerin für Phantasien?

Da werden es die Freunde der Ukraine  aber sehr schwer haben, diesen angeblichen Ausrutscher von Timoschenko zu rechtfertigen.

Aber denen wird schon etwas einfallen.

Erinnert sich  noch irgendjemand an die Visaaffaire des Joschka Fischer?
Dabei ging es bereits ab 1997 um geltende Reiseschutzpassverfahren für die Ukraine.Gegen Kaution wurde ein Schutzbrief ausgestellt, der die Übernahme von Rückführungs- (Abschiebungs-) und Krankenbehandlungskosten sicherte.  Es gab massenhaften Missbrauch, weil Joschka Fischer die Botschaft angewiesen hatte, alle Antragsteller aus der Ukraine nach Deutschland einreisen zu lassen. Das war
der Freibrief für Schlepperorganisationen, in deren Fänge dann auch Michel Friedman mit ukrainischen Zwangsprostituierten und Herionkonsum geriet.l

Man hat also von seiten der BRD Regierung schon vor langer Zeit mit ukrainischen "Organisationen" zusammengearbeitet, auf die eine oder andere Art und Weise.

Ukrainische Ex-Regierungschefin Timoschenko aus Berliner Charité entlassen

19.03.2014

Die ukrainische Ex-Regierungschefin Julia Timoschenko, die nach der Haftentlassung in der Heimat in Deutschland medizinisch behandelt wurde, hat am Mittwoch die Berliner Charité verlassen. Wie das Universitätsklinikum mitteilte, kehrt die 53-Jährige noch heute nach Kiew zurück.
Die Politikerin war in Berlin wegen Bandscheibenschmerzen behandelt worden. Die Charité empfahl Timoschenko, die Rehabilitationsmaßnahmen in der Heimat fortzusetzen.
http://de.ria.ru/politics/20140319/268071405.html

Jazenjuk: Öffnung von EU-Markt bringt Ukraine 490 Millionen Euro

25.03.2014
Die einseitige Öffnung des EU-Marktes für ukrainische Waren wird Kiew nach Worten von Regierungschef Arseni Jazenjuk zusätzliche 490 Millionen Euro (im Jahr) bringen.
In einer Kabinettssitzung am Dienstag erinnerte Jazenjuk daran, dass Kiew und Brüssel am 21. März den politischen Teil eines Assoziierungsabkommens unterschrieben hatten. Die Unterzeichnung des Wirtschaftsteils sei bis auf weiteres verschoben worden. Dabei habe die EU beschlossen, ihren Markt für ukrainische Erzeugnisse einseitig zu öffnen.
„Die Entscheidung tritt am 15. Mai endgültig in Kraft. Von 15. Mai an sollen unsere Exporteure bereit sein, Waren in Länder der Europäischen Union schnell zu liefern. Nach unserer Schätzung wird die ukrainische Wirtschaft dadurch rund 490 Millionen Euro zusätzlich einnehmen. Das sei kein schlechtes Geld, sagte der Regierungschef.
http://de.ria.ru/business/20140325/268113962.html

Und die maroden Kernkraftwerke - einschliesslich Tschernobyl  - liegen ebenfalls in der Ukraine.
Aber, die Steuerzahler der EU werden die Sanierungen schon bezahlen, im eigenen Interesse.

Donnerstag, 20. März 2014

Merkel strotzt vor Kraft, aber nur solange der transatlantische Rückenwind sie vorwärts bläst...


................bei der nächsten Windstille wird sie, wie ein welkes Blatt,  im Winde verweht..

Aber Merkels Kommandeure haben ihr und der EU bei Wohlverhalten und rechtzeitiger
Bereitstellung der Ukraine für die Inbetriebnahme durch die NATO  "Chancen für die EU, tatsächlich eine Rolle als ernstzunehmende Macht auf der globalen Bühne zu spielen." in Aussicht gestellt.

Und das motiviert nun Merkel, ihre Politdarsteller und die Eukraten Putin großmäulig zu drohen.

Währenddessen Röschen von der Layen davon träumt, hoch zu Ross, an der Spitze der

BRD Armee, bestehend aus einem Zug familienfreundlicher  Soldat_innen nebst Frau_Männin und Kindern , in die Ukraine zu reiten, um die Interimsregierung des Herrn Arseni Jasaniuk, den Boxer Klitschko und  die erst kürzlich in der Charite zu Berlin geheilte Milliardärin, Yulia Timoschenko, anzufeuernund zu unterstützen.

Frau von der Layen bekundet ihre freundliche Absicht damit, dass sie von ihrer großen Familie begleitet wird.




In der Zwischenzeit haben die Faschisten in der Ukraine das Zepter in der Hand. Und das sieht dann so aus:


 Freuen wir uns auf die Zustände, wenn diese Leute in die EU aufgenommen werden.


"Gysi wirft Merkel "Duckmäusertum" vor

Der -Fraktionschef Gregor Gysi warf der Bundesregierung vor, bei Völkerrechtsbrüchen unterschiedliche Maßstäbe anzulegen. Zwar werde die ukrainische Krim nun unter Bruch des Völkerrechts Bestandteil Russlands. Aber auch "die Abtrennung des Kosovo war ein Bruch des Völkerrechts", sagte Gysi. Zugleich kritisierte Gysi, Übergangspräsident und Übergangsregierung in der Ukraine seien nicht legitim.
Der Kanzlerin warf Gysi vor, dem Druck der Amerikaner, Sanktionen gegen Russland zum Nachteil Europas zu verhängen, nichts entgegenzuhalten. Dies sei "Duckmäusertum" - wie im Fall der Ausspähaffäre durch den amerikanischen Geheimdienst NSA. Sanktionen gegen Russland "sind keine Politik, sondern Ersatz von Politik", sagte er.
Es stelle sich zudem die Frage, wie die Sanktionen zu einem späteren Zeitpunkt wieder beendet werden sollten. "Lassen Sie diesen Unsinn mit den Sanktionen", appellierte Gysi. "Sie müssen sie sowieso wieder zurücknehmen."         (Quelle t-online )


Mittwoch, 19. März 2014

Die Geo-Politik der USA: Obamaberater, Zbigniew Brzezinski, 86 Jahre, gegen Europa-Russland-Ukraine

EU-Nationalisten im Anmarsch

 Radikaleuropäischer EU-Nationalismus, geopolitisches Denken und ein außenpolitisches Konzept, dass auch  Militäraktionen zulässt, offenbaren sich im Ukraine-Konflikt.
Hektische Aktivitäten herrschen aufseiten der westlichen Politiker, seit die Russische Föderation die Halbinsel Krim quasi annektiert hat. Es werden Blitzreisen unternommen, Gespräche geführt und gemeinsame Linien gesucht. Die Annexion ist ohne Zweifel ein Bruch des Völkerrechts. Nun wird über Sanktionen nachgedacht. Vor allem die baltischen und osteuropäischen Staaten der Europäischen Union wollen harte Maßnahmen durchsetzen, zum Leidwesen der Deutschen, die den Hauch von Aufschwung, der seit mehreren Monaten von den Mainstream-Medien immer wieder verkündet wird, dann endgültig in sich zusammensacken sehen.
Es gibt aber neben der Tagespolitik eine ganz andere Ebene, auf der Russland und die Ukraine schon lange eine geradezu unheimliche Präsenz hatten und haben: die Geopolitik, verstanden als Lehre vom Einfluss des geographischen Raumes auf die Politik. Der Aufhänger für diesen Beitrag ist ein Interview, das der greise EX-Präsidentenberater Zbigniew Brzezinski am 3.3.14 auf der Nachrichtenseite WorldPost gab.[1]


Deutschland soll zahlen
WorldPost ist ein von Huffington-Post-Chefredakteurin Arianna Huffington und Karstadt-Investor Nicolas Berggruen geschaffenes neues Internet-Portal, in dem u.a. folgenden Fragen nachgegangen werden soll: Was beschäftigt die mächtigsten Menschen dieser Welt? Wie werden sich in den nächsten Jahren die Kräfteverhältnisse auf dem Globus verschieben. Im WorldPost-Portal geht es um globale Zusammenhänge, nicht mehr um den Kleinkram nur der amerikanischen oder europäischen Politik. Gefragt nach der Rolle, die EU bzw. Deutschland in der aktuellen Krise um die Krim spielen könnten, macht Brzezinski in diesem Interview eine für Menschen, die kein Hintergrundwissen zu seinen Ideen und seiner politischen Laufbahn haben, eher kuriose Aussage:
„Wenn die EU ernsthaft eine Rolle in der Welt spielen will, dann muss sie hier starten. Das bedeutet, sie muss das Geld zur Stabilisieurng der taumelnden ukrainischen Wirtschaft aufbringen. Es geht um eine Kompromisslösung, die für Russland als auch für den Westen akzeptabel ist – und die hilft, den Krieg zu vermeiden und den Ukrainern  etwas Hoffnung für die Zukunft gibt – sie muss ernsthafte Wirtschaftshilfe und Investitionen beinhalten. Da Deutschland die wohlhabendste und stärkste Volkswirtschaft in der EU ist, sollte es die Führung übernehmen.“
Brzezinski sieht im europäischen Engagement in der Ukraine, und für ihn heißt das nichts Anderes als langfristig die Anbindung dieses Landes an die Europäische Union und den Europäischen Währungsraum, eine   Dabei unterscheidet er in diesem Interview sehr klar zwischen einer ökonomischen und einer militärischen Anbindung der Ukraine. Er spricht von einem finnischen Status der Ukraine, also keine Einbindung in das militärische Bündnissystem der NATO, jedenfalls jetzt erst einmal.

Bitte hier weiterlesen:
http://www.geolitico.de/2014/03/19/eu-nationalisten-im-anmarsch/

Weiterführende Information, gerade jetzt sehr aktuell hinsichtlich der Abläufe
in der Ukraine und in Russland.
Lesen Sie, wie sich die Regierung der BRD mit Angela Merkel und Sigmar
Gabriel an der Spitze vor den Karren des großen Hegemon, USA, massgeblich
beeinflusst und finanziert durch Greise, wie Zbigniew Brzezinski, 86,
Henry Kissinger, 91, Georg Soros, 84, David Rockefeller, 99,  usw.
spannen lassen, geködert mit der "Chance für die EU, tatsächlich eine Rolle
als ernstzunehmende Macht auf der globalen Bühne zu spielen."
Sozusagen endlich in die Rolle des "Global player" zu schlüpfen, koste es, was es wolle.


Der neue Kalte Krieg des Obama-Beraters Zbigniew Brzezinski
Die Welt als Schachbrett - der neue kalte Krieg.


Die Welt als Schachbrett - Der neue Kalte Krieg des Obama-Beraters Zbigniew Brzezinski

(Ungekürzte Fassung) Von HAUKE RITZ, 26. August 2008 – 

Ausblicke auf eine Präsidentschaft Obamas: 
Die politischen Zyklen der westlichen Welt sind eng verknüpft mit den Amtszeiten amerikanischer Präsidenten. Mit jedem neuen US-Präsidenten verändert die Welt ein wenig ihren Charakter. So war die Präsidentschaft Clintons mit einer optimistisch nach außen vertretenen Globalisierung verbunden. Was im Heimatland des Imperiums eine riesige Finanzblase erzeugte, führte allerdings von Südostasien, Russland und Ländern Lateinamerikas zu einer ganzen Reihe tragischer Wirtschaftskrisen. Die Amtszeit Bushs war eng verknüpft mit dem „War on Terror“. Der selbst ernannte Kriegspräsident gewöhnte die Welt an die Wiedereinführung von Folter und geheimen Gefängnissen. Nach acht Jahren Regierungszeit ist das Ansehen der USA stark beschädigt und beschränkt zunehmend auch den Bewegungsspielraum amerikanischer Außenpolitik.
Nun bereiten sich die Vereinigten Staaten erneut auf einen Regierungswechsel vor. Man fragt sich, welcher Flügel der Elite nun an die Macht kommen wird und womit die Welt als nächstes zu rechnen hat. Vieles deutet darauf hin, dass Barack Obama zurzeit die besten Aussichten hat, der kommende amerikanische Präsident zu werden. Obama wird von dem Multimilliardär George Soros und dem ehemaligen Sicherheitsberater unter Jimmy Carter, Zbigniew Brzezinski, unterstützt. Brzezinski ist zugleich der führende außenpolitische Berater Obamas. Als graue Eminenz unter den amerikanischen Geostrategen verkörpert er die Sichtweisen und Interessen eines ganzen Flügels der amerikanischen Elite. Aufgrund seines intellektuellen Ranges muss sein Einfluss als sehr hoch veranschlagt werden. Unter einer Präsidentschaft Obamas werden höchstwahrscheinlich die geopolitischen Vorstellungen dieser "Brzezinski-Fraktion" zum Tragen kommen. Hinzu kommt noch, dass Zbigniew Brzezinskis Tochter, die Fernsehmoderatorin Mika Brzezinski, Obama unterstützt, während ihr Bruder Mark Brzezinski ebenfalls zu den Beratern Obamas gehört.
Zbigniew Brzezinski gilt heute neben Henry Kissinger als einer der führenden Strategen amerikanischer Außenpolitik im 20. Jahrhundert. Als sein Hauptwerk ist das 1997 veröffentlichte Buch „The Grand Chessboard“ anzusehen, das einen tiefen Einblick in die langfristigen Interessen amerikanischer Machtpolitik gewährt. „The Grand Chessboard“ ist heute noch aktuell, weil es einen analytischen Abriss der geopolitischen Zielsetzungen der USA für einen Zeitraum von dreißig Jahren enthält. In seinem jüngsten Buch „Second Chance“ aus dem Sommer 2007 unterzieht er die Regierungen Bush I, Clinton und Bush II einer tief greifenden Kritik. Der Vorwurf lautet, sie hätten die Chance, nach dem Zusammenbruch der UdSSR ein System dauerhafter amerikanischer Vorherrschaft zu errichten, unzureichend genutzt. Brzezinski sieht jedoch eine „Zweite Chance“. Diese besteht darin, die unilaterale Politik einzuschränken und verstärkt auf Kooperationen und Absprachen mit Europa und China zu setzen. Auch mit Syrien, Iran und Venezuela sollen Verhandlungen aufgenommen werden. Zugleich soll jedoch Russland isoliert und möglicherweise auch destabilisiert werden.

Die wesentliche Differenz zwischen Brzezinski und den Neokonservativen besteht im Verhältnis zum Islam und zu Israel. Brzezinski setzt sich für eine konstruktive Lösung des Israel-/Palästinenser-Konfliktes ein. Denn als klassischem Geopolitiker sind ihm, anders als Bush junior, religiöse Motive fremd. In jüngster Zeit trat er zudem als Kritiker einer Politik auf, die sich auf einen Kampf der Kulturen gründet. Er befürchtet, dass der Kulturkampf zwischen dem Westen und dem Islam langfristig die amerikanischen Interessen im Nahen Osten beschädigen könnte. Nachdenklich stimmt Brzezinskis Kommentar zu Samuel Huntingtons Vorhersage eines Kampfes der Kulturen: "Huntington’s case appeared to be a provocative Prophecy that ought not be allowed to become self-fullfilling.”[1] („Der Fall Huntington wirkte wie eine provokative Prophezeiung, der man es besser nicht gestatten sollte, zu einer selbsterfüllenden zu werden.“) Doch diese Differenzen dürfen nicht darüber hinweg täuschen, dass sich Brzezinski hinsichtlich des Ziels US-amerikanischer Vorherrschaft mit den Neokonservativen einig ist. Glaubten Letztere dieses Ziel durch die direkte militärische Kontrolle der Ölvorräte des Nahen Ostens zu erreichen, so könnte sich unter einer von Brzezinski beeinflussten Präsidentschaft Obamas der Schwerpunkt amerikanischer Außenpolitik auf die aufsteigenden Rivalen Russland und China verlagern. Eine von Brzezinskis beeinflusste US-Außenpolitik hätte zum vorrangigen Ziel, eine weitere Vertiefung der Bündnisbeziehungen zwischen beiden Staaten, wie sie sich in der Shanghai Cooperation Organisation (SCO) vorbereiten, zu verhindern. Ziel wäre es, China durch spezielle Angebote aus dem Bündnis zu lösen und Russland zu isolieren. Als Sohn eines polnischen Diplomaten lebte Zbigniew Brzezinski im Alter von 8 bis 10 Jahren während des Höhepunkts der stalinistischen Säuberungen in der Ukraine. Möglicherweise ist dies der Grund, warum Brzezinskis Denken auf verhängnisvolle Weise auf Russland fixiert ist. Wie im folgenden zu zeigen sein wird, gibt es begründeten Anlass zu der These, dass sich unter einer Präsidentschaft Obamas die bereits eingeleitete Entwicklung hin zu einem neuen Kalten Krieg weiter verschärfen wird.
Brzezinskis Strategie amerikanischer Vorherrschaft
Dies wird besonders deutlich, wenn man die beiden zentralen Prämissen berücksichtigt, die Brzezinski seinem Hauptwerk „The Grand Chessboard“ – aber auch all seinen anderen Schriften – zu Grunde legt. In deutscher  Übersetzung heißt das Buch: „Die einzige Weltmacht“. Dieser Titel bezeichnet den ersten Grundsatz, nämlich den erklärten Willen der USA, vorerst die „einzige“ und – wie Brzezinski es nennt – sogar „letzte“[2] Weltmacht zu bleiben. Noch entscheidender ist jedoch die zweite Prämisse. Ihr zufolge ist Eurasien „das Schachbrett, auf dem der Kampf um globale Vorherrschaft auch in Zukunft ausgetragen wird.“[3]

Diesem zweiten Grundsatz liegt die Einschätzung zu Grunde, dass eine Macht, die in Eurasien die Vorherrschaft gewinnt, damit auch die Vorherrschaft über die gesamte übrige Welt gewonnen hätte. „Dieses riesige, merkwürdig geformte eurasische Schachbrett - das sich von Lissabon bis Wladiwostok erstreckt - ist der Schauplatz des global play.“[4] "[…] wobei eine Dominanz auf dem gesamten eurasischen Kontinent noch heute die Voraussetzung für globale Vormachtstellung ist."[5] Und zwar einfach deshalb, weil Eurasien der mit Abstand größte Kontinent ist, auf dem 75 Prozent der Weltbevölkerung leben und der dreiviertel der weltweit bekannten Energievorkommen beherbergt. Brzezinski folgert deshalb: „Eine Macht, die Eurasien beherrscht, würde über zwei der drei höchst entwickelten und wirtschaftlich produktivsten Regionen der Welt gebieten.“ Außerdem sind „Amerikas potentielle Herausforderer auf politischem und/oder wirtschaftlichem Gebiet […] ausnahmslos eurasische Staaten.“4
Brzezinski kommt deshalb zu dem Schluss, dass das erste Ziel amerikanischer Außenpolitik darin bestehen muss, „dass kein Staat oder keine Gruppe von Staaten die Fähigkeit erlangt, die Vereinigten Staaten aus Eurasien zu vertreiben oder auch nur deren Schiedsrichterrolle entscheidend zu beeinträchtigen.“[6]  Es gelte, „die Gefahr eines plötzlichen Aufstiegs einer neuen Macht erfolgreich (hinauszuschieben).“ Die USA verfolgen das Ziel, „die beherrschende Stellung Amerikas für noch mindestens eine Generation und vorzugsweise länger zu bewahren ...". Sie müssen „das Emporkommen eines Rivalen um die Macht (…) vereiteln.“[7]

Diese Äußerungen klingen zehn Jahre später durch ihr überzogenes Selbstbewusstsein außerordentlich fragwürdig. In seinem jüngsten Buch sieht Brzezinski jedoch eine „zweite Chance“, das Bemühen um eine dauerhafte amerikanische Vorherrschaft umzusetzen. Dies wird besonders deutlich an der Rolle, die Brzezinski damals wie heute Europa zuspricht. Ein transatlantisch orientiertes Europa hat für die USA die Funktion eines Brückenkopfes auf dem eurasischen Kontinent.[8] Gemäß dieser Logik würde eine EU-Erweiterung nach Osten zwangsläufig auch eine Osterweiterung der NATO nach sich ziehen. Diese wiederum – so die Idee – soll den amerikanischen Einfluss weit nach Zentralasien ausdehnen und einen Machtvorsprung gegenüber Konkurrenten sichern. „Amerikas zentrales geostrategisches Ziel in Europa lässt sich also ganz einfach zusammenfassen: durch eine glaubwürdigere transatlantische Partnerschaft muss der Brückenkopf der USA auf dem eurasischen Kontinent so gefestigt werden, dass ein wachsendes Europa ein brauchbares Sprungbrett werden kann, von dem aus sich eine internationale Ordnung der Demokratie und Zusammenarbeit nach Eurasien hinein ausbreiten lässt.“[9]

Brzezinski war sich jedoch bereits 1997 bewusst, dass auch bei erfolgreicher Durchführung dieses Plans Amerikas Weltmachtposition nur von kurzer Dauer sein kann. Warnend schreibt er an anderer Stelle: „Amerika als die führende Weltmacht hat nur eine kurze historische Chance. Der relative Frieden, der derzeit auf der Welt herrscht, könnte kurzlebig sein.“[10] Brzezinski definiert deshalb als langfristiges Ziel dieses Machterhalts die Fähigkeit, „ein dauerhaftes Rahmenwerk globaler geopolitischer Zusammenarbeit zu schmieden.“[11] Er spricht in diesem Zusammenhang auch von einem „transeurasischen Sicherheitssystem (TSEE)“[12], das über die Grenzen einer nach Zentralasien erweiterten NATO hinaus Kooperationen mit Russland, China und Japan beinhalten würde.

Doch was ist mit einem transeurasischen Sicherheitssystem konkret gemeint? Haben sich andere Staatsmänner hierzu jemals geäußert? In der Tat fällt ein interessantes Licht auf Brzezinskis Ziele, wenn man sie mit Äußerungen konfrontiert, die der russische Präsident Wladimir Putin in seiner Rede auf der Münchner Sicherheitskonferenz am 10.2.2007 gemacht hat. Putin warnte in seiner Rede vor der von den USA nach dem Kalten Krieg favorisierten Geopolitik, die seiner Ansicht nach eine „unipolare Welt“ anstrebe.

„In wie freundlichen Farben auch immer man [eine solche unipolare Welt] ausmalen mag, letztlich beziehe sich der Terminus auf eine bestimmte Situation, in der es ein Zentrum der Staatsgewalt, ein Machtzentrum und ein Entscheidungszentrum gibt. Das ist eine Welt, in der es einen Herrn gibt, einen Souverän.“ „Was gegenwärtig in der Welt geschieht, ist eine Folge der Versuche, genau dieses Konzept, das Konzept einer unipolaren Welt, in die internationalen Beziehungen zu tragen. (…) Gegenwärtig erleben wir eine fast unbeschränkte, übermäßige Anwendung von Gewalt – militärischer Gewalt – in den internationalen Beziehungen, einer Gewalt, die die Welt in einen Abgrund permanenter Konflikte stürzt. Im Ergebnis haben wir nicht genügend Kraft, auch nur einen dieser Konflikte wirklich umfassend zu lösen. Politische Lösungen zu finden, wird gleichfalls unmöglich. (…) Ein Staat – und dabei spreche ich natürlich zunächst und vor allem von den Vereinigten Staaten – hat seine nationalen Grenzen in jeder Hinsicht überschritten.“[13]
Versucht man also auf Basis von Brzezinskis Darlegung der langfristigen Strategien amerikanischer Außenpolitik zu einem Verständnis von Putins Warnung vor einer „unipolaren Welt“ zu kommen, so ergibt sich folgende Lesart: Die USA streben an, ihren Einfluss auf dem asiatischen Kontinent immer weiter auszudehnen. Dabei dient ihnen Europa als Sprungbrett auf den eurasischen Kontinent. Da jede Osterweiterung Europas unter den gegebenen Umständen zugleich auch den amerikanischen Einfluss ausdehnt, sollen durch eine Kombination aus EU-Osterweiterung und Expansion der NATO viele der ehemaligen Sowjetrepubliken – wie zum Beispiel Georgien, Aserbaidschan und Usbekistan – in die westliche Einflusszone integriert werden. Maßgeblich für diese Integration ist, dass sich ein Land für ausländisches Kapital öffnet und an das westliche Rechtsverständnis anpasst.  Geschieht dies, dann ist es westlichen Konzernen möglich, sich die Rohstoffvorkommen zu sichern und über die Medien Einfluss auf die Öffentlichkeit eines Landes zu gewinnen. Da die Region um das Kaspische Meer über die zweitgrößten Öl- und Gasreserven verfügt und zudem militärstrategisch von besonderer Bedeutung ist, könnte eine westliche Vormachtstellung in dieser Region die  Position der USA auf dem eurasischen Kontinent massiv stärken.

Zusammen mit der Kontrolle der US-verbündeten OPEC-Staaten Kuwait, Saudi-Arabien, Vereinigte Arabische Emirate, Katar und den eroberten Staaten Irak und Afghanistan könnte so eine Vorherrschaft der USA über Zentralasien ihnen die nötige Autorität  verleihen, um von dort schließlich ganz Eurasien, einschließlich Chinas und Russlands, in eine von den USA entworfene überstaatliche Sicherheitsstruktur zu integrieren. Die von Europa ausgehende NATO-Osterweiterung und die von der Bush-Administration im Süden Eurasiens (Irak, Afghanistan) begonnenen militärischen Interventionen bilden zusammen gewissermaßen einen Keil, mit dem die USA in das Herz der eurasischen Landmasse vorstoßen.

Gelänge es den USA, dieses Ziel zunächst in Eurasien zu erreichen, so wäre die so hergestellte Ordnung aufgrund der Größe und Bedeutung des eurasischen Kontinents paradigmatisch für die gesamte übrige Welt. Lateinamerika, Afrika, Australien und alle Inselstaaten wären gezwungen, sich einer solchen Ordnung anzuschließen. Die USA wären dann nicht nur die „einzige“, sondern – wie Brzezinski es formuliert – auch die „letzte echte Supermacht[14]. Denn innerhalb der dann allmählich hergestellten globalen staatlichen Integration würde staatliche Souveränität weitgehend ihren Sinn verlieren und Geopolitik an sich an ihr Ende gelangen. Nationalstaaten würden – wie langfristig auch in der EU – zunehmend die Rolle von Bundesstaaten annehmen. Zugleich wäre der Planer und Hegemon eines solchen eurasischen Zusammenschlusses in der Lage, eine solche Ordnung so zu gestalten, dass er sie weiterhin latent dominiert, vergleichbar etwa der privilegierten Machtposition, die das Tandem Frankreich-Deutschland innerhalb der EU einnimmt. Es würde sich in der Tat um eine unipolare Welt handeln, wenn auch – dies muss hinzugefügt werden – die dann ausgebildete Machtstruktur ähnlich schwer identifizierbar und fassbar geworden sein dürfte wie heute schon in der EU. In Brzezinskis eigenen Worten klingt dies wie folgt:
„Schließlich könnte ein solches Europa sogar ein Eckpfeiler einer unter amerikanischer Schirmherrschaft stehenden größeren eurasischen Sicherheits- und Kooperationsstruktur werden.“[15]
„Käme das TESS (Transeurasisches Sicherheitssystem) also eines Tages zu Stande, wäre Amerika nach und nach einiger seiner Lasten ledig, auch wenn es weiterhin als stabilisierende Kraft und als Schiedsrichter in eurasischen Belangen eine maßgebliche Rolle spielen würde.“[16] Ein „von multinationalen Korporationen, Organisationen (…) geknüpftes Netz schafft bereits ein informelles Weltsystem, (…). Im Laufe der nächsten Jahrzehnte könnte somit eine funktionierende Struktur weltweiter Zusammenarbeit, die auf dem geopolitischen Gegebenheiten gründet, entstehen und allmählich die Insignien des derzeitigen Herrschers der Welt annehmen (nämlich der U.S.A.) (Anm. H.R.),(…). Ein geostrategischer Erfolg dieser Zielsetzung wäre dann die durchaus angemessene Erbschaft, die Amerika als erste, einzige und letzte echte Supermacht der Nachwelt hinterlassen würde.“[17]

Der verdrängte Gewaltindex unilateraler Politik
Die USA haben – seit Brzezinski diese Ziele formulierte – einen starken Verlust geopolitischer Macht erfahren. In seinem jüngsten Buch „Second Chance“ gibt Brzezinski offen zu, dass der Plan einer direkten militärischen Besetzung einiger Länder des Nahen Ostens, wie sie den Neokonservativen vorschwebte, gescheitert ist. Doch diese Niederlage ist für Brzezinski nicht so massiv, dass er die 1997 formulierten Pläne einer amerikanischen Vorherrschaft in Eurasien grundsätzlich aufgeben möchte. Das Scheitern der direkten militärischen Machtausdehnung im Süden Eurasiens bedeutet für ihn lediglich, dass nun die von Europa ausgehende Osterweiterung der NATO an Priorität gewinnt. Dies bedeutet jedoch einen massiven Vorstoß in die russische Einflusssphäre. Damit würde nach dem Iran nun Russland ins Fadenkreuz der amerikanischen Geopolitik geraten.

Die unipolare Welt, von der Putin vor einem Jahr auf der Münchner Sicherheitskonferenz sprach, ist also keine Schimäre, sondern ein reales geopolitisches Projekt der USA. Man mag einwenden, dass eine dauerhaft von den USA dominierte Welt ähnlich unspektakulär sei wie eine von Deutschland und Frankreich dominierte EU. In diesem Fall würde der von Putin benutzte Begriff einer „unipolaren Welt“ wahrscheinlich zu hoch greifen. Dem ließe sich entgegenhalten, dass zwar ein transeurasisches Sicherheitssystem auf Korporationen mehrerer Partner angewiesen sein würde, aber letztlich die USA – wie auch heute in der NATO – doch der maßgebliche Akteur und Gestalter dieses Systems wären. Dies ist schon daran ersichtlich, dass die USA im Zuge der Expansion der NATO nach Osten Tatsachen schaffen, ohne Russland und China wirklich einzubeziehen bzw. deren Sicherheitsinteressen ernst zu nehmen. Putin  ließ  in seiner Münchner Rede daher keinen Zweifel am imperialen Grundcharakter der so von den USA angestrebten Vormachtstellung.

„Im Ergebnis ist (eine unipolare Welt) verheerend, nicht nur für alle, die diesem System angehören, sondern auch für den Souverän selbst, weil es ihn von innen heraus selbst zerstört. Und mit Demokratie hat dies ganz gewiss nichts gemein. Denn Demokratie ist, wie sie wissen, die Herrschaft der Mehrheit unter Berücksichtigung der Interessen und Meinungen der Minderheit.“ „Ich bin der Auffassung, dass das unipolare Modell nicht nur inakzeptabel, sondern in der heutigen Welt auch unmöglich ist. Und zwar nicht nur deshalb, weil für die Führung einer einzelnen Macht in der heutigen – ausgerechnet in der heutigen – Welt weder die militärischen noch die politischen und ökonomischen Ressourcen ausreichen würden. Noch wichtiger ist, dass das Modell selbst verfehlt ist, weil ihm keine moralischen Fundamente für die moderne Zivilisation zu Grunde liegen.“ „Unilateral und häufig illegitime Aktionen haben kein einziges Problem gelöst. Vielmehr haben sie neue menschliche Tragödien verursacht und neue Spannungsherde geschaffen. Urteilen Sie selbst: die Zahl der Kriege wie auch der lokalen und regionalen Konflikte hat sich nicht vermindert. Herr Teltschik hat dies sehr behutsam angesprochen. Und in diesen Konflikten gehen nicht weniger Menschen zugrunde – es sterben sogar noch mehr als zuvor. Beträchtlich mehr! Entschieden mehr!“[18] 
Was der russische Präsident anspricht, ist der in westlichen Medien weitgehend verdrängte Gewaltindex unilateraler Politik. Es liegt auf der Hand, dass das Handeln der USA in den zurückliegenden sieben Jahren wenig Wert auf internationale Absprachen und Konsensbildung gelegt hat. Das Völkerrecht wurde durch das unilaterale Handeln der USA zunehmend ausgehöhlt, während Institutionen wie die UNO geschwächt worden sind. An ihre Stelle sind die so genannten friedenserhaltenden Einsätze der USA, EU oder NATO (zum Beispiel im ehemaligen Jugoslawien) getreten, bei denen selbstverständlich vorausgesetzt wird, dass das westliche Verteidigungsbündnis oder westliche Staaten die gesamte Weltgemeinschaft vertreten können. 

Viele weitere Beispiele zeigen die Zunahme an weltweiter Gewalt als Folge des unilateralen Handelns der USA. Man denke nur an die präventive Erstschlagdoktrin der USA und ihre Anwendung im Irakkrieg. Oder man führe sich den Einsatz von Uranmunition im Irak- und Afghanistankrieg vor Augen, der – in der Presse weitgehend verschwiegen – in beiden Kriegsgebieten die Missbildungsrate bei Säuglingen vervielfacht hat.[19] Zu nennen ist zudem die in die Wege geleitete NATO-Osterweiterung bis ans Kaspische Meer, die Russland zwangsläufig beunruhigen muss. Ähnlich verhält es sich mit der Stationierung eines Raketenschildes nicht nur in Tschechien und Polen, sondern auch in weiteren an Russland angrenzenden Regionen, wie dem Nordmeer und Alaska. Schließlich ist noch die durch die USA vorangetriebene Aufrüstung im Weltraum zu nennen, von deren strategischer Logik noch zu reden sein wird. All diese Handlungen weisen einen hohen Gewaltindex auf. Sie sind einseitig beschlossen, nie kritisch im Licht der Öffentlichkeit diskutiert oder durch internationale Vereinbarungen legitimiert worden. Dies zeigt deutlich, dass die von den USA angestrebte Weltordnung nicht auf Konsensbildung und demokratischen Absprachen beruht. Stattdessen lässt das politische Handeln der Vereinigten Staaten die Strategie erkennen, durch Schaffung vollendeter Tatsachen einen Machtvorsprung vor China und Russland zu gewinnen. Durch den drastischen Anstieg der Rüstungsausgaben seit dem 11. September, die längst alle Rekorde des Kalten Krieges hinter sich gelassen haben, versuchen die USA einen technologisch uneinholbaren Vorsprung vor ihren Konkurrenten zu erlangen. Diese Politik ist gefährlich, da sie Gegenreaktionen hervorruft und bereits jetzt ein neues Wettrüsten in Gang gesetzt hat. Und es ist fraglich, ob dieser Politik ihre Gefährlichkeit genommen werden kann, indem ein zukünftiger Präsident Obama mit China und Europa Absprachen trifft, Russland aber weiterhin einer verschärften militärischen Bedrohung aussetzt.

Die strategische Logik des Raketenschildes
Besonders deutlich wird diese Politik am Beispiel der strategischen Funktion des geplanten Raketenschilds. Dessen Stationierung in Polen und Tschechien ist nicht dazu gedacht, Raketen aus dem Iran abzufangen. Erstens verfügt der Iran gar nicht über Raketen mit einer Reichweite von 5000–8000 Kilometer. Zweitens ist die Entwicklung solcher Raketen ein langwieriger Prozess, da von ersten Testflügen, die kaum unbemerkt vonstatten gehen könnten, bis zur endgültigen Fertigstellung Jahre vergehen. Und drittens: Wäre das Raketenschild dennoch gegen den Iran gerichtet, so wäre in diesem Fall der russische Kompromissvorschlag, ein gemeinsames Raketenabfangsystem in Aserbaidschan zu errichten, weit besser geeignet. Denn dort stationierte Abfangraketen könnten iranische Raketen bereits am Beginn ihrer Flugbahn treffen und zerstören. Trümmerteile würden in diesem Fall nicht über Europa, sondern über unbewohntem Gebiet, nämlich dem Mittelmeer oder dem Schwarzen Meer, niedergehen. Dass die USA diesen Kompromissvorschlag ausgeschlagen haben, lässt nur einen Schluss zu: Der Raketenschild richtet sich in erster Linie nicht gegen den Iran, sondern gegen Russland. Dies wird zudem dadurch unterstrichen, dass auch die anderen Basen des Raketenschildes in Grenzregionen zu Russland, wie z. B. Alaska, stationiert sind.

Es ist bis heute nicht geklärt, wie weit die Fähigkeit Washingtons, nukleare Langstreckenraketen bereits im Orbit abzufangen, eigentlich entwickelt ist. Oft wird daraus der Schluss gezogen, der Raketenschild hätte faktisch kaum eine militärische Bedeutung, und die russischen Sorgen seien unbegründet. In der Tat wäre ein funktionierender Raketenschild wahrscheinlich nur in der Lage, einige Dutzend nuklear bestückter Raketen abzufangen. Gegen einen realen nuklearen Überraschungsangriff mit vielen hundert oder tausend Sprengköpfen könnte dagegen auch ein Raketenschild nichts ausrichten. Das bedeutet aber nicht, dass der Raketenschirm gar keine militärische Bedeutung hätte, sondern lediglich, dass der Raketenschirm keine defensive Funktion hat. Seine Funktion ist in der Tat offensiver Natur. Dies wird deutlich, wenn man sich die strategische Bedeutung von Nuklearwaffen vor Augen führt.

Während des Kalten Krieges haben sich beide Seiten stets darum bemüht, eine nukleare Erstschlagskapazität zu erwerben. Diese war gewissermaßen der Trumpf, auf den beide Seiten mit ihren Rüstungsanstrengungen hinarbeiteten. Eine nukleare Erstschlagskapazität bedeutet, dass eine Seite in der Lage ist, die jeweils andere in einem Überraschungsangriff zu enthaupten und sie somit der Fähigkeit zu berauben, einen Gegenschlag auszuführen. Dies kann auf verschiedene Weise geschehen. Etwa indem man entweder alle gegnerischen Atomwaffen in einem Überraschungsschlag außer Gefecht setzt oder aber die Kommandostrukturen vollständig lahm legt. Und schließlich, indem man einen Gegenschlag soweit zu begrenzen vermag, dass es möglich ist, ihn erfolgreich abzuwehren. Genau hier kommt der Raketenschild ins Spiel. Seine militärische Bedeutung beruht nicht darin, einen russischen Erstschlag mit Hunderten von Raketen abzufangen. Seine Aufgabe besteht darin, nur ein paar Dutzend Raketen abzufangen – nämlich jene, die Moskau nach einem US-amerikanischen Überraschungsangriff noch für einen Zweitschlag zur Verfügung stehen würden. Der Raketenschild ist also ein entscheidender Faktor in dem Bemühen, eine nukleare Erstschlagskapazität gegenüber Russland aufzubauen. Zwar ist zunächst geplant, nur zehn Abfangraketen in Polen zu stationieren. Doch sofern das System erst einmal errichtet ist, könnte deren Zahl leicht erhöht werden.

Dass diese strategischen Überlegungen bei derzeitigen amerikanischen Rüstungsanstrengungen tatsächlich eine Rolle spielen, zeigt ein im April/Mai 2006 in den foreign affairs publizierter Aufsatz. Der Essay trägt den Titel: „The Rise of  U.S. Nuclear Primacy“[20] („Der Aufstieg der USA zur nuklearen Vorherrschaft“). Die beiden Autoren Keir A. Lieber und Darley G. Press stellten sich darin die Frage, ob China oder Russland im Falle eines nuklearen Überraschungsangriff durch die USA in der Lage wären, mit einem Zweitschlag zu reagieren. Um zu ermitteln, wie sehr sich das nukleare Gleichgewicht seit dem Ende des Kalten Krieges verschoben hat, ließen die Autoren im Computermodell einen US-amerikanischen Überraschungsangriff auf Russland simulieren. Sie benutzten dabei die Methoden, die im Verteidigungsministerium seit Dekaden benutzt werden. Das Ergebnis war, dass die russischen Verteidigungskräfte weitgehend radarblind sind und selbst einen von U-Booten im Pazifik aus begonnenen Angriff wahrscheinlich erst bemerken würden, wenn die ersten Raketen Moskau erreichten. Selbst wenn ein Überraschungsangriff der USA darauf verzichten würde, zu allererst die Radaranlagen und die Kommandozentralen auszuschalten, wären Lieber und Press zufolge die USA in der Lage, circa 99 Prozent der russischen Atomraketen im Erstschlag zu zerstören. Das eine Prozent der verbliebenen russischen Atomraketen, die Moskau in einem Zweitschlag noch abfeuern könnte, würde wahrscheinlich – so die Autoren – durch das Raketenschild neutralisiert werden.

Dieser Artikel führt vor Augen, worin die eigentliche Funktion des Raketenschildes besteht. Er soll die USA in die Lage versetzen, einen Atomkrieg zu führen, ohne selbst von Gegenschlägen getroffen zu werden. Wäre diese Fähigkeit erst einmal erworben, ließe sie sich als geopolitisches Druckmittel verwenden, um Interessen durchzusetzen. Zudem könnte eine absolute nukleare Überlegenheit dazu dienen, einen Machtverlust auf wirtschaftlichem oder finanzpolitischem Gebiet auszugleichen. Dass es sich dabei um mehr als nur eine pessimistische Befürchtung handelt, zeigen noch andere Aspekte der amerikanischen Rüstungsanstrengungen.

So entwickeln die USA derzeit Atomwaffen mit begrenzter Sprengkraft. Diese so genannten „Mini Nukes“ werden wiederum zu speziellen bunkerbrechenden Waffen weiterentwickelt. Das Besondere an diesen Waffen ist, dass sie mit hoher Geschwindigkeit auftreffen und sich einige Meter tief in die Erde bohren können, um auf diese Weise im Idealfall unterirdisch zu explodieren.[21] Offiziell begründet man die Entwicklung dieser neuen Generation von Atomwaffen mit dem Ziel, nur auf diese Weise Bunkeranlagen tief unter der Erde – wie etwa im Iran – mittels der entstehenden Druckwelle zerstören zu können.[22] Doch diese Begründung ist zweischneidig. Zum einen hat man damit indirekt zugegeben, dass die schon öfter von Journalisten aufgedeckten Pläne[23], in einem möglichen zukünftigen Irankrieg Atomwaffen einzusetzen, durchaus ernst zu nehmen sind. Zum anderen besitzt nicht nur der Iran solche Bunker. Auch entscheidende Kommandostrukturen der russischen Nuklearstreitkräfte befinden sich in unterirdischen Bunkeranlagen. Diese liegen so tief, dass sie mit oberirdisch explodierenden Atomwaffen nicht zerstört werden können. Die Entscheidung, bunkerbrechende Atombomben zu entwickeln, könnte somit als Teil der strategischen Bemühungen bewertet werden, auf die auch schon der US-amerikanische Raketenschild abzielt. Nämlich durch die Fähigkeit, unterirdische Kommandostrukturen präventiv zu zerstören, eine nukleare Erstschlagskapazität zu erwerben.

Aber auch unabhängig davon bedeutet die Entwicklung von Atomwaffen mit begrenzter Sprengkraft, dass auf diese Weise die negativen Folgen eines Atomkriegs – wie zum Beispiel die Verstrahlung der Atmosphäre oder die Entstehung eines nuklearen Winters – stark gemildert werden. Auf diese Weise sinkt aber auch die Hemmschwelle zum Einsatz des nuklearen Feuers. Schließlich fügen sich auch die Bemühungen der USA, Waffensysteme im Weltraum zu stationieren, in die Bemühungen ein, eine nukleare Erstschlagskapazität zu erwerben. Denn die Fähigkeit, feindliche Satelliten zu zerstören, ist eine wesentliche Voraussetzung, die kommunikativen Fähigkeiten des Gegners lahm zu legen.

Wie sehr diese Rüstungsstrategie der USA die russische Regierung beunruhigt, machen einige Sätze deutlich, die Putin während des G 8 Gipfels in Heiligendamm auf einer Pressekonferenz an die versammelten Reporter richtete. Die Brisanz seiner Äußerung wird dadurch unterstrichen, dass die gesamte Pressekonferenz in der deutschen und amerikanischen Presse zensiert worden ist und die Leser deutscher Zeitungen bis heute gar nicht erfahren haben, dass diese Pressekonferenz überhaupt stattgefunden hat.
„Tatsächlich entwickelt sich gerade ein Wettrüsten. Aber waren wir es, die sich aus dem ABM-Vertrag zurückgezogen haben? (…) Wir haben ihnen bereits vor zwei Jahren gesagt: „Tut das nicht, Ihr braucht dies nicht zu tun. (…) Ihr zerstört das System der internationalen Sicherheit. (…) Nein, sie hörten nicht auf uns. Dann hörten wir, dass sie Nuklearwaffen mit begrenzter Sprengkraft entwickelten, und sie arbeiten weiter daran, diese Sprengköpfe zu entwickeln. (…) Aber vielleicht wäre es besser, nach anderen Wegen und Mitteln Ausschau zu halten, (…) anstatt Atomwaffen mit begrenzter Sprengkraft zu entwickeln, und damit die Schwelle für den Einsatz von Atomwaffen zu senken und die Menschheit auf diese Weise an den Rand einer nuklearen Katastrophe zu bringen. Aber sie hören nicht auf uns. Wir sagen: Installiert keine Waffen im Weltraum. Wir wollen das nicht tun. Nein, es geht weiter: „Wer nicht mit uns ist, ist gegen uns“. Was ist das? Ist das ein Dialog oder die Suche nach einem Kompromiss?“[24]
„Ich möchte nicht, dass Sie der Illusion erliegen, dass wir irgendjemanden nicht mehr lieben. Aber manchmal denke ich bei mir: Warum  tun sie all dieses? Warum versuchen unsere amerikanischen Partner so hartnäckig, ein Raketenabwehrsystem in Europa aufzustellen, wo es doch – und dies ist absolut offensichtlich – nicht erforderlich ist, iranische Raketen oder – noch offensichtlicher – nordkoreanische Raketen abzuwehren? (Wir wissen alle, wo Nordkorea liegt und welche Reichweite diese Raketen haben müssten, um Europa erreichen zu können.) Also ist das Abwehrsystem eindeutig nicht gegen diese Länder gerichtet, und es ist eindeutig nicht gegen Russland gerichtet, denn es ist für jedermann zu sehen, dass Russland keinerlei Vorbereitungen trifft, irgendjemanden anzugreifen. Also warum?“24
„Wir sagten, dass wir nicht die Ressourcen und nicht den Wunsch haben, ein solches System (Raketenabwehrsystem) aufzustellen. Aber als Profis verstehen wir, dass eine Illusion von Sicherheit entsteht, wenn die eine Seite ein solches System hat und die andere nicht und dass dies die Möglichkeit eines nuklearen Konfliktes erhöht.“ (…) „Und wenn dieses Gleichgewicht in der Welt schließlich zerstört wird, dann wird es eine Katastrophe nicht nur für Russland, sondern auch für die gesamte Welt sein.“ 24
Die Vorgeschichte des neuen Kalten Krieges
Diese Zitate, die an sich schon ein Dokument des neuen Kalten Krieges sind, werfen die Frage auf, wodurch diese Entwicklung eigentlich verursacht wurde? Welche Faktoren haben dazu geführt, dass der Kalte Krieg trotz des Sieges des Kapitalismus in eine zweite Runde geht? Oder hatte er vielleicht niemals aufgehört?

Das Russland-Kapitel in Brzezinskis Hauptwerk fällt jedenfalls durch eine sehr polemische Überschrift auf. Er bezeichnet darin Russland als „Das schwarze Loch“. Dieser abwertende Titel hat inhaltliche Konsequenzen für die Bestimmung der Rolle, die Brzezinski Russland zuspricht. Es fällt auf, dass er Russland nach der Selbstauflösung der Sowjetunion kaum noch das Recht auf einen eigenen geopolitischen Einflussbereich zugesteht. Auch Russlands Bemühen, auf der Basis wirtschaftlicher Kooperationen und militärischer Zusammenarbeit Einfluss in einigen der ehemaligen Sowjetrepubliken zu bewahren, wird von Brzezinski als „geostrategische Wunschvorstellung“[25] verworfen. Stattdessen entwirft er in seinem Buch das Bild eines zukünftigen Russland, das seine Bestrebungen nach geopolitisch selbstständigem Handeln weitgehend aufgegeben hat und sich stattdessen in Fragen der Sicherheitspolitik der NATO und in Fragen der Wirtschaftspolitik dem IWF, der Weltbank und ähnlichen Institutionen unterordnet. Die Tatsache, dass russische Außenpolitiker Weißrussland, die Ukraine und andere ehemalige Sowjetrepubliken als ihre natürliche Einflusssphäre ansehen, bewertet Brzezinski unterschiedslos als „imperiale Restauration“[26] oder „imperialistische Propaganda“[27]. Versuche, in Zukunft eine geopolitisch bedeutende Position zurück zu erlangen, nennt er „nutzlose Bemühunge“"27. An einer Stelle schlägt Brzezinski sogar eine Teilung Russlands in drei oder vier Teile vor: „Einem lockerer konföderierten Russland – bestehend aus einem europäischen Russland, einer sibirischen Republik und einer fernöstlichen Republik – fiele es auch leichter, engere Wirtschaftsbeziehungen mit Europa, den neuen Staaten Zentralasiens und dem Osten zu pflegen…“.[28] Die unverhohlene Arroganz, mit der sich Brzezinski 1997 über Russland äußerte, zeigt, dass er dem ehemaligen Gegner im Kalten Krieg allenfalls die Rolle einer Kolonie bzw. eines Drittweltlandes zuordnet. Lapidar heißt es an einer anderen Stelle: „Gebietseinbußen sind somit nicht Russlands Hauptproblem.“27 Andererseits spiegeln diese Äußerungen aber auch Russlands reale Stellung nach einer ganzen Serie wirtschaftlicher Rezessionen wider, die 1998 mit der Abwertung des Rubels einen ihrer Höhepunkte erreichte. Russland war seinerzeit hoch verschuldet und hat einen Teil seiner wirtschaftspolitischen Souveränität wie ein Land der Dritten Welt an den IWF und die Weltbank abgeben müssen. So beendete Brzezinski 1997 sein Kapitel über Russland mit den Worten: "Tatsächlich besteht das Dilemma für Russland nicht mehr darin, eine geopolitische Wahl zu treffen, denn im Grunde genommen geht es ums Überleben.“[29]  Mittlerweile hat sich gezeigt, dass Russland in der Tat überlebt hat und seine geographische Ausdehnung zu bewahren vermochte. Russland ist nicht länger jenes „schwarzes Loch“, in dem ausländische Mächte nach Belieben schalten und walten können. Und so wird zehn Jahre nach Brzezinskis Analysen deutlich, wie sehr sich die Prognosen amerikanischer Außenpolitik geirrt haben.

Doch dieser Entwicklung trägt Brzezinski in seinem jüngsten Buch kaum Rechnung. Nach wie vor strebt er eine NATO-Mitgliedschaft der Ukraine an. Und nach wie vor bewertet er das russische Bemühen, Einfluss in der Ukraine zu bewahren, als Imperialismus.[30] Doch die Ukraine war über 200 Jahre lang mit Russland verbunden. Nahezu 20 Prozent der Ukrainer sind Russen. Hinzu kommen zahlreiche Bürger gemischter Herkunft. Und schließlich wird in weiten Teilen des Landes Russisch gesprochen. Doch der zur Zeit Stalins in der Ukraine aufgewachsene Brzezinski hat auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges in Washington Karriere gemacht. Daraus resultiert eine negative gedankliche Fixierung auf Russland. Diese tritt deutlich zu Tage, wenn er die Ukraine als Kopf Russlands bezeichnet, ohne den „Russland nicht zu Europa“[31] gehören kann.

Die Politik der maximalen Schwächung
Die Selbstauflösung des Warschauer Paktes war nicht nur eine einseitige Kapitulation. Es war eine Politik, die die richtigen Schlüsse aus den internen wirtschaftlichen Schwierigkeiten gezogen hatte. Die Alternative wäre gewesen, dass russische „Neokonservative“ ihr Heil in einer verschärften militärischen Konfrontation gesucht hätten. Diese Möglichkeit erhob kurz ihr Haupt, als am 19.8.1991 eine Gruppe aus der alten kommunistischen Garde für einige Tage die Macht an sich riss. Gorbatschows Politik erwies sich jedoch als fähig, aus dem engen Gedankenkreis geopolitischer Interessen herauszutreten und eine ganz neue Situation herzustellen.
Es gab mehrere Möglichkeiten, wie der Westen auf die von Michail Gorbatschow eingeleitete Politik hätte reagieren können. Eine Möglichkeit wäre gewesen, Russland tatkräftig beim Übergang in das westliche Gesellschaftsmodell zu helfen. Im Interesse einer gesunden demokratischen Entwicklung wäre es von Bedeutung gewesen, den vollkommenen Zusammenbruch der sozialen Sicherheitssysteme – wie er sich dann ereignete – zu vermeiden. Dies hätte bedeutet, dass man Russland ausreichend Kredite gewährt und dem Land erlaubt hätte, sich beim Übergang in den Kapitalismus auch an der damals noch in Deutschland praktizierten sozialen Marktwirtschaft zu orientieren. Kurz: Man hätte Gorbatschows gewaltige Vorleistungen in der Friedenspolitik mit einem Entgegenkommen beantworten müssen. Diese Politik hätte beinhaltet, dass man Russland nach seiner Abkehr vom Kommunismus als zukünftigen geopolitischen Akteur ernst genommen hätte, dass man bereit gewesen wäre, ein demokratisches Russland tatsächlich in die Gestaltung einer zukünftigen Weltordnung mit einzubeziehen. Die zukünftige Machtverteilung der dann entstandenen Weltordnung hätte etwa der der ständigen Mitglieder des UN-Sicherheitsrats entsprochen. Die USA wären in dieser Konstellation die mit Abstand bedeutendste, aber wahrscheinlich nicht die einzige Macht geblieben, und möglicherweise hätte dies schließlich zu einer fundamentalen Neugestaltung oder gar Auflösung der NATO geführt.
Doch der Weg, der stattdessen beschritten wurde, war ein gänzlich anderer. Das Augenmerk der USA richtete sich weniger auf die Demokratisierung Russlands als vielmehr auf seine Kapitalisierung. Und zwar nicht im Sinne einer sozialen Marktwirtschaft oder eines halbwegs erträglichen Übergangs, sondern im Sinne einer neoliberalen Schocktherapie. Ziel war von Anfang an eine möglichst starke Schwächung Russlands. Bereits auf dem G7-Gipfel 1991 hatte man von Gorbatschow gefordert, die Transformation mit wirtschaftlichen Radikalmaßnahmen zuzulassen. Durch die Erfahrungen in Lateinamerika war bereits bekannt, dass die damit gemeinte Wirtschaftsreform vor allem zur Etablierung eines unregulierten Kapitalismus führen würde, der mit enormen gesellschaftlichen Verwerfungen einhergeht. The Economist forderte deshalb ganz folgerichtig, dass Gorbatschow sich bei seinen Reformen an dem chilenischen Diktator Augusto Pinochet orientieren sollte.[32] Dieses Beispiel macht deutlich, dass mit der Freiheit, mit der man Russland beglücken wollte, vor allem die Freiheit des Geldes gemeint war.
Als die russische Regierung sich kurz nach der Amtseinführung Jelzins den Ratschlägen der amerikanischen Wirtschaftsberater unter Führung von Jeffrey Sachs fügte, hielten die USA Russland sogar noch die in Aussicht gestellten Kredite vor.[33] Auf diese Weise wurde eines der waghalsigsten wirtschaftlichen Experimente fast ohne finanzielle Absicherung durchgeführt. Das Resultat ließ nicht lange auf sich warten. Die Privatisierung von Staatsbetrieben und die Freigabe der Preise sorgte dafür, dass innerhalb eines Jahres der Konsum um 40 Prozent sank und ein Drittel der Bevölkerung unter die Armutsgrenze rutschte. Während viele russische Bürger sich gezwungen sahen, ihr Hab und Gut auf Marktplätzen zu verkaufen, die durchschnittliche Lebenserwartung auf 57 Jahre sank, entstanden zugleich 17 neue Milliardäre. Der russische Staat stürzte in eine seiner schwersten Krisen. Was folgte, war eine jahrelang anhaltende Kapitalflucht aus Russland, von der letztlich westliche Anleger profitierten, während zugleich der russische Staat seinen Beamten keine Gehälter mehr auszahlen konnte. 1995 fragte das Wall Street Journal seine Leser, ob sie nach Investitionsmöglichkeiten suchten, die in drei Jahren 2000 Prozent abwerfen können. „Nur ein Aktienmarkt“, so die Zeitung, „bietet diese Aussicht – Russland“[34]. Diese enormen Renditen kamen zustande, weil das russische Staatseigentum zu Schleuderpreisen verkauft wurde. Norilsk Nickel, ein Konzern, der seinerzeit für ein Fünftel der weltweiten Nickelproduktion zuständig war, wurde für 170 Millionen Dollar verscherbelt. Kurze Zeit später sollten die Profite des Unternehmens 1,5 Milliarden Dollar pro Jahr erreichen. Für den Ölgiganten Yukos, der mehr Öl als der Staat Kuwait kontrollierte, wurden lediglich 309 Millionen Dollar bezahlt.[35] Dass der russische Staat jedoch verkaufen musste und notfalls zu Billigpreisen, dafür war gesorgt. Denn während im Lande die sozialen Sicherungssysteme zusammenbrachen, wurde Russland von Seiten des Westens jede ernst gemeinte finanzielle Hilfe vorenthalten.

Die amerikanische Russlandpolitik nach dem Ende des Kalten Krieges ähnelte in vielerlei Hinsicht der französischen Außenpolitik gegenüber Deutschland nach dem Ersten Weltkrieg. Genau wie Frankreich sich damals dafür einsetzte, durch hoch veranschlagte Reparationszahlungen und die später erfolgte Besetzung des Ruhrgebiets eine dauerhafte Schwächung seines geopolitischen Konkurrenten zu erreichen, wünschten sich die USA nach dem Ende des Kalten Krieges zwar kein instabiles, aber doch ein möglichst schwaches Russland.  Man wendete die Techniken des bekannten Schuldenimperialismus an  und war vor allem daran interessiert, Russland in einen billigen und von ausländischem Kapital abhängigen Rohstoffexporteur zu verwandeln. Einen besonders klaren Ausdruck fand dieser Grundsatz US-amerikanischer Außenpolitik in Brzezinskis Idee einer Drei- oder Vierteilung des Landes. Die damals eingeleitete Politik führte zu der geopolitischen Situation, die sich heute abzeichnet.

Der neue Kalte Krieg – ein Ergebnis der Geographie?
Der Grund für diese politische Entscheidung ist in der geographischen Lage Russlands zu suchen. In „The Grand Chessboard“ findet sich eine Karte, auf der Brzezinski das „eurasische Schachbrett“ darstellt. Darin ist der Kontinent in vier Regionen – oder um bei der Schachmetapher zu bleiben – in vier Figuren eingeteilt.
Eine Figur auf dem eurasischen Schachbrett steht für Europa etwa in der Größe der heutigen EU, eine zweite für China einschließlich einiger angrenzender Staaten, die dritte für den Nahen und Mittleren Osten mit Teilen Zentralasiens. Doch die mit Abstand größte Figur – die Brzezinski die mittlere Region nennt – stellt Russland dar. Der geopolitische Theoretiker Harold Mackinder hatte bereits Anfang des 20. Jahrhunderts eine ähnliche Einteilung vorgenommen. Darin hatte er das damalige Russland als „Zentralregion“ bzw. „Herzland“ bezeichnet. Eurasien wiederum wurde von ihm als „Welteninsel“ bezeichnet. Berühmt geworden ist folgendes Zitat von Harold Mackinder:
Wer über Osteuropa herrscht, beherrscht das Herzland (Sibirien/Zentralasien),
wer über das Herzland herrscht, beherrscht die Weltinsel (Eurasien),
wer über die Weltinsel herrscht, beherrscht die Welt.
Für Mackinder war vor 100 Jahren noch der Gegensatz zwischen Land- und Seemacht ein zentrales Reflektionsmoment seiner geopolitischen Analysen. Heute, im Zeitalter des internationalen Flugverkehrs, hat die Bedeutung dieses Moments allerdings nachgelassen, was Brzezinski auch andeutet. Doch in der zentralen Einschätzung Eurasiens als dem eigentlichen Zentrum der Welt berühren sich Brzezinskis geopolitische Analysen mit jenen Mackinders. Wie Mackinder im Hinblick auf das britische Empire sieht auch Brzezinski knapp 100 Jahre später den Machtkampf um die Vorherrschaft Eurasiens als die Schicksalsfrage jedes herrschenden Imperiums. Denn auch die USA haben – wie das britische Empire damals – eine geographische Lage, die eher abseits der so genannten „Welteninsel“ (Eurasien) angesiedelt ist. Die USA müssen als nicht-eurasische Nation ihre Weltmachtposition auf einem Kontinent durchsetzen und verteidigen, auf dem sie nicht zu Hause sind. Sie könnten somit leichter als andere Staaten aus Eurasien verdrängt werden. Dies wiederum zwingt die amerikanische Außenpolitik zu einer umso größeren und gewissermaßen präventiven Einflussnahme auf dem asiatischen und europäischen Kontinent.
Russland ist somit in den Augen US-amerikanischer Geopolitiker die zentrale Figur auf dem eurasischen Schachbrett. Die Überwindung der ideologischen Konkurrenz bedeutete nicht, dass auch die geographische Rivalität überwunden wurde. Im Gegenteil: Die geographische Lage Russlands ist aus Sicht der Vereinigten Staaten derart privilegiert, dass eine präventive Schwächung Russlands ins Auge gefasst wurde.
Die USA sind die größte Macht außerhalb Eurasiens. Wollen sie den eurasischen Kontinent dominieren, so geraten sie automatisch in einen Interessenkonflikt mit Russland. Dabei ist Russland weit davon entfernt, die stärkste Macht auf dem eurasischen Kontinent zu sein. Wirtschaftlich wird Russland nie mit China und Europa konkurrieren können. Allerdings ist das Land durch seine geographische Position im Zentrum der eurasischen Landmasse und seinen Rohstoffreichtum langfristig in der Lage, eurasische Kooperationen zu begründen. So könnten etwa vertiefte Wirtschaftsbeziehungen zwischen Russland und der EU letztere in die Lage versetzen, eine transatlantische Orientierung durch eine kontinentale zu ergänzen. Dies wiederum würde einen erheblichen Unabhängigkeitsgewinn Europas gegenüber den USA bedeuten. Für eine zunehmende Ost-Orientierung der EU spricht auch, dass russische und europäische Interessen langfristig komplementär sind. Von russischer Seite besteht eine große Nachfrage nach europäischer Technologie, während es Europa umgekehrt in der Zeit nach Peak Oil schwer gelingen wird, ohne Russland seine Energieversorgung sicherzustellen.

In ganz ähnlicher Weise könnte ein Bündnis zwischen Russland und China, wie es sich bereits in der Shanghai Cooperation Organisation (SCO) langsam herausbildet, langfristig ein zweites weltwirtschaftliches Zentrum in Asien begründen. Würde dies geschehen, so wäre es für die USA zunehmend schwierig, ihren Einfluss im Nahen Osten und Zentralasien zu wahren. Die Vormachtstellung der USA auf dem eurasischen Kontinent ist also in mehrfacher Hinsicht bedroht. Und stets kommt Russland dabei die Rolle eines hochdynamischen Akteurs zu. Da es als einziges Land in der Lage ist, den Osten und Westen Eurasiens zu verbinden, kann es bei der Entstehung einer eurasischen Interessengemeinschaft katalytisch wirken. Verstärkt wird diese Position noch dadurch, dass Russland das einzige Industrieland ist, das von der durch Peak Oil ausgelösten Energiekrise zunächst nicht betroffen sein wird.
Die geographisch begründeten Interessengegensätze zwischen Russland und den USA erklären möglicherweise die amerikanische Russlandpolitik seit dem Fall der Berliner Mauer. Der neue Kalte Krieg erweist sich insofern als die Fortsetzung des alten, als dieser nie wirklich aufgehört hat. Der Kalte Krieg wurde fortgesetzt, weil die USA mit dem Fall der Berliner Mauer nur eines ihrer beiden geopolitischen Ziele erreicht haben. Das erste Ziel war zweifellos der Sieg des Kapitalismus über den Sozialismus. Doch das zweite Ziel – und dies wird erst jetzt anhand der aktuellen Politik der USA deutlich –  war die unangefochtene Vormachtstellung der USA in Eurasien. Die amerikanischen Eliten glaubten, dass es ihnen und den USA vorherbestimmt sei, die Welt in eine post-nationalstaatliche Ordnung zu überführen, und dass zur Verwirklichung dieses Ziels die Vormachtstellung in Eurasien eine unabdingbare Voraussetzung sei.
Doch dieser Traum amerikanischer Allmacht, den Brzezinski 1997 wie selbstverständlich als legitim voraussetzt, ist in den letzten Jahren zunehmend unrealistisch geworden. Es rückt durch den rasanten Aufstieg nicht nur Russlands, sondern auch Chinas und Indiens in immer weitere Ferne. Es mutet absurd an, dass ausgerechnet in einer Zeit, da die so genannten BRIC-Staaten (Brasilien, Russland, Indien und China) ein enormes Wirtschaftswachstum generieren, die NATO erstmals ein weltweites Gewaltmonopol für sich beansprucht. Brzezinski ging 1997 noch davon aus, dass die USA für den Zeitraum einer Generation die einzige wirkliche Weltmacht bleiben könnten. Er sah die USA in einer weltweit unangefochtenen Schiedsrichterposition. Doch bereits zehn Jahre nach  Brzezinskis außenpolitischer Analyse sind die USA mit der Erschöpfung ihrer imperialen Kräfte konfrontiert. Wie soll es den USA erst möglich sein, einen fremden Kontinent gegenüber einem selbstbewussten Russland und einem erstarkten China zu dominieren. Die napoleonischen Kriege und der Zweite Weltkrieg sind zudem Beispiele dafür, dass auch schon in der Vergangenheit alle Versuche, vom Rande Eurasiens in sein Zentrum vorzustoßen, stets gescheitert sind. Wie werden sich die USA verhalten, wenn auch sie von diesem Schicksal eingeholt werden?

Zwei mögliche Szenarien zeichnen sich ab
Das hängt davon ab, ob es sich  bei den von Brzezinski 1997 formulierten Zielsetzungen um solche handelt, die fallen gelassen werden können, wenn sie sich als unrealistisch erweisen, oder ob es  sich  ganz im Gegenteil um Ziele handelt, die so sehr mit der Identität der USA, ihren Institutionen und ihren politischen Führungselite verwachsen sind, dass sie weder relativiert noch aufgegeben werden können.
Geht man vom günstigsten Fall aus, würden die amerikanischen Geopolitiker erkennen, dass die 1997 von Brzezinski formulierten Ziele sich als nicht erreichbar erwiesen haben und dass die europäischen Politiker einsehen, eine Neuauflage dieser Pläne in Gestalt einer transatlantischen Zusammenarbeit liegt letztlich nicht im europäischen Interesse. Es ist davon auszugehen, dass der Dollar in den nächsten fünf Jahren seine Position als vorherrschende Weltwährung einbüßen wird. Damit aber verlieren die USA auch einen erheblichen Teil ihrer Seignoragevorteile, die wiederum die finanzielle Basis ihrer enormen Rüstungsausgaben bilden. Viele der militärischen Basen außerhalb der USA könnten dann nicht länger finanziert werden. Fortan müssten sich die USA ihre Weltmachtposition mit eurasischen Konkurrenten wie China, Russland und Europa teilen. Es wäre gut möglich, dass sie in Folge ihrer bisherigen Politik in Zentralasien ihren Einfluss in dieser Region gänzlich verlieren.
Der Verlust der Position als einzige verbliebene Supermacht bedeutet aber auch, dass die allmähliche Entstehung einer postnationalstaatlichen Weltordnung nicht mehr in dem Maße von den USA alleine gestaltet werden kann, wie Brzezinski dies noch 1997 für möglich gehalten hat. Es ist auch fraglich, ob eine vertiefte transatlantische Kooperation hier eine Alternative ist. Der grundsätzliche Charakter der Welt im 21. Jahrhundert kann wahrscheinlich nicht mehr im selben Maße von den USA oder dem Westen geprägt werden wie in den zurückliegenden Jahrzehnten. In dem Maße, wie unterschiedliche Kontinente und Kulturkreise sich hinsichtlich eines übernationales Rahmenwerkes der zukünftigen geopolitischen Ordnung einig werden müssen, entsteht auch Raum für alternative Entwürfe. Möglicherweise würde die Vorrangstellung des Marktes als zentrale Instanz der Vergesellschaftung, die mit der kulturellen Vorherrschaft der USA sehr eng verflochten ist, erneut infrage gestellt werden. An die Stelle einer von den USA dirigierten Globalisierung würde ein Prozess der offenen Aushandlung zwischen ungefähr gleichstarken Mächten treten. Jedenfalls dürfte es in absehbarer Zeit keinen Staat geben, der die Welt in ähnlich starker Weise dominieren könnte, wie dies die USA über einen Zeitraum von mehr als einem halben Jahrhundert vermochten. In diesem Prozess der offenen Aushandlung wäre der Westen mit seiner eigenen Außenwahrnehmung konfrontiert. Die heute noch allgemein akzeptierte Vorstellung vom „guten Abendland“ würde erheblich ins Wanken geraten, wenn die Ausbeutung der Dritten Welt, die Praxis des Schuldenimperialismus und die Unterstützung von Diktaturen einmal Gegenstand einer geschichtlichen Erinnerung, ja möglicherweise sogar gerichtlichen Aufarbeitung werden würden.
Doch vielleicht ist genau dies die Zukunftsprognose, gegen die Brzezinskis Plan einer US-amerikanischen Vorherrschaft in Eurasien letzten Endes gerichtet ist. Und möglicherweise gilt dies nicht nur für Brzezinski, sondern für große Teile der amerikanischen Elite. Es ist nicht auszuschließen, dass der Glaube an die legitime Vorherrschaft der USA so eng mit dem Identitätsgefühl ihrer Elite verflochten ist, dass auch ein offensichtliches Scheitern dieser Politik nicht zu einer neuen Orientierung führt. Einige Gedanken, die Brzezinski in seinem jüngsten Buch Second Chance formulierte und die den Plan einer Vorherrschaft über Eurasien durch eine vertiefte amerikanisch-europäische Zusammenarbeit retten sollen, deuten daraufhin.[36] Dies scheint der letzte Strohhalm zu sein, nach dem er greift, um den Gedanken abzuwehren, dass die Vorherrschaft des Westens über ganz Eurasien weder politisch noch wirtschaftlich und erst recht nicht militärisch durchsetzbar ist.
Welchen Verlauf würde die Geschichte nehmen, wenn die amerikanischen und europäischen Geopolitiker – ungeachtet der neuen Machtverteilung – konsequent an jenem Plan der Vorherrschaft über Eurasien festhalten würden? In diesem Fall müsste es zu einem Zusammenstoß verschiedener eurasischer Mächte kommen. Dieser Zusammenstoß könnte sich in Form eines Kalten oder Heißen Krieges vollziehen. Ein Kalter Krieg wäre verbunden mit der Dämonisierung des Gegners in der Öffentlichkeit, wie sie sich gegenüber Russland bereits heute abzeichnet. Außerdem geht mit einem Kalten Krieg auch immer die Gefahr einer versehentlichen Auslösung eines militärischen Ernstfalls durch menschliches oder technisches Versagen einher. Da ein neuer Kalter Krieg sich nicht im Gleichgewicht des Schreckens, sondern in einer militärischen und technologischen Asymmetrie vollziehen würde, wäre damit auch die Gefahr einer Auslösung des Krieges ungleich höher als im ersten Kalten Krieg. So könnten sich die Inhaber eines Raketenschildes z.B. in falscher Sicherheit wiegen und den Krieg im Zuge einer diplomatischen Krise auslösen. Umgekehrt könnte die unterlegene Seite – die über keinen Raketenschild verfügt – den Krieg präventiv beginnen, sofern sie davon überzeugt ist, dass die andere Seite dies ohnehin langfristig plant. Der präventive Kriegsbeginn wäre dann der asymmetrische Ausgleich für das nicht vorhandene Raketenschild.
Doch ein Zusammenstoß verschiedener eurasischer Akteure könnte sich auch in Gestalt eines Stellvertreterkrieges ereignen. Ort eines solchen Zusammenstoßes wären mit hoher Wahrscheinlichkeit die ölreichen Regionen des Nahen Ostens und Zentralasiens. Wenn die durch Peak Oil hervorgerufene Energiekrise erst einmal begonnen hat, dürften diese Regionen endgültig ins Fadenkreuz aller Mächte geraten. Brzezinski nennt diese Region „den mittleren Raum“ oder auch „den eurasischen Balkan“. Für ihn ist sie allein auf Grund ihrer geographischen Lage und unabhängig von ihren Ölvorräten Dreh- und Angelpunkt jeglicher Vorherrschaft in Eurasien. Die Bezeichnung „eurasischer Balkan“ bezieht sich auf die starke ethnische Fragmentierung in diesem Gebiet. Die wichtigsten Ethnien, die sich über die ehemaligen südlichen Sowjetrepubliken westlich und östlich des Kaspischen Meeres verteilen, sind Usbeken, Kasachen, Tadschiken, Russen, Ukrainer, Georgier, Turkmenen und Kirgisen. Die ethnisch homogensten Staaten sind Armenien und Aserbaidschan, während östlich des Kaspischen Meeres die ethnische Fragmentierung sehr weit geht. Auch Iran, Afghanistan und Pakistan weisen viele ethnische Minderheiten auf. Libanon und Irak sind wiederum in schiitische und sunnitische Bevölkerungsgruppen geteilt.
Aufgrund dieser Situation ist es sehr wahrscheinlich, dass die geopolitische Konkurrenz verschiedener Mächte in dieser Region ähnlich ausgetragen werden würde wie einst auf dem europäischen Balkan. Auf dem Gebiet des ehemaligen Jugoslawien machten sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts Russland, Österreich-Ungarn, Deutschland, Frankreich und Großbritannien gegenseitig Konkurrenz. Dabei bedienten sich die Großmächte der in dieser Region vorgefundenen ethnischen Konflikte. Die Instabilität dieser Region lud ausländische Großmächte dazu ein, durch Parteibildungen und Einflussnahme ihre Interessen gegeneinander durchzusetzen. Der europäische Balkan ist ein Beispiel dafür, dass in ethnisch gemischten Regionen, in denen sich zudem die Einflusssphären verschiedener Großmächte überschneiden und kreuzen, Bürgerkriege leicht entfacht werden können.
Auf dem eurasischen Balkan konkurrieren weit mehr Mächte miteinander als einst auf dem europäischen Balkan. Die wichtigsten Akteure sind Russland, die USA, die Türkei und der Iran. Überdies ist in den letzten Jahren der Einfluss Chinas, Indiens, Pakistans und der EU immer spürbarer geworden. Eine bis zum Äußersten geführte geopolitische Konkurrenz um Einfluss in dieser Region könnte irgendwann das Feuer des Bürgerkrieges entfachen. Ansätze hierfür lassen sich bereits heute in jenen beiden Ländern beobachten, die direkt unter US-amerikanischer Besetzung stehen, nämlich im Irak und in Afghanistan. Insbesondere im Irak könnte es zu einem Bürgerkrieg zwischen Schiiten und Sunniten kommen, wobei die US-amerikanische Besatzungspolitik sich dieser Entwicklung gegenüber nicht neutral verhält:  Sie trennt die Religionsgruppen in unterschiedlichen Wohnquartieren und Zeltstädten und erreichtet sogar Mauern zwischen ihnen. Es ist ein bekanntes soziologisches Phänomen, dass solche Maßnahmen das Misstrauen zwischen den Bevölkerungsgruppen eher steigern und das religiöse Sektierertum befördern, als dass sie helfen es einzudämmen. Der US-amerikanische Journalist Seymour Hersh hat deshalb in diesem Zusammenhang seiner Regierung die Praxis „ethnischer Säuberungen“[37] vorgeworfen.
Offen ausgetragene ethnische Konflikte im Irak wären in jedem Fall fatal und könnten leicht auf den ebenfalls in mehrere Völker fragmentierten Iran übergreifen. Ethnische Konflikte in Afghanistan könnten sich wiederum nach Pakistan ausdehnen. In diesem Fall wäre davon auszugehen, dass viele der geopolitischen Akteure in dieser Region in einem solchen Konflikt nicht neutral bleiben würden. Denn die gesamten Grenzziehungen in dieser Region – die seit Jahrzehnten Bestand haben – ständen mit einem Mal in Frage. Ein Wettkampf um zukünftige Einflusszonen würde ausbrechen. Staaten, die bis dahin wenig Einfluss in einem Land besessen haben, könnten darauf spekulieren, durch die Unterstützung einzelner ethnischer oder religiöser Gruppierungen diese Macht nun zu gewinnen. Die Verlockung, auf diese Weise Interessen geltend zu machen, wäre umso größer, je reicher die von einer spezifischen Bevölkerungsgruppe bewohnte Region an Gas- und Ölvorkommen wäre.
Würde die geopolitische Konkurrenz in der Region zwischen Irak, Iran, Afghanistan, Pakistan und einigen ehemaligen Sowjetrepubliken sich tatsächlich zu einer bürgerkriegsähnlichen Situation auswachsen, wären die menschlichen Verluste kaum abzuschätzen. Denn der eurasische Balkan erstreckt sich über ein Gebiet, das mehrere hundert Millionen Menschen umfasst. Der amerikanische Historiker Niall Ferguson hat einem Artikel in Foreign Affairs mit dem Titel: „The Next War of the World“[38] sogar die These vertreten, dass ein solch grenzübergreifender Bürgerkrieg auf dem eurasischen Balkan wahrscheinlich einen neuen Weltkrieg darstellen würde. Ferguson kommt zu dem Schluss, dass die dann zu erwartenden Opferzahlen jene des Zweiten Weltkriegs übersteigen könnten. Die Foreign Affairs werden vom Council on Foreign Relations herausgegeben. Die Veröffentlichung von Fergusons Artikel in dieser Zeitschrift zeigt somit, dass der berühmteste außenpolitische Think Tank der USA einen ausufernden Bürgerkrieg auf dem eurasischen Balkan als eine Möglichkeit ansieht, mit der zu rechnen ist.
Würde eine mächtige Koalition aus verschiedenen Staaten, ähnlich wie die NATO 1999 in Jugoslawien, schließlich als „friedensstiftende“ Macht in einem solchen Konflikt eingreifen, so wäre sie nicht nur in der Position, die Grenzziehungen des Nahen Ostens und Zentralasiens neu zu bestimmen. Eine solche Koalition wäre auch in der Lage, direkten militärischen Einfluss in einem Gebiet auszuüben, das Mackinder einst als das Herzland Eurasiens und damit letztlich der Welt bezeichnet hat. Zusätzlich zu dieser geographischen Schlüsselposition gewänne eine solche Koalition außerdem noch die Kontrolle über einen beträchtlichen Teil der weltweiten Öl- und Gasvorräte, die ebenfalls in dieser Region beheimatet sind. Eine solche „friedensstiftende“ Koalition wäre somit der eigentliche Gewinner in einem solchen Krieg. Sie würde über zwei bedeutende geopolitische Machthebel zugleich verfügen: zum einen über die Kontrolle der ölreichsten Region der Welt und zum anderen die Kontrolle über eine Region, die aus geographischer Sicht den Mittelpunkt der Welt darstellt – ihr Herzland,  wie Mackinder es nannte. Wer auch immer eine vollständige Macht über den Nahen Osten und Zentralasien gewinnt, dürfte damit zugleich auch der maßgebliche Hegemon des 21. Jahrhunderts sein. Wer jedoch eine solche vollständige Kontrolle dieser Region anstrebt, gerät damit automatisch in einen Interessenskonflikt mit Russland. Denn Russland beherrscht zurzeit die nördliche Hälfte dieser Region, die entweder Teil des russischen Staatsgebiets ist oder aber in die russische Einflusssphäre fällt.

Kriege kündigen sich in der Berichterstattung an
Dass zukünftige geopolitische Konflikte mit Russland möglicherweise bereits geplant werden, wird nicht nur an dem Streit um den Raketenschild deutlich. Auch die Darstellung Russlands in der deutschen und westlichen Presse hat sich innerhalb kurzer Zeit grundlegend gewandelt. War die Berichterstattung in den neunziger Jahren von der Erleichterung darüber geprägt, dass der Schrecken des Kalten Krieges und damit auch die institutionalisierte Feindschaft in der Presse endgültig vorbei sei, so konnte man in letzter Zeit eine Rückkehr bestimmter Schemata der Berichterstattung aus der Zeit des Kalten Krieges beobachten. Sehr auffällig wurde dies in den Monaten, die den russischen Präsidentschaftswahlen unmittelbar vorausgingen. In der Zeit zwischen Oktober 2007 und April 2008 übertraf sich die etablierte Presse gegenseitig mit Meldungen, die Parallelen zwischen dem heutigen Russland und der ehemaligen Sowjetunion herstellten. Dass sich die russische Gesellschaft seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion tiefgreifend geändert, sowie eine Liberalisierung der Lebensweise stattgefunden hat und eine Rückkehr zu einem diktatorischen Gesellschaftsmodell nicht ohne weiteres denkbar ist, wird von der deutschen Presse systematisch ausgeblendet. Hinzu kommt, dass, sobald Interessenskonflikte zwischen Russland und dem Westen zur Sprache kommen, die russische Sicht der Dinge kaum erwähnt wird. Statt die wechselseitigen Interessenskonflikte zu analysieren, wird Russland als ein Land porträtiert, dessen Ansprüche an den Westen in der Regel überzogen sind und sich nicht begründen lassen. Russland, so lautet das Fazit, ist mit Drohgebärden auf die Weltbühne zurückgekehrt.
Dass das Russlandbild der deutschen Öffentlichkeit sich gegenwärtig tatsächlich wieder dem Tiefpunkt annähert, den es zu Hochzeiten des Kalten Krieges schon einmal innehatte, macht ein kurzer Blick auf die Überschriften deutlich, die in den Monaten vor den russischen Präsidentschaftswahlen in der deutschen Presse zu lesen waren: „Der ‚lupenreine Demokrat’ und seine russische Zuchtanstalt“ (Stern), „Putin plustert sich auf“ (taz), „Wladimir Putin raubt Russland die Freiheit" (Welt), „Russlands Neonazis: schon Kinder heben die Hand zum Hitler-Gruß“ (Spiegel), usw.  Immer wieder erscheinen Artikel, die Russland in die Nähe zur einstigen Sowjetunion rücken. So unterstellte die Süddeutsche Zeitung Putin ein Geschichtsbild, das „Nein zu Jelzin (und) Ja zu Stalin“ sagt. Dass der russische Präsident einige Monate später eine Gedenkstätte für Stalin-Opfer besuchte und dabei den stalinistischen Terror als eine „Tragödie für Russland“[39] bezeichnete, wurde dagegen von der SZ nicht berichtet. Ganz ähnlich verfährt die von der Bremer Forschungsstelle für Osteuropa herausgegebene Zeitschrift „Russlandanalysen“. In ihrer Dezemberausgabe des Jahres 2007 wurde sogar ein Bezug zur deutschen Vergangenheit hergestellt. Die Zeitung kommt zu dem Schluss, dass sich Russland „am Rande des Faschismus“ befindet. Angesichts der „Putin-Bewegung“, so Heinrich Vogel, der zwischen 1972–76 das Osteuropa-Institut in München geleitet hat, falle es schwer, „Erinnerungen an die Propaganda der Nationalsozialisten beim Referendum nach dem Anschluss in Österreich im Jahr 1938 mit ihrem Motto ‚Dein Ja zum Führer’ zu unterdrücken. Die Techniken faschistischer Massenmanipulation und Mobilisierung haben sich nicht verändert, und ihre Eigendynamik sollte nicht unterschätzt werden.“[40]
Sofern diese Pressedarstellungen ein Gradmesser für den Zustand der russisch-deutschen Beziehungen sind, scheinen sich diese im zurückliegenden Jahr in atemberaubendem Tempo verschlechtert zu haben. Das ist umso außergewöhnlicher, da mit Wladimir Putin ein erklärtermaßen deutschlandfreundlicher Politiker im Kreml regiert. In der Tat waren die russischen Bemühungen um eine Aussöhnung mit Deutschland in Putins Amtszeit so intensiv wie sonst vielleicht nur noch unter der Regentschaft Michail Gorbatschows. Doch die historischen Möglichkeiten einer Annäherung an Russland wurden in der deutschen Presse nie ausgelotet, geschweige denn thematisiert. Das Freundlichste, was sich über die aktuelle Russland-Berichterstattung in der deutschen Presse sagen kann, ist, dass diese extrem einseitig ist, die Komplexität der Verhältnisse unberücksichtigt lässt und positive Nachrichten über Russland systematisch ignoriert. Möglicherweise ist dieses Urteil sogar noch zu freundlich formuliert. Der ehemalige Präsident Michail Gorbatschow sprach Anfang des Jahres in einem offenen Brief an die deutschen Journalisten sogar von einer Pressekampagne, die deutsche Medien gegenüber seinem Land veranstalten würden und von der er sich als ehemaliger Präsident und Wegbereiter der deutschen Wiedervereinigung persönlich getroffen fühle.[41] Und der amerikanische Politiker Paul Craig Roberts, einst Vizefinanzminister unter Ronald Reagan und heute führender Kritiker neokonservativer Regierungspolitik, sprach im März dieses Jahres angesichts der aktuellen Berichterstattung über Russland sogar von Techniken psychologischer Kriegsführung.[42]

Europa steht vor einer Grundsatzentscheidung
Die Grundsatzentscheidung darüber, welchen weiteren Verlauf die Geschichte im 21. Jahrhundert nehmen wird, liegt wahrscheinlich weder bei den USA noch bei Russland. Die Interessen sowohl Russlands als auch der USA sind zu eindeutig und programmatisch festgelegt, als dass beide Staaten sich ernsthaft zwischen grundsätzlich verschiedenen Alternativen entscheiden könnten. Russland würde sein Interesse, die ehemaligen Sowjetrepubliken als seine natürliche Einflusszone anzusehen, wahrscheinlich nie fallen lassen. Umgekehrt scheinen die USA nicht gewillt zu sein, ihre Vorherrschaft auf dem eurasischen Kontinent kampflos aufzugeben. Die Entscheidung in diesem „Great Game“ liegt deshalb bei einem geopolitischen Akteur, der für die USA auf der einen Seite ein unverzichtbarer Partner ist, dessen eigene Interessenlage von der US-amerikanischen jedoch in wichtigen Punkten abweicht und der von verschiedenen Entwicklungsmöglichkeiten profitieren könnte, also wirklich vor einer Wahl steht.
Die einzige geopolitische Macht, auf welche diese Beschreibung zutrifft, ist Europa. Das von Brzezinski vorgelegte geopolitische Konzept amerikanischer Vorherrschaft im 21. Jahrhundert erweist sich in jeglicher Hinsicht abhängig von europäischer Kooperation. Ohne eine von der EU unterstützte Osterweiterung der NATO erwiese sich der Plan, ein von den USA dominiertes transeurasisches Sicherheitssystem zu schaffen, als unrealistisch. Auch die militärische Aufrüstung der USA gegenüber Russland wäre problematisch, wenn europäische Staaten eine Beteiligung am Raketenschild verweigern würden. Schließlich müssten US-amerikanische Rüstungsanstrengungen auch in anderen Bereichen schnell an Grenzen stoßen, wenn diese auch nur in Teilen der EU öffentlich kritisieren würden. Weder der Einsatz von Uranmunition im Irak und Afghanistan mit seinen katastrophalen Auswirkungen auf die Zivilbevölkerung noch die Entwicklung von Atomwaffen mit geringer Sprengkraft noch die Entwicklung weltraumgestützter Waffensysteme wäre ohne die schweigende Tolerierung durch die EU-Staaten möglich.
Seiner eigenen geopolitischen Lage nach kann Europa sowohl atlantische als auch eurasische Kooperationen eingehen. Eine Politik, die sich sowohl nach Westen als auch nach Osten orientieren würde, wäre den europäischen Interessen am ehesten zuträglich. Eine solche Ostorientierung der EU versuchen die USA zu verhindern. Möglicherweise spekulieren sie darauf, dass die Installation eines Raketenschildes in Osteuropa russische Reaktionen nach sich zieht. Die dadurch erzeugte Verschlechterung der russisch-europäischen Beziehungen könnte dann das Bedrohungsszenario erzeugen, das die USA brauchen, um Europa auf eine transatlantische Orientierung festzulegen.
Doch anders als der amerikanische ist der europäische Kontinent in zwei Weltkriegen verwüstet worden. Aus dieser Erfahrung resultiert eine Verantwortung Europas gegenüber der Welt, seine Entscheidungen mit dem sicheren Gespür zu treffen, wann Machtpolitik in Selbstzerstörung umschlägt. Europa ist den Weg, der direkt in die Barbarei führt, zweimal gegangen und sollte in der Lage sein, die Zeichen frühzeitig zu erkennen, mit denen sich die abschüssige Bahn der Katastrophenpolitik ankündigt. Kriegslüsterne Eroberungsträume sollten europäischen Politikern deshalb fremd sein. Sie wirken in der heutigen Welt ohnehin anachronistisch. Ein neues nukleares Wettrüsten auf europäischem Boden darf nicht zugelassen werden! Amerikanische Träume, in denen die USA in der Rolle eines zweiten Roms gesehen werden[43], sind der kulturellen Entwicklung des heutigen Menschen nicht mehr angemessen. Sollte Brüssel nicht in der Lage sein, den Regierungen Polens und Tschechiens die Stationierung US-amerikanischer Radar- und Raketenabschussanlagen auszureden, so stellt sich die Frage, welchen politischen Sinn und Zweck die Europäische Union eigentlich noch hat. Im Übrigen ist die kulturelle Ausstrahlung Europas stark genug, und die EU verfügt zudem über genügend wirtschaftliche Druckmittel, um die politische und gesellschaftliche Entwicklung in Russland in ihrem Sinne zu beeinflussen. Voraussetzung ist natürlich, dass man die Legitimität russischer Interessen anerkennt. Und schließlich ist Angst vor Russland auch faktisch ganz unangebracht. Die Erholung und Stabilisierung des Landes bedeutet noch lange nicht, dass Russland allzu bald eine Weltmacht werden wird. Dazu ist die ethnische Fragmentierung in seinen südlichen und östlichen Provinzen zu groß. Die Größe des Landes stellt auch ein Eigengewicht dar, das Kräfte bindet und außenpolitischen Abenteuern eher im Wege steht. Und auch ein wirtschaftlich erholtes Russland wird immer noch deutlich schwächer sein als die Wirtschaftsräume Chinas und Europas. Nichtsdestotrotz liegen die zukünftigen wirtschaftlichen Wachstumsräume in Russland, Indien und China, und es wäre daher ein Selbstverrat europäischer Interessen, wenn die EU sich an dem von den USA geplanten neuen Kalten Krieg beteiligt und es zulässt, dass ein neuer eiserner Vorhang Europa von Asien trennt.
Auch in anderen Bereichen ist es erforderlich, dass die Europäische Union den USA selbstbewusst entgegentritt. Wie alle Industrienationen sind auch europäische Staaten an einem günstigen Zugang zu den Ölvorräten im Nahen und Mittleren Osten interessiert. Dies gilt insbesondere vor dem Hintergrund von Peak Oil. Die USA tragen erhebliche Mitverantwortung dafür, dass präventive Maßnahmen zur Bewältigung der kommenden Energiekrise bislang kaum ergriffen worden sind. Versuchen, die zukünftige Energieknappheit vorzugsweise militärisch zu lösen, sollte Europa eine klare Absage erteilen. Der Irak ist ein Beispiel dafür, dass eine militärische „Lösung“ auch gar nicht möglich ist. Es wäre deshalb dringend nötig, eine internationale Konferenz zu dem Thema einzuberufen und international abgestimmte Strategien zu entwerfen, die auch Länder wie Russland, China und Indien als gleichberechtigte Partner mit einbeziehen.
Brzezinskis geopolitische Analysen besitzen eine Eigenlogik mit hoher Überzeugungskraft. Doch dies darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass ihre Prämissen falsch sind. Eurasien als Schachbrett zu betrachten, ist auf den ersten Blick eine originelle Idee. Doch wie so viele Ideen, die Geschichtsmächtigkeit beansprucht haben, erweist sie sich bei genauerer Betrachtung als geistig leer und politisch verheerend. Die Welt ist im 21. Jahrhundert sehr klein und zerbrechlich geworden. Geopolitische Machtspiele, mit denen die Logik eines Schachspiels auf Kontinente übertragen wird, können dieser neuen Situation nicht gerecht werden. Es ist daher erforderlich, die geopolitische Logik an sich zu relativieren und in Zweifel zu ziehen. Statt den geopolitischen Machtkampf bis zum Äußersten zu treiben, käme es darauf an, der geopolitischen Denkweise eine Logik der Zivilisation entgegenzustellen. Viel wichtiger als die Frage, ob das 21. Jahrhundert ein amerikanisches, europäisches oder chinesisches sein wird, ist die Frage, auf welchen Prämissen wir im 21. Jahrhundert das Leben der menschlichen Gattung begründen wollen. Die USA haben mit Guantánamo und der Grünen Zone in Bagdad ihre Vorschläge bereits eingereicht. Nun ist Europa am Zuge. Europa hat die Kraft und die Möglichkeit, die US-amerikanischen Welteroberungspläne zu begraben. Und Europa sollte dies im Interesse der Zivilisation auch tun.

Der Artikel erschien in gekürzter Fassung in „Blätter für deutsche und internationale Politik“, Heft 7, 2008.



[1] Zbigniew Brzezinski, Second Chance, New York 2007,  S. 39
[2] Zbigniew Brzezinski, Die einzige Weltmacht - Amerikas Strategie der Vorherrschaft, Berlin 1997, S. 307
[3] Ebenda, S. 57
[4] Ebenda, S. 54 - 58
[5] Zbigniew Brzezinski, Die einzige Weltmacht - Amerikas Strategie der Vorherrschaft, Berlin 1997, S. 64
[6] Ebenda, S. 283
[7] Ebenda, S. 304 - 306
[8] Ebenda S. 91
[9] Ebenda, S. 129
[10] Ebenda, S. 303
[11] Ebenda, S. 305
[12] Ebenda, S. 297
[13] Rede von Wladimir Putin auf der Konferenz für Sicherheitspolitik in München am 10. 02. 2007, Was ist aus den Garantien geworden?, in: Blätter für deutsche und internationale Politik, März 2007, S. 374
[14] Zbigniew Brzezinski, Die einzige Weltmacht - Amerikas Strategie der Vorherrschaft, Berlin 1997, S. 307
[15] Ebenda, S. 91
[16] Ebenda, S. 298
[17] Ebenda, S. 307
[18] Rede von Wladimir Putin auf der Konferenz für Sicherheitspolitik in München am 10. 02. 2007, Was ist aus den Garantien geworden?, in: Blätter für deutsche und internationale Politik, März 2007, S. 374
[19] Wolfgang Metzner, Uli Hauser, Uran-Munition: Der Fluch des Krieges, Stern, 20.03.2003
[20] Keir A. Lieber, Darley G. Press, The Rise of U.S. Nuclear Primacy, Foreign Affairs, April/Mai 2006, S. 42 - 54
[21] Elmar Getto, Sind Mini-Nukes harmlos?, in: Journalismus – Nachrichen von heute (oraclesyndicate.twoday.net/), 1. März 2006
[22] Eine Information der Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges, Ärzte in sozialer Verantwortung e. V., Die Bedrohung der Zivilbevölkerung durch erdeindringende Atomwaffen geringer Sprengkraft - Nukleare “Bunkerknacker” und ihre medizinischen Folgen, in: IPPNW akzente, März 2003
[23] Seymour M. Hersh, The Iran Plans, The New Yorker, 17. April 2006
[24] Wladimir Putin, Im Wortlaut: Was Wladimir Putin am 4. Juni 2007 wirklich sagte, in: TLAXCALA (http://www.tlaxcala.es/pp.asp?reference=3497&lg=de)
[25] Zbigniew Brzezinski, Die einzige Weltmacht - Amerikas Strategie der Vorherrschaft, Berlin 1997, S. 142 ff.
[26] Ebenda, S. 168
[27] Ebenda, S. 288
[28] Ebenda, S. 288/289
[29] Zbigniew Brzezinski, Die einzige Weltmacht - Amerikas Strategie der Vorherrschaft, Berlin 1997, S. 180
[30] Vgl.: Zbigniew Brzezinski, Second Chance, New York 2007,  S. 189
[31] Zbigniew Brzezinski, Die einzige Weltmacht, Berlin 1997, S. 178
[32] „Order, Order: Can Mikhail Gorbachev deliver the Soviet Union from chaos without restoring centralised autocracy?“  The Economist, 22. Dezember 1990
[33] Naomi Klein, Russland und die neuen Flegeljahre des freien Marktes, in: Die Schock-Strategie, Frankfurt a. Main 2007 S. 349 - 354
[34] E.S. Browning, Bond Investors Gamble on Russian Stocks, Wall Street Journal, 24. März 1995
[35] Naomi Klein, Russland wählt die ’Pinochet-Option’, in: Die Schock-Strategie, Frankfurt a. M. 2007, S.323
[36] Vgl.: Zbigniew Brzezinski, Second Chance, New York 2007,  S. 186 - 188
[37] „Doch in meinen Augen ist „the surge“ lediglich ein anderer Ausdruck für „ethnische Säuberungen“. Seymour Hersh, Die Brüchigkeit der Demokratie, Blätter für deutsche und internationale Politik, November 2007, S.1364
[38] Niall Ferguson, The Next War of the World, Foreign Affairs, 11. September 2006
[39] „Die Periode der Repression stelle eine besondere Tragödie für Russland dar. Das Ausmaß sei kolossal gewesen, die nationale Elite sei zerstört worden.“ Putin besucht Gedenkstätte für Stalin-Opfer, NZZ 31.10.2007
[40] Heinrich Vogel, Machtwechsel als Hütchenspiel, Russlandanalysen, Nr. 154, 21.12. 2007, S. 4
[41] Michail Gorbatschow, Offener Brief von Michail Gorbatschow, Russland.ru – Die Internetzeitung, 26.03. 2008
[42] Paul Craig Roberts, Secret Schemes and Undeclared Agendas, Counterpunch, 24.03.2008
[43] Vgl.: Anne Norton, Leo Strauss and the Politics of American Empire, New Haven 2004